Выбрать главу

»Puppenspieler! Seht euch das an: Wie ich es vermutet habe!« Ingrimmsch grinste. »Zwerge lassen sich nicht von euch übers Ohr hauen, ihr Memmen!« Lachend sprang er mitten unter sie und ließ den Krähenschnabel kreisen; die Zhadär und Tungdil folgten ihm.

Die Holzlatten, die ihnen zur Abwehr entgegengehalten wurden, fielen, von wuchtigen Schlägen zertrümmert, auf den Stein, und der Kampfwahn packte Ingrimmsch und zog ihm die rote Maske über.

Laut juchzend drosch er auf die Leiber vor sich ein, spürte das Blut, hörte die Schreie der Sterbenden und Verwundeten - bis ihn die laute Stimme seines Freundes erreichte. Mühsam stemmte er sich gegen das heiße Fieber, gegen die Glut in den Adern und drängte die Mordgier zurück. Er rieb sich über die Augen und betrachtete die Folgen des Gemetzels.

Die Menschen lagen tot am Boden.

Ihr Widerstand war sehr gering und für Ingrimmsch enttäuschend gewesen. Er trat laut atmend gegen den getrockneten, ausgestopften Drachenkopf. Schweiß lief ihm den Rücken hinab. »Ha! Tot!« Schlecht gelaunt säuberte er seine Waffe. »So eine Sauerei! Ich werde mir doch keinen Geschuppten auf meine Liste schreiben dürfen.« Hargorin kam mit einem Trupp seiner Leute um den Stein, um ihnen gegen den vermeintlichen Drachen beizustehen. Er ließ sie anhalten und betrachtete die Überreste der Feinde und des Ungeheuers. »Wielgar wird uns einiges erklären müssen«, lautete seine einzige Bemerkung dazu. Auch Coira, Mallenia und Rodario erreichten den Schauplatz und starrten fassungslos auf das Blutbad und den Drachenkadaver. »Dazu brauche ich Wielgar nicht.« Boindil sah zu Tungdil. »Der Drache ist irgendwann gestorben, und die Lohasbrander haben seinen Tod vertuscht. Damit die Weyurner ihnen weiterhin gehorchen. Und die Schweineschnauzen, nehme ich an.« Der Einäugige nickte.

Die Maga ballte die Fäuste. »Zu Tion mit diesen Bastarden! Sie haben den Tod wahrlich dreifach verdient. Wie lange haben sie uns wohl schon zum Narren gehalten?« Sie wollte es beinahe nicht wissen, um sich keine Vorwürfe machen zu müssen. Ohne die Furcht vor den Vergeltungsschlägen des Drachen hätten sie die Besatzer schon lange aus dem ehemaligen Inselreich werfen können, während sich ihre Mutter gewiss viel früher von den Fesseln befreit hätte. Dann wäre sie heute noch am Leben und nicht gegen die Albae gefallen...

Niemals gekannter Hass flammte in ihr auf, und sie wollte den Letzten der Bande spüren lassen, welche Gefühle in ihr herrschten. Coira flog auf den Absätzen herum und eilte zurück zur Baracke, um sich Wielgar vorzunehmen.

»Ihr nach.« Tungdil rannte hinterher und überließ es Hargorin und Barskalin, die verwundeten Feinde zu töten sowie die Höhle zu sichern.

Sie erreichten die Hütte rechtzeitig genug, um mit anzusehen, wie die Maga dem schreienden, zappelnden Wielgar die Ohren abschnitt und sie ihm vor die Knie warf. Sie holte zum Stoß gegen sein Herz aus, als ihr Tungdil in den Arm fiel und sie spielend leicht zurückschob.

»Nein, Königin. Erst muss er uns noch Fragen beantworten, danach überlasse ich ihn Euch und Eurer Rache«, sagte er beruhigend. Rodario und Mallenia hielten sie, während Coira noch immer das Messer in der Hand führte und sich auf den Gefangenen werfen wollte.

Tungdil stand vor Wielgar, dem das Blut rechts und links in Strömen über die Schultern lief. »Wir haben deine Freunde besiegt, Lohasbrander. Seit wann treibt ihr euer Spiel mit den Bewohnern Weyurns?«

»Alles verloren. Alles aus.« Der Mann schluchzte und ließ sich in die Fesseln hängen. Ingrimmsch schüttete ihm Wasser über. »Rede, Langer. Sonst suche ich mir Salz und reibe es in deine Wunden.«

»Seit vierzig Zyklen«, wimmerte er.

»Vierzig?«, schrie Coira außer sich. »Ihr habt die Menschen unnötige vierzig Zyklen lang in Angst leben lassen, damit ihr wie die Götter leben konntet?« Wieder warf sie sich nach vorn. Ohne Mallenia und Rodario hätte sie den Mann niedergestochen. »Ich verfluche dich, Wielgar! Dich und deine Bande!«

Der Lohasbrander schluchzte. »Wir fanden den Drachen eines Morgens tot in einer Schlucht und wussten, dass unsere Herrschaft vorbei wäre, wenn es bekannt würde. Also haben wir ihn geborgen und ausgestopft, damit wir die Orks täuschen konnten und sie uns gefügig blieben.«

»Wie ich es gesagt habe«, meinte Ingrimmsch zufrieden und kreuzte die Arme vor der breiten Brust.

»Du bist ganz ein Schlauer«, erwiderte Slin.

»Einmal zumindest«, fügte Balyndar an.

Tungdil gab Wielgar einen Tritt. »Wie viele Orks habt ihr?«

»Die, welche ihr getötet habt, und eintausend in Weyurn. Mehrsind es nicht mehr«, heulte der Mann. »Die Zwerge haben den Durchgang nach Westen versperrt und lassen keinen weiteren Ork mehr hinein.«

Ingrimmsch richtete sich stolz auf. »Das wird Balyndis freuen. Ihr Stamm leistet ganze Arbeit. Vraccas hat sie mit stählernem Willen gesegnet.« An den Menschen gerichtet, fragte er: »Wo sind eure Schätze abgeblieben?«

Wielgar schniefte, Rotz und Speichel rannen ihm übers Gesicht. »Wir haben schon längst alles ausgegeben. Es ist nichts mehr übrig. Deswegen haben wir die Abgabenlast erhöht, um wieder zu Reichtum zu gelangen.«

Coira spie ihn an. »Ihr seid schlimmer als Orks, als der niedrigste Abschaum!«, zischte sie. »Das eigene Volk zu knechten und zu täuschen, wegen Habgier!«

Wielgar senkte den Kopf und jammerte leise vor sich hin.

Tungdil kam auf die Maga zu. »Königin, Euer Reich hat seine Freiheit schneller erlangt, als wir es vermuten konnten. Die Meldereiter der Schwadron werden die Botschaft im Land verkünden, und wir geben ihnen Stücke des Drachenkopfes als Beweis mit.« Er sah sie streng an. »Ihr werdet mich dennoch in den Süden gegen Lot-Ionan begleiten.« »Ich...« Sie wollte etwas erwidern.

»Jetzt ist Eure Hilfe dringender notwendig als jemals zuvor. Da Lohasbrand nicht länger als Gegner für Lot-Ionan existiert, sind Eure Künste erforderlich und für das Geborgene Land überlebensnotwendig.« Das Braun seines Auges schien sich zu verdunkeln. »Gelingt es uns nicht, den Magus niederzuringen, wird das Unheil aus der Schwarzen Schlucht strömen. Nicht einmal die Eoil und die Avatare waren derart schlimm und mächtig wie das, was über uns herfallen wird.«

Coira schluckte und sah zu Mallenia. »Ja. Sicher werde ich Euch folgen, Großkönig«, entgegnete sie schwach. »Ohne Euch und Eure Tatkraft wäre es mir niemals in den Sinn gekommen, ins Rote Gebirge zu gehen und meine Untertanen zu befreien. Ich stehe in Eurer Schuld. Mein Land steht in Eurer Schuld.«

Er nickte ihr zu und lächelte. Wie der alte Tungdil, fand Ingrimmsch. »Ich danke Euch. Wir rasten einen Umlauf lang, und danach brechen wir sofort ins Blaue Gebirge auf. Den Ersten lassen wir Botschaften hier. Früher oder später werden sie sie finden. Wir haben nicht die Muße, eine Expedition in den Westen zusenden, um sie zu suchen.« Er verließ die Baracke, um Hargorin und Barskalin zu unterrichten.

Mallenia und Rodario ließen die Maga los.

»Geht bitte hinaus«, sagte Coira heiser und hob den Arm mit dem Messer. »Ich möchte mit dem Abschaum allein sein.« Tränen der Wut standen in ihren Augen. Sie verließen den Raum, und als Ingrimmsch die Tür zuzog, erschallte Wielgars erster Schrei.

»Das hätte ich ihr nicht zugetraut«, befand Rodario. »Sie machte immer einen so zarten Eindruck. Einen freundlichen Eindruck.«

»Bedenkt, was ihr durch die Lohasbrander angetan wurde.« Mallenia konnte sich sehr gut in die Königin hineinversetzen. Sie wünschte sich, jeden Alb einzeln in die Finger zu bekommen und ihn den Schrecken spüren zu lassen, den er zyklenlang verbreitet hatte.

Wielgar schrie wieder, laut und schrill. Voller Todesfurcht.

»Werdet Ihr gegen die Vasallen der Schwarzaugen ähnlich vorgehen wie Coira?« Der Schauspieler sah sie gespannt an.

»Es wird Gerichtsprozesse geben. Wir werden sie fangen, über sie urteilen und richten, je nach Schwere der Verbrechen, die sie begangen haben.« Die Ido sah zu Hargorin. »Er ist das beste Beispiel dafür, wie sehr man sich täuschen kann.«