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»Ich... will nicht alles sehen«, wich sie aus.

Mallenia drehte den Kopf nach vorn. »Ich schon. Soll ich Euch seinen kleinen Rodario beschreiben? Es beginnt damit, dass ich ihn nicht klein nennen würde...« »Das reicht!«, unterbrach Coira sie rasch. »Lasst ihm seine Würde.«

Die Ido lachte leise und blickte die Schwarzhaarige an. »Was tun wir, Königin? Teilen wir ihn uns, oder müssen wir um seine Zuneigung buhlen? Oder werden wir uns seinetwegen einen Kampf liefern und in unendliche Feindschaft verfallen, die Weyurn und Idoslän in den Krieg führt?«

»Wir könnten ihn auch umbringen. Das wäre das Einfachste.« Coira seufzte. Mallenias Augen funkelten amüsiert. »Da sprecht Ihr wahre Worte gelassen aus. Aber so weit wollte ich nicht gehen. Er kann nichts dafür, dass wir uns beide in ihn verliebt haben.«

»Er hätte nur einer von uns beiden den Hof machen können«, hielt die Maga dagegen. »Und wenn ich es recht bedenke, seid Ihr mir gegenüber im Vorteil. Ihr hattet schon zwei Küsse.«

»Den ersten zähle ich nicht.« Mallenia legte ihr die Hand auf die Schulter. »Wir beide sollten unsere Freundschaft nicht durch ihn entzweien lassen. Ich schulde Euch mein Leben, das werde ich niemals vergessen.« Sie wurde ernsthafter. »Wollt Ihr, dass ich mich nicht weiter um ihn kümmere? Dann sagt es, ich werde mich Eurem Wunsch beugen.«

Coira schüttelte den Kopf. »Das wäre unlauter.«

Die Ido lächelte sie an. »Damit habt Ihr noch mehr meines Respekts erworben.« Sie deutete hinaus auf den kleinen Teich. »Geht und helft ihm beim Baden, Königin.« »Nein!«, rief sie erschrocken. »Das kann ich nicht.«

»Nur so werdet Ihr erfahren, was er von Euch möchte und wie es um seine Empfindungen für Euch bestellt ist. Zögert nicht. Ich tat es zu lange.« Mallenia versetzte ihr abrupt einen Stoß, der die Maga aus dem Gebüsch warf.

Sie taumelte durch die raschelnden Zweige und machte ein paar Schritte auf den Bachlauf zu, ehe sie sich gefangen hatte. Noch bevor sie zurück in Deckung gelangte, hatte Rodario sie bemerkt und etwas gerufen.

Coira verstand nicht, was er sagte. Mallenia gab ihr aus dem Busch heraus den Wink, nach oben zum Wasserfall zu gehen, dann verschwand ihr Gesicht. Nun denn, sagte sich die Maga und schritt auf die Kaskade zu, die sie mit Wassernebel bedachte und ihr Gesicht, ihre Haare und die oberste Lage ihrer Kleidung benetzte.

»Ich dachte, ich komme auf Euer Angebot zurück«, rief sie gegen das laute Platschen und stand so, dass sie ihn nicht anstarren konnte. Oder seinen kleinen-großen Rodario. »Sehr freundlich«, gab er nicht weniger leise zurück. Er schritt an ihr vorbei, bückte sich und zeigte ihr dabei sein straffes Hinterteil; schnell wandte sie sich ab. »Ich bin fertig. Aber ich wache nun über euch.« Er streifte sich das lange Untergewand über und verdeckte die Nacktheit. »Darf ich Euch beim Entkleiden helfen? So seid Ihr es wohl als Prinzessin gewohnt.«

»Höchstens von meiner Zofe, aber nicht von einem Fremden.« Sie bedeutete ihm, sich abzuwenden, während sie sich Lage für Lage aus der Kleidung schälte. Bis auf die Handschuhe. Die Luft war kühl, und sie schauderte. Rasch stieg sie ins Wasser, das erstaunlich warm war. »Ihr dürft Euch wieder umdrehen.« Rodario hockte sich an den Rand und betrachtete die Maga mit einem undurchschaubaren Lächeln. »Ihr habt merkwürdige Badegewohnheiten«, sagte er und zeigte auf die Handschuhe. »Weswegen?«

»Sie... sind mit einem Zauber belegt. Ich ziehe sie niemals aus.«

»Mit einem Zauber?« Er hängte die Beine in den Teich und betrachtete sie. »Was denn für einer? Sind Eure Finger so hässlich, dass Ihr sie verbergen müsst? Oder habt Ihr von alchimistischen Experimenten Dreck unter den Nägeln, der sich nicht mehr lösen lässt?«

Sie spritzte mit Wasser nach ihm und achtete darauf, bis zum Hals oder den Schultern unter der Oberfläche zu bleiben. Coira wunderte sich noch immer über sich selbst. Was erwartete sie von ihm? Dass er frech genug wäre und zu ihr hineinstiege? Dass er sich wie ein Ehrenmann verhielte? Wie benahmen sich Helden, wenn sie nicht gerade gegen Unrecht und Unterdrückung kämpften? »Ihr verhöhnt mich.«

»Niemals!« Plötzlich ging sein Blick an ihr vorüber, in den Teich. »Kennt Ihr die Geschichte vom Mondteich? Durch den die Albae ins Geborgene Land gelangten? Der gute Boindil erzählte sie mir... gut, er ist kein Könner, wenn es um die Liebesgeschichte unter Elben geht, aber die Todesszenen bereiteten ihm sehr viel Vergnügen. Ich lege den Schwerpunkt etwas anders.« Er gab die Erzählung zum Besten, und Coira lauschte, während sie im Wasser schwamm. »Was glaubt Ihr? Denkt Ihr, dass es noch mehr solcher Zugänge gab?« Wieder richtete er seine Augen auf den Teich. »Jetzt verstehe ich es!« Sie lachte. »Ihr wollt mir Angst einjagen!«

»Nein. Aber wir befinden uns in Rän Ribastur, dem verwunschenen Land, wenn man so möchte. Es muss ja nicht gleich ein Alb sein, der aus den Fluten reitet, doch es könnte etwas unter Euch lauern«, meinte er leichthin und paddelte mit den Füßen. »Ich werde es mal wecken! So eine schöne Frau wird es nicht oft gesehen haben.«

Sie wollte ihm etwas zurufen - da spürte sie eine Bewegung an ihrem rechten Fuß. Sie konnte den leisen Schrei nicht aufhalten, und Rodario hielt mit dem Planschen inne. »Da war etwas!«

»Jetzt wollt Ihr mich reinlegen«, erwiderte er mit einem schelmischen Lächeln. »Nein, ich...« Etwas Dünnes wickelte sich um ihren rechten Unterschenkel und schnürte sich zu. Coira starrte unter sich ins Wasser, doch sie erkannte nichts. Die Blasen waren zu dicht. Dann verstärkte sich der Zug abwärts. Sie reckte Rodario die Arme entgegen. »Zieht mich raus!«, verlangte sie furchtsam.

Rodario erkannte an ihrem Gesicht, dass sie keinen Spaß machte. Sofort packte er die Finger und zog daran. Der Widerstand brachte ihn zum Keuchen.

»Wartet!« Er zog die Beine an und stemmte sich gegen den Felsboden. Erst jetzt gelang es ihm, die Maga aus dem Teich zu hieven. In diesem Moment hatte er keine Augen für die Brüste der jungen Frau und ihren schlanken Leib. An ihrem Unterschenkel sah er etwas, das einem weißlichen Tentakel glich. Er ließ unvermittelt von dem Opfer ab, und Coira schoss durch den kräftigen Zug des Mimen aus dem Wasser.

Rodario kippte nach hinten, und die Maga landete der Länge nach auf ihm. Beide verharrten.

»Es hat mich losgelassen«, sagte Coira und blickte nach hinten. Gewundene rote Streifen zogen sich an ihrem Bein entlang, aber sie hatte keine Verwundungen davongetragen. Wütend und vorwurfsvoll zugleich sah sie Rodario an. »Das ist Eure Schuld! Ihr habt dieses... Ding dazu gebracht, mich zu packen!«

»Es war nur ein Einfall«, verteidigte er sich. »Konnte ich ahnen, dass der Teich Einfälle wahr werden lässt?« Er hatte seine Hände rechts und links des Kopfs gelegt, in einer hielt er etwas aus Leder.

»Ihr sagtet doch, dass das Land verwunschen wäre! Damit hättet Ihr rechnen können!« Coira redete sich in Wut, auch wenn sie bis zu einem gewissen Grad gespielt war. Da sie nackt war, blieb sie notgedrungen liegen, um dem Schauspieler nicht mehr von sich zu zeigen. Nicht noch einmal. »Und wenn es rauskommt?«

»Aber Ihr solltet Magie erkennen können, oder etwa nicht?«

Coira öffnete den Mund, um eine boshafte Erwiderung zu geben. Da trafen sich ihre Blicke und verschmolzen miteinander. Ihre Körper tauschten gegenseitig Wärme aus und fachten das Feuer im Innern an, das Dichter und Barden so oft besungen hatten. Keiner der beiden vermochte sich dagegen zu wehren, als sich ihre Lippen aufeinander zubewegten und sich sanft küssten.