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Weiße Energiebahnen legten sich um den Ring und verhinderten, dass er sich weiter zuzog, dann jagten sie die Ketten entlang in die Hände der Lohasbrander. Fauchend entzündeten sich deren Finger, als bestünden sie aus trockenem Holz. Rasend schnell tanzten die Lohen auf der Haut nach oben, huschten unter die Rüstungen; gleich darauf stieg Rauch aus den Kragenöffnungen. Kreischend ließen die Wächter die Ketten los und schlugen sich auf die Kleidung, um das Feuer darunter zu löschen. Es dauerte nicht länger als zwei kurze gesprochene Sätze, und sie stürzten verkohlt nieder.

Klirrend zersprang der Eisenring um Weys Hals und fiel in glühenden Fragmenten vor ihre Füße. Die Königin sah zu Girin, der sein Schwert gezogen hatte und vor dem großen Fenster stand. Er zitterte am ganzen Leib. »Hast du wirklich geglaubt, dass ich keinerlei Magie mehr in mir trage, Lohasbrander?«, sprach sie zornig.

»Der Drache wird kommen und dich vernichten!«, sagte er. »Er wird Weyurn vernichten, in einem Feuermeer untergehen lassen und die Seen austrocknen!« »Der Drache wird hiervon nichts erfahren. Aber von dir und den Albae, die sich einen Kampf mit dir lieferten. Im Palast. Es wird eine heldenhafte Geschichte über dich sein. Freue dich darüber.« Coira lächelte und trat zu Rodario. Ein kurzer Blitz, und seine Fesseln waren zerstört. »Wir werden ihm anbieten, sie zu suchen. Denn schließlich liegt uns das Wohl Weyurns ebenso am Herzen wie ihm, wenn auch aus anderen Gründen. Er wird unser Angebot annehmen, das ist gewiss.«

»Aber vorher«, Wey ging mit kleinen Schritten auf ihn zu, »musst du sterben, um unsere Geschichte vollkommen zu machen.«

Girin schlug mit dem Schwert gegen das große Fenster und zertrümmerte vier der Scheiben. Ein starker Wind schoss durch das Loch und fegte die leichteren, losen Gegenstände im Raum umher. Vorhänge wehten, Papier, Deckchen, leere Gläser landeten auf dem Steinboden. Ein Klirren und Rascheln erfüllte die Luft. »Niemals!«, schrie er und sprang hinaus. Der Präses wusste, dass er im See landen würde, auch wenn es einen unendlich tiefen Sturz bedeutete.

Rodario wollte es nicht der Fügung überlassen, ob der Mann starb oder nicht. Unerwartet schnell bückte er sich nach einem der toten Wächter, zog einen Dolch und schleuderte ihn gegen den Präses.

Die Klinge fuhr ihm durch den Nacken, der Körper verlor jegliche Spannung, und die Hand gab das Schwert frei. Rodario war zufrieden.

Sie eilten alle drei nach vorn und verfolgte den Fall der Leiche. Sie sahen Girin als schwarzen Strich, der den dunklen Wellen entgegenflog.

»Mindestens... achtzig Schritte. Der Aufschlag auf dem Wasser hätte ihn ohnehin zerrissen«, sagte Rodario genüsslich voraus. »Da hat er nicht mitgedacht.« Coira überlegte, ob Rodarios Wurf auf Glück oder etwas anderem beruhte. Sie kam zu keinem vernünftigen Schluss. Gemeinsam sahen sie, wie der Lohasbrander in den See eintauchte und verschwand.

»Brauchen wir seinen Leichnam?«, fragte sie Wey.

»Es wäre besser. Wir haben zwar genügend Tote, um es dem Drachen glaubhaft zu machen, dennoch wird der Kadaver des Präses am meisten auslösen.« Ihre Augen richteten sich auf das Boot, das sich zum Strand bewegte. »Da rudert der Ork, den er ausgesandt hat, den Nachtmahr zu suchen.«

Coira hatte verstanden. »Ich sorge dafür, dass er sich nicht absetzen kann, falls er gesehen hat, wer aus dem Fenster gefallen ist.« Sie umarmte ihre Mutter und hielt sie lange fest. »Wie lange habe ich darauf warten müssen!« »Eine Ewigkeit. So kam es mir vor.« Wey hatte die Augen geschlossen und die Arme um den Oberkörper der Tochter gelegt.

Rodarios Herz klopfte wild. »Was machen wir denn nun?«, erkundigte er sich aufgeregt. »Wie sieht der Plan aus? Ihr habt doch einen?«

»Zum Teil«, erwiderte Coira und löste sich von der Königin. »Wir lassen den Drachen im Glauben, dass die Albae seine Männer umgebracht haben. Danach sehen wir, was sich ergibt. Im besten Fall ruft er zum Krieg gegen sie. Während sie sich schwächen, können wir weitere Unternehmungen angehen.« Sie kam auf ihn zu und drückte ihn an sich. »Ihr seid willkommen, Eure Gedanken unserer Rebellion beizusteuern.« Rodario wurde heiß. Er spürte sie, und in seiner Vorstellung sah er sie nackt. Wie auf dem Grund der Quelle. »Sehr gern, Prinzessin«, hauchte er und hob unbeholfen die Arme. Durfte er sie umfangen oder nicht?

Ehe er sich entschlossen hatte, ließ Coira ihn los. »Ihr seid ein Schatz, Rodario der Siebte!«

»Ich hätte schon einen Vorschlag!«, beeilte er sich zu sagen. »Wie wäre es, wenn wir das Volk glauben lassen, dass der unbekannte Poet der Freiheit noch immer lebt?« Er streckte sich. »Ich werde sein Erbe antreten - jedenfalls, was das Reimen angeht.« Coira nickte, wenn auch nicht gerade begeistert. »Ihr traut Euch das zu? Nichts gegen Eure Dichtkunst...«

»Ich lerne schnell. Ihr werdet es sehen.« Er verneigte sich tief. »Ich verspreche Euch sogar, dass Ihr überrascht sein werdet, wie schnell.«

Da schimmerte es wieder auf, wie Coira fand - das Bild eines anderen Rodarios, der männlich war und Dolche sehr genau schleuderte. Nun war sie auf die Zeilen gespannt. Wey stand noch immer am Fenster und betrachtete den See. »Kümmere dich um die Grünhaut, Coira«, befahl sie. »Er hat das Ufer gleich erreicht.« Sie drehte sich zu ihnen. »Ich werde derweil mit unserem neuen Poeten sprechen. In ihm scheint sich ein verkannter heller Geist zu verbergen.«

Rodario verbeugte sich vor der Königin. »Zu Diensten, Hoheit!«

Das Jenseitige Land, sechsundsiebzig Meilen südwestlich der Schwarzen Schlucht, 6491. Sonnenzyklus, Winter.

Der flache Kopf des Krähenschnabels prallte gegen Tungdils gerüstete Brust, und wieder flammten die Runen auf der Tioniumpanzerung auf, als wollten sie der Sonne und allen Nachtgestirnen zusammen die Gegnerschaft erklären.

Ein Blitz fuhr die Waffe hinauf bis zum Griff - und schoss schräg nach oben in die Decke; dann fiel der Krähenschnabel auf den Boden.

»Ha!« Boindil stand neben den Füßen des liegenden Zwerges. »Dieses Mal habe ich keinen magischen Schlag erhalten.« Er grinste und strich sich den Bart glatt, an dem sich einzelne Härchen durch die Entladung aufgerichtet hatten. »Wenn ich die Waffe vorher loslasse und nach hinten springe, kann die Energie nicht übertragen werden. Ho, Gelehrter, was sagst du nun: Bin ich schlau oder bin ich schlau?« Er hob den Krähenschnabel auf und betrachtete den Metallkopf. »Mh. Er sieht heil aus.« Ingrimmsch reckte die Hand nach Tungdil. »Was ist mit dir? Kannst du dich wieder bewegen?«

Tungdil zwinkerte. »Ich sehe nur helle Lichter, die vor meinen Augen tanzen«, sagte er missmutig und hob den rechten Arm. Die Finger der Freunde schlossen sich ineinander, und gleich danach stand er neben dem Zwilling. »Doch es hat geholfen. Brachial und selbstzerstörerisch, aber wirkungsvoll.«

Boindil lachte dröhnend. »Selbstzerstörerisch wohl kaum.« Er sah nach dem kuhgroßen Loch in der Decke, welches die Magie geschlagen hatte. »Ich weiß jetzt immerhin, was ich unternehmen kann. Falls du wieder umfallen solltest. Aber achte in Zukunft darauf, dass ich immer in deiner Nähe bin. Am Ende halten sie dich bei deiner nächsten Rüstungsstarre für eine Statue und hieven dich auf ein Podest.«

Tungdil hob Arme und Beine, drehte Kopf und Rumpf. Die Panzerung besaß ihre alte Beweglichkeit und verhielt sich, als sei nichts Außergewöhnliches vorgefallen. »Ich versuche daran zu denken, wenn ich mich im Kampf gegen unsere Feinde befinde«, erwiderte er und ging zum Tisch, um endlich etwas zu essen. Ingrimmsch hatte ihm fast nichts mehr übrig gelassen. »Ich konnte doch nicht ahnen, dass ich so bald Erfolg mit meiner Kur gegen faule Rüstungen haben würde«, verteidigte sich Boindil gegen den stummen Vorwurf aus dem Auge des Freundes. »Was genau hat mein Schlag bewirkt?«