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Barskalin setzte sich auf einen Stein. »Ich schulde euch noch eine Erklärung zu mir und den Zhadär«, begann er. Er löste den Kinnriemen des Helms und zeigte seinen kahlen Schädel; auch dieser besaß eine schwarze Färbung. »Wie ich schon sagte: Wir waren einst Dritte. Jeder von uns ist älter als vierhundert Zyklen und ein herausragender Krieger. Als Aiphatön und seine Süd-Albae einmarschierten und sich abzeichnete, dass sie niemand aufhalten konnte, schlug unser König ihnen einen Pakt vor. Sie gingen ihn zu unserem Erstaunen ein.« Seine Blicke wanderten über die Zwergengesichter. »Nach etwa zwanzig Zyklen unterbreiteten uns dann die Dsön Aklän ein Angebot: Sie suchten Freiwillige, um sie in die Lehre zu nehmen und sie in besonderen Künsten zu unterweisen. Im Gegenzug sollte diese besondere Einheit sämtliche Zwergenstämme ausrotten, welche es im Geborgenen Land gibt.«

»Vraccas möge den Schwarzaugen einen glühenden Hammer quer durch die doofen Ohren schieben!« Ingrimmsch nahm einen Schluck aus seiner Trinkflasche. »Das Geborgene Land sollte ohne seine Verteidiger dastehen.« Balyndars Miene verdüsterte sich. »Das hätte seinen Untergang bedeutet!«

»Albae aus dem Süden sind anders als diejenigen, welche man aus den Sagen kennt?«, meinte Slin verwundert.

Barskalin bestätigte mit einem Nicken. »Sie sind wilder, grausamer...« Ingrimmsch lachte auf. »Ich höre ja wohl nicht richtig: grausamer? Wie soll das denn gehen?«

»Es geht, Boindil«, antwortete Tungdil leise und trüb.

»Es sind auch nicht die Einzigen. Einige Hundert Albae aus dem Norden haben es auf irgendeine Weise geschafft, ins Geborgene Land zu gelangen. Ohne die Hilfe von Aiphatön, der von den Süd-Albae als Kaiser verehrt wird«, berichtete Barskalin weiter. »Sondern durch die Dsön Aklän.«

Boindils Augen richteten sich auf Balyndar. »Wie umgingen sie euch?« »Gar nicht!«, widersprach der Fünfte. »Wir halten den Steinernen Torweg und haben nichts Böses hindurchgelassen. Das ist Unsinn!«

Barskalin warf ihm einen tadelnden Blick zu. »Und doch sind sie ins Geborgene Land gekommen, ohne euer Wissen. Die Zwerge konnten nichts dafür. Die Albae haben einen alten Durchgang entdeckt, mit dessen Hilfe sie vor vielen Zyklen in das Elbenreich Lesinteil eingefallen waren.«

»Bei Vraccas! Dann müssen wir diesen Zugang auf der Stelle verschließen.« Slin sah zu Ingrimmsch. »Sonst macht es keinen Sinn, dass wir die Festungen halten.« »Es gibt diesen Zugang nicht mehr. Er brach ein und lief voller Wasser.« Der Syträp legte die Hände zusammen. »Jedenfalls schwelt zwischen den Albae ein Streit. Die Dsön Aklän samt ihrem Gefolge betrachten sich als rechtmäßige Nachfolger der Unauslöschlichen und empfinden sich ihren Verwandten aus dem Süden gegenüber als gesitteter, wenn nicht sogar überlegener. Siewaren es, mit denen wir unsere Abmachung schlossen.« Der Syträp grinste böse. »Sie hätten uns später sicher gegen die Schwarzaugen aus dem Süden gesandt, darauf verwette ich mein Hab und Gut.«

»Sieh an, sieh an.« Ingrimmsch rieb sich den Bart. »Das ist aber gut zu wissen. Die Schwarzaugen mögen sich selbst nicht leiden.«

»Die Süd-Albae sind in der Überzahl und haben sich das einstige Elbenreich Älandur und Dsön Baisur angeeignet, während die Aklän die Stadt Dsön in einem künstlichen Kraterloch neu erstehen ließen. Und zwar im einstigen Elbenreich Lesinteil, das sie nun Dsön Bharä - das wahre Dsön - nennen. Sie sprechen deinen Namen noch immer voller Hass aus, Tungdil Goldhand. Sie haben nicht vergessen, dass du die Stadt der Unauslöschlichen niederbranntest.« Barskalin sah in die Runde. »Wir gingen bei ihnen in die Lehre, und sie wiesen uns in die Künste ihrer Art ein.«

»Wie soll denn das vonstattengegangen sein? Zwerge und Magie? Dazu noch Magie, die unseren ältesten, schrecklichsten Feinden entspringt« Balyndar schnitt sich einen Bissen aus dem Schinkenstück.

»Es ist ein langes, schmerzhaftes Verfahren und geht mit vielen schrecklichen Ritualen einher«, erklärte Barskalin und wirkte bewegt. »Es fühlte sich an, als hätten sie uns die Seelen herausgebrannt, die Vraccas seinen Kindern verlieh. Was ihr seht, ist eine äußere Hülle, die mit etwas gefüllt ist, was euch schaudern macht, falls ihr es jemals erblicken solltet.«

Boindil sah kurz zu Tungdil und erinnerte sich an den vernarbten, geschundenen Oberkörper. Hatte er diese Umwandlung ebenfalls durchlaufen? Hatte sein Gesicht deswegen die feinen, schwarzen Linien wie bei den Albae gezeigt?

Barskalin räusperte sich, seine Stimme versagte; er musste etwas trinken, ehe er weitererzählte. »Die Dsön Aklän hielten uns nach einhundert Zyklen in ihren Diensten für treu und ihnen ergeben.« Er sah zu Slin. »Wir haben eure Festungen erkundet und jeden getötet, der uns durch Zufall begegnete. Ich könnte mich blind in der Gold- und in der Silberfeste bewegen. Es gibt keine Geheimnisse. Wenn wir wollten«, er senkte die Stimme, »könnten wir die Albae oder die Dritten jederzeit in das Reich der Vierten führen. Ihr würdet es nicht verhindern können.«

Der Vierte schluckte. »Das... ist unmöglich.« Barskalin deutete auf Tungdil und Boindil. »Frag sie. Sie haben einen meiner Zhadär im Jenseitigen Land getroffen. Er war durch das Braune Gebirge gereist, quer durch euer Reich. Eine weitere Erkundungsmission. Danach sollte er sich Übeldamm ansehen und den Gerüchten von der Rückkehr des größten Zwergenhelden nachgehen.« Er lachte. »Er meldete mir, dass sie wahr sind. Er entkam euch nur knapp.«

Ingrimmsch spuckte sein Wasser aus. »Er hat den Weißen Tod überstanden?« »Wir sind zäh.« Barskalin lächelte geheimnisvoll.

»Und in ihrem Auftrag habt ihr das Gelege gestohlen.« Balyndar hatte den Syträp nicht aus den Augen gelassen.

»Ja. Die Albae... die Dsön Aklän wollten einen Krieg im Westen anzetteln, um ihren eigenen Plänen Vorschub leisten zu können. Eine Ablenkung, mehr nicht. Das ist natürlich nur eine Vermutung von mir.« Barskalin sah Ingrimmsch an. »Kaiser Aiphatön rüstet sich zu einem Feldzug gegen Lot-Ionan. Er will in den Süden marschieren, um den Magus und seine Famuli endgültig niederzuwerfen und die Hohe Pforte für weitere Albae zu öffnen.«

»Das ist doch gut für uns!« Slin stopfte sich eine Pfeife. »Da müssen wir erst gar niemanden mehr aufstacheln! Sollen sich die beiden einen Krieg liefern, und wir warten ab, wer übrig bleibt. Wir vernichten die Brut und harren auf das, was geschieht.« Balyndar verschränkte die Finger und tippte die beiden Daumen gegeneinander. »Ich fand unseren Plan... besser.« Er betrachtete Barskalin. »Ich möchte gern den Grund erfahren, warum deine Leute und wir friedlich nebeneinandersitzen, anstatt uns zu bekämpfen. Ihr steht in den Diensten unserer Feinde und wollt uns dennoch helfen, das Gelege zu Lot-Ionan zu schleppen?«

»Verrat.« Tungdil sagte es gleichmütig. »Die Zhadär haben niemals mit dem Herzen gehorcht, sondern auf eine Gelegenheit gewartet, die Seiten zu wechseln.« »So ist es.« Barskalin neigte den Kopf vor ihm. »Tungdil Goldhand ist ein Dritter, einer von uns. Es hat sich Einiges im Denken der Dritten geändert, und aus dem Belächelten wurde über die vergangenen Zyklen hin unser größter Held, der sich allein gegen eine Übermacht stellte. Dazu ist er Großkönig aller Zwergenstämme geworden - wem sollten wir sonst mit dem Verstand und dem Herzen folgen? Wir warteten so viele Zyklen darauf, die Albae zuvernichten. Sie mit ihren eigenen Waffen und Künsten zu schlagen.«

»Das war eure Absicht, als ihr euch freiwillig gemeldet hattet?!« Ingrimmsch starrte den Syträp an.

»Nicht mehr und nicht weniger, Boindil Zweiklinge.«

Ingrimmsch konnte es nicht fassen, was sie auf sich genommen hatten. »Bei Vraccas, welch ein Opfer!«

»Wenn es stimmt, was er uns erzählt.« Balyndar klang alles andere als überzeugt. »Mich hat er überzeugt.« Slin nickte ihm zu und schmauchte seine Pfeife. Barskalin lächelte, wie man an der Reihe aufblinkender Zähne in der Schwärze sah. »Wir folgen Tungdil Goldhand und helfen, das Geborgene Land zu befreien. So hatten wir es schon immer vor, und so werden wir es jetzt, da sich die Gelegenheit bietet, auch halten.« Er zeigte auf seine neun Begleiter. »Insgesamt sind wir dreiundzwanzig...« Balyndar lachte los und klang höhnisch. »Damit schlagen wir die Albae sicherlich in die Flucht.«