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Jetzt wurde der Syträp zum ersten Mal ungehalten. »Jeder von uns schafft zwanzig Gegner, ohne sich anzustrengen. In einem herkömmlichen Gefecht. Doch kommen unsere Kräfte zum Einsatz, nehmen wir es mit einem kleinen Heer auf, Balyndar Eisenfinger aus dem Clan der Eisenfinger! Wenn du gedacht hast, dass wir nur Licht zum Verlöschen bringen können, hast du dich schwer in uns und in der Macht der Albae getäuscht.« Er kniff die Augen zusammen. »An dir bin ich in deinem Leben schon fünf Dutzend Mal vorbeigegangen, ohne dass du mich bemerkt hast. Ich stand an deiner Wiege, ich stand an deinem Bett, als du schliefst. Das Graue Gebirge hat auch keine Geheimnisse vor mir und meinen Zhadär.« Seine Hand legte sich an den Griff des Krummdolches. »Sei mir dankbar, dass ich die Dritten nicht schon längst ins Reich deiner Mutter geführt habe. Auch diese Festungen wären gefallen.« Er erhob sich, kam auf den Fünften zu und neigte sich an sein Ohr hinab. »Ich kenne alle deine Geheimnisse, kommender König der Fünften«, raunte er und erhob sich. »Ihr seid also in den besten Händen. Es ist uns eine Ehre, dem Großkönig folgen zu dürfen.« Balyndar saß steif wie von Vraccas Hammer getroffen und war bleich wie ein Leinenhemd. Tungdil reichte Barskalin die Hand, der daraufhin zu seinen Zhadär zurückkehrte; gleich darauf begaben sich beide Gruppen getrennt voneinander zur Ruhe. Ingrimmsch wunderte sich über Balyndars unvermittelte Einsilbigkeit, doch er beschäftigte sich innerlich noch zu sehr mit den Berichten des Syträp, um eine Unterredung mit dem Fünften zu beginnen. »Vraccas, jetzt bin ich mir sicher, dass es dein Werk war, uns im Gebirge auf die Zhadär treffen zu lassen. Meinen Dank dafür«, betete er leise. »Nun sorge noch dafür, dass wir und die Unsichtbaren Erfolg haben werden. Ich jedenfalls würde alles geben, um die Menschen und die Zwerge wieder lachen zu sehen und zu hören.«

»Wie sieht es mit deinem Leben aus?«, fragte ihn Slin, der seine Worte vernommen hatte. »Würdest du dein Leben geben?« Er drehte sich auf den Rücken und verschränkte die Arme im Nacken, die Pfeife klemmte im Mundwinkel. »Ich schon. Aber nur, wenn einer von uns lebend zurückkehrt und unsere Heldentaten verkündet. Sonst bringt der glorreichste und nobelste Tod nichts.«

Ingrimmsch wollte antworten, doch seine Kehle war zu trocken. Vielleicht war es besser so, dass er kein Wort herausbekam. Es hätte das falsche sein können.

Das Geborgene Land, Protektorat Gauragar, 20 Meilen südlich des Eingangs zum Grauen Gebirge, 6491./6492. Sonnenzyklus, Spätwinter.

Ingrimmsch fühlte sich in seiner Haut nicht wohl. Sie hatten sein Kettenhemd und seine Kleidung, die mit der Brut in Berührung gekommen war, auf ein eilig erstandenes Pferd gebunden, um die verräterische Witterung auf zwei Richtungen zu verteilen und den Kordrion zu beschäftigen. Spätestens wenn er das Pferd gefunden und samt der Eisenringe, Hemd und Hose gefressen hatte, wusste die Bestie, dass er dem anderen Geruch folgen musste; im Austausch trug Ingrimmsch Flickstücke von den anderen Reisenden. »So muss sich ein Lumpensammler fühlen«, sagte er betrübt.

»Hast du was gegen meine Hose einzuwenden?«, fragte Slin grinsend. »Wenn du sie mit deinem dicken Hintern zum Platzen bringst, kaufst du mir eine neue.« »Muskeln, kein Fett. Ihr Vierten habt nicht so viele davon. Eure Hosen würden unseren Kindern passen.« Ingrimmsch sah Balyndar über die Schulter, der wieder den Albae-Dolch in den Händen hielt, den er sich von einem der getöteten Bogenschützen genommen hatte. Er drehte und wendete die Waffe zwischen seinen Fingern, fuhr prüfend darüber, bis er den Dolch in einem bestimmten Winkel gegen seine Unterarmschiene schlug.

Es war kein fester Hieb gewesen - und doch brach die Klinge eine halbe Fingerlänge oberhalb des Hefts mit einem singenden Geräusch ab.

»Dachte ich es mir doch«, brummelte der Fünfte zufrieden und warf den nutzlosen Griff in den Schnee.

»Was denn?«, meinte Ingrimmsch, und Balyndar zuckte erschrocken zusammen. Er hatte nicht bemerkt, dass er beobachtet worden war. »Dass der Dolch fehlerhaft angefertigt ist?«

»Ja. Mir fiel es auf, ohne dass ich genau sagen konnte, was mich daran störte.« Er überlegte anscheinend, wie er es dem Zwerg erklären konnte. »Wir Abkömmlinge der Ersten haben ein gutes Auge für Schmiedekunst. Ich habe sofort gesehen, dass die Waffe von einem Zwerg geschmiedet wurde, aber mich störte auch etwas daran. Der Schmied hat eine feine Zwischenlage eingezogen, die aus wesentlich härterem, spröderem Metall besteht. Sie ist nicht richtig mit dem übrigen Stahl verbunden, und bei größerer Belastung wie in einem Gefecht musste die Schneide abbrechen.« Balyndar sah Ingrimmsch an. »Sie wurden absichtlich minderwertig hergestellt. Es war kein Versehen.«

»Dann begehen die Dritten genauso Verrat an den Albae wie die Zhadär«, befand Boindil zufrieden.

»Na, so weit würde ich nicht gehen. Es mag sein, dass es nur ein einzelner Zwerg ist, der seine Waffen für die Schwarzaugen fehlerhaft schmiedet«, bremste der Fünfte ihn in seiner Zuversicht. »Zudem müsste haufenweise Betrügerei selbst den Albae irgendwann auffallen, und das hätte für die Dritten weitreichende Folgen. Tödliche Folgen.« Er schaute zu Tungdil, der neben Barskalin an der Spitze ihrer Truppe die Anhöhe hinauflief. »Die Dritten mögen gute Krieger sein, besser als wir alle. Aber gegen die Schwarzaugen müssen sie unterliegen. Schon allein durch deren Überzahl.«

»Es wird wohl zu früh sein, wegen eines verpfuschten Dolches in ihnen Verbündete zu vermuten«, stimmte Ingrimmsch nach kurzem Überlegen zu. Er sah nach oben und wunderte sich über die Wolke, die sich ihnen näherte.

Slin folgte seinem Blick, riss den Arm in die Höhe und deutete in den Himmel. »Kordrion! Aus dem Norden!«

Ingrimmsch ärgerte sich über seine Begriffsstutzigkeit. »Ich glaube, ich werde alt.« Sie suchten Deckung zwischen den Felsen, während Ingrimmsch zu Tungdil rannte. »Was tun wir, Gelehrter?«

Der Einäugige stand aufrecht und unerschrocken, die rechte Hand schirmend über die Stirn gelegt und den Himmel betrachtend. »Er ist uns näher gekommen, als uns lieb sein kann. Unsere Ablenkung hat ihre Wirkung verloren.«

Boindil schmollte. »Da habe ich meine Rüstung und meine Kleider hergegeben für nichts?«

»Es hat uns bisher einen respektablen Vorsprung verschafft. Aber damit scheint jetzt Schluss zu sein.« Tungdil sah den Kordrion als kleinen Schemen zwischen den Wolken. »Er hält Ausschau. Lange wird er nicht mehr benötigen, bis er uns entdeckt hat.« »Das heißt: Wir schaffen es niemals bis zu Lot-Ionan, Gelehrter?«

»Genau das heißt es.« Tungdil blickte über die Schulter. »Aber wir bringen unser Geschenk jemand anderem. Wir müssen die Gelegenheit nutzen, so viel Schaden wie möglich unter unseren Feinden anzurichten.«

Ingrimmsch verstand die Richtung, in welche sie ihr Marsch führte. »Dsön Bharä.« »Es wäre der sicherste Weg für uns. Es geht viel bergab, und auf unseren Schlitten kämen wir rasch vorwärts. Höhlen, in denen wir uns verbergen können, wenn der Kordrion zu dicht kommt, gäbe es ebenfalls.« Tungdil sah zu Barskalin, der einwilligte. »Das wird ein Spaß: uns bei den Schwarzaugen einschleichen. Welch eine Herausforderung!« Ingrimmsch gab Balyndar und Slin ein Zeichen, zu ihnen zu kommen; auch die Zhadär verließen die Verstecke und schoben die Schlitten den Hügel hinauf.