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Der Alb war jedoch nicht verschwunden. Er hatte sich unter dem Ball aus Magie weggeduckt und kauerte am Boden. Von dort stach er mit seinem Zweihänder zu, die Spitze schnellte gegen Coiras Kehle.

»Obacht!« Mallenia riss die vor Grauen gelähmte Maga zurück, die Klinge verfehlte sie. Sisaroth setzte sofort nach und wurde nur durch die Schwerter der Ido aufgehalten. Krachend prallte der Zweihänder gegen die Schneiden. »Die Vermisste!« Er lächelte böse und trat ansatzlos nach ihr. »Dieses Mal entkommst du nicht.«

Mallenia wich dem Stiefel aus und ließ sich aufs Bett fallen. »Coira, tut etwas!«, rief sie und sah den Alb auf sich zuspringen. Sie bewunderte die unfassbare Eleganz, die jeder seiner Bewegungen innewohnte. Das hielt sie aber nicht davon ab, seine nächsten Angriffe zu parieren oder ihnen auszuweichen. »Coira, verwünscht!«

Das Flackern auf dem Gang erlosch, das Geräusch eines fallenden Körpers drang schwach ins Zimmer.

Mallenia blickte an Sisaroth vorbei. Königin Wey die Elfte lag als verkohltes, schwelendes Bündel auf den marmornen Platten; die Augen waren weit aufgerissen und bildeten das einzig Weiße in dem ansonsten schwarz verbrannten Antlitz. Die Haut hing aufgeplatzt herab, und die Haare waren von den Flammen verzehrt worden. Doch - hatten sich nicht eben die Augen bewegt? Sie sah genauer hin. »Coira, Eure Mutter lebt noch!«

Der Alb lachte. »Der Tod hat sie nicht vergessen. Freu dich nicht zu früh.« Er warf seinen Zweihänder überraschend nach der Ido und traf sie ausgerechnet an der Stelle in den Oberarm, wo sie vom Nachtmahr gebissen worden war. Die Klinge durchbohrte das Fleisch, als wäre es zarte Butter, und nagelte Mallenia durch den Knochen hindurch an den Schrank.

Aufstöhnend ließ sie ein Schwert fallen, das andere reckte sich nach vorne. »Bei den Göttern, Prinzessin: Tut etwas, oder wir sind Geschichte!«

Coira machte zwei Schritte zur Seite und hielt sich am Türrahmen fest, ihre Augen schauten suchend umher. Sie hatte den Schrecken noch immer nicht verwunden. Sisaroth musterte die Maga, bevor er sich in aller Ruhe Mallenia widmete. Er setzte sich vor sie aufs Bett. »Die Letzte aus dem Geschlecht von Prinz Mallen«, sagte er zufrieden. »Lange hast du uns beschäftigt und uns mit der Jagd viel Vergnügen bereitet. Doch es hat ein Ende.« Er sah kurz auf den Gang und gab jemandem ein Zeichen, den sie nicht sehen konnte. »In deinem Land wirst du vor aller Augen sterben, Mallenia von den Ido. Auf einem Richtblock. Dein blondes Haar wird in dein Blut fallen. Das ist die Strafe für Aufrührerei, Verschwörung und vielfachen Mord.«

»Ich kenne eure Pläne«, antwortete sie in der Sprache der Albae. »Mir machst du nichts vor.«

Sisaroth verzog das Gesicht, als leide er Qualen. »Welch schreckliche Aussprache du hast! Wer unterrichtete dich? Sag mir seinen Namen, damit ich ihn töte.« »Habe ich eine Folter für euch gefunden?« Sie lachte.

Der Alb bewegte sich kaum, es war mehr ein Zucken, und schon bekam sie einen Schlag seiner Faust gegen die rechte Wange, der ihre Knie weich machte. Kaum sackte sie nach unten, schnitt der Zweihänder ihr tiefer ins Fleisch. Es schepperte zu ihren Füßen. Sie hatte nicht bemerkt, dass sie ihr zweites Schwert hatte fallen lassen.

»Sprich nie wieder in meiner Sprache, oder ich reiße dir die Zunge heraus.« Sisaroth öffnete die Schranktür, an der Mallenia hing, und klappte sie auf, damit sie sah, was auf dem Flur vor sich ging: Die Albin stand über Königin Wey gebeugt und setzte ihr die Spitze des Zweihänders in den Rücken! »Ihr Tod heißt Firüsha«, raunte er düster und erregt.

»Das könnt ihr nicht ernsthaft in Betracht ziehen«, sagte die Ido verzweifelt. »Tötet mich, aber lasst sie am Leben. Ihr habt nichts von ihrem Tod.«

»Oh, doch! Die Dankbarkeit des Drachen. Was er nicht wagte, tun wir für ihn.« Sisaroth hob die Hand, seine Schwester nickte.

»Sie hat eine Nachricht zu Lohasbrand gesandt«, stieß Mallenia rasch hervor. »Der Drache wird annehmen, dass ihr nicht nur sie, sondern auch die Orks und den Präses getötet habt. Er wird den Krieg nach Idoslän und in die Albae-Reiche tragen. In alle! Damit wäre euer Vorhaben zunichtegemacht.« Sie schaute auf die stöhnende Herrscherin. »Nur sie kann euch davor bewahren.«

Sisaroths Züge verloren die Überlegenheit.

Die Albin sah ihn an. »Wenn sie die Wahrheit spricht, sollten wir ihr das Leben lassen.« »Weswegen? Damit sie Lohasbrand noch mehr Lügen erzählen kann? Oder in ihrer Quelle neue Macht schöpft und uns für den Überfall zur Rechenschaft zieht?« Sisaroth schien seine Entscheidung gefällt zu haben. »Es ist die Fügung von Samusin und Tion, dass wir nach Seenstolz gekommen sind. Nun ist es an der Zeit, für Bewegung im Gefüge der Mächtigen des Geborgenen Landes zu sorgen. Warum nicht in Weyurn anfangen und den ersten Pfeil abschießen?«

»Ob es die richtige Wahl ist?«, warf Firüsha ein.

»Ja.« Er stand vom Bett auf, dabei zog er seinen Dolch und ging auf den Korridor hinaus. »Und es tut mir in der Seele weh, die Knochen nicht mitnehmen zu können. Eine Vergeudung.« Der Alb kniete nieder und stach der Maga ins Genick. Rasch trennte er ihren Kopf ab, den er achtlos zur Seite schob, um sicherzugehen, dass kein rettender, heilender Zauber mehr Schädel und Körper verband. Sodann hob er die Augen und sah Coira an. »Die Tochter muss der Mutter folgen. Sei auch ihr Tod, Schwester.« Mallenia biss die Zähne zusammen und ließ sich fallen. Die Klinge des Zweihänders durchtrennte das Fleisch, den Knochen; Blut schoss hervor - aber sie war frei. Ihre Finger schlossen sich um den Griff des Schwerts, und sie rannte zur wehrlosen Maga, um sie gegen Sisaroth zu verteidigen. Eine letzte Tat des Widerstandes. Firüsha sprang ihr in den Weg und führte einen Hieb gegen sie, der die Klinge der Ido zerbersten ließ. »Die Waffen der Menschen taugen nichts.« Sie lachte und packte in Mallenias Wunde, drückte zu und schleuderte die Frau rücklings aufs Bett. »Schönes Blut«, sagte sie über die Schulter zu ihrem Bruder. »Wir sollten es nach der Hinrichtung auffangen. Wer weiß, was man damit alles erschaffen kann.« Dann sah sie Coira an. »Süßes Magablut. Das würde jedem Kunstwerk das Besondere verleihen.« Dann seufzte sie bedauernd. »Und wir haben nichts dabei, um es aufzubewahren.« Auf dem Gang erklangen leise Stimmen, die Wache schien sich zu nähern. »Hierher!«, schrie Mallenia. »Überfall!«

Firüsha und Sisaroth lachten gleichzeitig los. Es zeigte überdeutlich, dass sie sich nicht vor den anstürmenden Soldaten in die Flucht schlagen ließen. Bald würden noch mehr Tote im Palast zu beklagen sein.

Der Alb kam auf Coira zu, den blutigen Dolch in der Linken haltend. Er richtete seine Augen auf das Antlitz der verstörten Frau, um ihren Todeskampf genau verfolgen zu können, und stieß zu.

Im gleichen Moment traf ihn ein Helm am Hinterkopf, und Sisaroths Stich ging fehl. Die Klinge jagte ins Holz und brach über dem Heft ab. Rappelnd hüpfte der Helm über den Boden.

Der Alb wirbelte herum und zog seinen zweiten Doppelklingendolch, als er von einer Feuerwolke eingehüllt wurde!

»Feiger Mörder!«, rief jemand wütend. »Einen Nachfahren des Unglaublichen Rodario kann man nicht so leicht töten!« Fauchend schoss die zweite Lohe heran, aber Sisaroth wich ihr dieses Mal aus.

Mallenia hatte die Stimme von Rodario erkannt. »Holt Hilfe!«, rief sie, weil sie nicht annahm, dass der Mann lange gegen die Albae bestehen würde. Firüsha versetzte ihr mit der breiten Klingenseite einen Schlag gegen den Kopf; halb benommen fiel die Ido in die Kissen. Die Albin wollte ihrem Bruder beispringen... ... da wurde sie von einem grellgelben Strahl gegen die Brust getroffen, der ein armdickes Loch durch sie brannte und sie quer durch den Raum zum geschlossenen Fenster hinausbeförderte. Die Scheiben barsten durch den Einschlag der Energie und schmolzen zu glühenden Tropfen. Mehr als ein überraschtes Aufkeuchen hatte Firüsha nicht mehr zustande gebracht.