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Lass es ein Tier gewesen sein, Vraccas, und nicht irgendwas anderes, was sie nicht mehr für ihre Kunst gebrauchen konnten, betete Ingrimmsch. Der Anblick von rosa Gebratenem machte ihn hungrig. Es roch sehr gut, auch wenn er die Zähne niemals in etwas schlagen wollte, von dem sich die Schwarzaugen ernährten.

»Ich werde am besten sofort zu Aiphatön reisen und ihm meine Aufwartung machen«, erklärte Tungdil und trank wieder vom Wein. »Der Kaiser soll nicht denken, dass ich gegen ihn wäre. Meine letzte Begegnung mit ihm verlief friedlich, und ich möchte ihm zum Schein sagen, dass es so bleiben kann.«

»Du wirst ihm ebenso einen Pakt anbieten?«

»Ja. Aber gegen Lot-Ionan, meinen schändlichen Ziehvater.« Tungdil grinste. »Danach werde ich mich zurückziehen und ihm die Rückkehr mit einem immensen Heer versprechen.«

»Er wird sich wundern, was auf ihn zukommt.« Tirigon legte das Besteck zur Seite. »Das wiederum bedeutet, dass ich dich nicht mit meiner Gastfreundschaft locken kann?«

Heilige Esse! Keine einzige Nacht in Dsön! Ingrimmsch hoffte sehr, dass der Gelehrte ablehnte.

»Leider, alter Freund, nein. Wir müssen sofort weiter, wenn wir den Kaiser noch antreffen wollen, schätze ich?«

»Ja. Du findest ihn im einstigen Älandur. Er hat es seinen Freunden aus dem Süden geschenkt.« Der Alb sprach mit unverhohlener Abneigung.

»Und was ist mit Dsön Baisur? Ist es neu errichtet worden?«

Tirigon zuckte mit den Achseln. »Es ist mir gleich, solange die anderen darin hausen. Es wird uns viel Zeit kosten, alles von ihrem schrecklichen Einfluss zu befreien. Sie haben kaum eine Ahnung von Kunst, Schönheit, der Dichtung, Malerei oder anderen schöngeistigen Dingen.« Er schüttelte sich. »Tion kann sie nicht erschaffen haben.« »Es sei denn, er war besoffen«, ergänzte Ingrimmsch vorschnell.

Tirigon und Tungdil drehten die Köpfe in seine Richtung. »Ich höre, du hast Leute unter deiner Gefolgschaft, die einen guten Scherz zu schätzen wissen«, meinte der Alb belustigt.

»Einer von denen, die sonst niemals gute Witze kennen.« Tungdil schüttelte tadelnd das Haupt. »Vielleicht ein lichter Augenblick.«

»Er sollte ihn besser nicht Kaiser Aiphatön vortragen. Es könnte sein bester und letzter Spaß sein.« Der Alb erhob sich. Einer der robenbekleideten Albae näherte sich ihm und wisperte in sein Ohr. »Ich möchte dich gar nicht länger aufhalten, Tungdil Goldhand.« Sie umarmten sich wieder. »Unser Pakt ist geschlossen. Du bekommst die Zwergenreiche, wir das Geborgene Land.« Er lachte kalt. »Es hat unsere Art von Kunst dringend notwendig. Es wird mir ein Vergnügen sein, es umzugestalten.« »Du warst von zweihundert Zyklen schon herausragend als Künstler. Ich bin gespannt, was du heute alles vermagst.« Tungdil hielt die rechte Hand des Albs umfasst und strahlte ihn wieder an. »Spätestens in drei Zyklen sind wir die Herrscher und niemand sonst! Richte deinen Geschwistern einen Gruß von miraus.« Er wandte sich um und ging auf den Ausgang zu. Die Zhadär umschlossen ihn, Ingrimmsch lief unmittelbar hinter ihm.

»Tungdil«, rief Tirigon, als sie die Tür erreicht hatten. Sie hielten an, der Einäugige sah nach dem Alb. »Was ist mit der Barriere? Hält sie wieder?«

»Ja«, log Tungdil eiskalt.

»Das ist gut. Es wäre schlecht, wenn dein Meister bei uns erschiene, um sich seine Rüstung zurückzuholen, die du an deinem Leib trägst.« Tirigon ließ die Arme locker am Körper herabhängen. »Oder hast du ihn am Ende sogar getötet?«

»Ich hatte es versucht. Es ist missglückt. Deswegen will ich die Zwergenreiche haben: Niemand wird durch das Tor gelassen.« Tungdil schaute wieder nach vorn und marschierte weiter. »Tion ist mit uns, Tirigon. Sei unbesorgt.«

Sie verließen die Halle und gelangten unter der Führung der schweigsamen sieben Albae durch den Palast wieder hinaus an die Luft.

»Endlich«, atmete Ingrimmsch erleichtert auf und schob sein Visier in die Höhe. »Ich hätte es kaum länger ausgehalten. Ich weiß zwar nicht, was ich gegessen habe, aber es riecht auf Dauer nicht gut, wenn ich es ständig selbst einatmen muss.« Slin lachte und klappte seinen Sichtschutz ebenfalls auf. »Zwiebeln und eingekochtes Gugulhack? Ich habe gesehen, dass du ein Glas in deinem Gepäck hattest. Ein kleiner Vorrat von Goda, was?«

»Und du hast uns nichts abgegeben.« Tungdil sah ihn strafend an. »Wie konntest du nur?« Dann grinste er. Man sah ihm an, dass er erleichtert darüber war, in den Palast hinein- und unversehrt wieder herausgekommen zu sein. Zumal mit einem solchen Erfolg. »Ingrimmsch, achte besser auf deine Zunge. Wir hatten Glück, dass Tirigon es komisch fand, was du sagtest.« Nach kurzem Schweigen sagte er: »Ich übrigens auch.« Es war dunkel geworden. Doch als Ingrimmsch den Kopf in den Nacken legte und nach den Sternen schauen wollte, sah er - nichts! »Bei Vraccas!«, rief er entsetzt. »Was haben die Albae getan?«

Alle Zwerge hoben die Köpfe und starrten hinauf.

»Die Gestirne sind verschwunden«, raunte Balyndar fast schon ängstlich. »Sie werden sich weigern, auf eine Stadt der Albae zu scheinen«, steuerte Slin seinen Vorschlag zur Erklärung bei. Ingrimmsch bezwang seine Ungläubigkeit und drehte sich nach dem Turm um, von dessen Spitze zahlreiche Seile nach allen Richtungen abgegangen waren. »Er hat damit was zu tun.«

Tungdil folgte seinen Blicken und überlegte. »Gehen wir weiter, sonst fallen wir auf. Und macht die Visiere runter, falls uns jemand begegnen sollte.«

Sie liefen die Treppe hinab zu ihren Ponys. Unterwegs hörten sie ein leises Rascheln hoch über ihren Helmspitzen.

»Ich glaube es nicht«, sagte Slin beeindruckt, der als Erster wieder zum Himmel blickte. Über ihnen war ein Sternenhimmel entstanden, aber nicht der, welchen die Zwerge kannten. Es gab andere Konstellationen, kleinere und größere, und dazwischen schimmerten Monde, drei- und vierfach so gewaltig wie das eigentliche Hauptnachtgestirn über dem Geborgenen Land.

»Ich weiß nicht, wie sie es gemacht habe, doch die Stadt muss sich an einen anderen Ort bewegt haben.« Boindil konnte sich kaum an der Schönheit sattsehen.

Balyndar schnaubte. »Wieso denn das?«

»Du magst deinen Kopf selten aus den Höhlen stecken, aber ich bin viel im Geborgenen Land herumgekommen. Egal an welchem Ort ich mich befand, die Sterne«, er zeigte nach oben, »waren überall die gleichen.«

»Welch scharfsinnige Beobachtung«, sagte Slin heiter. »Nur hier passt sie nicht, obwohl wir uns noch immer im Geborgenen Land befinden.«

»Eben. Daraus schließe ich, dass wir uns aus dem Geborgenen Land bewegt haben, so unwahrscheinlich das auch klingen mag.«

»Und wie kommen wir wieder zurück?« Slin stieg in den Sattel und sah zur Serpentine. »Wer weiß, wo wir rauskommen?«

»Gelehrter, was sagst du dazu?«

Tungdil saß ebenfalls auf. »Leinwände.«

»Leinwände.« Zuerst verstand Ingrimmsch nicht. »Ach, wie Vorhänge, nur eben... der Länge nach?« Er sah wieder hinauf. »Sie ziehen sie an den Tauen quer über den Krater und geben den Albae, die hier leben, einen künstlichen Nachthimmel zum Bewundern - willst du das sagen?«

»Richtig, Ingrimmsch. Das will ich sagen. Vermutlich wird Dsön an besonders hellen und heißen Tagen unter ihnen verborgen bleiben wie unter einem Schirm.«

»Ein unglaublicher Aufwand.« Balyndar hörte sich beruhigt an.

»Aber es sieht schön aus. Das muss man ihnen lassen.« Tungdil ritt voran, die Zhadär und der Rest folgten ihm.

Niemand geleitete sie, wie Ingrimmsch zufrieden bemerkte. Offenbar vertraute Tirigon seinem Zwergenfreund so sehr, dass er ihn unbewacht durch die Straßen reiten ließ. Vertrauen und Schwarzaugen, das passt doch nicht. Dieser Tirigon plant sicherlich etwas. Vor den Serpentinen glaubte er, Ütsintas und die Albae auf den Feuerstieren auszumachen. In eine Falle werde ich mich gewiss nicht locken lassen. »Das ist die Gelegenheit, die Kordrionbrut loszuwerden«, raunte er Tungdil zu. »Schon geschehen«, antwortete ein Zhadär. »Wir haben sie auf der Treppe vor dem Palast gelassen, am äußersten Rand einer Säule. Man wird den Kokon nicht finden - außer man besitzt die Nase eines Kordrion.«