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Ingrimmsch war beeindruckt. »Und jetzt?«

»Reiten wir auf dem schnellsten Weg zum Drachen und plündern seinen Hort«, eröffnete Tungdil. »Da vorn ist ein Bote bei Ütsintas. Sehe ich das richtig?« »Wenn du es sagst. Ich erkenne nur hagere Schwarzaugen und fette Kampfkühe.« Ingrimmsch hatte es sich bereits abgewöhnt, sich über die gute Sicht des Gelehrten zu wundern.

Tungdil hatte sich nicht geirrt.

Als sie den Alb und ihre Eskorte erreicht hatten, wartete ein kaiserlicher Bote auf sie, der ihnen eine Einladung überreichte. Nach Älandur, das nun Phöseon Dwhamant hieß. Von Kaiser Aiphatön daselbst. Ablehnen konnten sie nicht.

Und so wurde aus einer Lüge doch die Wahrheit.

Tirigon saß wieder auf seinem Thron und beobachtete die Sklavin, die den Tisch abräumte. Es waren niedere Dienste, für die ein Alb zu schade gewesen wäre. Die Menschenfrau erfüllte ihre Aufgabe gut. Sie war nicht so hässlich, dass die Augen schmerzten. Es hatte ihn viel Zeit gekostet, eine halbwegs annehmbare Sklavin für den Palast zu finden.

»Sag, warum sind die meisten von euch nur so abstoßend?«, sinnierte er und nahm einen Schluck aus dem Weinglas.

Die Sklavin sah ihn erschrocken an. Er hatte in seiner Sprache gesprochen, und nun hatte sie Angst, eine Anweisung nicht verstanden zu haben. Was das bedeutete, wusste jeder, der einem Alb diente. »Es ist nichts«, beruhigte er sie im Zungenschlag Gauragars. »Tu deine Arbeit.« Ein Robenträger kam zu ihm. »Dsön Aklän, es ist, wie Ihr vermutet habt.« Er kniete vor dem Thron nieder. »Sie hatten die Brut des Kordrion dabei.«

»Diese elenden Zhadär! Dachten sie etwa, dass ich sie unter den Rüstungen der Begehrer nicht erkenne? Niemand täuscht mich! Sie sind unsere Kreaturen und wir ihre Meister! Wir haben sie erschaffen«, tobte er und schleuderte das Weinglas durch den Raum. »Fahnenflüchtlinge wie Hargorin Todbringer. Dafür werden sie sterben!« Er atmete tief ein. »Habt ihr den Kokon?«

Der Alb nickte. »Wir mussten lange suchen, doch wir haben ihn entdeckt.« »Dann packt ihn gut ein, tarnt ihn als Proviant und sendet ihn zusammen mit dem Boten und Goldhand nach Phöseon Dwhamant. Das ist das richtige Geschenk für den Kaiser«, ordnete er an. »Ist der Kordrion nochmals gesichtet worden?« »Ja, Dsön Aklän. Keine vier Meilen von hier. Er hat die Spur seiner Brut wieder aufgenommen.«

Tirigon nickte zufrieden. »Gut. Hat Goldhand Verdacht geschöpft, oder hält er den Boten für echt?«

»Für echt. Sie machen sich auf den Weg nach Südwesten.«

»Dann sorge dafür, dass sie meinen Proviant bekommen.« Tirigon winkte die Sklavin zu sich und verlangte Wein in einem neuen Pokal. »Und gib die Anweisung an die Patrouillen aus, dass jeder Zhadär, der sich nach Dsön Bharä verirrt, sofort getötet werden soll. Falls einige von ihnen den kommenden Angriff des Kordrion überstehen.« Er setzte sich wieder. Alles verlief in geregelten Bahnen.

»Ja, Dsön Aklän.« Der Alb eilte hinaus.

Zufrieden seufzte Tirigon. Damit war er Aiphatön, einen Großteil seiner Gefolgschaft und Tungdil mitsamt den verräterischen Zhadär los. Er hatte sie auf den ersten Blick an der Haltung erkannt, Rüstungen hin oder her. Außerdem kannte er keine Begehrer, die einen Krähenschnabel als Waffe führten.

»Das Gute ist, dass alle glauben werden, es sei eine Falle von Tungdil Goldhand gewesen, um den Kaiser der Albae auszuschalten«, sagte er zur Sklavin, die wieder keines seiner Worte verstand. Sie schaute ihn an und deutete fragend auf die Weinkaraffe und einen Pokal; er winkte sie zu sich.

»Selbst wenn Aiphatön überlebt und Rache will, darf er seine Wut auf die Dritten richten. Sollte er sterben, trete ich gern seine Nachfolge an.« Er sah am nackten Arm der Frau entlang, und sein Blick blieb am Ellbogen hängen. »Du hast sehr schöne Knochen, meine Liebe. Weißt du das?« Er streckte die Hand aus und berührte sie zärtlich am Unterarm. »Unglaublich schöne Knochen für einen Menschen.« Er lächelte sie an. »Anscheinend muss ich mir eine neue Sklavin suchen. Du taugst zu Besserem. Die Kunst wird dich erhöhen.«

Die Frau zuckte zusammen und lächelte schüchtern zurück.

Das Geborgene Land, Phöseon Dwhamant (einst das Elbenreich Älandur), Phöseon, 6491./6492. Sonnenzyklus, Spätwinter.

»Wir hätten den Boten doch einfach erschlagen und ins Rote Gebirge reiten können«, murmelte Slin. »Als wären wir unterwegs angegriffen worden. Vom Widerstand.« »Welche Schwachsinnigen greifen bitte sehr die Schwarze Schwadron an, die zudem von einer Truppe Albae begleitet wird?«, zischte Balyndar ihn verständnislos an. »Das hätte nicht einmal ich dir geglaubt.«

Ingrimmsch lauschte dem Streit, der seit dem ihrem Besuch in Dsön zwischen den Zwergen hin und her ging. Der Vierte machte Vorschläge, wie man nicht zu Aiphatön reiten musste, und der Fünfte zerriss sie der Reihe nach in der Luft. Unerträglich! »Haltet beide den Mund! Ihr könnt froh sein, dass ihr in der Mitte reitet und das Klappern der Hufe euren Zwist übertönt. Wenn die Albae das mitbekommen...« Er hoffte, dass die Andeutung Eindruck machte.

Es wäre gelogen zu sagen, dass er sich bei dem Gedanken, von einem Albae-Reich ins nächste zu reisen, wohlfühlte. Zumal er mit den Süd-Albae gar nichts anzufangen wusste. Und es war ihm schleierhaft, was Aiphatön von ihnen wollte. Auf der einen Seite genoss es Ingrimmsch, unterwegs zu sein, das alte Gefühl von Abenteuer in sich zu spüren, wie damals, als er noch ein recht junger Zwerg gewesen war. Auf der anderen Seite zerrte ihn ein Teil von ihm zurück ins Jenseitige Land, zu Goda und seinen Kindern. Er sorgte sich um ihre Sicherheit, um die Festung. Der feindliche Magus schien sehr mächtig zu sein, wenn er die Andeutung von Tirigon richtig verstanden hatte.

Sie ritten durch Phöseon Dwhamant, das einst Älandur geheißen hatte, bevor es von den Albae übernommen worden war. Wer hätte sich ihnen auch entgegenstellen sollen?

Die Albae aus dem Süden teilten die Vorliebe für Düsteres und Vergängliches. Die Haine der Elben waren niedergebrannt worden, wie Ingrimmsch an der Ebene erkannte, durch die sie sich bewegten. Anscheinend wurde mit einiger Regelmäßigkeit dafür gesorgt, dass sich kein Baum in Phöseon Dwhamant erhob. Wohin er auch blickte, er sah karge Hügel, auf denen der Schnee schmolz. Es gab nicht einmal Büsche. »Wer gute Augen hat, kann von einem Ende des Albae-Reichs zum anderen sehen«, meinte Slin. »Gutes Gelände für mich und meine Armbrust.«

»Da vorn ist doch was!«, rief Balyndar. »Sieht aus wie ein großer brauner Klotz, der aus dem Himmel gefallen ist.«

Sie blickten alle nach vorn. Das Erste, was Ingrimmsch in den Sinn kam, war ein Bienenstock, nur in quadratischer anstatt in halb ovaler Korbform. Er schätzte die Abmessungen auf neunhundert Schritt in der Breite und dreihundert in der Höhe; wie tief sich das Gebilde nach hinten erstreckte, vermochte er nicht zu sagen. Türmchen ragten an den Seiten wie Schornsteine hervor, oben auf dem Klotz flatterten Fahnen an langen Stangen im Wind. Ingrimmsch zählte dreißig Geschosse, die unterschiedlich hoch errichtet waren. Mal handelte es sich um geschlossene Wände, dann waren darüber offene Arkadengänge mit bunten Malereien an den Decken und hohe Räume zu sehen; die Front des nächsten Stockwerks hingegen bestand aus vielen kleineren Fenstern, die in der Sonne wie Spiegel leuchteten.