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»Das hört ihr von euren Frauen sicherlich ständig«, kam es unter einem Zhadärhelm hervor, der andere lachte.

Erbost wandte sich der Vierte um, die Armbrust halb im Anschlag. »Für dich wird er reichen, Schandmaul!«

»Wie hat er das gemeint?«, fragte der Zhadär scherzhaft. »Behalte ihn. Ich will deinen Bolzen nicht.«

»Ruhe, ihr Gnomenhirne! Wie könnt ihr jetzt anfangen, euch gegenseitig zu verhöhnen?«, rief Ingrimmsch erbost und rückte den Helm zurecht, spannte den Kinnriemen nach, bis er unangenehm fest, aber sicher saß. »Der Kordrion will mich? Dazu muss er sein Leben aufs Spiel setzen: Ich werde ihn vor die Geschütztürme locken.« Er befahl den Zhadär, den Albae in den Türmen Bescheid zu geben, was er beabsichtigte. »Mutig«, meinte der Vierte nur. »Aber sehr gefährlich.« »Oh, mir macht das nichts! Ich mag Herausforderungen«, wiegelte Ingrimmsch ab und packte den Krähenschnabel, dann bleckte er die Zähne. »Komm schon, Drecksvieh! Hier ist der Mörder deiner Brut!«

Die Zhadär eilten von Turm zu Turm. Als sie sieben davon über das Vorhaben des Zwerges unterrichtet hatten, war es so weit. »Er kommt zurück«, warnte Balyndar sie. »Er hält auf uns zu!« »So soll es auch sein!« Boindil hetzte los und rannte auf einen Punkt des weitläufigen Daches zu, an den alle sieben Geschütztürme feuern konnten. Die Schwingen des Kordrion erzeugten ein dunkles Rauschen und Pfeifen, das Ingrimmsch sehr genau zeigte, wie schnell das Scheusal heranflog - aber nicht in seine Richtung! Er blieb keuchend stehen und wandte sich um. »He! Du hässliche Missgeburt mit den Glubschaugen!« Er reckte den Krähenschnabel, um auf sich aufmerksam zu machen. »Ho! Hier steht der Vernichter deiner Nachkommen! Bist du blind?«

Ungläubig verfolgte er, wie sich der grauhäutige Kordrion auf dem Dach niederließ und mit dem Kopf voraus in einen Schacht schlüpfte. Vier hundeähnliche Läufe trugen den breiten Leib, die vorderen beiden glichen mehr Armen, die Klauen waren kräftig und sehr beweglich. Der Beschuss durch die Katapulte ließ ihn kalt, die wenigen Speere und Pfeile bedeuteten keine tödlichen Wunden. Seine Krallen gruben sich in das Mauerwerk und hinterließen tiefe Löcher.

»Nein, nein, nein!«, schrie Ingrimmsch. »Komm zurück!« So ein dämliches Vieh! Schritte näherten sich ihm, und dann standen Balyndar und Slin neben ihm. »Was macht er denn da?«, ächzte der Vierte und sah auf die Schwanzspitze, die eben verschwand.

Balyndar hielt sich die Seite und rang nach Luft. »Er kriecht hinein wie ein Bär in einen Bienenstock.«

Slin sah Ingrimmsch beinahe vorwurfsvoll an. »Hätte er sich nicht auf dich stürzen sollen?«

»Schon. Eigentlich.« Boindil nahm den geflochtenen Zopf und rieb sich den Schweiß aus dem Gesicht. »Es muss sich etwas in Phöseon befinden, was ihn mehr interessiert als ich.« Dann lachte er. »Los! Den kaufen wir uns. Wenn Vraccas mit uns ist, bleibt die Bestie stecken, und dann schneiden wir sie in aller Ruhe in Scheibchen!« Er lief zu dem Schacht und sah, dass sich der Kordrion eben an dem hängenden Garten vorbeischob und in den Wänden nach einem waagrechten Durchgang suchte, der breit genug für seinen massigen Leib war.

»Mir nach!« Ingrimmsch - sprang.

Sein Flug war kurz, und er landete in einer blühenden Hecke, die ihn sofort von Kopf bis Fuß mit weißem Blütenstaub überzog. Jetzt sehe ich aus wie eine Fee, dachte er und musste grinsen. Eine bärtige, hübsche Fee. Niesend kämpfte er sich frei und rannte auf die Brücke zu, die in das Stockwerk führte, in welches sich der Kordrion mit Macht presste. Was, bei Tion ...

Balyndar und Slin prasselten rechts und links von ihm in kleinere Bäume, die mit ihrem dichten, schwarzen Laub wie eine Matte waren und den Sturz abmilderten. Fluchend krochen sie aus den abgebrochenen Ästen und Zweigen hervor; ein paar Blätter hatten sich zwischen den Rüstungselementen verfangen. Doch ihnen blieb keine Zeit, sie zu entfernen. Rasch hängten sie sich an die Fersen des Zweiten.

Ingrimmsch schloss bald zu dem Kordrion auf, den er nun aus nächster Nähe sah. Die Schwingen trug er eng am breiten, muskulösen Leib, weil er sie in dem Geschoss nicht entfalten konnte. Die eine war ein wenig kürzer als die andere, als sei sie nachgewachsen. Er nutzte die langen Klauen, um seinen zwanzig Schritt hohen und sechzig Schritt langen Körper mit der grauen, faltigen Haut durch Phöseon zu ziehen, während die Beine ihn anschoben.

Dabei machte er sich flach wie eine kriechende Katze, und dennoch schabte der Rücken die Decke des Bogengangs entlang. Teile davon lösten sich, knisternd bildeten sich Risse darin, und auch der Boden ächzte unter der Last, für die er niemals erbaut worden war.

Ingrimmsch hatte die Schwanzspitze erreicht und war sich uneins darüber, wie er vorgehen sollte. Ihn überholen und von unten attackieren? In die Spitze schlagen und ihn angreifen, wenn er sich umdreht?

Bevor er sich entscheiden konnte, rutschte der Kordrion plötzlich in den nächsten senkrechten Schacht und verschwand abwärts.

»Was suchst du nur, Glubschauge?« Ingrimmsch hatte die Kante erreicht und sah das Ungeheuer einige Stockwerke unter sich wieder in das Gebäude kriechen. »Du suchst sicherlich etwas.« Er wandte sich um und entdeckte eine lange Fahne, die von der Wand hing. Kurzerhand riss er sie aus der Halterung, wickelte sie um eine Säule und ließ sich daran hinab in das Stockwerk, in welches der Kordrion eingedrungen war. Dort landete er auf den Füßen und zückte wieder den Krähenschnabel. »So leicht wirst du mich nicht los.«

Slin und Balyndar rutschten die Fahne hinab und landeten hinter ihm. Die Anstrengung raubte ihnen die Worte; zu dritt hetzten sie dem Kordrion hinterher. Widerstand wurde dem Scheusal kaum geboten. Die Albae hatten niemals damit gerechnet, dass eine solche Kreatur in ihre Stadt einbrechen könnte. Die Zwerge kamen an abgebissenen Gliedmaßen und Blutlachen oder zerschmetterten und verstümmelten Körpern vorüber; es waren einfache Bewohner, wie sie an der Kleidung erkannten, und sie hatten weder Waffen noch Rüstungen getragen.

»Er ist nach rechts!«, rief Balyndar. »Da vorn, in dem großen Gang.«

»Das sehe ich selbst«, knurrte Ingrimmsch, dem die Rennerei lästig wurde. Er wollte kämpfen, nicht seine Ausdauer verbessern.

Sie kamen um die Ecke und standen vor einer Mauerflucht, welche eine breite Schneise schuf, die bis nach vorne zum Tor führte, durch das sie geritten waren. Genau dorthin rannte der Kordrion, immer dicht an den Boden gepresst. Der Rücken streifte einige der hängenden Gärten, sie pendelten und rissen aus ihren Verankerungen. Erde und Pflanzen regneten vom Himmel. Die Klauen schleuderten Albae zur Seite, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, andere fraß er nebenbei oder kaute auf ihnen herum, um sich das Blut zu nehmen; die Überreste spie er aus.

»Ho!«, schrie Ingrimmsch und eilte weiter, so schnell ihn seine Beine zu tragen vermochten. »Ho, du mit dem hässlichen Gesicht: Bleib endlich stehen!« »Was will er am Tor?« Balyndar schien das Laufen nicht so viel auszumachen. »Anscheinend ist er doch nicht dir gefolgt, Zweiklinge.«

Slin fiel weiter zurück. »Lauft«, hechelte er. »Ich komme nach. Die Rüstung ist ungewohnt schwer...«

Ingrimmsch packte ihn am Armschoner. »Du bist ein Kind des Schmieds! Streng dich an, um dir den Ruhm am Tod des Kordrion zu sichern. Wann wird ein Vierter so etwas jemals wieder ernten dürfen?« Insgeheim fragte er sich, wo Tungdil und Aiphatön blieben.

Es ging über die Trümmer und Sandhügel der hängenden Gärten hinweg; immer wieder mussten sie größeren Mauerbrocken ausweichen, die sich aus den Fassaden um sie herum lösten. Die Erschütterungen, die der Kordrion verursachte, und die peitschenden, unbändigen Schläge seines Schwanzes brachten Zerstörung nach Phöseon. »Er... hat das... Tor... erreicht.« Slin war kaum mehr zu verstehen, so heftig rang er nach Atem. Bis zu ihrem Ziel waren es noch einhundert Schritt. »Ich... kann nicht mehr.« Er blieb stehen und legte die Armbrust auf einen Baumstamm auf. »Ich... decke euch von... hier aus.«