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»Wie genau habe ich mir denn Eure Eifersucht verdient? Ich habe Coira lediglich Trost gespendet. Weiß Eure Gemahlin von Euren geheimen Gelüsten nichts, die Ihr für die neue Königin hegt?« Rodario goss gerne Öl ins Feuer. Aufgebrachte Gegner waren leichter zu schlagen. »Ich werde es ihr gern sagen.«

»Von dir wird nichts bleiben, was einen Satz zustande bringt!« Loytan ging schneller, aber der Schauspieler marschierte rückwärts. »Bleib stehen!«

»Gut. Wenn Ihr es unbedingt wünscht.« Rodario seufzte. »Aber ich warne Euch: Wenn Ihr mich jetzt angreift, wird Euch niemand mehr zu Gesicht bekommen. Nicht einmal mehr Eure Gemahlin.«

»Das träumst du, Schwachkopf! Abgesehen davon: Sie hasst mich sowieso.« Loytan schlug zu - und hieb in die Luft!

»Auf der Bühne ist es wichtig, flink und beweglich zu sein.« Rodario hatte eine Rolle vorwärts zwischen den Beinen des Mannes hindurchgemacht und war hinter ihm in die Höhe gefedert. Er trat dem Grafen ins Gesäß, sodass dieser nach vorne taumelte. »Was ist? War das alles?«

Loytan griff erneut an.

»Zu offensichtlich.« Rodario blockte seinen Schlag, ohne dass sein Arm zitterte, und ließ den Ellbogen in sein Gesicht krachen. Er langte in die Haare des Mannes und riss ihn daran nach unten; gleichzeitig schnellte sein Knie in die Höhe und traf die Nase; krachend brach sie. Dann gab er den Grafen frei und trat ihm in den Bauch. Ächzend fiel er auf die Knie. »Dafür stirbst du«, würgte er. »Hattet Ihr das nicht ohnehin mit mir vor?« Rodario tat ver wundert. »Außerdem habe ich noch den nächsten Mordversuch an Euch frei, und nicht umgekehrt. Für die Sache auf dem Schacht.« Er sah zu, wie Loytan die Schlagringe wegwarf und einen Dolch zog.

Zwei Attacken wich Rodario aus, dann unterlief er die dritte und deckte den Grafen mit einer Kette von Hieben und Schlägen ein, dass ihm das Blut aus vielen Platzwunden im Gesicht strömte. Keuchend brach Loytan auf dem Gang zusammen. »Wisst Ihr, man benötigt als Mime zahlreiche Talente. Um einen Krieger beispielsweise darstellen zu können, genügt es nicht, eine Rüstung zu tragen«, erklärte er dem Geschundenen. »Ich muss auch ein bisschen sein wie er. Kämpfen wie er, versteht Ihr? Ich will gar nicht leugnen, dass mir das soeben von Nutzen war.«

Hustend zog sich Loytan an der Mauer hoch. »Das lernt man nicht in wenigen Stunden«, brabbelte er, drei ausgeschlagene Zähne lagen vor seinen Schuhen. Rodario verneigte sich. »Vielen Dank für das Lob. Ihr solltet mal meine Fechtkunst sehen. Darin bin ich meisterlich.« Er lachte. »Ein andermal vielleicht? Wenn Euch der Sinn wieder nach einem Zweikampf steht und Eure Blessuren verheilt sind.« Er überlegte. »Was wolltet Ihr mich eigentlich fragen?«

Loytan langte unter seinen Rock und warf einen Klumpen Watte auf den Boden. »Das habe ich in deinem Zimmer gefunden.«

»Ah, meine Requisiten. Welch eine Entdeckung!«

»Du polsterst dir das Gesicht unentwegt aus, habe ich recht? Und deine Bärtchen am Kinn und unter der Nase sind angeklebt«, setzte Loytan nach, das Blut um den Mund abputzend. »Wer bist du wirklich? Aus welchem Grund trägst du von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang eine Maskerade?«

Rodarios Augen veränderten sich und blickten entschlossen, ohne jegliche Belustigung. »Die Neugierde hat schon vielen Menschen das Leben gekostet.« Er machte einen plötzlichen Schritt auf den Grafen zu, eine Hand packte den Gürtel, die andere den Kragen. »Ihr seid also in guter Gesellschaft.« Er hob den nicht eben schmalen Mann an und beförderte ihn kraftvoll über die Mauer.

Der Schrei blieb aus.

Habe ich ihn nicht weit genug geschleudert? Rodario beugte sich über die Brüstung und sah Loytan in vier Schritt Entfernung mit einer Hand an einem tönernen Wasserablauf hängen. »Mit Eurer Geistesgegenwart kommt Ihr leider nicht weit. Nur tief.« Er blickte nach rechts und links den Wandelgang entlang und entdeckte einen Feuerkorb, in dem die Flammen erloschen waren. Rasch eilte er hin, hob ihn an und schleppte ihn bis zu Mauer. Der Graf versuchte noch immer, sich an dem Rohr in die Höhe zu ziehen. »Wartet! Ich werfe Euch etwas zu, an dem Ihr Euch festhalten könnt.« Grinsend rollte er das Behältnis aus geschmiedeten Eisenbändern über die Brüstung. »Fangt! Es trägt Euch sicher und rasch nach unten.«

Rodario sah, wie der Feuerkorb die Rinne zerschmetterte. Loytan stürzte dem See entgegen und schlug nach einem langen Flug auf der Wasseroberfläche auf; der Feuerkorb folgte an der gleichen Stelle. Das Platschen vernahm er nicht, der Wind trug den Laut davon. »Bestellt der Albin einen schönen Gruß«, rief er und richtete sich auf. Erst dann vergewisserte er sich, bei seinem Treiben von niemandem beobachtet worden zu sein. Die Fenster, von denen aus man den Teil des Ganges einsehen konnte, waren dunkel und unbewohnt. Rodario erlaubte sich ein noch breiteres Grinsen, während er den Wattebausch aufhob und ihn unter seinen Mantel schob. Er mochte es, unterschätzt zu werden.

Er wollte sich eben umdrehen und seinen Weg fortsetzen, als er einen Schemen am Abendhimmel fliegen sah, den er zuerst für einen Vogel gehalten hatte. Aber als die Umrisse näher kamen und immer weiter wuchsen und sie sich auf den Schacht zur Quelle zubewegten, war sich Rodario sicher, dass es sich um alles, nur nicht um einen harmlosen Vogel handelte, sondern...

»Lohasbrand«, schrie er und rannte los. »Zu den Waffen! Der Drache kommt!«

XVII

Das Geborgene Land, das einstige Königinnenreich Weyurn, acht Meilen vor Seenstolz, 6491./6492. Sonnenzyklus, Spätwinter.

Durch den Angriff des Kordrion hatte die Gruppe um Tungdil einundzwanzig Zwerge der Schwarzen Schwadron und drei Zhadär verloren. Sie verbrannten die getöteten Krieger und nahmen die Asche mit, um sie ins Rote Gebirge zu bringen; dort sollten sie in allen Ehren bestattet werden. Zwergenüberreste gehörten in die Berge, nicht in ödes Land und schon gar nicht in ein Albae-Reich.

Aber auch die Mehrzahl der Ponys war ums Leben gekommen. Somit blieb ihnen nichts anderes übrig, als die ersten Meilen bis zur Nordwestgrenze von Phöseon Dwhamant zu Fuß zurückzulegen, ehe sie nach und nach ihre benötigten Reittiere den Bauern des einstigen Königreichs Tabain abkauften.

Natürlich erregte ein solcher Zug Aufsehen, und Tungdil trieb sie zu noch größerer Eile an. Umlauf für Umlauf ging es durch ausgetrocknete Seenböden, die mit einer Schicht Reif und Eis überzogen waren, welche unter den Hufen knisterte.

Sie passierten hoch aufragende Inseln, die Ingrimmsch an riesige steinerne Pilze erinnerten. Es gab jedoch auch viele Eilande, deren Sockel ohne das Wasser nicht mehr gehalten hatte. Sie waren umgestürzt und auf der harten Erde zerschellt. Es sieht unwirklich aus. Als wollten die Götter das Land neu formen. Besonders faszinierend fand Ingrimmsch die Stellen, wo sich einst Riffs befunden hatten. Sie ragten wie kugelige, abgeschliffene Berge empor, teilweise hundert Schritt und höher; dazwischen stießen sie auf die Überreste von gestrandeten Schiffen und die Skelette von gewaltigen Fischen. Die Zwerge lenkten die Ponys durch die Gräten und ritten durch sie hindurch, ohne sich die Köpfe zu stoßen, so enorm waren die Knochen. Ich wusste, weswegen ich tiefes Wasser gemieden habe. In betrachtete das Gebein und den dicken Schädel mit den Fangzähnen, die sogar auf der Innenseite des Mauls am Gaumen entlang hervorstanden. Daraus entkam keine Beute. »Man könnte meinen, dass unser Großkönig jeglichen Kampf gegen die Lohasbrander und deren Ork-Kontingente vermeiden möchte«, sagte Slin unterwegs. »Ja, leider«, meinte Ingrimmsch. »Es geht jedoch nicht darum, dass er oder irgendeiner von uns Angst vor dem Gefecht hat«, betonte er. »Es geht einzig um die Geschwindigkeit. Vorrangiges Ziel ist das Rote Gebirge und der Hort des Drachen, den wir um die wertvollsten Schätze erleichtern wollen, um ihn gegen Lot-Ionan zu hetzen.«