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Er erreichte die Unterkunft von Mallenia, die bereits halb gerüstet vor der Tür stand und eben noch die letzten Lederbänder ihrer Panzerung festzog. »Wisst Ihr, was los ist?«

»Ich habe den Alarm ausgelöst«, sagte er sich brüstend.

»Ihr? Ihr seid doch gar nicht gefährlich.« Mallenia zog ein Schwert und lachte. »Im Ernst: Wisst Ihr, wem wir den Aufruhr zu verdanken haben?« »Ich habe ein... fliegendes Wesen gesehen, das auf den Schacht zuhielt. Da fand ich es angebracht, die armen Menschen im Palast zu wecken, damit sie den Angreifer gebührend...« Er hielt inne, weil er bemerkte, dass sie ihm nur noch halb zuhörte und an ihm vorbeiblickte.

Mallenia hob den Arm. »Königin Coira! Sucht Ihr uns?«

Er wandte sich um und sah die junge Maga umringt von Gardisten zu ihnen eilen. Sie trug das schwarze Gewand mit weißen Stickereien darauf, die Haare lagen unter dem weißen Schleier. »Es ist der Drache«, sagte sie von Weitem. »Er ist gekommen!« »Um uns anzugreifen oder sich mit Euch über das zu unterhalten, was Ihr ihm geschrieben hattet?« Mallenia deutete eine Verbeugung an, Rodario fiel es zu spät ein. »Ich weiß es nicht. Wollte er mir nicht einhundert Orks senden, um die Albae zu fassen?« Sie rannte weiter und gab den beiden mit einem Winken zu verstehen, dass sie ihr folgen sollten.

»Wohin eilt Ihr?«, erkundigte sich Rodario. »Befindet sich im Inneren des Inselfußes ein abgeschotteter Raum, in dem Ihr abwarten könnt, was sie ereignet?«

»Ich möchte zur magischen Quelle.«

»Begeht keinen Fehler, indem Ihr sie auf die Schnelle dem Untergang...« »Unsinn«, fiel sie dem Schauspieler ins Wort. »Ich möchte den Schacht nicht einstürzen lassen. Es geht darum, dass ich kaum mehr genügend Magie in mir trage, um uns nötigenfalls gegen den Geschuppten zu verteidigen.«

Rodario und die Ido tauschten erleichterte Blicke aus. »Es freut uns sehr«, sagte er, »dass Ihr Euch so entschieden habt.«

»Und es ist Euer beider Verdienst, dass ich so handele. Ich habe viel über Eure Worte nachgedacht und bin zum Entschluss gekommen, dass ich mich der Verantwortung stellen muss. Meine Mutter soll mich nicht vergebens ausgebildet haben.« Sie schenkte ihnen ein knappes Lächeln. »Auch wenn es nicht leicht wird. Ich trage kein allzu großes Kämpferherz in mir.«

Sie erreichten die Plattform, von der die Gondeln hinunter zum Schacht fuhren. Coira wollte eben einsteigen, da hielt sie Rodario an der Schulter fest. »Wollen wir nicht lieber die Treppen nehmen? Unsere Leben hängen an einem Draht und Tauen.«

»Sie halten es aus.« Die Königin betrat die Gondel. »Habt Vertrauen.«

»In die Konstruktion schon, aber nicht zu dem Drachen, der die Insel umkreist.« Er suchte nach dem Wesen, doch es zeigte sich im Augenblick nicht. »Wo mag es abgeblieben sein?«

»Unter der Insel«, riet Mallenia und kam zu ihnen. »Beten wir zu Elria und Palandiell, dass wir heil am Schacht ankommen.«

»Graf Loytan wird uns mit seinen Katapulten Deckung geben.« Coira befahl vier Gardisten zu sich, der letzte zog die Tür zu, und die Fahrt steil nach unten begann. »Graf Loytan ist nicht in der Festung, Hoheit«, sagte einer der Männer. »Wir sind ihm vorhin begegnet, als er zum Wandelgang gelaufen ist. Seitdem hat ihn niemand mehr gesehen.«

Rodario war sehr froh, dass er sein Gesicht abgewandt hatte. So konnte niemand etwas von seiner Miene ablesen. Er hielt sich für einen ausreichend guten Schauspieler, um sein Grinsen verbergen zu können, doch sicher war sicher.

Die Gondel pendelte leicht im auffrischenden Abendwind, was Mallenia dazu brachte, weiß im Gesicht zu werden. Das Schaukeln hatte jedoch nichts zu sagen, die Halterungen und Ösen des Aufzugs waren fest.

Coira ging es viel zu langsam, und sie wies den Gardisten, der die Mechanik bediente, die Bremse weiter zu lösen.

»Hoheit, damit kämen wir zu rasch in die Ladestation hinein«, wagte der Mann den Hinweis. »Es ist nicht ungefährlich, noch schneller als jetzt abwärtszufahren.« Da sich die Gondel bereits abgesenkt und somit weiter von der Insel entfernt hatte, sah Rodario das Wesen wieder. »Da! Es hängt tatsächlich unten am Felsen!« Mallenia, Coira und die Soldaten blickten hinaus, um mehr erkennen zu können. Es glich einer Eidechse, dem Tion die Flügel einer Heuschrecke gegeben hatte. Der schuppige Körper war zehn Schritt lang, das Maul konnte mit Sicherheit eine Kuh verschlingen, und die schwarze Haut schimmerte im letzten Sonnenschein feucht auf; Rodario erkannte gelbe und blaue Zeichnungen darauf. Um den Hals trug es eine eiserne Kette, an der ein dunkler Onyx von der Größe eines Handkarrens befestigt war. »Wieso schießen die Katapulte auf dem Schachtrand nicht?«, regte er sich auf.

Die starren Augen verfolgten die Gondel.

Mallenia sah hinab zu den Speer- und Pfeilschleudern, die scheinbar auf sie gerichtet waren. »Wegen uns. Wir hängen in der Schusslinie und geben dem Viech ungewollt Deckung.«

»Das ist kein Drache. Jedenfalls nicht Lohasbrand«, stellte Coira fest.

»Vielleicht ein kleiner Freund von ihm? Hat er ihn vorausgeschickt?« Rodario wusste nichts mit dem Anblick des Tieres anzufangen, in keiner Sage war es ihm untergekommen. »Es starrt mich an«, sagte er und wich vom Fenster zurück »Als hätte es Verlangen nach Schauspielern.«

»Es frisst sicherlich nur gute«, neckte Mallenia ihn und wurde sich gleichzeitig darüber bewusst, dass sie sich wie ein verliebtes Mädchen benahm - in einem sehr unpassenden Augenblick.

»Und es starrt uns alle an«, sagte Coira.

»Um ehrlich zu sein: Das bedeutet für mich keinen Trost.« Rodario wandte sich an die Königin. »Jagt ihm doch Magie durch den widerlichen Schädel!«

Sie verneinte. »Wir wissen nicht, was es von uns will. Am Ende ist es ein friedliebendes Wesen.«

»Im Geborgenen Land? Mit diesem Äußeren?« Sich schüttelnd verfolgte er, wie eine blaufarbene Zunge aus dem Maul schnellte und züngelte. »Seht! Seht doch, es holt sich Appetit!«

Die Gondel hatte zwei Drittel des Weges zurückgelegt.

Das Wesen ließ sich fallen, drehte sich im Sturz um die eigene Achse und breitete die Hornflügel aus, mit denen es genau auf die Gondel zuglitt. Es öffnete den Rachen und zeigte eine Reihe sehr scharfer Zähne.

»Meiner Ansicht nach ist es deutlich, was es will.« Rodario sank vor Coira auf die Knie. »Rettet uns!«

Seine Aufforderung hätte die Königin jedoch nicht mehr benötigt. Sie sammelte die letzten Reste ihrer magischen Kräfte und jagte einen roten Blitz durch das Fenster gegen das heranschießende Scheusal.

Die Attacke saß!

Die Energie zerfetzte die Schnauze und Teile des Halses, und aus dem Flug wurde ein maßloses Trudeln, das in den Seilen der Gondelbahn endete. Jetzt durften auch die Fernwaffen auf dem Schacht den Beschuss eröffnen.

Ruckartig wurde ihre Kabine in die Höhe gerissen, über ihren Köpfen erklang ein Klirren, gefolgt von einem reißenden Geräusch, und plötzlich stürzten sie dem See entgegen.

»Haltet sie auf«, schrie Rodario voller Furcht und versuchte, sich an einer Strebe festzuhalten. »Coira, tut etwas! Bremst den Sturz!«

Die Gondel drehte sich, und so sah er, dass die verletzte Kreatur ihnen mit ausgestreckten Vorderkrallen folgte.

»Vergesst, was ich gesagt habe: schneller, schneller!«, brüllte er Mallenia, gegen die er geprallt war, schreckensgepeinigt ins Ohr. »Die Bestie hat uns gleich!« Tungdil befand sich mit Slin, Balyndar und Ingrimmsch sowie zehn Zhadär auf dem ersten Fischerboot, das unter Vollzeug auf Seenstolz zuhielt. Sie sahen genau, was sich in vier Meilen Abstand zu ihnen abspielte.

Slin blickte nach hinten zu der kleinen Flotte, auf der sich die Schwarze Schwadron und die Zhadär befanden. Die Bewohner des Dörfchens hatten sich bereit erklärt, die Zwerge überzusetzen, nachdem sie die Namen Tungdil und Boindil vernommen hatten; als das Scheusal aufgetaucht war, beeilten sie sich zusätzlich. »Coira wird eine unerfahrene Maga sein.«