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»Mitte des Frühlings sollten die Vorbereitungen abgeschlossen sein. Sowohl unsere als auch die des Kaisers. Dann kann es losgehen.« Tungdil blickte zu den imposanten Hängen hinauf, die im Licht rot leuchteten.

»Ich habe immer noch nicht verstanden, wie wir Lohasbrand entkommen, wenn er uns angeblich gleich riecht oder was auchimmer«, ließ Rodario nicht locker. »Und ich möchte nicht hören, dass ich ja nur ein Schauspieler bin, der keine Ahnung von Kriegskunst hat.« Mallenia und Coira gaben ihm mit ihren Blicken recht.

»Es ist aber so«, sagte Hargorin verächtlich.

»Der Drache wird zuerst nicht wissen, was vorgefallen ist. Er wird uns für Aufständische halten und die Sache den Orks überlassen - bis er seinen Verlust bemerkt«, erklärte Tungdil ihnen. »Bis dahin sollten wir mindestens die Hälfte der Strecke zu Lot-Ionan hinter uns gebracht haben. Mindestens! Wir werden von morgens bis abends reiten müssen und die Pferde wechseln, sobald sie müde werden. Ohne den Vorsprung ist es nicht zu schaffen. Holt er uns ein, dann müssten wir«, er warf Coira einen kurzen Blick zu, »Lohasbrand vernichten. Damit würde uns aber ein wichtiges Element fehlen, das wir zur Schwächung von Lot-Ionan benötigen. Kommt er uns zu nahe, werden wir versuchen, ihn in die Flucht zu schlagen.«

»Ihr traut mir einiges zu«, sprach die Königin und schluckte schwer.

»Das tue ich. Weil ich es muss. In der Schlacht bekommt man ein Kämpferherz, nicht beim Geschichtenhören über den Krieg.« Er richtete sein Auge auf sie. »Sagt es mir lieber gleich, wenn Ihr zu viel Angst habt, damit ich den Plan ändern kann.« Coira fühlte sich in ihrer Ehre als Maga gekränkt. »Sicher schaffen wir es, sowohl den Drachen als auch den Magus gemeinsam zu Fall zu bringen. Lot-Ionan wird bei unserer Ankunft angeschlagen genug sein, denn ich gehe ebenso davon aus, dass unser Plan gelingt.«

Die Sonne verschwand hinter den aufziehenden Wolken, erste Regentropfen fielen auf die gerüstete Gruppe nieder, und ein leichtes metallisches Klappern erfüllte die Luft. Tungdil wendete sein Pony und ritt weg vom Taleingang. »Da drüben gab es Höhlen. Darin schlagen wir unser Lager auf, bis die Zhadär zurückkehren und uns berichten, was sich bei ihrem Einsatz ereignet hat.«

Sie fanden tatsächlich Unterschlupf, bevor der Regen stärker wurde und bindfadendick vor dem Eingang hinabstürzte. Er spülte auch die letzten Reste des Schnees hinweg und verwischte die Spuren des Trosses.

Zwerge und Menschen verteilten sich in der weitläufigen Höhle, um sich vor dem anstehenden Angriff auf die Lohasbranderund die Orks auszuruhen. Ingrimmsch versorgte sein Pony und schlenderte umher, sah nach den Begehrern. Die ersten Botenreiter wurden von Hargorin ausgesucht, damit sie sich bei Anbruch des nächsten Umlaufs auf die Straße begaben und ihre Botschaften an Aiphatön, den Widerstand sowie an die Zwergenstämme überbrachten. Jetzt lässt sich nichts mehr aufhalten.

Danach ging er zu den Unsichtbaren, um zu beobachten, wie sie ihre Vorbereitungen für den nächtlichen Einsatz trafen.

Sie saßen mit Barskalin zusammen und redeten leise miteinander. Kurzbärtig, schwarz von Kopf bis Fuß, schwer bewaffnet. Ich kann sie wirklich nicht auseinanderhalten, stellte er wieder fest. Ob ich es wagen kann, mich mit ihnen zu unterhalten? Wer weiß, wie viele von denen zurückkehren?

Der Gedanke kam nicht von ungefähr: Die Zweifler verlangten es von ihm. Wer eine Geste beherrschte, um die Rüstung des Gelehrten zum Stehen zu bringen, konnte sicherlich mehr über die Runen erzählen. Das war wichtig. Er wusste auch schon, wie er es anstellen würde.

Er wartete, bis die Unterhaltung der Zhadär beendet war, dann näherte er sich Schritt für Schritt. Ingrimmsch achtete darauf, dass Barskalin in eine andere Richtung sah, denn er würde es sicherlich nicht wollen, dass sich der Zweite mit seinen Leuten unterhielt. Sie aushorchte wäre wohl der bessere Ausdruck.

»Darf ich mir mal die Waffen näher ansehen?«, fragte Ingrimmsch den Nächstbesten der Krieger, der am Boden saß und seinen Dolch schliff. Er lächelte unverbindlich, dabei ging er in die Hocke. Somit fiel er nicht zu sehr auf.

Der Zhadär wandte sich um und blickte ihn erstaunt an. »Bitte«, sagte er und reichte Ingrimmsch die Waffe.

»Kennt ihr eigentlich auch Witze? Ich finde den mit dem Zwerg und dem Ork herrlich.« »Wirklich? Ich habe ihn nie verstanden«, erwiderte der Zhadär. »Warum sollte ein Ork ausgerechnet einen von uns nach dem Weg fragen?«

Ingrimmsch stutzte. »Aber das ist doch schon mal die eine lustige Sache daran.« »Lustig? Ich finde es... unwahrscheinlich.« Sein Gegenüber sprach geradeaus. »Jede Grünhaut weiß, dass ein Zwerg ihn köpfen würde.« Er lachte auf. »Und dann die Auflösung des Witzes! Was der Zwerg sagt und macht - recht seltsam. Aber nicht lustig.« »Äh«, machte Ingrimmsch verwirrt. »Die Geschmäcker sind verschieden.« Er beschloss, seine Taktik zu ändern, weg vom Witz, und so drehte und wendete er den Dolch in den Händen, bestaunte laut die Runen und die Güte der Klinge, um dem Zhadär zu schmeicheln. »Was bedeuten die Zeichen denn?«

Geduldig erklärte ihm der Zwerg, dass sie dem Feinden den Tod garantierten. »Wie bei uns«, meinte Ingrimmsch ein bisschen unbeholfen. »Ich meine... ihr wart ja mal welche von uns...« Schnell schwieg er und gab den Dolch zurück. Jetzt war es an dem Zhadär zu grinsen. »Was möchtest du wissen, Zweiklinge?« »Ist es so offensichtlich?«

»Ja. Du bist ein herausragender Krieger, aber kein guter Spion.«

»Das liegt mir tatsächlich nicht. Ich gehe die Dinge geradeheraus an.« Ingrimmsch lachte und setzte sich; er hörte und spürte, wie sich seine Wasserflasche vom Gürtel löste und auf den Höhlenboden rutschte. Mit dem Zeigefinger malte er ein Zeichen in den Boden, das ungefähr der Rune glich, die Tungdil auf der Rüstung trug. Der Zhadär drehte sich zu dem Gelehrten um, der Geruch von kräftigen Gewürzen streifte den Zwerg. »Du hast es auf der Panzerung des Großkönigs bemerkt«, sagte er sofort. »Frak hat uns gesagt, dass er Goldhand einen Schrecken eingejagt hat.« »Frak?«

»Der Zhadär, der euch im Jenseitigen Land begegnet ist.« »Also kennt ihr das Geheimnis der Rüstung?« »Gibt es denn eines? Weil sie magischer Natur ist?« Ingrimmsch nickte. »Ja.«

»Das ist kein Geheimnis. Jeder Magus und jede Maga und jedes Wesen, das sich ein wenig mit den Künsten der Magie auskennt, werden es dem Großkönig ansehen. Oder war es eine bestimmte Art der Magie?« Der Zhadär setzte das Schleifen des Dolches fort. »Ich darf nicht darüber sprechen«, sagte er leichthin.

»Ich muss es wissen! Wenn ein Alb einen Spruch gegen Tungdil wirft und ihn wieder in der Rüstung einsperrt, muss ich ihn befreien können, ohne jedes Mal mit dem Krähenschnabel dagegen zu schmettern.« Die schwarzen, beinahe leeren Augenhöhlen seines Gegenübers machten ihm nach wie vor zu schaffen. Es war sehr schwierig, sich mit einem Zwerg zu unterhalten, ohne an den Augen abzulesen, wie er manche Sachen meinte. »Damit hast du die Starre gelöst?« Der Zwerg lachte los. »Ein Wunder, dass deine Hände nicht geplatzt sind.«

»Ich habe gut achtgegeben.« Ingrimmschs Aufregung stieg. Er stand kurz davor, ein paar Rätsel zu lüften. Schnell sah er zuerst zu Barskalin, dann zu Tungdil. Beide waren beschäftigt und bemerkten ihn nicht. »Sag es mir, bitte! Das Leben des Großkönigs könnte davon abhängen.«

»Wohl wahr.« Der Zhadär setzte den Schleifstein ab. »Merk dir diese Worte.« Aus seinem Mund drangen Laute, die für Ingrimmsch nicht nachzusprechen waren. Verdutzt sah er den anderen Zwerg an. Inzwischen war er davon überzeugt, es mit dem Stänkerer zu tun zu haben; die Stimme passte. »Das schaffe ich nicht.« »Dann übe es. Für den Großkönig.« Er gluckste plötzlich los, dann schwieg er und stieß einen Fluch aus, dabei verzog sich sein Gesicht zu einer Grimasse. Das Ganze dauerte nur zwei, drei Blinzler lang, doch es genügte, um Ingrimmsch zu erschrecken und nach dem Waffengriff fassen zu lassen. Aber der Zhadär blieb nach seinem Ausbruch gelassen. »Was noch?«