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»Entzweien?« Mallenia versuchte sich zu erinnern, wann sieund die Herrscherin von Weyurn sich verbündet hatten. Sie sah unschlüssig auf den Lederbeutel.

»Seht: Ihr werdet bald auf dem Thron von Idoslän sitzen, und ich werde das Erbe meiner Mutter antreten. Ich fände es schön, wenn die künftigen Herrscherinnen sich verstünden und sich durch die Liebe zu einem Mann nicht zu Hass und Zwist verführen ließen. Am Ende erwächst daraus noch ein Krieg zwischen unseren Ländern.« Auch wenn man an ihrem Lächeln sah, dass ihre Worte nicht wirklich ernst gemeint waren, bargen sie einen winzigen wahren Kern.

Mallenia nahm daher den Trinkbeutel entgegen, schraubte ihn auf und trank auf die Verschwesterung, Coira tat es ihr nach. »Er küsst sehr männlich«, sagte die Ido dann. »Es hatte mich damals schon verwundert, aber ich dachte mir nichts dabei. Mein Misstrauen hat sich von seinem schauspielerischen Talent überlisten lassen.« Sie aß weiter. »Werdet Ihr es ihm gestehen?«

»Meine Liebe?« Die Maga atmete tief ein. »Ich weiß es nicht. Es wäre mir... Ich käme mir töricht und gedemütigt vor, wenn ich ihm das Geständnis mache und er mich auslacht. Oder mich für eine andere ablehnt.« Sie sah Mallenia in die Augen. »Er hat sich von Euch den Kuss gestohlen, nicht von mir. Meine Eifersucht auf Euch müsste daher viel größer sein als die Eure auf mich.«

Mallenia stutzte. »Jetzt, da Ihr es sagt... Aber ich denke, er hielt es mehr für ein Spiel denn für eine ernsthafte Angelegenheit. Er hat keine Ahnung, was ich für ihn fühle.« Sie lächelten sich an und sahen gleichzeitig durch die Höhle zu Rodario, der die Blicke der Frauen auf sich zu spüren schien und sich kurz in ihre Richtung wandte. Grüßend hob er die Hand und widmete sich erneut Ingrimmsch.

»Männer.« Mallenia zog ihr Schwert und schärfte die Klinge.

Coira schnitt sich grinsend eine Scheibe Schinken ab und sah der Ido zu. »Ihr habt es besser getroffen als ich.«

»Weswegen?«

»Ihr könnt mit Waffen umgehen. Ich dagegen brauche meine Magie, um mich richtig verteidigen zu können. Und ohne eine magische Quelle sind meine inneren Reserven sehr rasch aufgebraucht.« Die Maga kaute das würzige Fleisch. »Mit meiner Tapferkeit ist es zudem nicht weit her. Ich habe sie nie wirklich benötigt.«

»Ihr scherzt! Ihr standet Albae gegenüber!« »Und war dabei voller Magie. Da braucht es keine Tapferkeit.«

»Ihr sagtet doch, dass die Vernichtung der Quelle bei Seenstolz genügend Energie freigesetzt hätte, um sie aufzufangen.« Mallenia hob den Kopf. »Ihr habt doch genügend Energie, um Zauber zu sprechen?«

»Sicher habe ich die. Aber es ist bei Weitem nicht so viel, wie ich bei einem langen Aufenthalt in der Quelle aufgenommen hätte.« Sie sprach zögerlich. »Ich setze meine Hoffnung in die Quelle, die wir im Roten Gebirge finden werden.«

Jetzt war die Ido aufmerksam geworden. Sie nahm den Trinkbeutel wieder zur Hand. »Wenn dieser Wassersack Euer größtmögliches Reservoir wäre, wie viel tragt Ihr derzeit in Euch?«

Coira schraubte den Verschluss ab und ließ den Inhalt mit einem dünnen Strahl herausfließen, bis sich nur mehr ein Drittel darin befand. Ohne eine weitere Erklärung verschloss sie ihn wieder und gab ihn der Ido zurück.

»Mehr nicht?«

Die Maga schüttelte den Kopf. »Mehr nicht. Aber es genügt, um mit den Orks fertig zu werden. Die Quelle wird mir bald meine volle Stärke zurückgeben.«

»Und es bedeutet keine Schwierigkeit, sie zu finden?«

Coira verneinte. »Ich habe ein Gespür dafür. Es gibt einen Zauber, mit dem man Magie entdecken kann, und der wird mir von großem Nutzen sein.«

Mallenia kümmerte sich um das zweite Schwert. »Ihr hattet recht. Ich trage lieber Stahl zu meiner Verteidigung.«

Rodario kehrte zu ihnen zurück. »Da sind ja die bezauberndsten Frauen des Geborgenen Landes«, sagte er beschwingt. »Und dazu noch die mächtigsten.« »Er übertreibt maßlos«, sagte Mallenia zu Coira. »Bezaubernd wäre außerdem nur die Maga.« Sie hob wie zufällig das Schwert, und die Spitze wies in den Schritt des Mannes. »Ich bin bestechend, Rodario der Siebte.« Sie funkelte ihn böse an, während die Schwarzhaarige kicherte und schnell die Hand vor den Mund legte.

Erstaunt blickte Rodario zwischen ihnen hin und her. »Ich habe den Eindruck, dass sich im Verlauf meiner Abwesenheit hier etwas zugetragen hat, das mich in den Mittelpunkt einer Verschwörung stellt, die zudem gegen mich gerichtet ist.« »Nein. Seid beruhigt: Wir befassen uns nicht mit Nebensächlichkeiten«, entgegnete die Maga zwinkernd und schnitt sich wieder vom Schinken ab. Ein Zhadär kehrte bald darauf zurück und brachte Tungdil die Nachricht, dass die fünf Tore geöffnet seien; sofort machten sie sich mit der dezimierten Schwarzen Schwadron auf den Weg.

»Sie sind nicht lange weg gewesen«, sagte Slin zu Balyndar und lud seine Armbrust im Gehen. Gemeinsam verließen sie die Höhle und rannten durch den Regen auf das Tal zu.

»Ich wäre zu gern dabei gewesen, aber sie haben mich nicht gelassen.« Ingrimmsch war neugierig auf die Künste der Unsichtbaren.

»Es war besser so.« Tungdil hatte Blutdürster gezogen. »Es ist nicht deine Art zu kämpfen, Ingrimmsch. Leise ist eben nicht, mit erhobenem Krähenschnabel und lauten Vraccas-Schreien gegen die Orks anzurennen und sie kurz und klein zu schlagen, dass die Rüstungen scheppern.«

Sie näherten sich dem ersten Holztor, das offen stand und vor dem ein Zhadär sie erwartete.

Beim Hindurcheilen sahen sie auf der anderen Seite ein zweifaches Dutzend Orks im Matsch liegen. Ihre Kehlen waren durchtrennt worden, andere zeigten tiefe Dellen und Schnitte in den Panzerungen, und manchen fehlte der Kopf gänzlich.

Diese Eindrücke wiederholten sich: vor den weiteren vier Toren wartete immer ein Zhadär, und dahinter lagen die getöteten Wächter im Schlamm.

Ingrimmsch war von der Leistung schwer beeindruckt. »Da brat mir einer einen Elb«, murmelte er.

Schließlich erreichten sie den Durchgang ins Rote Gebirge. Vor einer Höhle hatten die Orks eine weitere Palisadenwand errichtet; dieses Mal erwartete sie Barskalin, um sie in Empfang zu nehmen.

»Wir haben die Wachmannschaften überwältigt, wie du es befohlen hast«, erstattete er Tungdil Bericht. »Es wurde kein Alarm gegeben, und auch die Besatzung am Eingang fiel unter unseren Klingen.«

»Ich habe nichts anderes von dir erwartet und bin dennoch mehr als zufrieden«, lobte Tungdil ihn. »Wie viele Orks bisher?«

»Wir haben einhundertvierzehn von denen und zwei Lohasbrander getötet, die sich in der Wachstube aufgehalten haben. Siedienten als Offiziere«, sagte der Syträp. »Einen dritten haben wir gefangen, weil wir annahmen, dass du ihn befragen möchtest.«

»Sehr gut.« Tungdil folgte ihm ins Innere, Ingrimmsch und der Rest schlossen zu ihnen auf.

Die Höhle war sehr hoch, aber karg und ohne Schmuck. Die Orks und Lohasbrander hatten darauf verzichtet, sie außergewöhnlich zu gestalten. Bei genauerem Hinsehen entdeckte man schlecht beseitigte Reste zwergischer Runen und Steinmetzarbeiten. Im vorderen Bereich, unmittelbar im Anschluss an die Palisadenwand, standen zwei hölzerne Baracken, die Mannschaftsquartiere der Orks; zwei kleinere Schuppen schlossen sich an. Barskalin erklärte, dass es sich bei dem einen um eine Vorratskammer und bei dem anderen um einen Kerker handelte. Die beiden Orks, die darin gesessen hatten, waren ebenso ermordet worden.

Ingrimmsch lauschte und staunte. Die Zhadär sind gefährlich wie Schwarzaugen! Hargorin befahl seinen Kriegern, die Höhle zu sichern und sich an den vier Gängen zu verteilen. Keiner der Tunnel war groß genug, um einem ausgewachsenen Drachen Platz zu bieten, was alle mit einer gewissen Beruhigung sahen. Lohasbrand würde sie hier drinnen nicht angreifen können.