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Unvermeidlicherweise marschierten die Mahendo‘sat-Beamten herbei. Mahe- und Hani- Papiere wurden unterzeichnet; und Pyanfar packte Hilfy an der Schulter und arbeitete sich mit ihr nach vorn. Hilfy machte die letzten Schritte allein und umarmte die Entkommenen, eine von den Faha nacheinander müde erwiderte Geste.

»Mein Kapitän«, sagte Hilfy dann, »meine Tante Pyanfar Chanur. Meine Mannschaftsgefährtin Haral Araun par Chanur.

Es gab Umarmungen die Reihe entlang. »Unser Schiff steht euch offen«, sagte Pyanfar dem Ersten Offizier, deren abgezehrtes Gesicht und benommene Augen sie aufnahmen und im Moment anscheinend zuviel aufzunehmen hatten, wo die Mahe medizinische Hilfe anboten und die Station sofortige Aussagen wünschte. Pyanfar überließ die Faha für den Moment Hilfy und den Tahar, die herbeigekommen waren und ihr Beileid bekundeten, und schüttelte nacheinander der Mannschaft des Mahe-Rettungsschiffes die Hände, darunter auch deren offenkundigen Kapitän, ein großer ungeschlachter Bursche, der so zerquetscht und verwirrt aussah wie die Faha und der wahrscheinlich gerade über seine verlorene Fracht und den Zorn der betroffenen Firmen nachdachte und darüber, was all diese Dankbarkeit ihm denn einbringen würde, sobald das lobende Rufen erstarb und die Rechnungen eintrafen.

»Sind Sie der Kapitän, Mahe?« fragte Pyanfar.

Ein bejahendes Nicken.

»Ich bin Pyanfar Chanur; Chanur hat ihretwegen einen Bericht auf Kirdu eingereicht; die Chanur-Gesellschaft wird Ihnen auf Anuurn Hani-Status verleihen. Kommen Sie dorthin, ja? Fliegen Sie Anuurn an. Keine Steuern.«

Dunkle Mahe-Augen hellten sich etwas auf. »Gut«, sagte er. »Gut.« Und er drückte ihr beide Hände mit zermalmendem Griff, drehte sich um und schnatterte seinen Leuten etwas vor — wahrscheinlich war er einer jener Mahe, die kaum das Pidgin verstanden und dessen halber Wortschatz gut möglicherweise schon war. Er schien den anderen das Angebot zu erklären.

Grinsen breitete sich aus, und Pyanfar entrann der Zermalmung und kehrte zu Hilfy und den anderen zurück, legte den Arm um Hilfy und bugsierte die ganze Hani-Gruppe durch das Gedränge der großen Mahendo‘sat-Körper. Die Tahar bildeten mit den Chanur einen Keil, und sie brachen ins Freie durch.

»Hier entlang!« sagte Pyanfar, und der Erste Offizier Hilan Faha nahm den anderen Ellbogen ihrer verletzten Gefährtin und versicherte sich der beiden anderen. Sie entkamen den Beamten, die hinter ihnen herriefen und dabei etwas von Formularen andeuteten — Chanur, Faha und Tahar in einer Gruppe das Dock hinauf zum emporgekrümmten Horizont, wo die Stolz und die Mondaufgang angedockt lagen.

»Wie weit noch?« fragte der Faha-Offizier mit zitternder Stimme.

»Schon ziemlich nah«, beruhigte Hilfy sie. »Lass dir Zeit!« Der Weg zurück wirkte weit länger, und ihr Marsch ging durch das von den Faha bestimmte Tempo langsamer vonstatten. Forschend betrachtete Pyanfar die dunklen Stellen entlang ihres Weges, und sie war nicht die einzige, die beobachtete, das wusste sie genau. An den Kif-Schiffen mussten sie vorbei, und dort standen die Kif, mittlerweile zehn… riefen mit höhnischem Knacken ihre Beleidigungen und die Einladung, zu ihnen an Bord zu kommen und mitzufahren. »Wir bringen euch zu eurem Hafen«, heulten sie. »Wir werden dafür sorgen, dass ihr euren Lohn erhaltet, Hani-Diebe!«

Ein wilder Blick trat in Hilan Fahas Augen. Sie blieb abrupt stehen und starrte sie an.

»Nein«, sagte Pyanfar sofort. »Wir sind mit Duldung der Station hier. Dies ist nicht unser Territorium — nicht auf den Docks.«

Die Kif heulten und zirpten ihre Beleidigungen. Aber die Faha gingen weiter, und während die Kif-Stimmen in der Ferne verklangen, kamen sie an den Stsho vorbei, die mit großen bleichen Augen starrten, dann an einer beruhigend großen Zahl von Mahendo‘sat-Schiffen vorbei aufwärts, inmitten völliger Stille von Dockmannschaften und Passanten, die sie mit respektvoller Sympathie betrachteten.

»Es ist nicht mehr weit«, sagte Pyanfar.

Die Faha hatten nicht mehr den Atem, um noch zu antworten, gingen einfach neben ihnen her, bis sie endlich, endlich den Liegeplatz der Stolz erreichten. »Faha«, sagte daraufhin Dur Tahar, »die Mondaufgang ist nicht beschädigt, wie es bei der Stolz der Fall ist. Wir bieten euch eine Passage an, die zugesichertermaßen direkter ist und schneller nach Hause führt.«

»Wir nehmen an«, sagte Hilan Faha zu Pyanfars Bestürzung.

»Kusine«, sagte Hilfy mit sorgfältig modulierter Stimme, »Kusine, die Stolz wird ziemlich schnell ablegen, und wir benötigen die Hilfe. Wir brauchen euch, Kusinen. Vielleicht findet ihr euch in die Gesellschaft ein.«

»Tamun hat alles durchgemacht, was sie überhaupt verkraften kann«, sagte Hilan Faha und legte ihrer verletzten Kameradin beschützend die Hand auf die Schulter. Sie blickte zu den Tahar. »Wir kommen an Bord, mit eurer Erlaubnis.

»Kommt!« erwiderte Dur Tahar, und ihre Leute umringten die vier und begleiteten sie durch die Rampe. Hilfy machte zwei Schritte hinter ihnen her und blieb dann mit angelegten Ohren stehen, die Hände seitlich herabhängend, während ihre Verwandten im Rampengang der Mondaufgang verschwanden.

Ihre ganze Körperhaltung brachte Demütigung zum Ausdruck, die Erniedrigung einer abgewerteten und beiseite geschobenen Halbwüchsigen. Pyanfar steckte die Hände hinter den Hosenbund, weil sie in ihrer Verlegenheit nicht wusste, was sie mit ihnen machen sollte — sie konnte sie einfach nicht ausstrecken und Hilfy wie ein Kind trösten. Es war deren Sache, es so zu nehmen, wie es in ihren Kräften stand. »Sie haben einen Schock erlitten«, sagte sie einen Moment später. »Es tut mir leid, Tante.«

»Komm!« sagte Pyanfar und nickte in Richtung ihrer eigenen Rampe. Eine rote Flut überspülte ihr Blickfeld, ein langsames Sieden. Hilfys wegen musste sie die Sache einfach so nehmen, wie sie ausfiel, aber es nagte trotzdem an ihr. Sie ging als erste hinauf und Haral als letzte, und sie überließen Hilfy ihrem Schweigen und der Wiederherstellung ihrer Würde.

Feiglinge, dachte Pyanfar und schluckte auch diesen Gedanken Hilfys wegen hinunter. Sie benötigten die zusätzlichen Hände verzweifelt; auch diese weniger edle Erwägung fraß an ihr. Sie brauchten die Faha. Aber die Faha hatten genug von den Kif.

Und dort draußen lagen Kif-Schiffe und lauerten. Dessen war sie sich in zunehmendem Maße sicher — wenn nicht tatsächlich an den Rändern des Kirdu-Systems, wie es sehr wohl sein mochte, dann doch zumindest überall verstreut und auf ihre Gelegenheit wartend. Mehr und mehr Kif-Schiffe, ein sich sammelnder Schwarm von ihnen, und diese Kooperation miteinander war bislang ohne Beispiel.

Durch die Luftschleuse betraten sie den Korridor, und Chur und Geran, die sich mit der offenkundigen Absicht, ihre Faha-Gäste willkommen zu heißen, auf den Weg nach draußen gemacht hatten — blieben im Eingang des Op-Raumes stehen, einfach so.

»Unsere Freunde haben ihre Absicht geändert«, sagte Pyanfar knapp. »Sie haben sich entschlossen, mit den Tahar zu fliegen. Es hat etwas mit der Verletzung zu tun, die eine von ihnen erlitt, und die Tahar haben ihnen einen schnelleren Heimweg versprochen.«

Damit war der Geschichte in Hilfys Interesse ein akzeptabler Anschein verliehen. Chur und Geran wichen zurück, als Pyanfar in den Op-Raum trat und Geran und Tully betrachtete, der dort saß. Geran begriff gut und Tully sah beunruhigt aus, spürte die in der Luft liegende Stimmung, ganz ohne Zweifel, verstand sie aber nicht. »Hat nichts mit dir zu tun«, sagte Pyanfar abwesend und nahm in einem Sessel am hinten stehenden Tisch Platz, besah sich das Systembild, das Geran überwacht hatte. Hilfy und Haral kamen zusammen herein, und es herrschte eine gespannte Stille, als alle hier versammelt wären und Hilfy sich bemühte, ein neutrales Gesicht zu machen.