»Na ja, viel Glück für sie«, brummte Tirun. »Sie haben wirklich genug erlebt.«
»Es sind Kif draußen auf dem Dock«, berichtete Pyanfar. »Sie wissen zuviel und werden darüber frech. Sie sind vor uns von Kita hierher gekommen, ein Teil von dem Haufen auf Treffpunkt oder Urtur… Urtur, vermute ich, denn ich habe Namen überprüft, und es waren nicht mehr dieselben wie dort. Die Nachricht wandert einfach von einem Kif zum nächsten weiter. Es wird eng hier.«
»Bald werden noch mehr hier sein«, meinte Haral. »Ich wette, dass es draußen vor dem System welche gibt. Käpt‘n, glaubst du, wir könnten die Mahe überreden, uns zu unserem Sprungpunkt zu eskortieren? Sicherlich reicht unser Einfluss dafür aus.«
»Diese Geschichte wird ihren Weg von Station zu Station machen«, sagte Pyanfar bitter.
»Götter — aber ich glaube nicht, dass wir viel Wahl haben. Ich werde sie bewegen, uns nach draußen zu begleiten.«
»Wenn unser Heck wieder zusammengeflickt ist«, meinte Tirun verdrießlich.
Von weiter unten aus dem Korridor drang ein Geräusch herein — Schritte in der Luftschleuse.
Alle Köpfe drehten sich zur Tür, und Pyanfar griff nach der Pistole in ihrer Tasche, bahnte sich ihren Weg an Tirun vorbei zur Tür des Op-Raumes und entsicherte die Pistole klickend.
Es war eine Hani — Hilan Faha, die überrascht eine Hand hochwarf und stehen blieb, als sie Pyanfar erblickte. Letztere schaltete mit einer Krallenspitze wieder die Sicherung ein und stieß die Waffe in die Tasche zurück. Sie spürte, dass die anderen von ihrer Besatzung hinter ihr standen.
»Plötzlich die Meinung geändert?« fragte sie die Faha.
»Ich muss mit dir reden. Und mit meiner jungen Kusine.«
»Mit deiner Kusine, verflucht, und mit mir. Komm rein! Weder sie noch ich werden uns hier draußen wie Dockshausierer unterhalten.«
»Ker Pyanfar«, murmelte die Faha eine Anstandsformel, die in keiner Weise den Zorn der Angesprochenen besänftigte. Pyanfar winkte die ganze Gesellschaft zurück in den Op- Raum — erinnerte sich erst dann an Tully, der dort in der Falle saß, aber es gab ja kein Geheimnis um seine Anwesenheit auf dem Schiff und keinen Grund, ihm zu befehlen, sich an all den anderen vorbei hinauszustehlen. Sollte die Faha doch vor ihm sprechen; sollte sie doch ihre Entschuldigungen unter dem Blick des Außenseiters abgeben — das geschah ihr recht.
Und Hilan Faha blieb beim Anblick Tullys im Eingang stehen, dieser nackthäutigen Kreatur von Hani-Gestalt und in Hani-Kleidung, die mit der Besatzung am Tisch saß. Hilans Ohren sanken herab. »Das da«, sagte sie, sich zu Pyanfar umwendend, »ist das Ding, das die Kif wollen — oder?«
»Sein Name lautet Tully.«
Hilan presste die Lippen zusammen, wobei sich bedrohlich die Nase runzelte. »Ein lebendiges Ding. Bei den größeren Göttern, wo bist du gewesen, Chanur, und was geht eigentlich vor sich in dieser Geschichte?«
»Wenn du mit diesem Schiff reisen würdest, dann könntest du fragen, und ich würde eventuell antworten. Wie die Dinge stehen, kannst du aber dann noch alles erfahren, wenn es auch die Tahar tun.«
»Verdammt, für dich ist die Sternjäger untergegangen — hierfür…« Sie spie aus und schluckte weitere Worte hinunter, als Pyanfar sie finster anblickte. »Es war die Entscheidung des Kapitäns. Wir haben bei Urtur alles ausgeladen und sind abgehauen, um euch einen Ausbruch zu ermöglichen. Aber wo wart ihr dann? Wo ist die Hilfe für uns geblieben?«
»Blind, Hilan Faha — wir haben im Staub gehockt und waren völlig blind. Wir haben es versucht, glaub mir; aber letztlich hatten wir nur noch die Wahl, zu springen oder einen Zusammenstoß zu riskieren. Wir hofften, ihr würdet in dem von uns erzeugten Durcheinander entkommen.«
Hilans Atem ging ruhiger. »Es war die Entscheidung des Kapitäns, nicht meine. Ich hätte mich nicht aus dem Dock gerührt, merk dir das! Ich wäre da hockengeblieben und hätte es euch überlassen, mit den Kif zurechtzukommen, mit diesem sogenannten Diebstahl…«
»Du erachtest ein Kif-Wort für höher als meines?«
»Wenn du eine Erklärung hast, würde ich mich freuen, sie zu hören. Meine Kusinen sind tot.
Wir sind erledigt. Wahrscheinlich werden wir kein neues Schiff mehr bekommen. Das große Chanur macht Pläne, aber Leute wie wir… wir gehen auf andere Faha-Schiffe, wo immer wir einen Kojenplatz finden. Ich vermute, du weißt, wo Gewinne zu holen sind, und — mögen die Götter dein intrigantes Fell verfaulen lassen — du hast etwas aufgestört, wofür eine Menge Schiffe bluten werden. Wofür eine Menge kleine Gesellschaften untergehen werden. Sie haben mir eine Botschaft für dich mitgegeben, Pyanfar Chanur; das soll ich dir von den Kif ausrichten: Das, was du gemacht hast, ist zu wichtig, als dass man es ignorieren oder durchgehen lassen könnte. Sie werden dir überallhin folgen, egal wie viel Leute dafür erforderlich sind — sogar bis Anuurn! Sie sagen, sie würden allen Hani klarmachen, dass deine Beute kein Gewinn für sie ist. Soviel von ihrem Hakkikt, Akukkakk, dem von Urtur. Seine Worte.«
»Pah! Kif-Drohungen. Ich hätte dir bessere Nerven zugetraut.«
»Es sind keine leeren Drohungen«, sagte Hilan Faha, die Augen geweitet, die Nasenflügel gebläht und vor Schweiß glitzernd. »Sagt allen Hani — so Akukkakk —, verlasst diese Pyanfar Chanur oder erlebt Verwüstung, selbst die des Anuurn-Raumes!«
»Und wo hast du das alles gehört? Von verstreuten Schiffen und einem Kif, der uns nie erwischt hat — der es auch nicht geschafft hat, euch zu fangen, Hilan Faha; und wenn wir bei Urtur zusammengekommen wären…«
»Nein, nein, du verstehst nicht. Sie haben uns gefangen, Chanur, uns eingeholt und dabei zwei meiner Kusinen getötet. Bei Kita. Und sie haben uns wieder ziehen lassen… aber während des Sprunges ist das Schiff kaputtgegangen. Sie haben uns nur ziehen lassen, um diese Botschaft zu überbringen.«
Die Schmach der Faha war enorm. Schweigen herrschte im Raum und niemand schien zu atmen.
»So«, sagte Pyanfar. »Du glaubst alles, was deine Feinde sagen?«
»Ich sehe das!« sagte Hilan und deutete auf Tully. »Und ganz plötzlich sieht das Spiel viel größer aus als vorher. Ganz plötzlich sehe ich einen Grund dafür, dass die Kif sich sammeln und vielleicht nicht mehr innehalten. Chanurs Ambitionen sind diesmal zu weit gegangen. Worin du auch steckst, ich möchte nicht dabei sein. Meine Schwester und zwei meiner Kusinen leben noch, und wir werden heimkehren. — Kusine…«, sagte sie dann zu Hilfy gewandt, »bei dir…, entschuldige ich mich.«
Hilfy sagte nichts, starrte sie nur mit Schmerz im Blick an. »Hilfy kann mit euch gehen, wenn sie will«, sagte Pyanfar.
»Ich werde es ihr nicht vorwerfen. Es wäre vielleicht sogar klug von ihr… worauf du ja hingewiesen hast.«
»Ich nehme sie gerne mit«, sagte Hilan.
»Ich bleibe auf meinem Schiff«, sagte Hilfy, und Pyanfar verschränkte die Arme über einem Leib, in dem widerstreitende Gefühle wühlten… auch Stolz, das auch.
»So«, sagte sie. »Ich wünsche euch eine sichere Reise. Am besten wäre es ja, wenn wir zusammen flögen, aber ich bin sicher, dass das jetzt nicht mehr die Absicht der Tahar ist.«
»Nein, ist sie auch nicht.« Die Faha blickte zu Boden und dann wieder auf zu Tully, wobei sich ihre Augen verdunkelten. »Wenn du deine Beziehung zu anderen in Betracht gezogen hättest, dann hättest du das nicht gemacht. Diesmal hast du dir zuviel vorgenommen. Und so werden auch andere denken.«