»Was ich mir vorgenommen habe, ist ohne ein ›mit deiner Erlaubnis‹ oder meinem Wissen, dass es überhaupt existierte, an Bord gekommen. Was würdest du mit einem Flüchtling machen, der auf dein Schiff gerannt kommt? Ihn den Kif auf Anforderung aushändigen? Ich verkaufe intelligente Wesen nicht.«
»Aber du machst dir nichts daraus, sie zu verlieren.«
»Mit deiner Kleinmütigkeit«, sagte Hilfy plötzlich, »wirfst du weg, was die Gefallenen getan haben.«
Die Ohren der Faha sanken herab. »Wer bist du, dass du urteilen könntest? Sprich mit mir, wenn du ein paar Jahre weiter bist, Kusine! Dies…« Sie kam Tully gefährlich nahe, und Chur, die auf einem Pult gesessen hatte, rutschte herunter und baute sich in ihrem Weg auf.
Tully verließ seinen Sessel und zog sich soweit um die Biegung des Tisches herum zurück, wie es nur ging. Die Faha zuckte die Achseln, eine unbekümmerte Geste, mit der sie ihre Absicht aufgab. »Ich habe noch etwas zu sagen«, sagte sie, den Blick direkt auf Pyanfar gerichtet. »Ob du nun mit Absicht hierin verwickelt bist oder nicht — es könnte schlicht und einfach das Ende sein. Deine Verbündeten haben dir vielleicht beigestanden, aber es hat sich alles zu sehr verwickelt. Es ist zu riskant geworden. Wie lange ist es her, dass du zu Hause warst?«
»Ein paar Monate.« Pyanfar holte tief Luft und stieß die Hände in den Gürtel… spürte, dass etwas Böses auf sie zu kam; dieses schlechte Gefühl bezüglich eines Hauses auf seinem Höhepunkt, wo jeder Hauch von Veränderung problematisch war. Und auf einmal gefiel ihr der Gesichtsausdruck der Faha nicht mehr, der von Wildheit zu Unbehagen umgeschwenkt war, zu einer aus Anstand resultierenden Scham. »Vielleicht noch länger«, sagte Pyanfar, »wenn man bedenkt, dass ich beim letzten Besuch nicht auf den Planeten hinuntergegangen bin. Was ist los, Faha? Was willst du mir unbedingt erzählen?«
»Einer deiner Söhne… hat Mahn von Khym Mahn übernommen und ist jetzt Nachbar von Chanur. Er hat — Ambitionen. Der alte Mahn ist im Exil und Kohan Chanur bedarf plötzlich aller seiner Verbündeter.« Hilan Faha zuckte die Achseln. Die Ohren hingen herab, und um die Nase herum war sie weiß, sah bereits so aus, als würde sie lieber woanders sein, als einem Chanur-Schiff solche Nachrichten zu überbringen. »Mein Kapitän hätte dich unterstützt; aber wer sind wir jetzt, wo eines unserer Schiffe dahin ist, eines von dreien, die Faha besaß. Und was sollen wir darüber denken, wenn du so etwas anfängst und Chanur doch schon alles hat, mit dem es fertig werden kann? Du hast deine Fracht verloren und dir eine Fehde mit den Kif eingehandelt, die jetzt drohen, in Anuurn-Raum einzudringen, um der Götter willen — wie will Chanur seine anderen Verbündeten halten, wenn das losgeht? Ich habe mein Schiff verloren, meinen Kapitän, einige meiner Kusinen — und ich muss an meine Familie denken. Ich kann mich nicht mit dir einlassen, nicht jetzt. Ich kann Faha nicht an dieser Sache beteiligen und unseren Schiffen eine Fehde mit den Kif eintragen. Du stehst im Begriff, alles zu verlieren. Andere werden zu demselben Schluss kommen, und Chanur wird nicht mehr da sein, wenn du überhaupt noch einmal zurückkommst. Ich kehre heim, Ker Pyanfar, und ich nehme das Tahar-Schiff, weil ich muss, weil ich nicht das, was von uns noch geblieben ist, im Geschick Chanurs verwickelt haben möchte.«
»Du bist jung«, meinte Pyanfar und blickte ihre Nase entlang. »Die Jungen machen sich immer Sorgen. Du hast recht, dein Kapitän hätte mich unterstützt. Sie hätte die Nerven dazu gehabt. Aber geh du deinen Weg, Hilan Faha! Ich werde deine Schulden bezahlen, wie ich es versprochen habe; Chanur wird die Mahe belohnen, die euch herausgeholt haben. Und sobald ich mit diesem Balg Kara fertig bin, werde ich auch in besserer Stimmung sein, so dass ich dies hier vielleicht sogar vergesse. Dann brauchst du dir auch keine Sorgen zu machen, mir in Zukunft noch einmal zu begegnen — fürchte dich nicht so sehr. Ich werde dich nicht für allzu schlecht erachten… die Jungen wachsen noch. Aber, bei den Göttern, ich werde von dir niemals dieselbe Meinung haben wie von deinem Kapitän. Du bist nicht Lihan, Hilan Faha, und wirst es vielleicht auch niemals sein.«
Die Faha zitterte direkt vor Wut. »So bezahlt zu werden, wie du sie bezahlt hast…«
»Sie würde mich zu einer Mahe-Hölle verfluchen, wenn sie hier wäre, aber sie würde nicht so handeln wie du. Sie würde nicht über einen Freund herfallen. Geh, Hilan Faha, verschwinde von meinem Schiff! Ich wünsche dir eine sichere und schnelle Reise.«
Für einen Moment schien es, als würden der Faha die Hand ausrutschen, aber sie war erschöpft und ohne Hoffnung, und der Mut verließ sie wieder. »Ihr Fluch auf dich!« sagte sie, drehte sich um und schritt hinaus, mit nicht mehr so geraden Schultern und nicht mehr so hoch getragenem Kopf wie bei ihrer Ankunft. Pyanfar runzelte die Stirn und betrachtete Hilfy, die buchstäblich zitterte.
»Kohan hat in seinem Brief nichts von dieser Mahn-Geschichte erwähnt«, sagte Pyanfar.
»Was weißt du darüber, Nichte?«
»Gar nichts«, sagte Hilfy. »Und ich will es auch nicht glauben. Ich denke, die Faha haben auf Gerüchte gehört.«
»Was wusstest du über den Stand der Dinge, solange du noch zu Hause warst? Wo warst du da mit den Gedanken, außer bei der Stolz? Ist es möglich, dass sich etwas zusammenbraute und du nichts davon gehört hast?«
»Es gab stets Gerede, und Kara Mahn trieb sich immer im Distrikt umher — er und Tahy. Es wurde in diese und jene Richtung geredet, und ich glaube, Na Khym hat direkt mit Vater gesprochen.«
»Verflucht soll er sein! Kohan hätte in seinem Brief etwas sagen können.«
»Er hat mich geschickt«, sagte Hilfy mit dünner und schmerzerfüllter Stimme. »Als die Stolz im System aufkreuzte, bat ich darum, gehen zu dürfen, und er sagte, er würde das nie erlauben. Und dann… in der darauffolgenden Nacht gab er mir den Brief und steckte mich ins Flugzeug — Götter, auf diese Weise verschwand ich in Richtung Hafen, fast ohne Gelegenheit, etwas einzupacken. Er sagte, ich müsste mich beeilen, oder die Stolz wäre schon wieder weg aus dem Hafen und damit auch meine Chance. So war es in jener Nacht, aber ich dachte…, ich dachte, der Grund für alles liege darin, dass Schiffe nicht mit Tag und Nacht rechnen und dass sowieso eine Fähre hinaufging.«
»Oh, Götter!« ächzte Pyanfar und setzt sich an den Tisch gelehnt hin, blickte dann wieder zu dem Kreis ängstlicher Gesichter auf. »Soweit geht mein Sohn noch nicht. Mögen die Götter die Kif vernichten; wir werden sie erledigen, aber wir werden uns auch um diese kleine Sache zu Hause kümmern, und zwar als erstes.«
Ohren richteten sich auf. »Wir stehen zu dir«, sagte Haral. »Götter… ja, nach Hause! Werden dort einige Nacken schütteln.«
»Hai!« stimmten Geran und Tirun zu, und Tully zuckte sichtlich zusammen und beruhigte sich erst wieder, als Chur seine Schulter tätschelte. Er setzte sich und Hilfy nahm neben ihm Platz und legte ihm eine Hand auf die Schulter — zwei niedergeschlagene Seelen; die miteinander nicht viel mehr teilten als ihr Elend.
»Wir bringen das in Ordnung«, sagte Pyanfar zu Hilfy. »Und wir tun das zu unseren Bedingungen. Einverstanden, Nichte?«
»Er hat mich weggeschickt«, sagte Hilfy. »Ich hätte helfen können, und er sah es kommen und schickte mich fort.«
»Huch. Du bist noch nicht alt genug, um deinen Vater so zu sehen wie ich, bei allem Respekt vor dir. Er denkt nach, bevor ihn ein Problem erwischt — kein großes Überlegen, während es abläuft, die Götter wissen es, aber er baut die Teile auf wie Spielfiguren auf einem Brett. Verdammt zu stolz, um mich auf den Planeten herabzurufen, ah ja; zu verdammt fein, um die junge Hilfy Chanur bei der Hand zu haben, damit sie sich mit ihren Mahn-Kusinen in die Wolle kriegt und seine eigene Stimmung anheizt… lass hier nicht deine Ohren hängen, Kleine! Wir sind hier in der Familie. Soweit es deinen Vater betrifft, finden Sonnenauf- und Untergang auf dem Horizont deiner Schultern statt, und mein verfluchter Sohn würde schnurgerade auf den größtmöglichen Ärger zumarschieren, den er deinem Vater nur bereiten kann, um Chanur zu übernehmen, und das beträfe deine kostbare und unerfahrene Person. Nein, Kohan hat einfach das Feld geklärt, sonst nichts. Es bestehen Chancen, dass er damit einen Fehler gemacht hat; auch dagegen ist er nicht immun. Ich hätte es vorgezogen, dich dort zu haben, weil ich glaube, du wärst mit Klein-Kara gut fertig geworden und mit Tahy obendrein. Aber wenn die Mondaufgang heimwärts fliegt, dann deswegen, die hier gewonnenen Neuigkeiten dorthin zu bringen; und das wird Probleme aufwerfen, dank den Faha. Und es wird einen Zeitpunkt geben, zu dem Kohan in der Enge sitzen wird. Welche Gefährtinnen hat er im Haus? Deine Mutter — und wen sonst noch?«