Tully senkte kurz den Blick und zuckte leicht die Achseln, sah nicht weniger besorgt aus als vorher. Pyanfar trug im Moment nicht den Ohrhörer des Übersetzers. »In einer Stunde, habt ihr‘s gehört?« sagte sie zu den anderen, zu Tirun und Hilfy und Chur… und auch zu Geran, die im Op-Raum Wache hielt, weil Fremde auf dem Schiff ein und aus gingen. »Noch eine Stunde, und wir sind unterwegs, weg von hier. Nach Hause!«
»Wie machen wir es?« rief Geran aus dem Raum. »Lassen wir die Sprünge wie vorher schon aufeinanderfolgen?«
»So dicht, wie es nur irgend geht«, erwiderte Pyanfar und schaute nach links, als eine Bewegung dort ihren Blick einfing. Es war Haral, die von der Schleuse zurückkam — kein weiter Weg, nur bis zum Beginn des Korridors.
»Dichtmachen, Käpt‘n?« rief Haral den Korridor herab. »Dichtmachen!« bestätigte Pyanfar und erstarrte in ihrer begleitenden Handbewegung, als eine hochgewachsene dunkle Gestalt hinter Haral im Korridor auftauchte. »Pass auf!«
Ein Mahendo‘sat. Haral war bereits herumgewirbelt, und der schlaksige, dunkelpelzige Mahe kam hereinmarschiert, als gehöre er hierher, und ließ dabei vergoldete Zähne lächelnd aufblitzen.
»Ismehanan…«, schrie Pyanfar. »…Goldzahn, verflucht noch mal. Sie kommen hereingeschlichen ohne jede Erlaubnis… Wer hat Sie hereingelassen?«
Das Grinsen ließ nicht im geringsten nach. Der Mahe verbeugte sich schwungvoll und richtete sich wieder auf, als sie zu ihm trat. »Habe auf einmal Vorhaben, Chanur, vielleicht selbes Kurs wie Ihres.«
»Wessen Vorhaben?«
»Vielleicht selbes wie Sie.«
Sie ließ die Brust durch einen tiefen Atemzug anschwellen und sah zu ihm auf. »Vielleicht reden Sie einmal deutlich, Kapitän, und zwar sofort!«
»Wohin Sie gehen?«
»Vielleicht sollte ich das dem ganzen Dock über Funk ausrichten, extra für die Kif.«
»Heimat möglicherweise? Ajir-Route?«
»Vermuten Sie, was Sie wollen.«
»Habe Mahijiru erstklassige Waffen besorgt; Freund von mir legen an heute, auch haben Nummer-Eins-Ausstattung. Warten deswegen, Chanur.«
»Bastard!«
Er wich zurück und hob eine Hand mit stumpfen Nägeln; ihre, ebenfalls angehoben, hatte scharfe. Er grinste obendrein. »Notwendig, Zeit für Mahe laden aus Fracht.«
»Sie ohrensaugender Lügner. Wo ich hinfliege, hat mit Ihnen nichts zu tun; Hani-Belange, verstehen Sie? Private Belange. Wenn Sie Streit mit den Kif wollen, dann besorgen Sie ihn sich selbst.«
»Fliegen heimwärts, nicht wahr?«
»Private Belange, habe ich gesagt.«
»Warnen Sie«, sagte Goldzahn. »Einmal. Vielleicht jetzt gehen treiben Handel in Hani- Hafen; viel Handel. Sie sprechen für Ihres gutes Freund dort, ja?«
»Goldzahn, was für ein Spiel soll das werden?«
Er grinste und machte auf dem Absatz kehrt, ging Richtung Schleuse, wo Haral voll finsterer Entrüstung stand, davon.
»Goldzahn!«
Er blieb nur stehen, um noch einmal zu winken. »Mahijiru Ihre Eskorte, Kapitän. Sie haben Nummer Eins bestes.«
»Verdammt noch mal, ich spiele doch nicht den Köder in irgendeinem mahen Spiel mit den Kif!«
Er war schon weg, während die Echos noch hallten. Haral, die jetzt keine Befehle mehr hatte, blickte zu ihr zurück, aber Pyanfar ließ die Arme an den Seiten herabhängen und dachte nicht daran, ihr neue zu geben. Es waren die Bedingungen des Mahe, und sie hatten keine Möglichkeit, etwas dagegen zu tun, dass er ihnen folgte. »Mach diese Schleuse dicht!« sagte sie dann. »Die Götter allein wissen, wer sonst noch alles hereinschneit.« Haral eilte sich, dem nachzukommen. Pyanfar betrachtete die anderen, Tully, Chur, Hilfy und Tirun und auch Geran, die aus dem Op gekommen war.
»Die Mahijiru ist dran«, berichtete Geran. »Jemand hat eine abgeschirmte Verbindung eingerichtet, und wir erhalten über sie Sendungen. Sie behaupten, Befehle zu haben, und wollen Daten.«
»Wir fliegen heim«, sagte Pyanfar kurz. »Heim, bei den Göttern! Sie haben uns Zeit gestohlen. Wenn Stasteburana daran denkt, uns zu benutzen, verdammt soll er sein, das Spiel können auch zwei spielen! Ich werde ihnen unseren Kurs übermitteln; ich werde sie innerhalb der Anuurn-Umgrenzung führen.«
»Chanur…«, wandte Tirun ruhig ein.
»Noch weitere als Chanur sind hierin verwickelt. Vielleicht ist es nötig, dass das auf Anuurn begriffen wird. Wir haben uns Ärger eingehandelt, noch dazu einen, der weite Kreise zieht.
Wir wissen nicht, wie weit. Es sollten eigentlich Hani hier sein, habt ihr auch daran gedacht?
Viele Hani-Schiffe kommen und gehen hier gewöhnlich, nicht nur Tahar. Wir befinden uns hier in einem der Hauptanlaufhäfen unserer Rivalen — und kein Hani-Schiff außer diesem einen, das jetzt auf Heimatkurs ist. Ich wette mit euch, Kusinen, sie sind alle zu Hause geblieben, — nachdem sie den Hafen erst einmal erreicht hatten. Das hat unsere Strecke leergefegt. Die Sternjäger wusste Bescheid; die Nachricht ist weitergegeben worden, von Hafen zu Hafen, bei jedem Kontakt.«
»Aye«, murmelte Chur. »Aye. Götter! Sechs Monate könnte das schon so gehen.«
»Ich gehe auf die Brücke. Die Brückenbesatzung auf diesem Flugabschnitt: Haral, Geran, Chur! Ihr anderen bezieht Station im Op! Und besorgt Tully sofort sein Beruhigungsmittel, bevor es jemand vergisst!«
»Tante!« rief Hilfy hinter ihr her. Pyanfar blieb stehen und drehte sich um. »Käpt‘n«, sagte Hilfy mit ruhigerer Stimme.
»Eine Frage?« erkundigte sich Pyanfar mit finsterem Gesicht. Hilfys Kinn hob sich. »Nein, Käpt‘n«, sagte sie völlig ruhig. Pyanfar nickte mit leicht zusammengepressten Lippen, blickte mit Befriedigung in Hilfys klare Augen, drehte sich dann um und schritt davon zum Lift.
Weiter unten im Korridor fiel dröhnend die Schleuse zu. Die Stolz hatte mit dem Ablegen begonnen.
Zehntes Kapitel
»Bekomme Aufnahme von Begleiter«, sagte Chur, die es sich an der Korn-Station bequem gemacht hatte. »Sie schwören, dass es eine abgesicherte Verbindung ist.«
»Huch.« Pyanfar beendete die Checks und griff nach dem Kontakt, der auf ihrem Kom- Modul blitzte. »Hier Chanur.«
»Ich stellen Sie vor«, erwiderte Goldzahns Stimme. »Kapitän Pyanfar Chanur, haben Verbindung mit Aja Jin. Kapitän Nomesteturjai.
»Chanur«, polterte eine Stimme. »Hier Jik.«
»Nummer Eins Bursche sein Jik«, sagte Goldzahn. »Ehrlich wie Sie, Pyanfar Chanur.«
»Ehrlich wie mich aufhalten und behindern. Chanur kämpft um sein Leben, Sie fetzenohriger Bastard, geht das in Ihren Kopf hinein? Herausforderung, und ich bin nicht dort. Bei Ihrem Herumspionieren, haben Sie da herausbekommen, was das bedeutet?«
»Ah«, sagte Goldzahn. »Kennen dieses Problem, ja.«
Pyanfar sagte nichts, zwang ihre Krallen wieder zurück.
»Wissen auch wo sein dieses Akukkakk«, erklärte Goldzahn. »Interessiert, Hani-Kapitän?«
»Nachdem ich meine eigenen Geschäfte erledigt habe.«