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Unruhe brach im Raum aus, als eine Welle der Bestürzung durch sämtliche Anwesenden lief. Die Llun schritt mitten hinein, legte ihre Neutralität ab. »Wie lange schon? Chanur, wie lange?«

»Die Botschaft läuft noch«, sagte Kohan selbstbeherrscht, obwohl sein Atem schwer ging.

»Kara Mahn, ich vergesse das alles hier. Es ist vorbei. Geh jetzt! Wir wollen nicht mehr davon sprechen.«

Kara sagte nichts. Ein glasiger Blick stand in seinen Augen. Seine Ohren waren zurückgelegt. Tahy jedoch wirkte nicht mehr so von sich selbst überzeugt und winkte die anderen zurück.

»Du hattest deine Chance«, meinte Pyanfar ruhig und gleichmäßig. »Hör mir zu! Du hast Mahn errungen. Tahar ist nicht euer Verbündeter. Mach nur weiter mit der Herausforderung, und Tahar wird hier sein, um sich den Sieger vorzunehmen. Einen erschöpften Sieger, verstehst du. Um zwei Holdings zu übernehmen. Es geht mehr um ihre Ambitionen als um deine. Die Llun kann dir etwas darüber erzählen… von einem Tahar-Kapitän, der sich mit Kif abgibt…«

»Verflucht sei deine Unverschämtheit!« brüllte Kahi Tahar, und eine seiner Schwestern hielt einen Arm vor ihn. »Eine Lüge«, sagte sie.

»Vielleicht…«, sagte Pyanfar ungerührt, »ein Missverständnis. Ein… Übereifer, eine unvorsichtige Zunge. Raus hier. Vielleicht verfolgen wir die Sache nicht… Tahy, raus! Der Pakt steht vor dem Zerfall. Jetzt ist nicht der richtige Moment. Verschwinde von hier.«

»Na Mahn«, sagte Kohan. »Es dient nicht deinem Vorteil.«

»Du wirst Mahn verlieren«, sagte Khym plötzlich und schob sich an Hilfy vorbei. »Hör mir zu, Welpe — du wirst es verlieren, an Kohan oder Kahi. Benutze deinen Verstand!«

Kara war darüber hinaus. Die Augen waren geweitet und dunkel, die Ohren angelegt, die Nüstern gebauscht. Plötzlich kreischte er und sprang.

Und Khym tat dasselbe. Pyanfar warf sich herum, stürzte wie ihre ganze Besatzung zu Kohan, wie Hilfy und Huran Faha und wie Rhean und ihre Besatzung. Er wich zurück, schüttelte sich, war im Besitz aller seiner Kräfte. Pyanfar erblickte seine Augen, die auf das schreiende Gewirr hinter ihr gerichtet waren, wirbelte herum und erkannte, dass Khym den Griff verlor, der Karas Krallen von seiner Kehle fernhielt.

»Beende das!« schrie sie Tahy zu und watete selbst dazwischen, versuchte, an irgendeinem der beiden kämpfenden Körper einen Haltepunkt zu finden, sie auseinander zu ziehen.

Ein Ellbogen krachte gegen ihren Kopf, und sie taumelte, warf sich wieder dazwischen, und jetzt versuchten auch andere, die beiden auseinander zu bekommen.

»Tully!« rief Hilfy, und auf einmal wurde eine Flüssigkeit auf sie gesprüht, direkt in Karas Gesicht und über sie hinweg, stach in den Augen und verbreitete erstickende Dämpfe. Mit einem wütenden Brüllen fiel Kara zurück; ihr ging es genauso — sie wischte sich die Augen und hustete, wurde von freundlichen Händen gestützt. Chanur hielten Tully fest, das erkannte sie mit ihren tränenden Augen, hielten ihm die Arme auf dem Rücken fest; und Khym war am Boden und Kara rieb sich die Augen und schnappte nach Luft. Sie kam wieder zu Atem, hustete immer noch, schüttelte die helfenden Hände ab. Sie kannte dieses Aroma, sah das kleine Fläschchen leer auf dem Boden liegen — der Duft von Blumen machte sich vorbei an ihren stechenden Schleimhäuten bemerkbar.

»Tully«, sagte sie, immer noch würgend, streckte eine Hand aus und zog ihn am Nacken zu sich heran, schüttelte ihn von den Chanur frei, die ihn gepackt hatten — tätschelte ihm grob die Schulter und blickte zu ihrem Sohn hinüber, aus dessen Augen weiterhin Nässe strömte. »Lass ab, Na Kara! Du hast Mahn. Lass es damit genug sein!«

»Runter von meinen Land!« sagte Kohan. »Tahar, seid froh, dass ich nicht herausfordere. Verlasst Chanur-Holding. Na Kara: ein höflicherer Abschied. Bitte. Prioritäten. Ich werde mich jetzt nicht auf dich stürzen. Ich könnte es. Denk daran!«

Kara spuckte aus, drehte sich um und schritt steif hinaus, wischte sich dabei heftig die Augen und schüttelte angebotene Hilfe ab, seines Impulses beraubt, seiner Würde, seines Vorteils. Tahy blieb, blickte auf Khym hinunter, der sich auf die Ellbogen aufgerichtet hatte und dabei den Kopf hängen ließ. Sie hätte noch irgendeine letzte Beleidigung hervorstoßen können. Statt dessen verbeugte sie sich, vor Pyanfar, vor Kohan, ganz zuletzt vor Khym, der es nicht sah. Dann ging sie hinaus, die anderen Mahn vor ihr her.

Die Tahar blieben als letzte, Na Kahi und seine Schwestern. »Raus!« sagte Kohan, und die Ohren des Tahar sanken herab. Aber er drehte sich um und ging hinaus aus der Halle, verschwand durch die Tür und nahm seine Schwestern und seine Parteigänger mit. — Kohan seufzte, ein erregtes Grollen. Er langte nach Hilfy, legte ihr einen Arm über die Schultern und zerzauste ihre Mähne, berührte den Ring an ihrem linken Ohr — betrachtete Pyanfar und Khym, der sich auf die Knie hochgerappelt hatte. Khym zuckte unter seinem Blick zusammen und raffte sich wieder ganz auf, zog sich mit hängendem Kopf und schlurfenden Füßen zurück, ohne Kohan noch einmal anzublicken.

»Hatten keine Zeit«, sagte Pyanfar. »Gut gemacht. Es war gut gemacht.«

Kohan schnaubte und nickte, deutete mit der freien Hand auf die anderen. Nickte dann in Richtung der Tür. »Ker Llun.«

»Na Chanur«, murmelte die Llun. »Bitte, die Station…«

»Es wird da oben einen Kampf geben?«

»Keinen kleinen«, meinte Pyanfar. »Du kümmerst dich darum?«

»Könnte einige aus dem Haus gebrauchen.«

»Ich gehe«, sagte Kohan. »Ich gehe dort hinauf.«

»Und lässt die Tahar sich auf die Jungen stürzen? Das kannst du nicht machen. Gib mir Rhean und Anfy und ihre Besatzungen; auch alle anderen, die schießen können! Wir müssen los!«

Kohan gab einen tiefen, kehligen Laut von sich, nickte dann. »Rhean, Anfy, Jofan… wählt aus dem Hause aus und beeilt euch!« Er tätschelte Hilfys Schulter, ging dann zu Haral und Chur und machte dasselbe…, verweilte einen Moment lang, um Tully anzustarren, streckte die Hand aus und berührte ihn beinahe…, aber nicht ganz. Dann drehte er sich um und ging zurück. »Hilfy«, sagte er.

»Mein Schiff«, sagte Hilfy. »Mein Schiff, Vater.«

Es kostete ihn viel, so viel wie das frühere Nachgeben. Er nickte. Hilfy nahm seine massige Hand, drehte sich um und ergriff die Hände von Huran Faha, die ebenfalls nickte.

»Kommt!« sagte Pyanfar. »Kommt, ihr alle! Bewegt euch! Ich bringe sie zurück, Kohan.«

»Kommt alle zurück«, sagte er. Die anderen sammelten sich und eilten zur Tür; nur manche zögerten noch, um sich ihre Waffen zu besorgen. Pyanfar blieb noch einen Augenblick lang, betrachtete Kohan, blickte in seine goldenen, beschatteten Augen; seine Ohren waren aufgerichtet, das schaffte er.

»Diese Geschichte«, sagte sie, »mit diesem Außenseiter… — ich komme zurück und erkläre sie. Mach dir keine Sorgen! Bring Chanur wieder in Ordnung. Wir haben jetzt eine Kante, die wir vorher nicht hatten, verstehst du?«

»Geh!« sagte er sanft. »Ich werde hier alles regeln. Mach dich ran, Pyanfar!«

Sie ging noch einmal zu ihm und berührte seine Hand, wandte sich dann zur Tür, durchquerte den Raum mit einem Dutzend ausholender Schritte und eilte die Veranda hinab, wo kein Zeichen von dem Angriff geblieben war außer dem zertrampelten Garten und einer Fahrzeugkarawane, die die Straße hinter der Mauer hinab verschwand, sich eilig davon machte.

Und Khym. Khym war hier, am Tor, zusammengekauert und den Kopf auf die verschränkten Arme gebeugt. Frische Wunden glänzten an seinen rotbraunen Schultern. Er überlebte. Er überlebte weiterhin, über seine Zeit und seinen Grund zum Leben hinaus.

»Khym«, sagte sie. Er blickte auf. Sie winkte ihn zur Seite des Hauses, dem Weg, den die anderen zur Rückseite genommen hatten, wo sie eine Transportmöglichkeit finden konnten.