Выбрать главу

Mochten die Götter eine solche Denkweise verfluchen, und ebenso die Selbstgefälligkeit, die sie nährte. Mochten die Götter auch ihr Volk verfluchen und die Natur der Hani, weil sie sich alle nur um ihre eigenen fragmentierten Belange kümmerten, weil ihre ganze Welt derart aufgebaut war. Pyanfar hatte keine andere Wahl gehabt, als nach Chanur heimzukehren, denn ein Hani würde die Herausforderung weitertreiben, während das Haus Feuer fing und das Feuer seine eigene Haut versengte. Hani gingen stets ihre eigenen Wege, verachteten die Belange der Außenwelten, waren heikel beim Eingestehen, dass sie ohne die Mahendo’sat-Forscher, die sie gefunden hatten, gar nicht im All sein würden — aber so war es. Und die Hani fuhren fort, ihre Angelegenheiten nach den alten Methoden zu verfolgen, den Methoden, die funktioniert hatten, als es noch keine Kolonien und keinen Handel mit dem Draußen gab, als die Hani noch die unangefochtenen Besitzer der Welt waren und die Hani-Instinkte für die Welt, die sie besaßen, geeignet waren.

Aber, Götter, es gab andere Ökosysteme. Sie selbst waren an einem solchen beteiligt, dem Pakt selbst, und sie gingen mit unvorstellbaren Weiten um, die über die grasigen Ebenen Anuurns hinausgingen, ebenso mit Geschöpfen, deren Instinkte sich in gleicher Weise geeignet erwiesen hatten, auf ihre eigene Art richtig zu sein.

In einer unvorstellbaren Hölle funktionierten die Methoden der Kif am besten; und, Götter, selbst der Weg der Chi hatte irgendwie funktioniert, so irre er auch zu sein schien und Außenseitern unverständlich. Und Tully — der manchmal zur Hälfte Sinn ergab und manchmal überhaupt nicht.

Hatte Goldzahn sie für ihr Weggehen verachtet, weil sie aufgrund ihres Hani-Seins keine andere Wahl gehabt hätte, während die Vernunft zum Gegenteil riet? Scham machte sich in ihr bemerkbar, der Argwohn, dass die gesamte Hani-Rasse daran gescheitert war, eine Hoffnung der Mahe zu erfüllen, diese Hoffnung, die ihnen diese beiden Schiffe zur Verfügung gestellt hatte; und dass irgendwo dort oben vielleicht die Wracks ihrer mahen Verbündeten und der Stolz selbst trieben und ein Kif wartete, um diese Nussschale von einem Lander zu Gas und Schutt zu zerblasen, zusammen mit dem Hani-Gehirn, das sich gerade kritische Gedanken über die eigene Rasse gemacht hatte — wenn auch viel zu spät.

Wahnsinn. Der Winkel des Anstiegs raubte ihrem Gehirn den Sauerstoff. Ihr Blickfeld wurde grau. Sie hatte kein Gefühl mehr in Rücken und Armen und Beinen, und der Druck stieg weiter an.

Das Geräusch der Maschinen veränderte sich. Sie standen im Begriff, die Umhüllung der Atmosphäre zu verlassen, während sie weiterhin beschleunigten. Sie blinzelte und strengte sich an, den Hals zu bewegen, erblickte durch einen verschwommenen Schleier im Dunkeln blinzelnde Anzeigen, dazu ein Aufflammen von Licht, als der Scannerbildschirm klar wurde.

Sie blinzelte erneut, versuchte, an der Silhouette des Arms der Co-Pilotin vorbeizuschauen, etwas auszumachen, das groß war und dicht an ihrer Position stand.

»…..Glück«, schnappte eine Stimme durch den Stöpsel in ihrem Ohr. »Hier ist die Chanurs Stolz. Wir gleichen an und nehmen euch in Schlepp.«

Tirun!

Wenn es ihr möglich gewesen wäre, aufzuspringen und vor Freude zu schreien, dann hätte sie es getan. Aber durch die Gewalt des Andrucks niedergehalten, blieb ihr nichts anderes übrig, als zu lächeln, ein angespanntes und schwieriges Lächeln, während ihr das Herz gegen die Rippen hämmerte und das Blut Schmerz in ihre Gliedmaßen spülte.

Dann stoppten die Maschinen der Glück, und sie schnappte in der plötzlichen Erleichterung reflexhaft nach Luft. Die unsichtbare Hand, die sie auf das Deck gedrückt hatte, war nicht mehr, und sie arbeitete sich auf die bereits erprobte Handüber-Hand-Methode zur Kom- Konsole vor, schwebte mit den Füßen an der Decke, duckte sich wieder herab und packte sich das Mikro. »Beeil dich, Tirun, um der Götter willen!« Und zu den Rau. »Wo sind die Kif? Könnt ihr sie ausmachen?«

»Der Stationsscanner läuft nicht mehr«, sagte die Rau-Navigatorin. »Nicht nur der von Gaohn; auch die von Harn und Tyo arbeiten nicht mehr, sind vollständig weg. Wir haben noch unseren eigenen, sonst nichts mehr.«

»Schaltet den Rettungssignalgeber ein!« sagte Pyanfar und verbannte die ernsten Nachrichten in den hintersten Winkel ihres Bewusstseins. »Die Stolz kann dann übernehmen. Lasst euch von ihrer Automatik fuhren!«

»Durchgegeben«, sagte der Kapitän. »Dein Job jetzt, Ker Chanur. Mögen die Götter uns helfen! Wir sind stockblind gegen jedes Sprungschiff, das sich da draußen herumtreibt.«

»Behaltet Trimmlage konstant bei und achtet auf die Erschütterung.« Eilig begab sich Pyanfar wieder in ihren gepolsterten Schlupfwinkel zurück. »Die Greifer übernehmen die Feinabstimmung. Versucht es nicht mit den Düsen! Die Stolz fliegt unter Comp.«

»Götter, sie ist über uns«, sagte die Co-Pilotin.

»Kommen näher«, drang Gerans Stimme durch den Kom-Stöpsel. »Bereithalten, Glück!«

Ein Nähe-Alarm ging los, wurde über das Schaltpult rasch wieder zum Schweigen gebracht.

Der Scanner setzte aus.

»Oh, Götter!« sagte die Navigatorin.

Pyanfar kauerte sich fest zusammen, drückte sich mit ganzer Kraft in die Polster.

Kopplung. Die Glück dröhnte und hüpfte und Pyanfars Körper wurde hochgeschleudert, da ihr Griff kaum reichte; sie schlug wieder auf, schob sich zurück, als die Greifer knirschten, verlagerte sich. Hielt sich fest. Eine beruhigende Stille herrschte. Gewichtslosigkeit.

»Habe Probleme«, sagte Tiruns Stimme. »Ich blase diese Schleuse leer; wir haben noch eine Röhre an der anderen Seite. Kommt, um der Götter willen, sofort an Bord, verlasst euer Schiff! Wir können euch nicht verteidigen.«

»Haral!« schrie Pyanfar den Zentralkorridor hinunter. »Ihr alle! Macht schon!«

»Kapitän«, sagte Nerafy Rau.

»Komm schon!« sagte Pyanfar, zog sich zum Kapitänssitz und hing dort an einer Hand, blickte auf Nerafy hinab. »Ihr alle… Götter, kommt mit uns! Wir bringen euch zu eurem Schiff zurück, falls es noch eine Chance dazu gibt. Wenn das nicht klappt, dann gibt es noch Kif zu erledigen, und diese Leute auf den Stationen — wollt ihr hier sterben, ohne einen Schuss abgefeuert zu haben?«

»Nein«, erwiderte der Rau-Kapitän und fing an, sich loszuschnallen. Die anderen folgten ihrem Beispiel. Pyanfar beendete ihren Purzelbaum und blickte heckwärts den Korridor hinab, sah einen Menschen in weißem Hemd, der unmittelbar vor einer Flut bewaffneter Hani heraufgesegelt kam. Der Rau-Kapitän zog sich mit den Händen aus dem Leitstand und machte sich auf den Weg zur nahegelegenen Schleuse; während die Besatzung den Stand verließ, packte sich Pyanfar das Mikro vom Pult. »Tirun! Wo stecken die Kif?«

»Das wissen die Götter. Die Mahijiru überwacht die Situation aus der Ferne; den Rest erzähle ich dir, wenn du hier bist.«

Die Leiber ihrer Gefährten purzelten an ihr vorbei. Die Schleuse öffnete sich nach innen, und ein Luftschock rammte sie in einer kalten Bö ins Schiffsinnere. »Ich komme«, gab Pyanfar durch, ließ das Mikro los, trat nach der nächsten Leitung und stieß in die Flut der Körper hinein ab, gelangte in die dunkle und betäubend kalte Schiffzu-Schiff-Greifröhre der Stolz.

Die Gliedmaßen wurden taub. Der Atem stach in den Lungen und Feuchtigkeit drohte ihr die Augäpfel zu überfrieren. Es tat weh, Götter, es tat weh! Eine grüne Lampe schimmerte, als sie die Nullschwerkraft des äußeren Rahmens der Stolz erreichte, ein Sicherheitsleuchtzeichen, ein Leitstern weit jenseits der Dunkelheit, der die Lage des Personallifts kennzeichnete. Eine blaue Lichterkette zog sich durch die Schwärze hindurch dorthin, eine Rettungsleine. »Khym!« rief Pyanfar, als ihr seine Unerfahrenheit einfiel.