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»Blau ist die Leitlinie, Khym… Tully! Zu den blauen Lampen!«

»Ich hab‘ ihn«, rief Hilfys Stimme von weiter vorn. »Ich hab‘ sie beide.«

Die Lifttür ging auf. Jemand hatte sie erreicht. Ein fernes, blendend weißes Rechteck öffnete sich, und etwa zwanzig dunkle Körper mühten und kämpften sich den blaugesprenkelten Kurs entlang darauf zu, durch die Entfernung bedingt groß oder klein wirkend, manche wie Schwimmer in der Luft, andere benutzten das Seil und trieben die Schwimmer voran. Körper stießen zusammen und fingen einander und schwebten weiter, einer nach dem anderen in die Liftkabine hinein, wo sie wieder Farbe und Identität annahmen. Pyanfar fand sich über das letzte Stück hinweg in den Lift gezogen; und mit den letzten gelangten die Rau in dieses blendende Gleißen.

»Wir sind drin!« schrie Chur in den Korn. Haral rief eine Warnung und schloss die Lifttür, und plötzlich strebten die schwebenden Körper dem Boden zu, als sich die Kabine in Fahrt setzte. »Abstützen!« fuhr Pyanfar die Neulinge an, aber die erfahrenen Raumfahrer schnappten sie sich, und auf einmal donnerte und schrammte die Kabine in Synchronisation mit dem rotierenden inneren Zylinder. Es herrschte volle Schwerkraft, und der Lift fuhr weiter nach oben, wobei ein übelkeitserregender rückwärtiger Beschleunigungsdruck einsetzte, als die Stolz sachte Fahrt aufnahm. In der Ferne knallte etwas. — »Der Greifer ist drin«, sagte Haral. Der Lift fuhr weiter hinauf, am Unterdeck vorbei zur Hauptebene. Fuße fanden wieder den Boden, und beschmutzte Weltlinge klammerten sich mit angelegten Ohren und wild blickenden Augen aneinander.

Auf dem Hauptdeck hielt die Kabine an, und die Tür öffnete sich. Pyanfar stieß sich zwischen den anderen hindurch und hinaus, eilte durch den Hauptkorridor zur Bogentür der Brücke, wobei sie sich mit scharrenden Krallen auf dem Deck gegen den Zug der Beschleunigung vorarbeitete. Haral folgte ihr dicht auf den Fersen. »Unterdeck!« rief hinter ihnen Chur. »Fahrt runter!

Dort gibt es sichere Unterbringungsmöglichkeiten.« Die Tür ging zu; der Lift summte wieder in Betrieb. Pyanfar blickte nicht zurück. Sie warf sich über das letzte schwierige Stück, vorbei an Geran und Tirun in den Sitzen Drei und Zwei, und auch Haral erreichte ihren Sitz und glitt hinein. Pyanfar fand ihren leeren Sessel und warf sich hinein, ohne ein Wort zu sagen. Scannerbilder tauchten auf den Schirmen auf, zeigten ihre Position relativ zum Planeten und zur Station. Ein Punkt mit Knnn-Symbol hielt sich dem Durcheinander der anderen Punkte fern; zwei waren als Mahe gekennzeichnet, und die schreckliche Gefahr in Stationsnähe war eine Horde von nicht identifizierten Punkten, von Trümmerbogen, die angaben, wo Schiffe vernichtet worden waren und wohin ihre Überreste trieben.

»Die Aja Jin wurde beschädigt«, sagte Tirun ruhig. »Kif sind in die Verkehrskontrolle der Station eingedrungen und haben den Scanner zerstört. Die Llun hatten alle Hände voll zu tun. Jedermann ging an Bord aller verfügbaren Schiffe. Wir haben das Dock verlassen und sind mit den anderen geflohen… haben uns ausgerechnet, dass die Kif heimlich einfliegende Schiffe tarnen wollten, als sie den Scanner zerstörten. Der Angriff ist dann vor einer dreiviertel Stunde erfolgt. Jetzt auswärts gerichtet. Wir sind beim gegenwärtigen Kurs auf dem Weg zurück zur Station. Die Fortune hat ein Landekommando abgesetzt. Noch einige andere sind gefolgt. Wie gehen wir vor?«

»Sprich weiter! Kurs beibehalten!« Sie streckte die Hand aus und schaltete die Flugwarnung ein. »Wir haben Fahrt«, sagte sie über Rundspruch. »Haltet euch fest! Ich werde den Kom an unserem Ende offen halten. Wir stecken in Schwierigkeiten, und ich will nicht, dass sich da unten irgend jemand herumtreibt. — Tirun, was sagt der Comp über diese Kif-Bewegung? Gibt es da ein Kursschema?«

Die Daten blitzten auf den Schirm. »Alle Stationen haben Scanner-Sendungen eingestellt.«

»Ein paar Kif haben das Dock verlassen, aber wir wissen nicht, welche. Das einzig Gute daran, dass sie den Scanner der Station eine gute Weile vor dem Angriff ausgeschaltet haben, besteht darin, dass sie sich nur auf unsere letztbekannten Positionen stützen konnten und der Angriff daher die meisten von uns nicht traf. Die Aja Jin hat, da fest positioniert, etwas abbekommen; zumindest ein Frachter wurde getroffen und nach unseren Erkenntnissen auch ein paar Kif, aber wir wissen nicht, wen es erwischt hat, denn niemand sendet jetzt viel Unterhaltung, und eine ganze Menge Frachter haben sich der Scanner-Erfassung entzogen und verstecken sich. Ich schätze, beim nächsten Angriff werden sie sich die fixen Ziele vornehmen… die Station, die letzte Position der Aja Jin…«

»Vielleicht Anuurn.«

Tirun warf ihr mit angelegten Ohren einen Blick zu.

»Ihr habt unsere Maßnahmen in Gang gebracht«, meinte Pyanfar. »Ich mache damit weiter. Nennt mir noch eure übrigen Überlegungen. Wo meint ihr, steckt Akukkakk?«

»Ich glaube, er ist bei denen, die die Station verlassen haben; und er kann nicht schnell genug beschleunigt haben, um mit den Angreifern zu fliegen. Ich schätze, er steckt auf einem der Schiffe da draußen, verhält sich ruhig wie die anderen auch. Und wir werden herausfinden, welches seins ist, ganz einfach dann, wenn die Angriffsmacht zum nächsten Anflug kommt.«

Pyanfar nickte. Das Manöver zu übernehmen, das sie ihm vorexerziert hatte — das Ablegen der Frachter —, und es zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen — das war sehr wahrscheinlich.

So war Akukkakks Stil, für dessen Wahrnehmung sie ein Gespür zu entwickeln begonnen hatte; Ein Muster von Zügen, eine Tendenz, die Einsätze zu erhöhen, sobald er herausgefordert war.

»Er wird seine Kräfte weiterhin gegen die Station hetzen«, urteilte sie, »um sie zu zertrümmern. Das hat er als Lektion für uns parat. Aber er weiß verdammt gut, welches Schiff wir sind, Kusinen. Wir sind allzu auffällig, und ich habe so eine Vorstellung, in welche Richtung er geht, wenn er kann — gleiche Chancen zwischen uns und der Mahijiru. Und da die Mahijiru Jik dabei hat…« Sie warf einen kurzen Blick auf den Scanner, wo die Mahe als Doppelblip dicht bei der Kif-Position an der Station zu sehen waren. »Sie wird ihren eigenen Scanner überlagern, diese Angriffsmacht, aber Akukkakk wird ein gutes charakteristisches Bild für sie haben. Mögen die Götter ihn verfluchen!«

»Wir setzen unsere Leute auf der Station ab«, sagte Haral vom vierten Sitz her, »und dann eine enge Kurve fliegen, möglicherweise; diesen Haufen da aussortieren.«

»Müssen etwas unternehmen, soviel ist sicher. Tirun: zu dir.« Sie schaltete die Aufgabenbereiche wieder zurück, die ihr Pult übernommen hatte. »Flieg uns rein! Ich rede mit den anderen. Ich werde euch alle hier oben brauchen. Bleib wo du bist, Haral!«

»Okay«, brummte Haral.

Pyanfar drehte den Sessel, glitt heraus und eilte mit äußerster Anstrengung in die Richtung der Antriebskraft, suchte mit den Krallen Halt. Am Lift kollidierte sie rutschend mit der Wand, drückte den Rufknopf und schnappte nach Luft, während sie wartete.

Er traf ein; sie ging hinein und wartete, während er sie rasch zum Unterdeck trug. Ihre Muskeln bebten, und sie neigte zum Zittern, obwohl es eigentlich nicht hätte kalt sein sollen.

Unterdecks-Hauptkorridor. Dort fand sie die Chanur versammelt, wie sie an die Wände gelehnt im Durchgang saßen, die Gewehre auf dem Schoß — der sicherste Platz, den sie in der Nähe des Ausgangs finden konnten. Sie rappelten sich bei ihrer Ankunft auf — und da war Chur unter ihnen, mit Khym und Tully und Hilfy; außerdem die Llun und die Chanur- Kapitäne mit ihren Besatzungen. Sie ging zwischen sie, packte Chur am Arm und betrachtete die anderen. »Ihr habt verstanden?«