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»Ist alles okay?«, fragte ich.

»Ja.«

»Lion, du bist ganz normal!«

»Hm«, er lächelte plötzlich, »Tikkirej, bist du etwa mit Absicht eingebrochen?«

Ich fühlte mich wie in einem Kühlschrank. Alle Sachen waren nass und es war Frost. Aber ich spürte die Kälte nicht.

»Nein, nicht mit Absicht«, erwiderte ich. »Aber ich wäre hineingesprungen, wenn ich gewusst hätte, dass das passiert.«

Irgendwie schaffte ich es, mich aufzurichten. Ich half Lion aufzustehen.

Da endlich sprang Rossi auf uns zu, fasste mich an der Hand und rief: »Das hast du prima gemacht, wir werden allen erzählen, dass du ein richtiger Held bist!«

»Und du bist ein Feigling«, sagte ich und lief auf steifen Beinen zum Pavillon. Der Jeep wäre besser gewesen, darin war es wärmer. Aber ich wollte mich jetzt nicht in ihr Auto setzen.

»Tikkirej«, rief mir Rossi kläglich nach, »du bist doch selbst schuld, dass du eingebrochen bist!«

Ich antwortete nicht, sondern sprang in den Pavillon und zog meine nassen Kleider aus. Lion lief hinterher und fragte: »Hast du etwas Trockenes?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Gleich…«

Er wollte schon zurückgehen, aber in diesem Augenblick kam Rossi herein. Voller Scham, mit nassen, roten Augen, den Kopf eingezogen. Er rief: »Tikkirej, da kommt ein Flyer!«

»Zieh deine Kombination aus, du Dämel!«, schrie ihn Lion an. Rossi erstarrte und zwinkerte heftig. Er konnte nicht begreifen, dass Lion normal sprach.

»Hä?«

»Ich poliere dir gleich die Fresse!«, versprach Lion kämpferisch. »Zieh sofort deine Kombination aus!«

Rossi beeilte sich mit dem Ausziehen. Unter der Kombination trug er noch einen warmen Strickanzug. Ich zog mich nackt aus und schlüpfte schnell in Rossis Kombination. Es war schon widerlich, dass mir dieser Feigling half, aber ich konnte ja nicht bei lebendigem Leibe erfrieren! Ich war ja kein Eisbader!

»Hol den Cognac von deiner Schwester und bring ihn her!«, kommandierte Lion Rossi weiter herum. Und der verließ gehorsam den Pavillon. Ich setzte mich auf die Bank und umfasste meine Schultern mit den Händen. Ich zitterte am ganzen Leib. Die Wärme wollte überhaupt nicht in den Körper zurückkehren. Die Schlange bewegte sich unruhig am Arm. War sie von den Zwillingen bemerkt worden oder nicht? Und wenn sie sie bemerkt hatten, verstanden sie dann, worum es sich handelte?

»Tikkirej, ich gieße dir Tee ein.« Lion machte sich an der Thermoskanne zu schaffen.

Wie war er nur darauf gekommen, sich hinzulegen und auf dem Bauch zu kriechen? Das wird ja wirklich so gemacht, ich hatte es in einem Film gesehen, in dem ein Mensch gerettet wurde, der durchs Eis gebrochen war. Danach gab man ihm heißen Tee und Cognac zu trinken.

Irgendwo ganz in der Nähe des Pavillons landete ein Flyer. Über die matten Gardinen huschte ein Schatten und sie erzitterten im Windstoß. Nach einigen Minuten kam noch eine andere Maschine herunter, doch etwas weiter entfernt.

»Da ist also die ›Schnelle Hilfe‹«, murmelte ich. Was sollte ich jetzt mit dem Schlangenschwert machen? Man würde mich ins Krankenhaus bringen, untersuchen, in eine heiße Wanne stecken, was bestimmt alles richtig wäre. Aber dabei würden sie die Schlange bemerken! Sie Lion geben? Das würde bedeuten, ihn in mein Verbrechen hineinzuziehen. Das ging auch nicht…

Für einen Augenblick schaute Rossi durch den Vorhang herein und reichte Lion den Flachmann. Dieser nahm ihn schweigend entgegen, schüttete Cognac in den Tee und reichte ihn mir. Ich trank ihn in einem Zug aus.

Oho! Ich hätte niemals geglaubt, dass Alkohol so guttun könnte!

»Was wird jetzt passieren?«, flüsterte ich. Ich richtete meine Augen auf Lion und sagte: »Aber dafür bist du wieder gesund! Wie kam es nur dazu, Lion?«

»Als ob…«, begann Lion. Aber in diesem Augenblick wurde der Vorhang am Eingang des Pavillons zurückgezogen und Stasj trat ein. Weiter entfernt, hinter seinem Rücken, trieben sich Rosi, Rossi und noch irgendwelche Leute herum.

»Stasj…«, staunte ich. Ich hatte keine Ahnung davon, dass er auf Avalon war.

»Wen hättest du denn gern gesehen? Den Imperator?«, erwiderte der Ritter vom Avalon auf die ihm eigene Art. Er kam zu mir, befühlte die Kombination und nickte zufrieden. Er beschnupperte die Kaffeetasse und nickte nochmals.

»Stasj…«, wiederholte ich.

»Ist noch Cognac da?«, antwortete Stasj mit einer Gegenfrage. »Ich gehe davon aus, dass es sich nicht lohnt, die Mediziner hinzuzuziehen, aber eingerieben werden musst du.«

»Hier«, Lion reichte ihm den Flachmann, »er scheint gut zu sein.«

»Oho!« Stasj schaute eine Sekunde fragend auf Lion und schüttelte dann den Kopf. »Okay, danach. Zieh die Kombination aus! Erfrorene Finger und Zehen wieder zum Leben zu erwecken ist eine langwierige, aber notwendige Beschäftigung.«

»Stasj«, wiederholte ich zum dritten Mal. Und merkte, dass ich losheulte. »Stasj, ich habe so etwas Schlimmes angestellt… Ich brauche jetzt keine Einreibungen.«

»Meinst du die gestohlene Peitsche?«, erwiderte Stasj. »Ich habe aus diesem Grund den Ärzten verboten hereinzukommen. Gerüchte wären das Letzte, was wir jetzt brauchen.«

Er neigte sich über den Cognac, lächelte, schüttelte den Flachmann und meinte danach:

»Lion, sei ein Freund, lauf zu den Ärzten und hol von ihnen eine Flasche Alkohol. Diesen Cognac für Einreibungen zu nehmen, das wäre ein Verbrechen gegen die Weinkultur.«

»Wird gemacht!«, rief Lion und lief los.

Ich sah Stasj in die Augen und fragte: »Komme ich jetzt ins Gefängnis? Wegen der Peitsche?«

Der Ritter vom Avalon holte tief Luft. »An wen wolltest du sie weitergeben, Tikki? Oder wolltest du sie einfach verkaufen?«

»Verkaufen?«, erwiderte ich verwirrt. »Stasj, sie hat sich mir angeschlossen. Ich konnte sie nicht in den Utilisator werfen! Das wäre ja wie Mord!«

»Tikkirej, diese Peitsche wird schon vier Jahre lang für die Zuverlässigkeitsüberprüfung neuer Mitarbeiter benutzt«, Stasj trank den Cognac aus und stellte die Flasche vorsichtig vor sich auf den Tisch, »der Block für das Imprinting ist bei ihr vollkommen entstellt, sie kann sich an niemanden anschließen.«

Ich versuchte gar nicht erst zu antworten, streckte ganz einfach die Hand aus — und die Schlange kroch aus dem Ärmel, wobei sie die winzige Plasmakanone herausgefahren hatte.

Das machte Eindruck! Stasj zuckte zusammen und seine eigene Peitsche schnellte heraus, bereit zum Kampf.

»Das gibt es doch gar nicht!«, sagte der Phag verdutzt und schaute auf die Waffe, die sich an mich gebunden hatte.

Lion kam mit einem durchsichtigen Flakon zurück.

»Komme ich ins Gefängnis?«, fragte ich wieder. »Oder muss ich den Planeten verlassen?«

»Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher«, erwiderte Stasj. »Lion, Junge, ist das reiner Alkohol? Oder ist das eine Lösung zum Einreiben?«

»Sie wollten mir eine Lösung geben, aber ich habe reinen Alkohol verlangt«, erwiderte Lion.

»Bist du etwa von Natur aus so verständig?«, erkundigte sich Stasj und öffnete den Flakon. »Tikkirej, jetzt wirst du das ekelhafteste von allen alkoholischen Getränken schlucken müssen. Ich hoffe, dass es dir auf lange Zeit die Lust nimmt, Alkohol zu trinken.«

Ich nickte. Ich war zu allem bereit.

Kapitel 3

Stasj hatte die Heizung auf volle Kraft gestellt und mittlerweile war mir regelrecht heiß. Ich lag auf dem Sofa, eingewickelt in eine Decke, und hörte dem Phagen zu. Mir war immer noch schwindlig und im Mund hatte ich einen ekelhaften Beigeschmack. Noch schien mir alles so lustig wie in einem Trickfilm zu sein. Es drängte mich danach, die Augen zu schließen und zu träumen. Das kam vom Alkohol… Im Flyer war ich sowieso eingeschlafen.

»Unsere Organisation ist ein offenes System«, erklärte Stasj leise. »Wir nehmen bei uns Leute von den verschiedensten Planeten des Imperiums auf. Aber jeder, sei es ein Hausmeister oder ein Lagerarbeiter, wird verschiedenen Überprüfungen unterworfen. Das ist unumgänglich, verstehst du, Tikkirej?«