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»Was?«, sie verringerte etwas die Geschwindigkeit, das Heulen ging in ein Pfeifen über, und es war einfacher, sich zu unterhalten.

»Wirst du dich nicht erkälten?«

»Das werde ich!«, stimmte mir Natascha unbeschwert zu. »Aber es ist nicht so schlimm, Opa macht mich wieder gesund. Tikkirej, bist du uns nicht böse?«

»Weswegen?«, fragte ich, obwohl ich es mir denken konnte.

»Dass wir euch verhaftet hatten«, erwiderte Natascha und begann zu lachen. Sie drehte sich sogar kurz zu mir um und zwinkerte mir zu.

Ich hasse Mädchen! Warum sind sie nur so ekelhaft?

»Das macht nichts, ein Pferd hat vier Beine und stolpert trotzdem«, erwiderte ich.

»Oh, das ist wirklich nicht nötig!«, kreischte Natascha. »Das sind die Sprichwörter meines Großvaters, ich habe mich vielleicht erschrocken!«

Sie fuhr den Jetski näher zum Ufer und wir drosselten die Geschwindigkeit.

»Dauert es noch lange?«, wollte ich wissen.

»Zu Fuß mehr als eine Stunde«, antwortete Natascha. »Tikkirej, lass mich auf deinem Schoß sitzen.«

Ich wusste nicht, warum, stellte aber die Knie auf.

Sie setzte sich sofort darauf, vergaß jedoch nicht zu giften: »Glaub nicht, dass du mir so gut gefällst. Es fällt nur schwer, die ganze Zeit zu stehen.«

»Pass nur auf, wohin du lenkst!«, meldete sich Lion aufgeregt hinter meinem Rücken.

»Da will wohl das Küken die Henne lehren?!«

Langsam wurde es hell. Die Sonne war noch nicht hinter dem Horizont aufgegangen, aber der Himmel im Osten wurde rosa, die dünnen Federwolken weiß. Ein grelles Licht zerschnitt den Himmel — eine große Raumstation auf niedriger Umlaufbahn wurde von den Strahlen der aufgehenden Sonne getroffen.

»Kann man uns nicht orten?«, fragte ich.

»Das gefährlichste Stück haben wir bereits durchquert«, erwiderte Natascha. »Hier fahren schon viele Boote, ich glaube nicht, dass wir verdächtigt werden…«

»Fährst du mit dem Jetski zurück?«

Natascha schüttelte den Kopf:

»Nein. Das Benzin reicht nicht, und tagsüber ist es zu auffällig. Ich bleibe ein paar Tage hier… An einem bestimmten Platz. Wir haben geheime Wohnungen.«

Wo und bei wem sie bleiben würde, sagte Natascha nicht. Und ich fragte auch nicht danach. Das war richtig so, wenn ich gefasst würde, konnte ich nichts verraten.

Wir fuhren an Feldern vorbei. Langsam drehten sich die Sprinkler der Beregnungsanlagen und bewässerten die niedrigen Sträucher mit Regenbogentropfen. Es waren keine Menschen zu sehen, alles lief automatisch.

»Was wird hier angebaut?«, fragte Lion über meine Schulter.

»Tomaten«, erwiderte Natascha kurz angebunden.

»Ich mag Tomaten«, teilte Lion mit.

»Schön für dich! Wir mussten uns hier einmal zwei Tage lang verstecken… Das hat mir fürs ganze Leben gereicht. Weißt du, wie ekelhaft Tomatensträucher in der Hitze stinken?«

Ich erinnerte mich daran, wie ich in meiner Kindheit, in der ersten Klasse, die Lehrerin zum Lachen brachte. Ich sprach über eine Nahrungsmittelfabrik und machte den Fehler, zu sagen, dass dort Milch, Tomaten und Eier produziert würden… Was haben alle gelacht. Tomaten hat man noch nie industriell hergestellt, es ist einfacher, sie anzubauen.

Es war schon richtig hell, als wir an einer kleinen Siedlung vorbeikamen. Auf den Straßen bemerkte ich einige Fußgänger, uns schienen sie nicht zu beachten.

»Wir gehen gleich an Land«, teilte uns Natascha mit. »Die Straße verläuft hier nahe am Fluss… Ich setze euch ab und ihr fahrt per Anhalten Die Straße führt am Kosmodrom vorbei direkt nach Agrabad.«

Lion und ich schauten uns an. Das hieß ja, dass wir am Motel vorbeifuhren! Lion sagte nichts, aber ich wusste sofort, woran er dachte.

Vielleicht sind seine Eltern noch dort?

»Wird uns der Fahrer nicht verdächtigen?«, wollte ich wissen.

»Nein, eigentlich nicht.«, sagte Natascha nachdenklich. »Sagt, dass ihr aus Mendel kommt. Das ist die Siedlung, an der wir vorbeigefahren sind. Dort sind Konservenfabriken. Sagt, dass eure Eltern in der Fabrik arbeiten und ihr… Na, euch wird schon was einfallen. Ihr könntet zu Verwandten nach Agrabad wollen.«

Der Jetski näherte sich gemächlich dem Ufer. Natascha fuhr ihn mit der Spitze auf eine Sandbank und erhob sich von meinen Knien. Wir schauten uns unsicher an.

»Komm… gib mir deine Hand«, sagte ich.

Ihre Handfläche war eiskalt. Sie wird sich ganz bestimmt erkälten.

»Übermittle deinem Großvater unseren Dank!«, schrie Lion und sprang ans Ufer. »Er ist großartig! Tikkirej, bummle nicht herum!«

»Tschüss«, sagte ich zu Natascha. »Lass dich nicht erwischen!«

»Ich passe auf«, versprach sie.

Ich sprang hinter Lion her, erreichte jedoch nicht das Ufer und machte mir die Füße nass. Lion lachte schadenfroh. Natascha zündete die Ersatztriebwerke und der Jetski kroch langsam von der Sandbank. Eine Sekunde lang schaute sie zu uns, beugte sich vor, dann legte sie sich in die Kurve und der Jetski flog wie der Blitz zur Mitte des Flusses.

»Schnittig!«, begeisterte sich Lion. »Und du hast dich in sie verliebt, stimmt’s?«

Ich hätte es ihm beinahe übel genommen, überlegte es mir jedoch anders und sagte nur: »Idiot. Sie hat immerhin ihr Leben riskiert, um uns hierherzubringen. Weil sie glaubt, dass wir Phagen sind.«

»In gewissem Sinne sind wir das ja auch«, sagte Lion nachdenklich. »Wenn auch keine ganz echten, aber trotzdem… Okay, sei nicht eingeschnappt!«

Ich war aber gar nicht beleidigt. Ich überlegte eher, ob wir nicht dafür beten sollten, dass Natascha nichts passierte. Dann erinnerte ich mich daran, wie ich gebetet hatte, dass meine Eltern nicht gehen mussten.

Und ich verwarf diese Idee. Im Fahrerhaus des Lasters duftete es nach frischem Brot. Als Fracht transportierte der Laster Bretterstapel, aber das Brot lag beim Fahrer in der Kabine auf einem langen, bankähnlichen Sitz. Zwei große Laibe mit fester, brauner Kruste und weichem Inneren…

»Greift zu, Jungs, greift zu!«, forderte uns der Fahrer gutmütig auf. »Versteht man es etwa in der Stadt, Brot zu backen? Vor hundert Jahren trat ein Programm zur Sicherstellung der Versorgung in Kraft und das Volk ist satt, aber Brot braucht eine Seele!«

Wir hatten keine Schwierigkeiten gehabt, ein Auto anzuhalten. Der erste LKW — fast so groß wie ein Raumschiff der Phagen, hielt neben uns, als wir am Straßenrand standen und trampten. Ein schwarzhaariger, dunkelhäutiger Fahrer schaute lächelnd heraus und winkte uns zu. »Steigt ein!«

»Onkel Dima, kann man etwa kein Brot in der Mikrowelle zu Hause backen?«, wollte Lion wissen. Es gelang ihm gut, den Dialekt des Fahrers zu imitieren.

»Na hör mal, mein Junge!« Der Fahrer lachte. »Brot gelingt nur im Backofen. Es muss mit den Händen geknetet, der Ofen muss mit Holz geheizt werden! Und du kommst mir mit Mikrowelle, Ultraschall, Elektronen, Positronen… Hier ist Milch, kostet die Milch!«

Lion nahm bereitwillig eine verdächtig aussehende Plastikflasche für Limonade entgegen. In der Flasche war Milch.

»Vorsichtig!«, meinte der Fahrer vergnügt. »Das ist frische Milch. Aus dem Kühlbehälter. Wenn ich synthetische trinke, selbst wenn es die teuerste und qualitativ beste ist, tut mir der Magen weh. Das überstehe ich nicht.«

Er fing wieder an zu lachen.

Ich nahm einen Schluck Milch, nachdem ich sicherheitshalber mit meinem Ärmel den Flaschenhals abgerieben hatte. Nicht etwa, weil ich mich vor Lion ekelte, sondern weil die Flasche an sich einen schmuddeligen Eindruck machte.

Die Milch schmeckte himmlisch! Erstaunlich gut, dickflüssig und irgendwie… irgendwie wie etwas längst Verschollenes, aber im Traum Präsentes.

»Na also!«, rief der Fahrer aus. »Habt ihr den Unterschied geschmeckt? Die ist nicht aus Erdöl und Sägespänen, die ist von der Kuh.«

Ich schluckte erschrocken, aber erstaunlicherweise ekelte ich mich nicht. Es klappte sowieso alles gut. Wir hatten uns umsonst verrückt gemacht, die Menschen auf Neu-Kuweit waren völlig normal, kein bisschen schlechter als die auf dem Avalon. Oder gehörte der Fahrer vielleicht nicht zu den Zombies? Ich schaute aus den Augenwinkeln auf seine Stirn — sein Neuroshunt war moderner als meiner, ein ›Jamamoto- Profi‹ mit Funkaufsatz. Dann ist es unwahrscheinlich.