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Der Halb-Elf setzte zum Sprechen an, doch die leichte Hand auf seinem Arm hielt ihn davon ab. Die Frau sprach, und ihre Stimme war weich und leise. »Wir haben uns an der Schönheit Eurer Halle erfreut.«

Das bezweifle ich, dachte Hornfell. Dein Freund zumindest nicht. Er wies auf einen Alkoven abseits der Haupthalle, der gerade ausreichte für einen Kartentisch aus einem einzigen Stück rosagemasertem Marmor.

»Lady«, sagte er, als er eine Fackel aus einem nahen Halter nahm, »macht es Euch bequem.«

Sie nickte anmutig, und als sie in den schattigen Alkoven trat und Platz nahm, dachte Hornfell, daß er keine Wette eingehen würde, was jetzt die Schatten teilte – die Schönheit der Frau oder das Licht der Fackel. Der Jäger folgte ihr dicht auf dem Fuß wie ein Leibwächter, wiederum gefolgt von den drei Daewars. Hornfell holte ungeduldig Luft, als ihm dieses Getue auffiel. Er befestigte die Fackel an der Wand.

»Ihr«, meinte er zu dem Halb-Elf, »könnt ruhig weiter bei Eurer Dame bleiben, wenn Euch das beruhigt.« Er wies mit dem Daumen auf die Wachen. »Ihr könnt Euch alle mit mir hier reindrängeln oder die Tür bewachen, was immer Euch glücklicher macht.«

Die Daewars waren verwirrt, wußten aber, wie sie auf einen Befehl zu reagieren hatten. Sie verließen den Alkoven. Obwohl der Halb-Elf betreten grinste, stellte er sich hinter seine Dame.

»Bewachen sie Euch vor uns?«

Hornfell schüttelte den Kopf und setzte sich auf einen Stuhl gegenüber der Frau. »Sie bewachen mich, aber das hat nichts mit Euch oder Eurer Dame zu tun. Wir schützen uns nicht vor Freunden.«

Die Frau aus den Ebenen registrierte das und nickte: »Wir sind glücklich, zu den Freunden zu zählen.« Anmutig zeigte sie auf ihren Beschützer. »Das ist Tanis, der Halb-Elf.« Sie lächelte. »Auch wenn ich nicht seine Dame bin, ich könnte nirgends sicherer sein als bei ihm. Ich bin Goldmond, Häuptlingstochter der Que-Shu.« Ihre Augen leuchteten im weichen Dämmerlicht.

»Ich diene der Göttin Mishakal«, sagte sie, »und bin ihre Klerikerin. In ihrem Namen sind wir gekommen, um zu erfahren, ob Ihr denen helfen wollt, die Verminaards Sklaverei entkommen sind.«

Hornfell schüttelte den Kopf. »Lady, seit dreihundert Jahren gibt es keine wahren Kleriker mehr auf Krynn.«

»Das weiß ich, Lehnsherr. Seit der Umwälzung. Aber jetzt schon.«

Der Zwerg schloß die Augen. Mishakal! Mesalax hieß die Göttin bei den Zwergen, und sie liebten sie nicht weniger als Reorx, den sie Vater nannten. Denn wenn er der Schöpfer der Welt war, dann war Mesalax die Quelle, aus der ihre Schönheit entsprang.

Hornfell sah von Goldmond zu dem, der Tanis hieß. War das wahr? Er hielt es für möglich. Jetzt waren die Götter auf Krynn, schenkten Königsschwertern ihr Feuer und ihre Drachen den Drachenfürsten. Warum sollte Mesalax nicht einer Barbarenfrau aus den Ebenen ihre Gunst schenken?

Goldmond lächelte, und es konnte durchaus Mesalax’ eigenes Licht sein, das der Zwerg in ihren Augen erblickte.

Hornfell blickte wieder zu Tanis. Der feste Kiefer des Elfen entspannte sich etwas unter seinem roten Bart, wenn er so wie jetzt die Frau aus den Ebenen betrachtete.

»Lady Goldmond«, sagte Hornfell schließlich, »seid willkommen in Thorbardin.«

Er würde später nachdenken, was mit den Ackerhöhlen geschehen sollte. Er wußte nicht, ob Goldmond wirklich war, was sie zu sein vorgab. Er wußte aber, daß er ebensowenig zulassen würde, daß sie ihr Dasein in einer zusammengezimmerten Pächterhütte fristen würde, wie er erlauben konnte, daß sie in einer Kerkerzelle schmachtete. Und er wußte, daß sie dahin gehen würde, wohin ihre Leute gingen.

Nachtschwarz breitete seine Flügel auf halbe Länge aus, wobei er das Spiel des Schattens bewunderte, das sich die glänzend schwarzen Wände seiner Höhle hochzog und fast die gesamte Breite der hohen, rauhen Decke überspannte. Er streckte seinen Hals lang aus und riß den Kiefer weit auf. Auch wenn er die Wirkung nicht sehen konnte, stellte er sich vor, daß seine Fangzähne im Licht der kleinen Kohlepfanne an der gegenüberliegenden Wand wie Feuermesser aussahen.

Er drehte den Kopf und sprach zu einem Schatten an der Wand.

»Herr, alles in allem ziehe ich die sonnigen Höhlen in den Klippen von Pax Tarkas diesem nassen, kalten Bau unter dem verwünschten Thorbardin vor.«

Das überrascht mich nicht, flüsterte der Schatten. Verminaard warf den Kopf zurück und lachte in seinem Raum in Pax Tarkas. Sein Schattenbild an der Höhlenwand tat dasselbe.

Nachtschwarz peitschte ungeduldig mit dem Schwanz und grollte tief in der riesigen Kehle. Lieber die eiserne, martialische Ordnung in Pax Tarkas unter Verminaards Herrschaft als die Unwetter der Zwergenpolitik in einem Königreich ohne König. »Drachenfürst, ich wünsche mir sehnlichst, daß Realgar endlich seine verdammte Revolution anzettelt und die Sache zu einem Ende kommt, damit ich ihn erledigen kann.«

Der Schatten wurde scharf wie eine Messerklinge. Nachtschwarz konnte Verminaards Augen fast als rote Lichter auf dem Stein sehen.

Verschwendet er immer noch seine Zeit mit diesem Waldläufer?

In all den Tagen, seit er der Gefangene des Theiwaren war, hatte der Waldläufer Realgar noch keine vernünftige Antwort auf die Frage nach dem Verbleib des Königsschwerts gegeben.

»Allerdings, Fürst. Das ist der Unterschied zwischen euch«, fauchte der Drache. »Wenn der Waldläufer dein Gefangener wäre, hätte ich ihm schon vor Tagen das Mark aus den Knochen gesaugt.« So aber mußte Nachtschwarz des Nachts Bergschafe jagen, während Realgar genüßlich mit blutigen Füßen durch die Seele des Waldläufers trampelte.

Nachtschwarz schloß schnaubend die Augen. »Inzwischen macht er es nur noch aus Spaß. Er gibt zu, daß der Waldläufer die Antwort nicht geben wird, wenn es eine gibt. Spaß und süße Rache für die Zeitverschwendung.«

Schattenaugen flammten rot auf. Der Drache kratzte mit den Krallen über den Felsboden der Höhle. Er bezweifelte, daß der Waldläufer je gewußt hatte, wo das Schwert war, und wenn doch, konnte von seinem Verstand inzwischen nichts mehr übrig sein, wo man nach der Antwort fahnden konnte.

»Fürst, wie steht’s mit deinen eigenen Plänen?«

Gut genug. Die Truppen ziehen in die Berge, und der Nachschub ist gesichert. Ember fliegt heute nacht aus, um den letzten Trupp zu sichern.

Ember! Der flog mit Feuer und Drachenangst als Waffe aus, und er steckte hier in diesem dumpfen, feuchten Loch! Nachtschwarz knirschte mit den Zähnen.

»Sichern, Fürst? Braucht Ember-« Nachtschwarz hielt inne, der hochmütige Ember würde nie zugeben, daß er Hilfe brauchte. »– Gesellschaft?« Bei der Königin der Finsternis! Seine Beine waren verkrampft, seine Flügel sehnten sich so nach einem Nachtflug!

Der Schatten sah jetzt nicht mehr aus wie ein Schatten, sondern wie ein Bild, das von poliertem Ebenholz widergespiegelt wird. Der Drache sah Verminaards Gesicht: ein Gesicht von kalter Schönheit, mit eisigen Augen, hart wie Stein.

Ember braucht nicht mehr Gesellschaft, als er hier hat, guter Sevrist, und die bin ich. Es geht nur um ein paar Waldläufer.

Er hätte auch sagen können, nur ein paar Mücken. Nachtschwarz seufzte.

Verminaard lachte, was sich wie krachendes Eis auf einem zugefrorenen Fluß anhörte.

Geduld, Nachtschwarz. Bleib noch ein Weilchen bei deinem neuen Herrn.

Und fort war der Schatten. Die roten Lichter verblaßten, als wären sie nie gewesen.

Der schwarze Drache grollte. In Nachtschwarz’ Augen war sein neuer Herr ein Esel. Realgar beherrschte eine Horde Rebellen, und das machte er gut. Es war keine leichte Aufgabe, eine Rasse mordlustiger Derros zu lenken, deren angenehmste Träume von Folterungen, Revolution und Tod handelten. Trotzdem war Realgar ein Esel.

Sevrist dachte nicht politisch und hatte weder das Verständnis noch die Geduld für Realgars Bedürfnis, dieses Königsschwert Sturmklinge zu erlangen. Er seufzte, und die Luft zitterte. Diese Zwerge, und besonders die Theiwaren, waren verrückt nach Talismanen und Symbolen. Realgar würde das Feuer der Revolution erst dann in Thorbardin entfachen, wenn er Sturmklinge in seiner gierigen Hand hielt. Und Verminaard schien das Warten zu akzeptieren.