Выбрать главу

Theiwaren, murmelte Pfeifer.

»Theiwaren«, sagte Tyorl.

Lavim blinzelte. Bohrender Schmerz schoß durch seinen Kopf. »Genau. Das sind die Typen, die nach Kelidas Schwert suchen, nicht?«

Tyorl griff nach seinem Bogen. Er kniff den Mund grimmig zusammen, als er einen Pfeil aus dem Köcher auf seinem Rücken zog. Kelida sah von einem zum anderen.

»Tyorl, sie werden ihn umbringen«, flüsterte sie.

Das Sonnenlicht auf dem Pfad schimmerte golden. Im Dickicht und zwischen den Bäumen wuchsen die Schatten, die sich bald zur Nacht über den ganzen Wald ausbreiten würden. Der Wind wurde bereits kälter.

Genau, dachte Tyorl, das werden sie. Früher oder später.

»Sie können ihn noch nicht weit geschleppt haben«, sagte der Waldläufer.

Er ist in den Höhlen am Fluß.

Lavim nickte. »Er ist in den Höhlen am Fluß, Tyorl.«

»Woher weißt du das? Verdammt. Lavim! Was weißt du noch?«

Lavim wußte nicht, was er noch wußte. Er hatte bis eben nicht einmal das gewußt. »Tyorl, ich – « Er wollte es erklären, hielt aber dann den Mund, weil Pfeifer mitten in seinem Kopf Nein! bellte.

Aber, widersprach er schweigend, wie soll ich es ihm sagen, wenn ich nicht von dir erzähle? Hör auf zu schreien, ja? Ich habe schon Kopfschmerzen und –

Du kannst es ihm später sagen. Jetzt haben wir keine Zeit, den Teil von mir zu erzählen, Lavim. So wie du erzählst, erklärst du den ganzen Tag. Stanach hat nicht den ganzen Tag Zeit.

Aber was soll ich denn sagen?

Pfeifer seufzte tief. Sag ihm, du hast die Höhlen gesehen.

Aber ich habe keine –

Du mußt nicht ausgerechnet jetzt bei der Wahrheit bleiben, Lavim.

»Ich habe die Höhlen gesehen. Wo soll er sonst sein?« Mit Pfeifer als Souffleur berichtete er den Rest. »Es sind fünf. Nicht Höhlen, Zwerge. Es sind nur drei Höhlen. Sie sind auf dieser Seite des Flusses und – «

Tyorl weiß, wo. Er war schon da. Finn lagert Waffen in einer Höhle im Wald, aber er weiß nicht, daß sie mit den Höhlen am Fluß in Verbindung steht.

Lavim nickte. »Oh, Finn lagert – «

Nein! Sag nichts davon1. Und gib ihm meine Flöte!

Lavim schob seine Hände in die Taschen und umklammerte die Flöte. Die wollte er noch nicht aufgeben. »– äh, Zeugs im Wald, oder? Waffen und so Sachen?«

Hat er je…?

»Hat er je diese La – ich meine, irgendwelche Höhlen hier benutzt?«

Der Elf schüttelte wieder ungeduldig den Kopf. »Doch, Lavim, das hat er. Aber diese Höhlen liegen im Wald und viel zu weit südlich, als daß sie mit Höhlen am Flußufer in Verbindung stehen könnten.«

»Ja, sie – ich – nun, ich meine, vielleicht doch.« Lavim legte seine Finger um die Flöte. Allmählich hatte er es raus, wie man mit zwei Leuten gleichzeitig redete. Hoffte er jedenfalls.

Du hast etwas über Höhlen gehört…

»Ich habe etwas über die Höhlen hier im Wald gehört. Ich weiß nicht mehr, wo das war, aber es stimmt. Etwas über, hm, genau, Höhlen, die am Fluß anfangen und hier hinten im Wald herauskommen. Damals in Langenberg hieß es, daß Banditen sie bewohnen und manchmal hier in den Wäldern untertauchen, weil sie ihre Verfolger abschütteln wollen. Man hört alles mögliche in der Richtung, wenn man einfach zuhört und – «

»Tyorl«, Kelidas Hand zitterte, als Kelida sie dem Elf auf den Arm legte. »Wir müssen Stanach helfen.«

Tyorl gab einen entmutigten Stoßseufzer von sich. Er war hin- und hergerissen, zwischen der Frage, ob er das glauben sollte, was ein Kender ›gehört‹ hatte – das heißt, er konnte es gehört haben, oder er konnte glauben, es gehört zu haben, oder er konnte sich die ganze Sache gerade jetzt ausdenken –, und der Erkenntnis, daß Kelidas Leben in Gefahr war, falls Stanach von seinen Häschern zum Reden gebracht wurde.

Wie im Sprichwort also: entweder Bär oder Klippe, dachte er bitter.

Wir müssen Stanach helfen, hatte Kelida gesagt. Das war ein weiterer Punkt. Er konnte sie nicht mit dem Schwert allein zurücklassen, das sie für die Zwerge zum Ziel machte, aber er wollte sie auch nicht zur Gefahr hinbringen.

Warum sind mir bloß die Hände gebunden, fluchte Tyorl. Wo war Finn? Dreißig Waldläufer in diesen Wäldern, da hätte er längst ihren Pfad kreuzen müssen. Er verfluchte das Schwert, verfluchte die Zwerge und traf die einzige Entscheidung, die er treffen konnte.

Nachdem er das Mädchen und den Kender ermahnt hatte, ihm so leise wie möglich zu folgen, verließ er den Pfad und eilte nach Süden.

Pfeifers stürmischer Seufzer der Erleichterung ließ Lavim fast das Trommelfell platzen.

Panik kroch mit klammen, klebrigen Fingern in Stanach empor. Im Zauber des einäugigen Derros gefangen, konnte er weder richtig atmen noch richtig denken. Wie Echos von Träumen hörte er dünne, verzerrte Stimmen.

Kein klarer, blauer Himmel erstreckte sich hier über ihm, sondern nur eine unebene, niedrige Höhlendecke aus Stein, die nach Flußschlamm roch. Steine gruben sich in seine Schultern und seinen Rücken, denn er lag auf einem felsigen Untergrund. Obwohl seine Hände nicht gefesselt waren, konnte er sich nicht bewegen.

Nein, dachte er, das war es nicht. Er hatte nicht die Kraft, sich zu bewegen, oder er wollte sich nicht bewegen. Wie dicker, nasser Nebel schien die Trägheit in seine Muskeln, ja, in die Knochen selbst gesickert zu sein.

Weiches, nachlassendes Dämmerlicht schimmerte am Rand des Höhleneingangs. Stanach erinnerte sich nicht daran, wie er hierhergekommen war. Er erinnerte sich an gar nichts außer dem kalten Glitzern in dem einen schwarzen Auge des Herolds, die plötzliche, scheußliche Übelkeit, die den Transportzauber begleitete, und ein langes, ekelhaftes Hinübergleiten in den Schlaf.

Und die fernen Stimmen.

Sie wollten Sturmklinge.

Ein dünner Zwerg, dessen einer Arm steif an der Seite herabhing, trat in Stanachs Blickfeld, wodurch er das sanfte Licht abschirmte. Wulf nannten sie ihn. Stanach erkannte in ihm einen der Theiware, deren Blut er an der Straße nach Langenberg im Gras abgewischt hatte.

Die Angst zog Stanach den Magen zusammen. Er sah den Rachedurst in Wulfs Augen und hörte ihn mit seinem leisen, listigen Lachen.

Stanach war kein Magier. Er hatte keine übernatürlichen Kräfte, um sich zu verteidigen. Er hatte nur die eine Hoffnung, daß seine Gefährten nicht versuchen würden, ihn zu retten.

Tyorl, dachte er, bring das Königsschwert hier weg! Such deine Waldläufer und bring es nach Thorbardin!

Aber würde er das tun? Oder betrachtete er seinen Freund Hauk inzwischen doch als tot?

Doch, vielleicht. Aber Kelida nicht. Dafür hatte Stanach gesorgt. Er hatte ihr einen tapferen Waldläufer zum Lieben gegeben, und sie wußte nicht, daß dieser Waldläufer tot war. Sturmklinge würde nach Thorbardin gelangen, denn Kelida würde es dorthin bringen. Der Elf würde mit ihr gehen.

Stanach starrte an die Decke der Höhle. Er würde Hornfells Königsschwert nicht erneut verlieren. Er würde tun, was er tun mußte, wie Kyan Rotaxt, wie Pfeifer.

Wulf knurrte tief in seiner Kehle. Stanach sagte sich, daß er kein Schwertschmied mehr war. Er war ein Händler, und sein Geschäft war, Zeit zu kaufen.

Das Lager in der Höhle war leer. In der Nacht, bevor sie nach Langenberg aufgebrochen waren, hatten Tyorl und Hauk dabei geholfen, die Köcher voller Pfeile, Schwerter und Dolche zu verstauen. Wie es aussah, war Finn erst kürzlich hiergewesen, um Nachschub zu holen.

Tyorl wünschte wieder, daß er wüßte, wo die Waldläufer waren. Wenn das Lager leer war, hatten sie die Waffen gebraucht. Irgendwo kämpften sie, doch er hatte keine Zeichen dafür gesehen, daß in der Nähe ein Kampf stattgefunden hatte.

Verdammt! dachte er. Ich brauche sie, und sie wüßten wahrscheinlich meinen Bogen zu schätzen. Wo im Namen aller Götter sind sie?