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Gneiss schnallte sein Schwert um und überprüfte die tödliche Schärfe der Klinge. Jetzt wußte er, wo Hornfell war, und er wußte, warum Realgar seit Stunden nicht gesehen worden war. In Nordtor war eine Falle zugeschnappt.

»Zehn Einheiten zu mir«, befahl er. »Viermal Bogenschützen, der Rest Schwertkämpfer. Du stehst ab jetzt unter Tufas Kommando. Nimm den Rest von unseren Kriegern und unterstütze den Führer der Klar so, wie er es für richtig hält.«

Gneiss konnte kaum hoffen, daß er rechtzeitig zu dem alten Tor kommen würde, um Hornfells Tod zu verhindern. Doch hundert starke Daewars, vierzig Bogenschützen und sechzig Schwertkämpfer, würden durch die Theiware stoßen wie die Sonne durch den Nebel. Zumindest würde er den Mord an seinem Freund rächen.

Eine Mordsumarmung von Stanach, ein dicker Kuß von Kelida, das mußte als Wiedersehensfeier genügen. Lavim zupfte seinen schwarzen Mantel zurecht, während Stanach ihn fixierte.

»Du sagst, Tyorl ist hier?«

»Ja, klar.« Lavim nickte heftig. »Er ist unterwegs und müßte gleich dasein.« Er schaute sich um, als Hauk zur Toröffnung rannte. »Meinst du, ihr könntet ihn etwas freundlicher begrüßen? Es sind zwei Waldläufer bei ihm, und vielleicht seht ihr Tyorl nicht als ersten. Erinnerst du dich an diesen Waldläufer Finn, von dem Tyorl immer erzählt hat, Stanach? Der ist auch da und dann noch Kern.«

»Schon gut«, versicherte Lavim Hauk, wie man einen übereifrigen Wachhund beruhigt, damit er die eintreffenden Besucher nicht in Stücke reißt. »Das sind Freunde.«

Hauk grinste nur. »Richtig, Alterchen, das weiß ich.«

»Er ist ganz schön schnell mit seinem Schwert«, nörgelte Lavim, als Hauk gegangen war. »Eine Sekunde lang dachte ich, es würde bei mir in der Mitte etwas zugig werden.« Dann sagte er zu Hornfelclass="underline" »Mein Herr – wußtet Ihr schon, daß Euch jemand töten will?«

Hornfell hatte während der Begrüßung der Freunde geschwiegen, doch jetzt bedachte er den Kender mit einem durchdringenden Blick. »Das weiß ich, Lavim. Erklär mir, woher du es weißt.«

Lavim hatte das Gefühl, daß der Zwerg seinen grimmigen Blick wahrscheinlich gar nicht so meinte. Trotzdem hielt er es für eine gute Idee, so klar wie möglich zu antworten: »Ja, also, Stanach hat mir was davon erzählt. Diese Geschichte von Sturmklinge, und wie es für Euch gemacht wurde, aber daß der andere Lehnsherr es auch haben will, und daß Ihr darum kämpft, wer der Was-weiß-ich wird.«

»Der Prinzregent.«

»Genau, das war’s. So ein bißchen wie ein König und ein bißchen wie der Mann, der hinter der Theke steht, wenn der Wirt beim Abendessen sitzt, nicht wahr?«

Hornfell nickte verwirrt.

»Dachte ich’s mir doch. Pfeifer hat mir den Teil erzählt, wie dieser andere Lehnsherr Euch gerade umbringen wollte. Er – «

»Pfeifer?« Kelida schüttelte den Kopf. »Pfeifer, Lavim? Aber der ist – «

»Ja, stimmt, das ist er auch. Er ist tot. Aber er hat es mir gesagt. Weißt du, das alles hat drüben in Qualinesti angefangen, als Stanach das Steingrab für Pfeifer gebaut hat und – «

Sie hörten Geschrei, teilweise von Hauk und Tyorl, teilweise von der Südseite des Torhauses her. Das brachte Stanach auf die Beine.

»Was ist los, Stanach?«

»Sie wollen den Lehnsherrn töten, Lavim. Was hast du für Waffen?«

»Meinen Dolch. Den Hupak habe ich im Moor verloren, aber – «

»Da drüben in der Wachstube findest du jede Menge Waffen. Rüste dich gut aus und komm dann hierher zurück.«

Als Lavim zum Wachhaus schlurfte, erwischte Stanach ihn gerade noch am Kragen. »Warte. Was haben Tyorl und die Waldläufer?«

»Die Waldläufer haben Schwert und Bogen. Tyorl hat seinen Bogen im Sumpf verloren.«

»Zeig ihnen die Waffenkammer und rüste sie schnellstens für den Kampf aus.«

Stanachs Gedanken überschlugen sich. Der Zuwachs von vier Mann bei Hornfells Verteidigern würde wenig ausmachen, wenn Realgar mehrere Einheiten von Kämpfern gegen sie führen konnte. Stanach lächelte grimmig. Aber jetzt hatten sie Bogenschützen. Das würde etwas ausmachen.

Mit seiner verstümmelten rechten Hand berührte er Kelidas Arm.

»Lyt Chwaer, schick Tyorl hier hoch und…« Stanach hielt inne, weil er plötzlich merkte, daß er gar keine Befehlsgewalt hatte.

Hornfell nickte Kelida zu. »Kelye dha, wenn du getan hast, worum Stanach bittet, dann heiße Finn in meinem Namen in Thorbardin willkommen. Sag ihm, daß ich gute Bogenschützen brauche und daß ich ihm dankbar wäre, wenn er seine Männer dem Befehl meines jungen Hauptmanns hier unterstellen würde.«

Stanach sah ihr nach, als sie mit Hornfells Botschaft den Gang hinuntereilte.

»Stanach«, sagte Hornfell, womit er das kurze Schweigen brach, »wenn ich sterben soll, dann nicht wie eine Ratte in ihrem Loch.«

»Hier ist jedes Schwert willkommen, Lehnsherr Hornfell, und nicht zuletzt deins.«

Stanach drehte sich um und erklärte den sechs, die im Torhaus warteten, flüsternd seinen Plan.

Draußen in der großen Halle verstummte das Gemurmel der Theiware und das Klappern ihrer Schwerter, Rüstungen und Brustpanzer.

Kalt und schrill befahl Realgar seine Männer zum Angriff.

Stanach hatte noch Raum für ein letztes Gebet, dann hob er sein Schwert hoch und nahm Kampfstellung ein.

Bitte, Reorx, bitte beschütze uns jetzt…Die beiden Bogenschützen, die außer Reichweite der Schwerter auf dem Pfeiler des alten Tormechanismus postiert waren, sandten ihre Pfeile herab. Kelida konnte keinen Unterschied feststellen zwischen der Angst, vom Schwert ihrer Angreifer aufgespießt zu werden, und der Angst, den Pfeil eines Freundes im Rücken zu spüren.

Erschreckender als die Pfeile der Bogenschützen waren die Bolzen von Tyorls Armbrust. Sie zischten laut durch die Luft, und darauf folgte stets der hohe Todesschrei eines Feindes.

»Überlaß das Zielen den Schützen«, hatte Hauk gerufen. »Das ist ihre Sache, Kelida. Achte du nur darauf, daß du am Leben bleibst.« Er hatte noch etwas anderes sagen wollen, aber dazu war keine Zeit mehr gewesen. Der Kampf hatte sie voneinander getrennt.

Kelida kämpfte nicht besser als in der großen Halle, aber mit der gleichen, wenn nicht mit größerer Verzweiflung. Man brauchte kein großer Stratege zu sein, um zu wissen, daß sie mit dem Rücken zur Wand standen. Hinter ihnen gab es nur noch das brennende Tal, dreihundert Meter unter der Stadt.

Ein schwarzsilbern uniformierter Soldat sprang sie von rechts an, ein zweiter von links. Kelida trieb dem einen ihren Dolch in die Kehle und traf den zweiten mit einem Tritt am Knie. Überall war Blut. Es dampfte an ihrem Messer und rann ihr zwischen den Fingern durch.

Jemand, wahrscheinlich Lavim, rief eine Warnung. Sie warf sich gehorsam hin, erkannte jedoch erst, als sie auf dem blutverschmierten Boden lag, daß die Warnung nicht für sie bestimmt gewesen war. Eine Länge vor ihr zur Linken ließ sich ein Theiwar mit angelegter Armbrust auf ein Knie herunter und zielte. Sein Ziel war Hornfell.

»Nein!« schrie sie, während sie sich mit gezücktem Dolch von hinten auf den Zwerg warf. Sie stieß dem Schützen die Klinge zwischen die Schulterblätter und wußte, daß sie ihn getötet hatte, als der Stahl von seinem Schrei vibrierte.

Bevor Kelida reagieren konnte, brüllte Lavim wieder eine Warnung. Ein Dolch zischte um Haaresbreite über ihren Kopf. Kelida hörte ein gräßliches Stöhnen und drehte sich um.

Sie wußte sofort, daß das ein Fehler gewesen war. Ein schwerer Körper fiel von hinten auf sie. Hände preßten ihr die Arme an die Seiten, und jemand stieß ihr sein Knie ins Kreuz, so daß sie ein heftiger Schmerz durchzuckte. Ihr wurde schwarz vor Augen.

Geschwächt und voller Panik hörte Kelida, wie jemand ihren Namen schrie.

Sie konnte sich einfach nicht befreien, konnte nicht einmal Atem holen, um zu antworten. Dann hörte sie das kratzende Geräusch von Stahl, der auf Knochen stößt.

War sie getroffen?