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Mitten in seiner überschäumenden Freude traf John Milner aber doch am 7. ein ihn fast lähmender Schlag infolge eines unerwarteten, gleich zu schildernden Vorfalls. Es war der Nadelstich, der den zum Aufstieg fertigen Luftballon zum Zusammensinken zu bringen droht.

Ein Rival, wenn nicht gar ein Mitbewerber im Match Hypperbone, hatte dies Anschlagen eines nicht minder kolossalen Placats veranlaßt.

Philadelphia. – Independence Hall.

Cavanaugh gegen Crabbe!

Wer war dieser Cavanaugh?… O, hier in der Stadt kannte man ihn recht gut. Es war ein sehr renommierter Boxer, der vor drei Monaten in einem denkwürdigen Zweikampfe von Tom Crabbe besiegt worden war und bis jetzt, trotz dringender Aufforderungen noch keine Gelegenheit zur Revanche gefunden hatte. Da sich Tom Crabbe jetzt in Philadelphia befand, enthielt das Placat nach dem Namen Cavanaugh’s noch die Worte:

Herausforderung um das Championat!

Herausforderung!!

Herausforderung!!!

Tom Crabbe, das muß man zugeben, hatte jetzt etwas ganz anderes zu thun, als auf eine solche Anzapfung zu antworten: er hatte ruhig in bequemem farniente den Ausfall des nächsten Würfelns abzuwarten. Cavanaugh freilich, oder vielmehr die, die ihn dem Champion der Neuen Welt auf den Hals hetzten, wollten das nicht gelten lassen. Wer konnte aber wissen, ob das Ganze nicht der Schachzug einer feindlichen Agentur war, die vielleicht darauf hoffte, den Partner, der schon am weitesten vorwärts gekommen war, unterwegs aufzuhalten?

John Milner hätte sich mit einem Achselzucken begnügen sollen. Selbst die Parteigänger Tom Crabbe’s rührten sich, um ihm zu rathen, diese zu deutlich von Sonderinteressen veranlaßte Herausforderung nicht zu beachten.

Einestheils kannte John Milner aber seines Schülers unbestreitbare Ueberlegenheit im Boxen über Cavanaugh und anderntheils sagte er sich, wenn Tom Crabbe die Partie nun doch nicht gewönne, nicht durch die Millionen des Testators bereichert würde und auch ferner öffentlich als Faustkämpfer aufzutreten gezwungen wäre… werde sein Ruf jedenfalls dadurch geschädigt werden, daß er eine unter so besonderen Umständen verlangte Genugthuung zu geben verweigert hätte.

Als Folge dieses Gedankenganges und nachdem noch weitere verletzende Placate aufgetaucht waren, die offen darauf hinzielten, den Champion der Neuen Welt »an der Ehre zu packen«, konnte man am nächsten Tage an allen Mauern Philadelphias lesen:

Annahme der Herausforderung!

Crabbe gegen Cavanaugh!!

Die Wirkung hiervon wird man sich denken können.

Tom Crabbe nahm also den Handschuh auf! Tom Crabbe, jetzt an der Spitze der »Sieben«, wagte es, in einem zweiten Faustkampfe mit dem gleichen Gegner seinen guten Platz zu verlieren! Vergaß er denn ganz, an welcher Partie er selbst und außerdem viele, die auf ihn gewettet hatten, jetzt betheiligt waren?… Ja, so schien es. Uebrigens sagte sich John Milner mit Recht, daß ein gebrochener Kiefer und ein ausgeschlagenes Auge Tom Crabbe nicht hindern könnten, seine Fahrten fortzusetzen und im Match Hypperbone die frühere Rolle zu spielen.

Der Revanchekampf sollte also stattfinden… dann aber auch je eher je lieber.

Da tauchte plötzlich ein Hinderniß auf. Da Kämpfe dieser Art sogar in Amerika verboten sind, untersagte die Philadelphier Polizei den beiden Helden, unter Androhung von Geld-und Haftstrafe, gegeneinander in die Schranken zu treten. In einem Western Penitentiary eingesperrt zu sein, wo die Gefangenen gezwungen werden, irgend ein musikalisches Instrument zu lernen und dieses den ganzen Tag zu spielen – welch ein entsetzliches Concert, in dem übrigens das leiernde Accordeon vorherrscht, muß das ergeben! – das war gerade keine allzu harte Strafe zu nennen. Einer Haftstrafe zu verfallen, bedeutete aber die Unmöglichkeit, am bestimmten Tage weiter zu reisen, sich Verzögerungen auszusetzen, wie Hermann Titbury einer solchen in Maine beinahe zum Opfer gefallen wäre.

Nun ließ sich die Sache aber doch vielleicht ausführen, ohne die Einmischung eines Sherifs zu fürchten zu haben. Es genügte ja wohl, sich nach einem benachbarten kleinen Orte zu begeben, Schauplatz und Stunde des Zweikampfs geheim zu halten und die große Frage des Championats außerhalb Philadelphias auszufechten.

Dahin einigte man sich wirklich. Nur die Zeugen der beiden Boxer und einige in bestem Rufe stehende Liebhaber wurden über die getroffenen Vereinbarungen unterrichtet.

Die Sache verlief dann sozusagen zwischen Berufsboxern, und wenn man davon zurückkam, hatte sich keine städtische Behörde mehr damit zu beschäftigen. Man wird zugestehen, daß das immerhin ein gewagter, unkluger Schritt war… wo aber die Eigenliebe einmal ins Spiel kommt, da schweigt bekanntlich die Stimme des Verstandes.

Die Kampfbedingungen wurden also festgesetzt. Da jetzt aber weitere Maueranschläge ausblieben und sich sogar das Gerücht verbreitete, die Revanche sei bis nach Vollendung des Matches verschoben worden, konnten die Leute glauben, daß jetzt kein Zweikampf stattfinden werde.

Und dennoch trafen am 9. gegen acht Uhr morgens in dem kleinen, etwa dreißig Meilen von Philadelphia entfernten Orte Arondale eine Anzahl Herren in einem für diesen Zweck eigens gemietheten Saale zusammen.

Photographen und Kinematographisten begleiteten sie, um der Nachwelt alle Stadien des so hochinteressanten Ereignisses aufzubewahren.

Unter der Gesellschaft befanden sich Tom Crabbe, dieser in vorzüglicher Form und bereit, seine furchtbaren Arme in Kopfhöhe seines Gegners vorzustoßen, und Cavanaugh, der zwar etwas kleiner, doch ebenso breitschulterig und äußerst musculös war… zwei Kämpen, fähig bis zu zwanzig oder dreißig »Runden« zu gehen, d. h. den Faustkampf zwanzig-oder dreißigmal wieder aufzunehmen.

Als Secundanten dienten dem ersten John Milner, dem zweiten sein eigner Traineur. Liebhaber und Berufsboxer umringten die beiden, begierig den Vorstoß und die Abwehr der beiden Maschinen von vier Fäustekraft zu beobachten.

Kaum sind die Arme aber zum Kampfe. bereit, da erscheint der Sherif von Arondale, Vincent Bruck, begleitet von einem Geistlichen, Hugh Hunter, dem Methodistenpfarrer des Kirchspiels, einem eifrigen Vertreiber von gleichzeitig antiseptischen und antiskeptischen Bibelausgaben. Durch eine Indiscretion benachrichtigt, eilten beide nach dem geheimen Kampfplatze, um das unmoralische, menschenunwürdige Vorhaben, der eine im Namen der pennsylvanischen, der andere im Namen der göttlichen Gesetze, zu verhindern.

Natürlich fanden sie einen recht schlechten Empfang ebenso seitens der beiden Champions wie seitens der Zeugen und der Zuschauer, die nun einmal in diesen Sport vernarrt und bei dem bevorstehenden Kampfe mit Wetten betheiligt waren.

Der Sherif und der Geistliche versuchten zu sprechen… niemand wollte sie anhören. Sie wollten die beiden Gegner trennen… die anderen hinderten sie daran. Was konnten die Zwei auch ausrichten gegen so breitrückige, musculöse Kämpen, die scheinbar stark genug waren, sie mit einem Stoße zwanzig Fuß weit über den Boden hinzuschleudern?

Die beiden Störenfriede hatten freilich die geheiligte Amtswürde für sich. Sie verkörperten die irdische und die himmlische Autorität, hier fehlte ihnen aber die Unterstützung der Polizeigewalt, die ihrem Auftreten gewöhnlich Nachdruck verlieh.

Eben wollten Tom Crabbe und Cavanaugh, unbekümmert um die Amtspersonen, zur Offensive und zur Defensive übergehen.

»Halt! rief da Vincent Bruck.

– Oder nehmen Sie sich in acht!« setzte der Reverend Hunter hinzu.