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Ach, weißt du, sagte Kopp, ich hatte einen langen Tag… Wo wohnst du? Im Gellert. Ich bringe dich.

Nimm's mir nicht übel, aber du bist betrunken. Very drunk, entschuldige.

Na und? Hast du mir nicht zugehört? Das bin ich den ganzen Tag, und es ist noch nie was passiert. Ehrlich. Es ist nur einmal über die Brücke. Dauert keine 5 Minuten.

Trotzdem. Kopp sagte, er möchte lieber über die Brücke laufen. Lauer Sommerabend, das Plätschern des Flusses, die erleuchtete Stadt undsoweiter.

Deine Sache. Aber falls dich zwei Typen aufhalten und nach deinem Ausweis fragen, frag sie erst nach ihrem, aber besser, du läufst gleich weg.

OK, sagte Kopp und griff in seine Tasche, um das Portemonnaie zu zücken, doch da war kein Portemonnaie mehr.

Sie suchten eine Weile, überall, wo es Sinn machte, und auch dort, wo es keinen Sinn machte, weil Kopp nie auch nur in der Nähe gewesen war. Kopp wühlte sogar im Abfallbehälter für die Papierhandtücher im Klo.

Vielleicht liegt es noch im Wolf.

Kopp glaubte nicht daran. Dumm, wie ich bin, war alles drin. Geld, Karten, alles.

Manchmal ist die Welt besser, als man denkt, sagte Zoltan, nun bedeutend nüchterner wirkend, und rief im Wolf an. Und die Welt war in der Tat besser, als man denkt. Kopp hatte nun keine Vorbehalte mehr gegen einen betrunkenen Fahrer, er setzte sich hinter Zoltan und fasste ihn um den Bauch.

Sie bekamen das Portemonnaie wieder und einen Drink auf den Schreck, Spezialität des Hauses auf Palinka-Basis, anschließend nahm Kopp seinen Platz auf dem Mofa wieder ein, weil es eh schon egal war.

Erzsébet or Freedom, fragte Zoltán.???

Die Brücken. Willst du über die Elisabethbrücke oder die Freiheitsbrücke? Silber oder grün? Grün, sagte Kopp.

Zoltan fuhr summend, malte Schlangenlinien auf die Straßenbahnschienen, die Stadt war erleuchtet, die Donau glitzerte. Zwischen zwei und drei in der Nacht. Richtig gut ist es, so etwas mit seinem Mädchen zu machen, aber wir beide haben im Moment kein Mädchen, das heißt, von ihm weiß ich das nur für diese Nacht.

f

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[Datei: legszivesebben]

Am liebsten hätte ich immer seine hand gehalten aber nicht aus lust

sondern weil ich dann spürte, etwas hält mich ich kann mit ihm gehen, stehen bleiben, sitzen, schließlich sogar reden, ich,

nicht wie sonst immer, dass ich alles nur simuliere,

als würde ich reden, als würde ich gehen,

aber er sagte, lass es dir nicht einfallen,

was willst du, willst du uns beiden das genick brechen?

Ich weiß, er hatte recht, in der öffentlichkeit,

aber wenn wir bei ihm waren, durfte ich ihn auch nur berühren

wenn wir liebe machten,

wir haben nie liebe gemacht

liebe machen ist etwas anderes

er sagte, du bist ein naturtalent

du musst nichts machen

wenn du ein naturtalent bist

wenn ich etwas machte, knurrte er mich an, ich soll es lassen

ich weiß nicht, ob ich ihn liebte

unwichtig

er hätte mich besser behandeln müssen, darum geht's (Und wenn ich nicht mehr deine schülerin bin?

Darf ich dich dann berühren?

Er antwortete nicht.

Da hättest du sofort gehen müssen.)

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[Datei: film_az_éhségröl]

In einen Film hineingeschaltet. Eine Frau, ein Mann und ihr gemeinsames Projekt, im Rahmen dessen sie auf 40 kg abmagern sollte. Anfangs ging's gut, aber bei 42 fing sie zu stagnieren an, bis sie schließlich aufgeben wollte. Sie gingen in ein Restaurant, der Mann bestellte ihr einen Salat ohne Salz und Öl, sich selbst etwas mit Pilzen. Wie die Frau anfing, von seinem Teller zu stehlen, sie konnte nicht aufhören, aß gierig das Essen des Mannes. Bist du verrückt, fragte der Mann wütend, weißt du, wie viel Arbeit uns das wieder kosten wird? Am Ende saß die Frau nur da. Sie wird sterben. Sie lässt zu, dass er sie tötet. Sie benutzt ihn, um sich zu töten. Viele leben so.

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[Datei: der_schmerz_ist_wie] Deutsch im Original

der schmerz ist wie der ozean

salzig und schwer

seine gezeiten in meinem blut

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[Datei: fajdalom_fokozat]

Die Stufen des Schmerzes.

Schmerz, den man aushalten kann, ohne einen Ton zu sagen. Schmerz, den man sprechend aushalten kann. Schmerz, den man weinend aushalten kann. Schmerz, den man brüllend aushalten kann. Schmerz, den man winselnd aushalten kann.

Und schließlich erneut: Schmerz, den man nur tonlos aushalten kann.

Einen größeren als diesen habe ich noch nicht erlebt. Auch konnte ich mit allem aufhören, bevor ich daran starb. Stundenlanges Brüllen, Haare raufen, Kopf gegen die Wand schlagen (… wie die Zähne dabei zueinander sind…) macht einen schließlich müde genug, schlafen zu können. Nach einem Schlaf kann alles anders sein. Oder man hat zumindest das Gefühl, klarer zu sein — wenn auch oft nur für einen Moment. Manche beschließen in solchen Momenten Endgültiges. Amery sagt, so eine Klarheit ist in Wahrheit keine: Im Augenblick des Absprungs ist die Logik des Lebens außer Kraft gesetzt. Geborener Hans Chaim Meier. Hat sich am Ende auch umgebracht. Das KZ überlebt, sich später umgebracht. Das Privileg des Humanen.

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[Datei: gyilk]

Du weißt, dass man es längs machen muss, trotzdem machst du's quer. Nicht tief, nur ganz fein, dennoch, es tut so weh, unvorstellbar. Die winzigen roten Perlen, die an der Linie erscheinen, sind dafür umso schöner. Klebrige kleine Perlen. Vorbildliche Gerinnung. Perlen um dein Handgelenk. Du drehst es hin und her. Schön. Nur sehr eng. Je trockener es wird, umso enger wird es. Sie wickeln sie fest in nasse Laken, wenn sie trocknen, zerquetschen sie sie. Ich stelle mir vor, dass sie brüllen, die Wächter lauschen von draußen, grinsend, aber es kann auch sein, dass sie nicht genug Luft haben, um zu brüllen. Das sind die Politischen. Die Wahnsinnigen werden in Badewannen voller Eiswürfel gelegt, unter einen Deckel aus Holz, brüllend trommeln sie mit den Füßen gegen die Wanne, die Wächter grinsen nicht, Kranke zu quälen ist etwas anderes, als Feinde zu quälen, es gibt Bösartigkeit, die man genießen kann, und andere, die man nicht genießen kann. Heutzutage wird das nicht gemacht, oder anders, bestimmt wurde sie mit Medikamenten vollgepumpt, betäubt starrte sie durchs Fenster nach draußen, ich hoffe, wenigstens durchs Fenster, ich hoffe, es gab Pflanzen da, oder, wenn sie die Wand anstarrte oder die Decke, dass sie dort etwas sah, das sie gerne hatte, wie die Risse in der schlechten oder alten Wandfarbe verlaufen, wie schön auch das sein kann, oder der Schatten, den der aus Schilf gemachte Lampenschirm an die Decke wirft. Das habe ich mir immer angeschaut, diese umgekehrte Sonne, oder wie die Sonne im Schattentheater, und darunter sie, wie sie ihr Nachthemd anzog und ihr langes Haar flatterte. Jetzt heule ich laut, drücke die Klinge fester auf, aus einem sehr altmodischen Rasierer, er könnte meinem Großvater gehören, sehr schweres Metall, man muss ihn aufschrauben, Großvater hatte auch so einen, sie hatten haargenau denselben Rasierer, mein aus dem Krieg gekommener Großvater und mein junger Liebhaber. Wenn ich weine, gelingt es eher, fest aufzudrücken, es kommt mehr Blut, aber immer nur gerade so viel, dass es sich in den Hautrinnen verteilt. Es bleibt liegen, fängt sofort zu gerinnen an, jetzt ist es nicht mehr nur ein Armreif, jetzt ist es noch mehr wie eine Handschelle, eine dicke Fessel, jetzt tut es überall weh. Irgendwann habe ich damit aufgehört, habe die Klinge in den Rasierer zurückgelegt, ihn zugeschraubt, aber die Klinge nicht gesäubert. Teenagerblödsinn, sagte er und legte sich neben mich. Ich dachte, er würde toben: Willst du mich erpressen, du Schlange? Aber nein, er kicherte fröhlich.