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Mit gesenktem Kopf und klopfendem Herzen hinein. Ab hier weiß Kopp jeden Schritt, findet sich in völliger Dunkelheit zurecht. Um das leere Becken für die Kleinsten herum. Er hat nicht vor, ins Meer zu steigen, dennoch kann er nicht aufhören, sich zur Leiter jenseits des Beckens zu tasten. Das Gluckern und Rauschen eines unsichtbaren Meers. Der Seeigel hat einen kugeligen oder scheibenförmigen Körper mit beweglichen Stacheln. Er frisst Pflanzen und kleine Tiere. Die Seegurke ist mit einer ledrigen Haut überzogen und kann bis zu 2 Meter lang werden. Der Schlangenstern lebt unter Steinen und in Spalten. Ich habe einen Horror vor dem Meer. Vor dem Getier. Das wird Darius Kopp jetzt und hier klar. Der saugenden-drückenden Kraft, die umso viel stärker ist als ein Mensch. Kopf auf Fels, Salz in der Lunge. Dennoch kann Kopp nicht anders, als auf das schwarze Rauschen zuzugehen. Zeitweise ist seine Angst so groß, dass er das Gefühl hat, seine Beine nicht genügend kontrollieren zu können für so einen unsicheren Untergrund. Felshart, trotzdem instabil. Bei den Betonstufen angekommen, die zur Leiter führen, stößt er wiederum gegen etwas Weiches, und das ist noch viel gruseliger. Aber es ist nur ein Pärchen, das auf den Stufen sitzt. War es der Körper des Mannes oder der der Frau, den ich berührt habe?

Pardon, sagt Kopp, dreht um und stößt mit Flora zusammen. Entschuldige. Im Zurückgehen halten sie sich an den Händen, obwohl es so viel schwerer ist, das Gleichgewicht zu halten. Jetzt erst merkt Kopp, dass die gesamte Badeanstalt voll ist mit Leuten. Überall in den Nischen, auf Treppen und den steinernen Liegeflächen sitzen welche, schwarze Schemen, unterhalten sich flüsternd oder küssen sich. Am Rand des Planschbeckens drei kiffende Jugendliche. Die Glut, der Geruch. Erst, als er wieder draußen auf der Promenade ist, wird Kopp klar, dass es Oda ist, die er an der Hand hält, und lässt los.

Hier wäre eine gute Gelegenheit für eine Pause, für etwas touristische Entspanntheit, aber Kopp muss weiter und weiter gehen, den Uferweg bis zum Schluss und von dort wieder den Hang hinauf, bis zu einem grünen Eisenpavillon, der auf einem Kinderspielplatz am Rande des Waldes steht. Er stützt sich in ein leeres Fensterloch des Pavillons, schaut auf die erleuchtete Ortschaft und das schwarze Meer, sein Atem pfeift.

Are you OK?

Ja (ich bin bloß alt), es ist nur die Hitze.

Die Wände des Pavillons sind über und über mit den Namen derer bekritzelt, die hier gewesen sind. Kurkinder, auch heute noch, aber, wie es scheint, hauptsächlich Inländer. Kristina liebt Mihael und jemand liebt Martinna. In einer Gruppe lieben sich scheinbar alle 22. Drei Marijas darunter. Du sollst deinen Namen nicht in die Bank ritzen, kleiner Kommunist. Oda kichert nah bei ihm, er kann ihren Atem riechen. Nach Cola.

Das da ist unser Hotel.

f

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[Datei: nem_beszéltek]

Das Kind, mit dem man nicht sprach. Meine Mama hat mit mir geredet. Pausenlos, wenn ich mit ihr sein durfte, sie sprach über alles mit mir. Alles fasste sie in Worte, Äußeres wie Inneres, Essigbaum, Rotkehlchen, x, y, z, Hand in Hand gingen wir auf der Straße und skandierten: zúzmara-hódara-dér. (Raufrost-Schneegries-Reif, Anm. d. Ü.) Wir schwenkten unsere Hände vor der Kaufhalle, im Tanzschritt.

Kommt eine alte Dorfhexe, wir grüßen sie freundlich und gut gelaunt, weil wir gerade guter Laune sind, woraufhin die, aber mit was für einer Fresse, mit was für Zähnen, mit was für einer Stimme etwas sagt, mich kritisiert, vielleicht halte ich den Fuß beim Laufen nach innen, vielleicht nach außen, Hauptsache ist, etwas stimmt nicht mit mir, woraufhin SIE sagt:

Siehst du, meine Kleine, das ist eine alte Dorfhexe. Wir grüßen sie freundlich, und sie spricht schlecht über uns. Sie denkt, sie darf das, aber sie darf es nicht. Wir sind nett, sie ist es nicht. Komm, wir gehen. Und wir gehen, stolz, sie hält mich fest an der Hand, wir biegen ab, erst da fängt sie zu weinen an. Sie weint eine kurze Straße lang, zurückgenommen, leise winselnd, solange, bis wir in unsere eigene Straße einbiegen. Dort blieb sie stehen und sagte: Gut, hier höre ich auf. Merke dir gut, meine Kleine, in deiner eigenen Straße weine nie. Aber natürlich weinte sie auch in ihrer eigenen Straße, oft. Dann kamen wir zu Hause an, sie ließ meine Hand los und verschwand, schloss die Tür unseres gemeinsamen Zimmers hinter sich.

Lass mich ein bisschen in Ruhe.

Es sprach also jemand mit mir, von Anfang an, und später hatte ich die Schule, dort sprachen alle, ohne Unterlass, und dann zu Hause das Radio, zwischen zwei Ufftararas sprechende Jemande, irgendwas ist immer, irgendein Geräusch oder Lärm, dennoch kenne ich die Sprache des Menschen nicht. Wie eine, die nach einer Katastrophe allein übrig blieb, im Wald aufwuchs, oder ein Pharao oder ein anderer König hat seine Experimente mit ihr getrieben. So fühle ich mich. Als würde ich nur simulieren, dass ich spreche. Ich simuliere, dass ich verstehe, was zu mir gesagt wird. Während ich in Wahrheit nur rate. Und jedes Mal erleichtert bin, wenn die Antwort, die ich gebe, scheinbar annehmbar ist.

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[Datei: nem_bir]

sie sagte, sie hält mich nicht aus, du frisst mein leben auf, was willst du von mir, wirklich, was, mich auffressen, mit haut und haaren, das ist die hölle, die hölle ich liebte sie trotzdem immer

nie war ich böse ich konnte sie nicht retten ich konnte nicht hingehen ich war ein kind

als ich hörte, sie ist tot, wusste ich, nun alles ist vorbei sie wurde eingeäschert, dabei ist das bei uns nicht üblich die bahre ist tradition, wächserne leichen bestimmt, damit sie nicht auferstehen kann hat sich das eigene kind aus dem gesicht gewischt da wusste ich, alles ist vorbei

ich möchte im wohnheim wohnen, weil ich angst um mich habe kommtnichtinfrage, wassollendieleutesagen? Ich sagte nichts, sah sie nur kalt an sie wandte sich ab

schließlich durfte ich gehen mit gott konnte kaum erwarten, 18 zu werden

aber sie haben mich selbst von der bank vorm haus noch fortgejagt such dir woanders einen vater

da habe ich begriffen, ich bin frei, und weinte nicht länger nicht weinend über wald und wiesen, auch nicht mich fürchtend verzweifelt

ich erwartete nicht, dass in der schönen großen welt alles besser würde

ach was

ich hoffte, jemand würde mich packen, vergewaltigen, töten oder ich töte ihn

töten einander an einem abendlichen waldrand

wälzen uns auf dem feldweg, die grillen brüllen und wir schlagen uns gegenseitig mit steinen auf den kopf, mit steinharten erdbrocken, bis wir beide krepiert sind

zum schluss krieche ich noch ein wenig von ihm weg, nicht, dass der, der uns findet, noch denkt, wir gehören zusammen

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[Datei: mama] mama

ich liebe dich du bist schön ich bin nicht böse

es wäre gut, wenn man davon genesen könnte wenn es nur bedurfte, dass ich erwachsen werde, damit du geheilt bist,

schau, ich kann jetzt für mich selbst sorgen komm, wach auf

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[Datei: épitö]

Erst die Pfirsiche, dann die Johannisbeeren, die Äpfel zum Schluss meine Hand wurde wie die von Bäuerinnen Großmutters Hand, nicht Mamas deine Mandelhände

jenseits des Obstgartens lagerten Buddhisten

sie sahen nicht aus, als ob sie glücklich wären

das trotzige Gesicht des Jüngsten

der im Vergleich mit dem Gesicht zu weiße Schädel,

ein anderes Mal waren es bewaffnete Narren

schossen mit Platzpatronen den Ausflüglern hinterher

der eingezogene Hals des Familienvaters, als er in die Pedale trat