im Tal jedes Hügels, am Ufer jedes Wassers
lodern die Lagerfeuer
manche Spiele sind harmlos, andere nicht
Verrückte, wohin du auch schaust
aber ich hatte keine Angst
ich erntete, was zu ernten war, dann ging ich los
Sanatorien und Korrekturanstalten baut man an schöne Orte
uralte Bäume, Gärten
bläuliche Kohlreihen in barocken Parks
in Glashäusern Paradeiser
ich stand außerhalb der Mauer, sah ihnen zu
selbst wenn sie nur Unkraut jäten, sieht man, etwas ist kaputt
ihr Körper ist so,
dass sie gejätet hätte, glaube ich nicht
den Vögeln zugesehen, dem Taubenschwarm,
wie er hochfliegt vom Dach, einmal kreist, wiederkehrt
in einem Garten gab es sogar Albinopfaue
eine fast kahle Frau saß auf einer sonnenbeschienenen Bank
und kreischte zurück.
d
Sie betreten das Hotel von hinten, noch etwas trinken an einer der beiden Bars, und Oda will den Pool sehen. Sie geht voran, durch Glastüren und Flure, als wäre sie nicht das erste Mal hier. Oder sie ist einfach schneller im Lesen der Schilder. Die Poolbar ist in einer künstlichen Grotte platziert, von dort laufen blutrote Arkaden um das Schwimmbecken herum. Unter Wandlampen in der Form von Fackeln stehen Tische dicht an dicht, heute ist Karaoke-Abend, wer Glück hat, ist nicht hier, hat einen Platz an der Stirnseite erwischt, mit Ausblick aufs Meer. Alles ist so hässlich wie die dunkle Nacht, nein, die dunkle Nacht ist schön, während hier orangefarbene Lichter und die Reflexionen des Poolwassers die schreiende Gemütlichkeit unterstreichen.
Wau, sagt Oda, und Darius Kopp kichert, damit sie weiß, wie er dazu steht. Kichernd schiebt er sich an ihr vorbei, geht schnellen Schritts zwischen den Tischen durch, Vorsicht, nicht ausgleiten und im Pool landen, auch wenn es nur das flache Ende für die Kinder ist. Ganz besonders dann nicht. Schiebt sich die Blätter zerzauster Bananenstauden aus dem Gesicht, schnell durch hier, zur anderen Bar, der für Erwachsene, nimmt eine flinke Kurve nach links und steht plötzlich vor seinem Vater.
Er hat sich den Vollbart abrasiert, mit dem ich ihn mein Leben lang gekannt habe, nur noch eine dünne weiße Linie entlang des Kinnbeins ist geblieben, trotzdem werde ich ihn natürlich niemals verwechseln können. Sein volles Haupthaar erzittert in der Meeresbrise. Wird er rot, weil er mich jetzt auch erkannt hat, oder hat er einen Sonnenbrand? Er ist mit drei anderen da, einem Mann und zwei Frauen. Unbekannte.
Oh, sagt Darius Kopps Vater, ebenfalls Darius Kopp. Was machst du denn hier?
Ja, was eigentlich? Beide stehen nur da, so dass Oda hinter seinem Rücken hervorkommen muss, sich freundlich erkundigend, was los sei, ach, er habe einen Bekannten getroffen?!
Meinen Vater.
Oh, das ist dein Vater?! Did you know, he would be here? Nein, ich hatte keine Ahnung.
Sie stellt sich vor, wieder nur mit Vornamen, schüttelt dem Alten die Hand, und dann stellt sie sich den anderen am Tisch vor — Your friends? — ein Kellner kommt, und ehe du dich versiehst, sitzt du mit am Tisch und hast Getränke bestellt. Der Alte spricht kein Englisch, seine Begleiter auch kaum was, dennoch hat sich Oda ihnen sofort angeschlossen, sie schließt sich jeder Gruppe innerhalb von Sekunden an. Ist das eine gute Eigenschaft? Die gefärbte Rothaarige ist die Freundin meines Vaters. Ich weiß nicht, seit wann, und auch nicht, wie sie heißt. Sie weiß jetzt, dass ich der Sohn bin, einen neuen Namen braucht sie sich nicht zu merken. Immerhin lächelt sie freundlich. Das andere Paar wiederum steckt die Köpfe zusammen. Kopp kann nur das Gesicht der Frau sehen, sie lächelt, als wäre etwas peinlich. Oder schlüpfrig. (Das Brennen der Wut in meiner Speiseröhre.) Während der Zettel herumgeht, wer was singen möchte. Alle tragen sich ohne Zögern ein, auch Oda, lachend: Ich habe noch nie in meinem Leben Karaoke gesungen! Darius Kopp der Jüngere hatte hingegen schon öfter das Vergnügen, als ich noch Vergnügen hatte, als ich noch dachte, das wäre gut oder sinnvoll oder unterhaltend. Eine Weile war es auf Firmenfeierlichkeiten groß in Mode, besonders in Amerika, ich habe schon vor den größten Chefs gesungen und blieb so im Gedächtnis, aber gottverdammt, das heißt also, sie wohnen in demselben Hotel wie wir? Ich war als Kind auf Kur hier, weißt du das? Natürlich weißt du es. Kann sein, es ist Zufall, dass ihr gerade hier seid. Aber warum schaust du mich nicht an?
Unverständlich. Haben wir uns verkracht, und ich habe es vergessen? Kann ich es vergessen haben? Wann haben wir uns das letzte Mal gesehen oder gesprochen? Die Möglichkeiten seit dem Erwachsenenalter sind: Weihnachten, Neujahr, Geburts- und Todestage. Jedes Mal dieselbe — idiotische! Geben wir es endlich zu: weder witzige noch geistreiche, noch irgendwie akzeptable, sondern idiotische — Frage:
Und? Geht's einigermaßen?
Einigermaßen, geharnischter Ex-Gatte meiner siechen Mutter —»Um auch mal an sich zu denken im Rahmen der neuen Möglichkeiten «und somit also auch mein Ex-Vater? — , einigermaßen geht es natürlich, auch diesmal. Außer, dass es schon wieder so ist, dass ich nicht recht verstehe, was vor sich geht und wie ich hier hineingeraten bin. (Man könnte es nacherzählen, natürlich. Konkret. Nur dass konkret mal wieder überhaupt nichts nützt.)
Du willst nicht dort sein, willst nicht bleiben, gleich stehst du auf und gehst, ist doch egal, wie das aussieht, und morgen dann im Frühstücksraum…? Aber dann kommt das bestellte Getränk, Campari-O, die Freundin deines Vaters hat dasselbe bestellt, du hebst es zum Mund, weil du das Gefühl hast, innerlich weißglühend vor Hitze zu sein, und überhaupt, weil das etwas ist, das man tun kann, so bleibst du sitzen. Cheers! lachte Oda, die wieder Cola trank.
Meine Zuneigung zu dir hat abgenommen, seitdem du dich hier so wohl fühlst und nicht merkst, wie schlecht ich mich fühle. Gleichzeitig bist du immer noch die Einzige unter allen Anwesenden, mit deren Unterstützung zu rechnen wäre. Man müsste dich bloß irgendwie wecken. Ein Zeichen geben. Ein Alptraum.
Welcher sich nahtlos damit fortsetzte, dass Darius Kopp der Ältere als einer der Ersten auf die Bühne gerufen wurde.
Er sieht lächerlich aus in seinen kurzen Hosen, seine Knie sind die eines alten Mannes, sein Kinn ist das eines alten Mannes, es hängt unter seinem gestutzten weißen Bart heraus, warum rasierst du dir den Kehllappen, hast du keine Augen im Kopf? aber dann fängt er an zu singen, und Darius Kopp der Jüngere weiß aus der Erfahrung, dass bald alles vergessen sein wird. Er singt I don't wanna dance. In den Strophen ist seine englische Aussprache lächerlich unverständlich, aber das kümmert nach den ersten zwei Zeilen keinen Menschen mehr, denn Darius Kopp der Ältere hat eine Stimme, die für überraschtes Jubeln noch beim desinteressiertesten Publikum sorgt. Ein alter Herr, der in einem bunten Hemd und Plastikschuhen am Rande einer Jam-Session herumsitzt, bis er auf einmal aufsteht und loslegt wie ein Joe Cocker.
I love your personality
but I don't want our love on show
sometimes I think it's insanity
girl the way you goooo…
I don't wanna dance,
dance with you baby, no more.
f
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[Datei: nagymama_örült]
die großmutter war auch wahnsinnig
der normale grad des wahnsinns
die normale abweichung
was deswegen noch die hölle ist
eine reihe wahnsinniger frauen
die frauen, denn von den männern weiß ich nichts
vielleicht waren sie ja ganz und gar verrückt