kann sein, sie fressen irgendwo gras
des gros wern wa fressen obs uns schmeckt oder net
wie sie nach den zeichen des wahnsinns meiner mutter an mir forschte,
was wäre gewesen, wenn ich ein wildes kind gewesen wäre aber nein, nur traurig das war auch nicht recht
was ziehst du denn schon wieder so ein Gesicht?
Was hast du, hä?
Nichts.
Was machst dann so ein Gesicht? Was hätte ich darauf sagen sollen? Wag's nicht zu heulen!!!
Ich wage es nicht. Ich fülle Sägespäne in eine Streichholzschachtel, sage mir, das ist Gift, und verstecke es an einem guten Ort, damit ich es habe, wenn ich es brauche. Aber in die Kalkgrube wäre ich ungern gefallen.
Man hätte dich im Brunnen ertränken sollen, dreckiges Balg. Später versuchte es einer im Schwimmbad. Dass du nicht krepieren kannst.
Sie brachten mich in den Wald, um mich zu erschießen. Dreimal. Am Ende drückten sie meinen Kopf in einem Waldtümpel unter Wasser. Ich drückte ihnen die Daumen, dass es endlich gelingt. Dass es endlich sein kann, das war auch mein Wunsch. Als ich merkte, dass ich unter Wasser atmen kann, wurde ich so wütend, dass ich aufwachte. Wenn du im Traum fällst, fällst du. Wenn du im Traum aufschlägst, stirbst du.
Träumte so etwas Schlimmes, dass sie nicht mehr aufwachen konnte. Blieb gefangen in der Angst. Hol sie jemand da heraus! Die draußen schauen nur zu, sie sehen nur, dass sie dort feststeckt, im Grauen, und es fällt ihnen nichts ein, was sie dagegen tun könnten. Schlafmittel. Aber man bräuchte so viel, dass sie dann daran sterben würde. Elektroschocks. Ob sie das wohl versucht haben. Wahnsinnige werden in Eiswasser gelegt. Willst du ins nasse Laken?
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[Datei: kivágják]
Sie schneiden ihnen die Klitoris heraus. Mit dem Deckel einer Konservenbüchse. Sie bekommen Popcorn dafür. Sie verschließen die Schamlippen mit Dornen. Später stirbt das Kind in ihrem Bauch, weil sie es nicht durch die Naht pressen können. Schon das dritte.
Sie nähen ihnen die Lippen mit Draht zusammen. Sie saugen ihre eigene Scheiße durch einen Strohhalm auf.
Wie kann man das aushalten? Warum schmerzt MICH das so sehr? Ich schäme mich dafür, ein Mensch zu sein.
Du kannst mit keinem darüber reden. Sie schauen dich an wie eine…
Sie müssen gleichgültiger werden. Ich muss gleichgültiger werden? Menschen haben sogar das KZ überlebt.
Ja. Das verlangte ihnen sicher nicht wenig Stärke ab. Aber ein KZ ist eindeutig. Es ist das Böse. Wovon ich rede, gilt als das Normale.
Nein, sagt Dr. H. Das ist nicht normal. Das ist, im Gegenteil, pervers. Und das gehört zu uns?
Ja, das gehört zu uns. Wie kann man das aushalten?
Wir arbeiten auch gerade daran, sagt Dr. H., als würde sie sagen» mit Gottes Hilfe«.
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Die Menge rast vor guter Laune: Oh but the feeling is bad, the feeling is bad. In einem kroatischen Urlauberhotel. Helf' mir jemand. Oda hält es nicht mehr auf ihrem Stuhl, sie springt jubelnd auf und klatscht. Verrat. Du bist gar nicht so klug, wie ich dachte. Im Gegenteil, du bist dumm. Ein dummes, junges Ding. Ein gackerndes Hühnchen. Flora, hilf. I don't wanna dance, dance with you baby, no more! Die Massen rasen, Oda steht auf dem Stuhl, tanzt und applaudiert, mein alter Herr verbeugt sich geschmeichelt, die rote Haut an seinen Knien schlägt Falten, verbeugt und verbeugt sich, das ist sein Moment, eitler alter Sack, ich habe dich in meinem Leben noch nie so sehr gehasst wie gerade jetzt. Der DJ derweil hat Gefallen an Oda gefunden, schaut nicht nach der Liste, er reicht ihr direkt das Mikro. Sie lacht, die Menge lacht mit, man mag sie, sie finden sie zauberhaft, klatschen ihr zu, obwohl sie noch gar nichts gemacht hat. Verrat. Das Lied, das sie ausgewählt hat, ist Kopp unbekannt, Verrat, und eine Melodie, die einem weiterhelfen könnte, lässt sich auch nicht ausmachen, sie singt im Grunde gar nicht, sie spricht nur, love is like a gun, you aim, you shoot, you run, und lacht immer wieder dabei. Flora konnte besser singen. Da hast du's. Flora konnte besser singen, aber sie hätte nicht gesungen, sie hätte sich hier nicht einmal hingesetzt, sie wäre gar nicht erst mitgekommen und vorher wäre sie nicht mitgefahren, mit ihr konnte man in solche Situationen überhaupt nicht hineingeraten — Oh Gott, die lodernden Flammen der Fackeln sind Stofffetzen! — während die Kleine hier einfach keine Gnade zu kennen scheint. Nicht genug, dass sie einem nicht von der Seite weicht — Jeden, wirklich jeden Scheiß mitmacht — sie reicht das Mikro als Nächstes auch noch Kopp. Womit habe ich das verdient? Wirklich, womit? Er schüttelt den Kopf, nicht lächelnd, unmissverständlich — I'm too old for this shit — doch die Menge kann das nicht sehen, und selbst wenn, wäre es ihnen egal, sie grölen ihn vorwärts: Hopp! Hopp! Hopp! Hopp! Machen Sie sich lustig über mich? Ist das eine Schweine-Party, und ich bin der Einzige, der das nicht weiß? Aber sie sehen nicht so aus, als wüssten sie, wie lächerlich sie sind.
Er sagt ins Mikro: Ich kenne keine Lieder.
Luftlinie 50 Zentimeter, etwas schräg hinter mir: mein Vater. Erh\2at den Kopf zu seiner Begleiterin gedreht, sie flüstert ihm etwas ins Ohr, er grinst und nickt.
Sie haben mein Lied nicht, sagt Darius Kopp zum DJ. Ich werde es ohne Musik singen.
Dem DJ ist auch das recht, er stellt das Hintergrundgedudel ab. Es wird still. Das heißt: überhaupt nicht, die Leute reden weiter, haben noch gar nichts gemerkt, die Einzige, die mir zusieht, ist sie, siehst du, sei nicht so ungerecht, sie schaut her, sieht mich hier stehen, das Mikro in beiden Händen, mein Herz, mein Herz. Er räusperte sich, leider wieder ins Mikrofon, und hob an.
You were the love
for certain of my life
you were simply my beloved wife
I don't know for certain
how I'll live my life
now alone without my beloved wife
my beloved wife
I can't believe
I've lost the very best of me.
Soweit brauchte er, bis alle verstummt waren. Nicht die Vögel in der Luft, die Fische im Wasser und die Tiere des Waldes, denen ist unser Leben und Sterben herzlich egal, aber die menschlichen Schatten in der unmittelbaren Nähe, die in den dunklen Arkaden am Rande der Pools saßen, denn Darius Kopp der Jüngere sang nicht wie ein alter Blues-Sänger, sondern wie eine Heidelerche. Glockenklarer Gesang, der aus einem verfettenden Businessmankörper dringt.
You were the love for certain of my life.
You were simply my beloved wife.
Das Plätschern des Swimmingpools und dahinter des Meeres. Und außerdem das Klappern der Gläser, denn einen Barkeeper wiederum kann nichts in der Welt zum Schweigen bringen.
I don't know for certain, how I live my life,
now alone without my beloved wife
my beloved wife.
Das Lied ist im Grunde 5mal dasselbe, immer wieder von vorne, es hat nichts anderes zu sagen,
my beloved wife, my beloved wife,
hier ist es jetzt ganz still, aber weiter weg im Ort hört man sie noch, vielleicht springen sie immer noch ins Hafenbecken, My love is gone she suffered long, my love is gone, would it be wrong
irgendwo wird Boccia gespielt. Die Holzkugeln, wie sie zusammenkrachen.
if I should surrender all the joy in my life and go with her tonight?