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Wir kennen jemanden in Athen. Unseren Mann in Athen, Aris Stavridis mit Namen. Wir waren, als das Wünschen noch geholfen hat, Kollegen, saßen gemeinsam in einem Whirlpool in Kalifornien, mein väterlicher Freund und Führer durch die Ober- und Unterwelt einer international agierenden Firma. Das letzte Mal haben wir uns während der letzten Tage von Fidelis Wireless in Berlin gesehen, beinahe zwei Jahre her. Ob er überhaupt weiß, was seitdem geschehen ist? Auszuschließen ist es nicht. Einer, der immer alles weiß. In Darius Kopps Handy finden sich an die 4000 Telefonnummern, wenigstens eine davon gehört zu Aris Stavridis. Wenigstens eine davon wird funktionieren, davon war Kopp überzeugt, und ebenso, dass niemand, den er kannte, geeigneter war, um über alles zu reden, als Aris Stavridis. Mit Stavridis reden, danach wirst du wissen, was zu tun ist. Er rief ihn an.

Stavridis ging nach zweimal Klingeln ran, aber nicht in Athen, sondern in Paris. Lärm schlägt herüber und sofort kommt Hektik auf — immer ist er hektisch am Handy, immer.

Ich bin nicht da! Ich bin in Paris! Geschäfte! Noch 10 Tage! Aber dann komm unbedingt vorbei! Wie geht es dir? In 10 Tagen bin ich wieder da! Das ist ja nicht mehr weit! Unbedingt, du musst unbedingt kommen! Wie geht es dir? Du musst mir alles erzählen!

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[Datei: alom]

Hab geträumt, stehe Bushaltestelle, kommt einer, fasst mir an die Möse.

Hab geträumt, stehe an der Wand und jeder darf kommen und mich anfassen, wo er will.

Hab geträumt, stehe an der Wand und jeder darf kommen und mir gegen's Schienbein treten. Das ist eine Sportveranstaltung. Männer in Anzügen und Penner stehen Schlange und lachen miteinander.

Hab geträumt, bin an die Weltzeituhr gefesselt, der ganze Alex mit Menschen voll, noch tun sie so, als wären sie Touristen, als sähen sie mich nicht, aber ich weiß, es wird etwas geschehen. Ich mache mir in die Hosen, damit es endlich losgehen kann.

Hab geträumt, bin dem Alex entkommen. Meine Selbstdemütigung hat mich ausgelöst. Doch kaum bin ich glücklich und frei zwei Schritte gegangen, wird es Nacht, und in einer verlassenen Straße kommt mir der Gnom entgegen. Heruntergekommen, krummrückig, rotgesichtig, betrunken. Zippt mit seinem schlechten Zahn und sieht mich dabei höhnisch an. Sieht nicht nach links, nicht nach rechts, kein Zweifel, kein Zufall, er schaut nur mich an, er ist meinetwegen hier. Ich wurde taub, so heftig schlug mein Herz, dann erblindete ich, schließlich erwachte ich, aber er schickte mir noch einen Gedanken hinterher. Dass er mir heute nichts tun würde, ich darf auf der Straße stehen, wenn ich will, aber ich solle wissen, dass die Entscheidung bei keinem anderen als ihm lag. Wenn ich will, tu ich dir was. Es ist nicht nötig, dass du dich anständig benimmst, es ist nichts nötig, egal, was du tust. Ob ich dir etwas tue, ob ich dich töte oder nicht, ist allein meine Entscheidung. Ich kann dich töten, weil du lebst.

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[Datei: megöll]

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Und weg war er. Jemand hat mir aus einer scheinbar viel schneller ratternden Zeit etwas ins Ohr geschrien, es tut noch ein wenig weh, dann vergeht das und es bleiben wieder nur: die Steine, die Sonne, das Wasser, menschenleer.

10 weitere Tage hier? Unmöglich. Aber auf Stavridis verzichten ebenfalls.

1o Tage, das ist, an sich, überschaubar. Aber unmöglich hier. Die Landkarte sagte, auch Bulgarien war nur eine knappe Tagesreise entfernt. Dann eben so.

Du sagst, du kannst dich kaum an Dinge erinnern, die vor ihr waren? Das war vor ihr. Es war sogar noch vor Darius Kopp, sales engineer. Bevor ich ein Wessi wurde. So ist es korrekt. Darius Kopps Leben vor, mit und seit Flora sowie Darius Kopps Leben bevor und seitdem er im Kapitalismus lebte. Ja, auch ich war einst ein drahtiger junger Mann aus dem Osten in Shorts und Sandalen und tarnfarbenen Seitentaschen an beiden Rädern meines auf tausend Wegen besorgten Rennrads. Mein Zelt war ein tschechoslowakisches Fabrikat von der Größe und der Farbe von Hundehütten, ich teilte es mit einer unbekannten Frau, von der ich nichts mehr weiß, keinen Namen, kein Gesicht, keine sonstigen Details, noch nicht einmal die Haarfarbe. Sie wurde mir zugeteilt, weil wir zehn Leute und fünf Zelte waren, und die anderen waren alles Pärchen. Darius Kopp, Anfang 20, in einer Gruppe von Studenten aus der DDR. Wir waren klassisch, die eine wie der andere, unsere Sandalen, unsere Haarschnitte, die Bärte der Männer und die Achselbehaarung der Frauen, und wenn es ans Verhandeln ging, sagte unser Anführer jedes Maclass="underline" »Wir nicht solche Deutsche, wir arme Deutsche«, und alles lachte. Seinen Namen habe ich vergessen. Ich habe jeden und jede vergessen, nur noch das Klischee ist mir gegenwärtig, bzw. das Wissen darum, dass es zutraf. (Du willst sie auseinanderhalten? Erzähl ihnen einen politischen Witz. Wer lacht und wie?)

Eine Landschaft kann man sich auch nicht wirklich merken. In groben Zügen. Straßen, die zwischen Bäumen und Bergen verlaufen. Ortschaften mit Gebäuden, die wir so schon gesehen haben oder noch nicht. Wie merkt man sich eine Kurve? Gar nicht. Weil es egal ist. Das Glücksgefühl kehrt wieder, also war die Entscheidung richtig. Das Vorbeiziehen einer Landschaft hinter dem Autofenster. 8 Stunden, ein ganzer Arbeitstag, durch Berge und Wälder. Zielort: ein touristisch interessantes Bergkloster, in dem wir vor 20 Jahren schon einmal waren.

Er fuhr als Einziger los, je älter der Tag wurde, umso mehr Fahrzeuge und Menschen wurden es. Auf den letzten Kilometern der Auffahrt zum Kloster konnte man den Wald vor lauter Tourismus nicht mehr sehen. Menschen, die in Sehenswürdigkeiten leben. Reisen bildet undsoweiter. Lenkt ab, füllt aus, ist etwas statt des Nichts. Wie ehemals schöne Orte werden, sobald sie touristische Orte geworden sind. Im Schritttempo außen herum. Vor 20 Jahren sahen die Fahrzeuge anders aus, aber im Prinzip war es dasselbe. Zudem waren wir damals an einem religiösen Festtag angekommen, ein Bischof war anwesend, was die Sache zusätzlich unübersichtlich machte, jemand sagte uns, wir mögen uns in eine Schlange stellen, und wir stellten uns in die Schlange, an deren Ende, wie sich eine Stunde später herausstellte, der Bischof saß, und die Aufgabe war, ihm den Ring zu küssen und dafür einen Laib Brot geschenkt zu bekommen. Wir bekamen jeweils eins pro zwei Personen, ein Priester zeigte, wie wir es dann machen sollen: so, brechen, ihr müsst es euch teilen, das gehört dazu. Wir setzten uns auf eine Wiese in der Nähe und taten, wie uns geheißen wurde.