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An zwei Stellen am Horizont stieg Rauch auf. Fal Dara und Fal Moran. Die beiden großartigsten Städte in Shienar, angezündet von der eigenen Bevölkerung. Genau wie ihre Bauernhöfe und Obstplantagen, wie alles, was den vordringenden Trollocs auch nur eine Handvoll Nahrung geben konnte.

Die Städte zu halten hatte nicht zur Debatte gestanden. Das bedeutete, dass man sie zerstören musste.

Es war Zeit, zurückzuschlagen. Lan führte einen Sturmangriff gegen das Zentrum des Trolloc-Heeres, und die Bestien hoben die Speere gegen die näher kommenden Malkieri und die schwere Kavallerie aus Shienar. Lan senkte seine Lanze und brachte sie über Mandarbs Hals in Position. Er beugte sich in den Steigbügeln nach vorn, hielt sich mit den Knien fest und hoffte, dass die Machtlenkerinnen – mittlerweile hatte er vierzehn, eine kleine Verstärkung von Egwene – ihren Teil leisteten.

Vor den Kreaturen brach der Boden auf. Ihre Frontlinie zersplitterte.

Lan wählte sein Ziel, einen riesigen Eber-Trolloc, der seine Gefährten anbrüllte, weil sie vor den Eruptionen zurückwichen. Die Lanze durchbohrte seinen Hals, und Mandarb schleuderte ihn zur Seite, während er eine der sich in der Nähe zusammenkauernden Bestien zertrampelte. Das Donnern der Kavallerie wurde zu einem ohrenbetäubenden Krachen, als die Reiter aufprallten und Schwung und Gewicht sie weit in die Masse der Trollocs hineintrugen.

Als sie langsamer geworden waren, warf Lan Andere die Lanze zu, der sie geschickt auffing. Seine Leibwache scharte sich um ihn, und er zog das Schwert. ›Der Holzfäller kappt den Schössling‹. – ›Apfelblüten im Wind‹. Vom Sattel aus boten die Tiermenschen leichte Ziele – ihre Größe präsentierte Hals, Schultern und Gesicht auf genau der richtigen Höhe.

Es war ein schnelles, brutales Werk. Deepe hielt Ausschau nach den Angriffen der feindlichen Schattenlords und wehrte sie ab. Andere setzte sich wieder an Lans Seite.

Lans Banner zog das Schattengezücht magisch an. Es fing an zu brüllen und zu wüten, und er hörte zwei Trolloc-Worte immer wieder. Murdru Kar. Murdru Kar. Murdru Kar. Er hieb mit dem Schwert um sich und vergoss kaltblütig ihr Blut, eingehüllt in das Nichts.

Nun hatten sie ihm Malkier zweimal genommen. Niemals würden sie sein Gefühl der Niederlage nachempfinden können, dass er seine Heimat abermals hatte verlassen müssen, diesmal aus eigener Entscheidung. Aber beim Licht, er konnte sie damit bekannt machen. Am besten mit seiner Klinge in ihrer Brust.

Die Schlacht versank im Chaos, wie es so oft geschah. Die Trollocs verfielen in Raserei; sein Heer hatte sie die letzten vier Tage nicht angegriffen. Es war nur zurückgewichen und hatte schließlich eine gewisse Kontrolle über den Rückzug errungen, zumindest genug, um Scharmützel zu vermeiden, was die Brände ermöglicht hatten.

Vier kampflose Tage, jetzt dieser Frontalangriff. Das war der erste Teil des Plans.

»Dai Shan!«, rief jemand. Prinz Kaisel. Er zeigte auf die Stelle, wo es den Trollocs gelungen war, einen Keil zwischen Lans Wache zu treiben. Sein Banner fiel.

Andere. Das Pferd das Mannes stürzte, während Lan Mandarb zwischen zwei Trollocs trieb. Prinz Kaisel und eine Handvoll Soldaten schlossen sich ihm an.

Lan konnte nicht vom Pferderücken aus weiterkämpfen, wenn er seinen Freund nicht aus Versehen niedertrampeln wollte. Er sprang aus dem Sattel, landete am Boden und duckte sich unter dem Schlag einer Bestie hinweg. Kaisel trennte ihr Bein oberhalb des Knies ab.

Lan rannte an dem stürzenden Trolloc vorbei. Neben ihm entdeckte er sein Banner und einen Mann. Er vermochte nicht zu sagen, ob er lebendig oder tot war, aber über ihm stand ein Myrddraal, der eine schwarze Klinge hob.

Lan kam wie ein Wirbel aus Stahl heran. Er parierte die Thakan’dar-Klinge und zertrampelte sein eigenes Banner, als er kämpfte. Im Nichts gab es keine Zeit für Gedanken. Da gab es nur Instinkt und Handeln. Da gab es nur …

Hinter Anderes totem Pferd erhob sich ein zweiter Myrddraal. Also war es eine Falle. Holt das Banner herunter und erregt Lans Aufmerksamkeit.

Die beiden Blassen griffen an, einer auf jeder Seite. Das Nichts wurde nicht erschüttert. Ein Schwert konnte keine Angst empfinden, und für diesen Augenblick war Lan das Schwert. ›Der Reiher spreizt die Schwingen‹. Er hieb um sich, wehrte die Klingen ab. Die Myrddraal waren wie fließendes Wasser, aber Lan war der Wind selbst. Er wirbelte zwischen ihren Schwertern umher, schlug den Angriff von rechts zurück, dann den von links.

Die Blassen fluchten vor Zorn. Der auf der linken Seite warf sich auf Lan, ein hämisches Lächeln auf den blutlosen Lippen. Lan glitt zur Seite, parierte den Stoß der Kreatur und schlug den Arm am Ellbogen ab. In einer flüssigen Bewegung raste sein Hieb weiter zu der Stelle, wo er wusste, dass der andere Blasse angreifen würde, und trennte ihm die Hand am Gelenk ab.

Beide Thakan’dar-Klingen schlugen klirrend auf dem Boden auf. Die Blassen erstarrten, einen Moment wie gelähmt. Lan köpfte den einen, dann fuhr er herum und stieß dem anderen die Klinge durch den Hals. ›Schwarze Kiesel auf dem Schnee‹. Er trat zurück und schüttelte das giftige Blut von der Klinge. Beide Blasse stürzten, hieben dabei unkontrolliert aufeinander ein.

Mindestens hundertfünfzig Trollocs stürzten in unmittelbarer Nähe zuckend zu Boden. Sie waren mit den Blassen verknüpft gewesen. Lan zerrte Andere aus dem Schlamm. Der Mann sah benommen aus und blinzelte, sein Arm hing in einem seltsamen Winkel vom Körper. Lan wuchtete ihn sich auf die Schulter und beförderte sein Banner mit einem gezielten Tritt mit der Stiefelspitze nach oben in seine freie Hand.

Er rannte zurück zu Mandarb – das Gebiet um ihn herum war mittlerweile von Trollocs gesäubert worden – und drückte einem von Prinz Kaisels Männern das Banner in die Hand. »Kümmert Euch darum, dass es gesäubert wird, dann hebt es wieder.« Er legte Andere vor seinen Sattel, stieg auf und wischte das Schwert an der Satteldecke sauber. Der Mann schien nicht tödlich verletzt zu sein.

Irgendwo hinter sich bekam er Prinz Kaisels Stimme mit. »Bei meinen Vätern!«, sagte der Mann. »Ich hatte ja gehört, dass er gut ist, aber … Licht!«

»Das reicht«, sagte Lan nach einem Blick über das Schlachtfeld. Er ließ das Nichts los. »Deepe, gebt das Signal.«

Der Asha’man gehorchte und schickte einen roten Lichtstrahl in den Himmel. Lan drehte Mandarb und zeigte mit seinem Schwert zurück zum Lager. Seine Streitmacht sammelte sich um ihn. Der Angriff war von vornherein nur als kurze Attacke mit anschließendem sofortigem Rückzug geplant gewesen. Sie hatten keine kompakte Schlachtlinie aufgebaut. Das war bei einem Kavallerieangriff eher schwer zu bewerkstelligen.

Seine Truppen zogen sich zurück, und die Saldaeaner und Arafeler trafen in kurzen, aufeinanderfolgenden Wellen ein, um die Linien der Tiermenschen aufzubrechen und den Rückzug zu decken. Mandarb troff vor Schweiß; nach einem Sturmangriff zwei gepanzerte Männer zu tragen war für ein Pferd eine große Anstrengung. Lan reduzierte das Tempo, jetzt, da sie aus der direkten Kampfzone heraus waren.

»Deepe«, fragte Lan, als sie die wartenden Linien erreichten. »Wie geht es Andere?«

»Er hat ein paar gebrochene Rippen, einen gebrochenen Arm und eine Kopfverletzung. Es würde mich überraschen, wenn er im Augenblick bis zehn zählen könnte, aber ich habe schon Schlimmeres gesehen. Ich werde die Kopfwunde Heilen, der Rest kann warten.«

Lan nickte und zügelte den Hengst. Einer seiner Leibwächter – ein mürrischer Mann namens Bensih, der einen tarabonischen Schleier trug, obwohl er darüber einen Hadori hatte – half, Andere von Mandarb zu nehmen; sie hielten ihn vor Deepes Pferd aufrecht. Der einbeinige Asha’man beugte sich in seinem Riemengeflecht, das ihn im Sattel hielt, nach vorn, legte Andere die Hand auf den Kopf und konzentrierte sich.

Der ziellose Blick verschwand aus Anderes Augen, und er nahm seine Umgebung wieder wahr. Dann fing er an zu fluchen.

Er wird wieder, dachte Lan und sah zurück zum Schlachtfeld. Das Schattengezücht wich zurück. Bald würde die Abenddämmerung hereinbrechen.