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»Wenn das so wichtig ist«, sagte sie fest, »dann könnt Ihr meine Forderung erfüllen. Unser Besitz gehört uns. Ihr wollt einen Vertrag? Dann bekommt Ihr ihn mit dieser Klauseclass="underline" Wir behalten die Damane, die wir bereits haben. Im Gegenzug erlaube ich Euch, ungehindert zu gehen.«

Rand verzog das Gesicht. »Ihr seid so schlimm wie eine vom Meervolk.«

»Ich hoffe, ich bin schlimmer«, sagte Tuon völlig ungerührt. »Die Welt ist Eure Verantwortung, Drache, nicht die meine. Ich kümmere mich um mein Kaiserreich. Ich werde diese Damane dringend brauchen. Entscheidet Euch jetzt, denn wie Ihr schon sagtet, Eure Zeit ist begrenzt.«

Rands Ausdruck verfinsterte sich, dann streckte er die Hand aus. »So soll es sein. Das Licht sei uns gnädig, so soll es sein. Ich werde auch diese Last tragen. Ihr dürft die Damane behalten, die Ihr bereits habt, aber Ihr werdet Euch nicht eine Einzige bei meinen Verbündeten holen, solange wir die Letzte Schlacht schlagen. Sich danach eine zu nehmen, die sich nicht in Eurem Land befindet, wird als Vertragsbruch und Angriff auf die anderen Nationen betrachtet.«

Tuon trat vor, dann ergriff sie Rands Hand. Mat stieß die angehaltene Luft aus.

»Ich habe Dokumente, die Ihr Euch ansehen und unterschreiben müsst«, sagte Rand.

»Selucia wird sich darum kümmern«, erwiderte Tuon. »Matrim, Ihr kommt mit mir. Wir müssen das Kaiserreich für den Krieg vorbereiten.« Tuon setzte sich auf dem Pfad mit kontrollierten Schritten in Bewegung, aber Mat vermutete, dass sie einfach nur so schnell wie möglich von Rand fortkommen wollte. Er konnte das durchaus verstehen.

Er folgte ihr, blieb dann aber doch noch einmal neben Rand stehen. »Anscheinend hast du auch etwas vom Glück des Dunklen Königs«, murmelte er ihm zu. »Ich kann einfach nicht glauben, dass das geklappt hat.«

»Ganz ehrlich?«, erwiderte Rand leise, »ich auch nicht. Danke, dass du ein gutes Wort für mich eingelegt hast.«

»Sicher«, sagte Mat. »Übrigens, ich habe Moiraine gerettet. Darauf kannst du ja herumkauen, während du überlegst, wer von uns beiden vorn liegt.«

Mat folgte Tuon, und hinter ihm erscholl das Gelächter des Wiedergeborenen Drachen.

18

Verschwendetes Talent

Gawyn stand auf einem Feld ganz in der Nähe der ersten Schlacht der Aes Sedai gegen die Trollocs. Sie hatten die Hügel verlassen und waren tiefer auf die Ebene von Kandor vorgedrungen. Bis jetzt hatten sie die Vorstöße der Tiermenschen aufhalten können, ihnen war sogar gelungen, die Hauptstreitmacht des Feindes ein Stück zurückzudrängen. Im Großen und Ganzen verlief diese Schlacht besser als erwartet.

Auf diesem offenen, namenlosen Feld kämpften sie nun schon seit einer Woche. Überall war der Boden aufgerissen, als wollte man dort etwas pflanzen. So viele Leichen lagen herum – hauptsächlich Schattengezücht –, dass nicht einmal der Hunger der Trollocs alle verschwinden lassen konnte.

In der einen Hand hielt Gawyn ein Schwert, in der anderen einen Schild; so hatte er sich vor Egwenes Pferd platziert. Es war seine Aufgabe, die Trollocs zu töten, die an den Angriffen der Aes Sedai vorbeikamen. Eigentlich zog er es vor, das Schwert mit beiden Händen zu führen, aber gegen die Bestien brauchte er diesen Schild. Manche Männer hielten ihn für einen Narren, weil er überhaupt ein Schwert benutzte. Sie bevorzugten Piken oder Hellebarden, solange die Waffen die Tiermenschen nur auf Abstand hielten.

Aber mit einer Pike konnte man kein Duell ausfechten. Als Pikenmann war man bloß ein Ziegel in einer großen Mauer. Man war weniger ein Soldat als vielmehr ein Hindernis. Eine Hellebarde war besser – sie hatte wenigstens eine Klinge, mit der man umgehen können musste –, aber nichts ließ sich mit einem Schwert vergleichen. Wenn Gawyn mit einer Klinge kämpfte, dann kontrollierte er den Kampf.

Schnaubend kam ein Trolloc auf ihn zu, dessen Antlitz eine Mischung aus Mensch und Widder darstellte. Der hier war etwas menschlicher als üblich, einschließlich eines widerwärtig menschlichen Mundes mit blutverschmierten Zähnen. Das Ding hielt einen Streitkolben mit der Flamme von Tar Valon auf dem Schaft. Von einem gefallenen Angehörigen der Burgwache erbeutet. Obwohl die Waffe für zwei Hände gedacht war, hielt die Kreatur sie mühelos in einer.

Gawyn wich zur Seite aus, dann riss er den Schild in die Richtung des zu erwartenden Schlages. Der Schild schüttelte sich unter mehreren Treffern. Eins, zwei, drei. Die übliche berserkerhafte Trolloc-Technik – schnell und hart zuschlagen und davon ausgehen, dass der Gegner dem nichts entgegenzusetzen hatte.

Auf viele traf das auch zu. Sie stolperten, oder der Ansturm betäubte ihren Arm. Darin lag der Wert von Pikenmauern oder Hellebardenformationen. Bryne benutzte beides, sowie eine neue improvisierte Linie, die sich zur Hälfte aus Speeren und Hellebarden zusammensetzte. Gawyn hatte davon in Geschichtsbüchern gelesen. Brynes Heer kappte auf diese Weise die Kniesehnen der Tiermenschen. Die Pikenreihen hielten sie auf Abstand, dann stießen die Hellebarden an ihnen vorbei und schlitzten die Beine auf.

Gawyn duckte sich zur Seite und überraschte damit Trolloc. Das Ungeheuer drehte sich viel zu langsam, als der Behüter ihm mit ›Wirbelwind in den Bergen‹ die Hand abhackte. Noch während es schrie, fuhr Gawyn herum und rammte sein Schwert in den Leib eines weiteren Trollocs, der an den Aes Sedai vorbeigekommen war.

Er riss die Klinge aus dem Leib und schlug sie dem ersten Tiermenschen in den Hals. Der tote Trolloc rutschte von der Waffe. Das war der vierte, den Gawyn heute getötet hatte. Sorgfältig wischte er das Schwert mit dem blutigen Tuch sauber, das er an den Gürtel gebunden trug.

Er sah nach Egwene. Vom Sattel aus riss sie scharenweise Trollocs mit der Einen Macht in Stücke. Die Aes Sedai kämpften nach einem Rotationssystem, bei dem zu jeder Zeit ungefähr fünfzig von ihnen im Feld waren. Der Einsatz von so wenigen von ihnen erforderte von den Soldaten, den größten Teil des Kampfes zu schultern, aber die Schwestern kamen zumindest immer ausgeruht auf das Schlachtfeld. Ihre Aufgabe bestand darin, Gruppen der Kreaturen auseinanderzureißen, die Linien zu zerstören und die Soldaten die versprengten Überreste erledigen zu lassen.

Da die Aes Sedai die Tiermenschen daran hinderten, in soliden Schlachtfeldformationen Aufstellung zu nehmen, war der Kampf zwar aufreibend, aber erfolgreich. Seitdem sie die Hügel hinter sich gelassen hatten, waren sie nicht ein einziges Mal zum Rückzug gezwungen gewesen und hatten den Vorstoß des Schattengezüchts eine ganze Woche lang aufgehalten.

Silviana saß neben Egwene auf einem Wallach und gab sich alle Mühe, den Feind daran zu hindern, zu nahe an sie heranzukommen. Das Gelände vor ihnen war völlig zerstört. Silvianas Angriffe hatten es auseinandergerissen und überall grabenähnliche Vertiefungen hinterlassen. Trotzdem kroch gelegentlich eine Bestie durch den Schlamm und stürzte sich auf Gawyn.

Der Behüter erspähte einen Schatten im vordersten Graben und setzte sich in Bewegung. Dort kauerte ein wolfszügiger Trolloc. Er knurrte ihn an und hangelte sich nach oben.

›Wasser fließt bergab‹.

Die Bestie fiel zurück in den Graben, und Gawyn wischte die Klinge an dem blutigen Lumpen ab. Fünf. Nicht übel für eine seiner zweistündigen Schichten. Die Aes Sedai konnten die Trollocs oft in Schach halten, und dann wartete er bloß die ganze Zeit an Egwenes Seite. Natürlich wurde sie heute von Silviana begleitet – sie kamen immer paarweise an die Front –, und es hätte Gawyn nicht überrascht, wenn die Bewahrerin der Chroniken gelegentlich einen oder zwei durchließ, damit er etwas zu tun hatte.

Eine Reihe Explosionen in der Nähe ließ ihn innehalten, und er warf einen Blick über die Schulter. Ihre Ablösung war eingetroffen. Gawyn salutierte Sleete mit dem Schwert, als der Mann zusammen mit Piava Sedais Behüter seine Position einnahm, um die Gegend zu überwachen.

Dann gesellte er sich zu Egwene und Silviana, die das Schlachtfeld verließen. Er konnte Egwenes wachsende Erschöpfung fühlen. Sie trieb sich viel zu sehr an und bestand darauf, viel zu viele Schichten zu übernehmen.