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Auf dem niedergetrampelten Gras passierten sie eine Gruppe der Gefährten aus Illian, die sich in den Kampf warfen. Gawyn fehlte der nötige Überblick über das Schlachtfeldgeschehen, um zu wissen, wo genau diese Abteilung gebraucht wurde. Mit einem Hauch von Neid blickte er ihnen nach.

Egwene brauchte ihn, das wusste er. Jetzt sogar noch mehr als je zuvor. In der Nacht schlichen sich Blasse in das Lager, um Aes Sedai mit in Thakan’dar geschmiedeten Klingen zu töten. Er bewachte Egwene persönlich, wenn sie schlief, und verließ sich darauf, dass sie ihm die Müdigkeit nahm, wenn sie ihn überwältigte. Er schlief dann, wenn sie sich mit dem Saal der Burg besprach.

Jede Nacht schlief sie in einem anderen Zelt; darauf hatte er bestanden. Gelegentlich überzeugte er sie davon, nach Mayene zu Reisen und im Palast in einem richtigen Bett zu schlafen. Das hatte sie schon seit mehreren Tagen nicht mehr getan. Sein Argument, dass sie die Gelben und ihre Heilarbeit überprüfen musste, trug immer weniger Gewicht. Rosil Sedai hatte die Dinge dort fest im Griff.

Sie näherten sich dem Lager. Einige Soldaten verneigten sich, größtenteils diejenigen, die zurzeit dienstfrei hatten, während andere zum Schlachtfeld eilten. Gawyn musterte ein paar von ihnen. Zu jung, zu frisch.

Andere waren Drachenverschworene, und wer vermochte schon zu sagen, was von denen zu halten war? Unter den Drachenverschworenen befanden sich auch Aiel, was ihm folgerichtig erschien, waren seiner Meinung nach doch alle Aiel im Grunde Drachenverschworene. Allerdings befanden sich in den Rängen der Drachenverschworenen auch Aes Sedai. Er hielt nicht viel von ihrer Entscheidung.

Kopfschüttelnd ging er weiter. Das Lager war gewaltig, obwohl es kein Mitglied des Trosses enthielt. Wagen brachten täglich Nahrungsmittel durch Wegetore – einige davon wurden sogar von diesen unzuverlässigen Metallmaschinen aus Cairhien gezogen. Bei der Rückreise nahmen die Wagen Kleidung zum Flicken, reparaturbedürftige Waffen und Stiefel mit.

Das machte dies zu einem sehr effizienten Lager; allerdings war es nicht besonders bevölkert, da so gut wie jeder viele Stunden auf dem Schlachtfeld kämpfte. Jeder außer Gawyn.

Er wusste, dass er gebraucht wurde und dass seine Arbeit wichtig war, trotzdem konnte er das Gefühl nicht unterdrücken, dass seine Talente hier verschwendet wurden. Er war einer der besten Schwertkämpfer des ganzen Heeres, und er stand jeden Tag zwei Stunden lang auf dem Schlachtfeld und tötete bloß ein paar Trollocs, die dumm genug waren, zwei Aes Sedai angreifen zu wollen. Im Grunde kämpfte er nicht gegen sie, sondern erlöste sie bloß von ihrem Elend.

Egwene verabschiedete sich mit einem Nicken von Silviana, dann lenkte sie ihr Pferd zum Befehlszelt.

»Egwene …«, sagte er.

»Ich will nur nach dem Rechten sehen«, erwiderte sie ruhig. »Elayne sollte neue Befehle übermittelt haben.«

»Du brauchst Schlaf.«

»Anscheinend ist das im Moment alles, was ich brauche. Schlaf.«

»Wenn du auf dem Schlachtfeld kämpfst, ersetzt du leicht tausend Soldaten«, sagte Gawyn. »Wären jeden Tag zweiundzwanzig Stunden Schlaf erforderlich, um dich in Form zu halten, damit du die Männer zwei Stunden lang beschützen kannst, dann würde ich vorschlagen, dass du das tust. Glücklicherweise ist das nicht nötig – es ist aber auch nicht nötig, dass du dich so verbissen antreibst, wie du das tust.«

Der Bund verriet ihm ihren Ärger, aber sie unterdrückte ihn. »Natürlich hast du recht.« Sie warf ihm einen Blick zu. »Und du brauchst gar nicht überrascht zu sein, dass ich das laut zugebe.«

»Ich bin nicht überrascht.«

»Ich bekomme deine Gefühle mit, Gawyn.«

»Da ging es um etwas ganz anderes. Mir fiel nur gerade etwas ein, das Sleete vor ein paar Tagen sagte, einen Scherz, den ich eben erst begriffen habe.« Er sah sie ganz unschuldig an.

Das brachte ihm endlich ein Lächeln ein. Zwar nur eine Andeutung, aber das reichte. Sie lächelte wenig in diesen Tagen. So wie alle.

»Übrigens«, sagte er, nahm ihre Zügel und half ihr vom Pferd, als sie das Befehlszelt erreicht hatten, »habe ich nie besonders über die Tatsache nachgedacht, dass ein Behüter die Drei Eide natürlich ignorieren kann. Ich frage mich, wie oft Schwestern das recht nützlich fanden?«

»Ich hoffe, nicht zu oft«, bemerkte Egwene. Eine sehr diplomatische Antwort. Im Zelt schaute Gareth Bryne durch sein mittlerweile gewohntes Wegetor; eine unscheinbare Graue, die Gawyn nicht kannte, hielt es geöffnet. Bryne trat an seinen mit Karten übersäten Tisch, an dem Siuan Ordnung zu schaffen versuchte. Er machte ein paar Notizen, nickte zufrieden, dann schaute er auf, um zu sehen, wer da gerade eingetreten war.

»Mutter«, sagte der General und ergriff ihre Hand, um den Ring zu küssen.

»Die Schlacht scheint günstig für uns zu verlaufen«, meinte Egwene und nickte Siuan zu. »Wir haben uns gut gehalten. Ihr habt Pläne für einen Vorstoß?«

»Wir können hier nicht für alle Ewigkeit bleiben, Mutter«, sagte Bryne. »Königin Elayne hat mich darum gebeten, einen Vorstoß weiter nach Kandor hinein in Betracht zu ziehen, und ich glaube, das war klug von ihr. Ich mache mir Sorgen, dass sich die Trollocs in die Hügel zurückziehen und Stellungen aufbauen. Euch ist aufgefallen, dass sie jede Nacht immer mehr Leichen vom Feld holen?«

»Ja.«

Gawyn fühlte ihre Unzufriedenheit; es wäre so wünschenswert gewesen, wenn die Aes Sedai die nötige Kraft gehabt hätten, die Trolloc-Kadaver jeden Tag mit der Einen Macht zu verbrennen.

»Sie sammeln Proviant«, sagte Bryne. »Möglicherweise entscheiden sie sich, nach Osten zu gehen, um uns dann zu umgehen. Wir müssen sie hier zum Kampf zwingen, was bedeuten könnte, sie in diese Hügel zu treiben. Normalerweise würde uns das viele Männer kosten, aber jetzt …« Er schüttelte den Kopf und trat an das Wegetor, um seine Frontlinien zu betrachten. »Eure Aes Sedai dominieren dieses Schlachtfeld, Mutter. So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen.«

»Es gibt einen Grund, warum der Schatten alles in seiner Macht Stehende getan hat, um die Weiße Burg zu vernichten. Er wusste Bescheid. Die Weiße Burg hat die Macht, diesen Krieg zu beherrschen.«

»Wir müssen auf die Schattenlords aufpassen«, mahnte Siuan und suchte in einigen Papieren herum. Vermutlich Kundschafterberichte, nahm Gawyn an. Obwohl er Siuan Sanches Leben verschont hatte, wusste er nur sehr wenig über sie, aber Egwene sprach oft über die Gier dieser Frau nach Informationen.

»Ja«, sagte Egwene. »Sie werden kommen.«

»Die Schwarze Burg«, sagte Bryne stirnrunzelnd. »Vertraut Ihr den Worten von Lord Mandragoran?«

»Mit meinem Leben«, sagte Egwene.

»Asha’man, die für den Feind kämpfen. Warum hat der Wiedergeborene Drache nichts unternommen? Beim Licht, wenn sich alle Asha’man auf die Seite des Schattens schlagen …«

Egwene schüttelte den Kopf. »Bryne, ich möchte, dass Ihr Reiter in die Nähe der Schwarzen Burg schickt, wo man noch Wegetore erschaffen kann. Sie sollen schnell zu den Schwestern reiten, die noch immer vor der Schwarzen Burg lagern.«

»Ihr wollt sie angreifen lassen?«, fragte Gawyn erfreut.

»Nein. Sie sollen sich so weit zurückziehen, wie es sein muss, um Wegetore zu weben, und dann sollen sie hier zu uns stoßen. Wir können uns keine weiteren Verzögerungen mehr leisten. Ich will sie hier haben.«

Sie klopfte mit dem Finger auf den Tisch. »Taim und seine Schattenlords werden kommen. Von diesem Schlachtfeld haben sie sich bisher ferngehalten und sich stattdessen auf Lord Mandragoran konzentriert. Damit konnten sie ihr Schlachtfeld so dominieren wie wir hier das unsere. Ich werde weitere Schwestern zum Heer der Grenzländer schicken. Irgendwann müssen wir uns ihnen entgegenstellen.«

Gawyn sagte nichts, presste aber die Lippen aufeinander. Weniger Schwestern bedeutete noch mehr Arbeit für Egwene und die anderen.