Выбрать главу

»Was meint Ihr?«, fragte er.

»Ihr macht den Leuten als Vorbereitung auf den Tod Geschenke. Das tun alte Leute oft oder auch Männer, die in eine Schlacht ziehen, die sie nicht gewinnen wollen. Ein Schwert für Euren Vater, ein Ter’angreal für die Königin von Andor, eine Krone für Lan Mandragoran, Schmuck für das Aiel-Mädchen und für sie hier.« Mit dem Kopf deutete sie auf Min.

Rand versteifte sich. Irgendwie war ihm schon klar gewesen, was er da tat, aber es von ihr auf diese Weise erklärt zu bekommen war befremdlich.

Mins Gesicht verfinsterte sich. Ihr Griff wurde fester.

»Begleitet mich«, sagte Cadsuane. »Nur Ihr und ich, Lord Drache.« Sie sah ihn an. »Wenn Ihr so freundlich wärt.«

Min schaute zu ihm hoch, aber er klopfte ihr auf die Schulter und nickte. »Wir sehen uns im Zelt.«

Sie seufzte, aber dann tat sie ihm den Gefallen. Cadsuane war bereits weitergegangen. Er musste ein paar Schritte laufen, um sie einzuholen. Vermutlich gefiel ihr das.

»Eure Verzögerungen beunruhigen Moiraine Sedai«, sagte sie.

»Und wie ist Eure Meinung dazu?«

»Sie hat nicht ganz unrecht. Allerdings finde ich Euren Plan nicht völlig idiotisch. Aber Ihr könnt die Sache nicht mehr lange hinauszögern.«

Es war Absicht gewesen, keinem zu verraten, wann der Angriff auf den Shayol Ghul stattfinden sollte. Er wollte, dass alle darüber nachgrübelten. Wenn keiner aus seiner Nähe wusste, wann er zuschlug, dann standen die Chancen gut, dass es auch der Dunkle König nicht wusste.

»Trotzdem bin ich nicht hier, um mit Euch über Euer Zögern zu sprechen«, sagte Cadsuane. »Ich habe den Eindruck, dass Moiraine Sedai Eure … Erziehung in dieser Angelegenheit gut im Griff hat. Etwas anderes bereitet mir viel größere Sorgen.«

»Das wäre?«

»Dass Ihr zu sterben erwartet. Dass Ihr zu viel weggebt. Dass Ihr nicht einmal versucht zu überleben.«

Rand holte tief Luft. Hinter ihm befand sich eine Abteilung Töchter. Er passierte die Windsucherinnen in ihrem kleinen Lager, die dicht zusammengedrängt um die Schale der Winde herumstanden und etwas diskutierten. Sie sahen ihm und Cadsuane mit gelassenen Mienen entgegen.

»Lasst mich meinem Schicksal begegnen, Cadsuane«, sagte er dann. »Ich habe den Tod umarmt. Und ich werde ihn annehmen, wenn er kommt.«

»Das höre ich gern«, erwiderte sie, »und glaubt ja nicht, nicht einmal eine Sekunde, dass ich Euer Leben nicht für die Welt eintauschen würde.«

»Das habt Ihr ja von Anfang an ausgesprochen deutlich gemacht. Also warum jetzt diese Sorge? Dieser Kampf wird mich verschlingen. So muss es sein.«

»Ihr dürft nicht von der Voraussetzung ausgehen, dass Ihr sterbt«, sagte Cadsuane streng. »Selbst wenn es so gut wie unausweichlich ist, dürft Ihr das nicht als vollkommen unausweichlich betrachten.«

»Elayne sagte so ziemlich das Gleiche.«

»Dann hat sie zumindest einmal in ihrem Leben weise gesprochen. Ein besserer Durchschnitt, als ich bei einer wie ihr erwartet hätte.«

Rand verzichtete darauf, auf diese Bemerkung zu reagieren, und Cadsuane zeigte ein kleines Lächeln. Sie war darüber erfreut, wie sehr er sich jetzt unter Kontrolle hatte. Darum stellte sie ihn auf die Probe.

Würden diese Prüfungen denn niemals enden?

Nein, dachte er. Nicht bis zur letzten. Die, die wirklich zählt.

Plötzlich blieb Cadsuane stehen, und er folgte notgedrungen ihrem Beispiel. »Habt Ihr auch ein Geschenk für mich?«

»Ich gebe sie nur jenen, an denen mir etwas liegt.«

Das ließ sie sogar noch breiter lächeln. »Unsere Beziehung ist nicht immer völlig reibungslos verlaufen, Rand al’Thor.«

»So kann man es auch ausdrücken.«

»Aber ich muss Euch sagen«, fuhr sie fort, ohne ihn aus den Augen zu lassen, »dass ich erfreut bin. Am Ende ist doch noch etwas Anständiges aus Euch geworden.«

»Also habe ich Eure Erlaubnis, die Welt zu retten?«

»Ja.« Sie schaute zum Himmel, wo die dunklen Wolken brodelten. Durch seine Anwesenheit rissen sie auseinander, denn er versuchte sich nicht zu verstecken oder sie zusammenzuhalten.

»Ja«, wiederholte sie. »Ihr habt meine Erlaubnis. Solange Ihr es bald tut. Die Dunkelheit wächst.«

Wie um ihre Worte zu unterstreichen, grollte der Boden. In letzter Zeit geschah dies immer öfter. Das ganze Lager erbebte, und Leute stolperten misstrauisch.

»Dort werden die Verlorenen sein«, sagte Rand. »Sobald ich eintreffe. Jemand wird ihnen entgegentreten müssen. Ich will Aviendha bitten, den Widerstand gegen sie anzuführen. Sie könnte Eure Hilfe brauchen.«

Cadsuane nickte. »Ich werde meinen Teil dazu beitragen.«

»Nehmt Alivia mit. Sie ist stark, aber es bereitet mir Sorgen, sie anderen zuzuteilen. Sie hat kein Gespür für Grenzen, wie sie es haben sollte.«

Wieder nickte Cadsuane, und bei dem Ausdruck in ihren Augen fragte er sich, ob sie das nicht schon bereits vorgehabt hatte. »Und die Schwarze Burg?«

Rand biss die Zähne zusammen. Die Schwarze Burg war eine Falle. Er wusste, dass es eine Falle war. Taim wollte ihn an einen Ort locken, wo er nicht durch ein Wegetor entkommen konnte.

»Ich schickte Perrin los, um dort zu helfen.«

»Und Eure Entschlossenheit, selbst zu gehen?«

Ich muss ihnen helfen. Irgendwie. Ich ließ zu, dass Taim sie um sich schart. Ich kann sie ihm nicht einfach überlassen …

»Ihr seid Euch noch immer nicht sicher«, sagte Cadsuane ungehalten. »Ihr würdet Euch selbst in Gefahr bringen, Ihr würdet uns alle in Gefahr bringen, wenn Ihr eine Falle betretet.«

»Ich …«

»Sie sind frei.« Cadsuane wandte sich von ihm ab und setzte sich in Bewegung. »Taim und seine Männer sind aus der Schwarzen Burg vertrieben worden.«

»Was?«, verlangte Rand zu wissen, machte einen großen Schritt und nahm ihren Arm.

»Eure Männer haben sich selbst befreit«, verkündete sie. »Obwohl sie dabei schwere Prügel bezogen haben, so wie ich es gehört habe. Nur wenige wissen es. Möglicherweise kann Königin Elayne sie die nächste Zeit nicht in der Schlacht einsetzen. Ich kenne keine Einzelheiten.«

»Sie haben sich selbst befreit?«

»Ja.«

Sie haben es geschafft. Oder vielmehr Perrin hat es geschafft.

Rand frohlockte, aber dann schlug eine Woge der Schuld über ihm zusammen. Wie viele waren umgekommen? Hätte er sie retten können, wenn er selbst gegangen wäre? Schon seit Tagen hatte er von ihrer Zwangslage gewusst, und dennoch hatte er sie sich selbst überlassen und Moiraines beharrlichem Rat gehorcht, dass das eine Falle war, in die er nicht hineintappen durfte.

Und jetzt waren sie ihr entkommen.

»Ich wünschte, ich hätte Euch eine Antwort darüber entlocken können, was Ihr dort eigentlich tun wolltet«, sagte Cadsuane. Sie seufzte, dann schüttelte sie den Kopf. »Ihr seid innerlich zerrissen, Rand al’Thor, aber Ihr werdet ausreichen müssen.«

Sie ließ ihn stehen und ging.

»Deepe war ein guter Mann«, sagte Antail. »Er überlebte den Fall von Maradon. Er stand auf der Mauer, als sie in die Luft flog, aber er überlebte und kämpfte weiter. Schließlich erwischten ihn die Schattenlords dennoch und schleuderten ihm eine Explosion entgegen, die ihm den Rest gab. Deepe verbrachte seine letzten Augenblicke damit, sie mit Geweben der Macht anzugreifen. Er starb ehrenhaft.«

Die Malkieri hoben Antail ihre Becher entgegen und salutierten dem Gefallenen. Lan hob ebenfalls den Becher, obwohl er außerhalb des Kreises um das Feuer herumstand. Er wünschte sich, Deepe hätte seinen Befehlen gehorcht. Dann schüttelte er den Kopf und trank seinen Wein. Obwohl es Nacht war, blieben seine Männer abwechselnd wach, um im Fall eines Angriffs sofort kampfbereit zu sein.

Lan drehte den Becher zwischen zwei Fingern und dachte wieder an Deepe. Er konnte einfach keinen Zorn auf den Mann heraufbeschwören. Deepe hatte einen der gefährlichsten Machtlenker des Schattens töten wollen. Lan vermochte nicht zu sagen, ob er eine ähnliche Gelegenheit verstreichen ließe, wenn sie sich ihm böte.