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»Wir sind so schnell marschiert, wie wir das konnten«, erwiderte Bashere. »Ein menschlicher Befehlshaber hätte seine Streitkräfte niemals zu einem so schrecklichen Marsch gezwungen. Sie müssen durch ein furchtbares Terrain gekommen sein – Flüsse, Wälder, Moore. Licht! So ein Marsch muss sie Tausende gekostet haben, die an Erschöpfung verendet sind. Die Blassen haben es riskiert, und jetzt haben sie uns in der Zange. Die Stadt könnte ebenfalls vernichtet werden.«

Elayne schwieg. »Ich lasse das nicht zu«, sagte sie schließlich. »Nicht noch einmal. Nicht, wenn wir es verhindern können.«

»Haben wir denn eine Wahl?«

»Ja«, sagte Elayne. »Bashere, Ihr seid einer der klügsten Strategen, den das Land je gekannt hat. Euch stehen Möglichkeiten zur Verfügung wie noch keinem Mann zuvor. Die Drachen, die Kusinen, Ogier, die bereit sind, in der Schlacht zu kämpfen … Ihr könnt das schaffen. Ich weiß es.«

»Ihr zeigt überraschend viel Vertrauen für jemanden, den Ihr erst kurze Zeit kennt.«

»Rand vertraut Euch. Er hat Euch sogar während der dunklen Zeiten vertraut, als er jeden Zweiten in seiner Nähe mit Argwohn betrachtete.«

Bashere erschien beunruhigt. »Es gibt eine Möglichkeit.«

»Welche?«

»Wir marschieren und treffen die Trollocs in der Nähe von Cairhien so schnell, wie es möglich ist. Sie sind erschöpft, sie müssen es sein. Wenn wir sie schnell schlagen können, bevor die Horde aus dem Süden da ist, dann haben wir vielleicht eine Chance. Es wird schwierig sein. Das Nordheer wird vermutlich die Stadt erobern wollen, um sie dann gegen uns zu benutzen, während das Südheer eintrifft.«

»Können wir Wegetore in die Stadt öffnen und sie halten?«

»Das bezweifle ich«, meinte Bashere. »Nicht mit unseren erschöpften Machtlenkern. Davon abgesehen müssen wir die Trollocs im Norden vernichten und ihnen nicht bloß standhalten. Wenn wir ihnen Zeit zum Ausruhen lassen, erholen sie sich von ihrem Marsch, vereinigen sich mit den Kreaturen aus dem Süden und reißen Cairhien mit ihren Schattenlords wie einen überreifen Apfel auf. Nein, Elayne. Wir müssen angreifen und diese nördliche Armee ausradieren, solange sie noch schwach ist; nur dann können wir vielleicht gegen die im Süden standhalten. Versagen wir, zerschmettern uns die beiden von zwei Seiten.«

»Das ist ein Risiko, das wir eingehen müssen«, sagte Elayne. »Schmiedet Eure Pläne, Bashere. Wir werden sie in die Tat umsetzen.«

Egwene betrat Tel’aran’rhiod.

Die Welt der Träume war immer gefährlich und unberechenbar gewesen. In der letzten Zeit war das noch schlimmer geworden. Die große Stadt Tear spiegelte sich auf seltsame Weise im Traum wider; die Gebäude sahen aus, als wären sie seit hundert Jahren von Stürmen heimgesucht worden. Die Stadtmauern waren kaum höher als zehn Fuß und vom Wind oben völlig glatt geschmirgelt. Die Gebäude waren abgetragen und hatten nur Fundamente und vereinzelte verwitterte Mauern hinterlassen.

Von dem Anblick erschreckt, wandte sich Egwene dem Stein zu. Zumindest er stand noch so da wie immer. Hoch, stark und unverändert vom Ansturm des Windes. Das tröstete sie.

Sie schickte sich in sein Herz. Die Weisen Frauen erwarteten sie bereits. Auch das war tröstlich. Selbst in dieser Zeit der Veränderungen und der Stürme waren sie so stark wie der Stein selbst. Amys, Bair und Melaine warteten auf sie. Sie hörte einen Teil ihrer Unterhaltung, bevor sie sie bemerkten.

»Ich sah es genau wie sie«, sagte Bair. »Auch wenn es meine eigenen Nachkommen waren, die mir ihre Augen liehen. Ich glaube, wir alle sehen das, wenn wir jetzt zum dritten Mal zurückkehren. Es sollte zur Pflicht gemacht werden.«

»Drei Besuche?«, fragte Melaine. »Das bringt in der Tat Veränderungen. Wir wissen noch immer nicht, ob der zweite Besuch uns die neue oder die alte Version zeigen wird.«

Sich durchaus bewusst, dass sie lauschte, räusperte sich Egwene. Die Frauen wandten sich ihr zu und verstummten sofort.

»Ich wollte keineswegs hereinplatzen«, sagte Egwene, ging an den Säulen vorbei und gesellte sich zu ihnen.

»Es ist nichts«, erwiderte Bair. »Wir hätten unsere Zungen besser im Zaum halten müssen. Schließlich haben wir Euch eingeladen.«

»Es ist schön, Euch zu sehen, Egwene al’Vere«, sagte Melaine und lächelte voller Zuneigung. Die Schwangerschaft dieser Frau war so weit fortgeschritten, dass es jeden Tag so weit sein musste. »Den Berichten nach zu urteilen, erringt Eure Armee viel Ji

»Wir schlagen uns gut«, sagte Egwene und setzte sich zusammen mit ihnen auf den Boden. »Ihr werdet Eure eigene Gelegenheit bekommen, Melaine.«

»Der Car’a’carn zögert es hinaus«, sagte Amys. Sie runzelte die Stirn. »Die Speere werden ungeduldig. Wir sollten gegen den Sichtblender ins Feld ziehen.«

»Er plant gern und trifft seine Vorbereitungen«, erwiderte Egwene. Sie zögerte. »Ich kann nicht lange bleiben. Ich treffe mich heute noch mit ihm.«

»Worum geht es?« Bair lehnte sich neugierig vor.

»Ich weiß es nicht«, sagte Egwene. »Ich fand einen Brief von ihm auf meinem Zeltboden. Er schrieb, er wollte mich sehen, aber nicht als Drache und Amyrlin. Sondern als alte Freunde.«

»Sagt ihm, er darf nicht herumtrödeln«, sagte Bair. »Aber es gibt etwas, worüber wir mit Euch sprechen müssen.«

»Was denn?«

»Habt Ihr so etwas schon einmal gesehen?«, sagte Melaine und konzentrierte sich. Plötzlich breiteten sich Risse im Boden aus. Die Weise Frau zwang der Welt der Träume ihren Willen auf und erschuf etwas, das sich Egwene ansehen sollte.

Zuerst war sie verwirrt. Spalten im Fels? Natürlich hatte sie schon Spalten in Felsen gesehen. Und da das Land in letzter Zeit so oft von Erdbeben erschüttert wurde, gab es sie vermutlich immer häufiger.

Aber diesen Spalten haftete etwas Unverwechselbares an. Egwene beugte sich vor und erkannte, dass sie anscheinend ins Nichts führten. In eine tiefe Finsternis. Völlig unnatürlich.

»Was ist das?«, fragte sie.

»Unsere Leute berichten davon«, sagte Amys leise. »Jene, die in Andor und bei Rand al’Thor sind. Sie erscheinen wie Brüche im Muster selbst. Ein paar Augenblicke bleiben sie so dunkel, dann verblassen sie, und zurück bleiben nur ganz normale Felsspalten.«

»Das ist ein sehr gefährliches Zeichen«, sagte Bair. »Wir haben eine von uns in die Grenzlande geschickt, wo Lan Mandragoran kämpft. Anscheinend kommen diese Risse dort am häufigsten vor.«

»Sie erscheinen öfter, wenn Schattenlords kämpfen«, sagte Amys. »Wenn sie das als Baalsfeuer bekannte Gewebe benutzen.«

Egwene starrte in die Finsternis und fröstelte. »Baalsfeuer schwächt das Muster. Im Krieg der Macht scheuten schließlich selbst die Verlorenen seinen Einsatz, um nicht die Welt selbst aufzulösen.«

»Wir müssen alle unsere Verbündeten darüber unterrichten«, sagte Amys. »wir dürfen dieses Gewebe nicht einsetzen.«

»Es ist den Aes Sedai sowieso verboten«, erwiderte Egwene. »Aber ich werde allgemein bekannt machen, dass niemand auch nur daran denken soll, dieses Gebot zu brechen.«

»Das ist weise«, sagte Melaine. »Für Leute mit so vielen Regeln sind die Aes Sedai meiner Ansicht nach ausgesprochen geschickt darin, sie zu ignorieren, wenn es die Situation erlaubt.«

»Wir vertrauen unseren Frauen«, sagte Egwene. »Die Eide führen sie; davon abgesehen muss sie ihre eigene Weisheit leiten. Wäre Moiraine nicht bereit gewesen, diese Regel zu brechen, wäre Perrin tot – und Mat auch, hätte Rand diese Regel nicht ignoriert. Aber ich spreche mit den Frauen.«

Baalsfeuer beunruhigte sie. Nicht, weil es existierte oder was es anrichtete. Es war einzigartig gefährlich. Und doch, was hatte Perrin noch einmal zu ihr im Traum gesagt? Es ist doch bloß ein Gewebe …