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»Ich hatte doch gesagt, ich will die Kleidung eines Kriegers!«

»Das ist die zeremonielle Kriegeruniform eines Angehörigen der Kaiserfamilie, Hoheit«, sagte Nata. »Viele werden Euch als Außenseiter betrachten, und auch wenn niemand Eure Loyalität infrage stellen würde, wäre es für unsere Soldaten gut, Euch zuerst als Prinz der Raben und erst dann als Ausländer zu sehen. Würdet Ihr mir da zustimmen?«

»Vermutlich«, sagte Mat.

Die Diener machten weiter, schnallten einen verzierten Gürtel um und platzierten in den weiten Ärmeln Unterarmreife mit dem gleichen Muster. Das ging schon in Ordnung, da der Gürtel die Kleidung an der Taille zusammenraffte und verhinderte, dass sie sich allzu voluminös anfühlte.

Leider war das nächste Stück auch das albernste. Ein steifes, helles Stück Stoff, das man ihm über die Schultern legte. Es schmiegte sich wie ein Waffenrock über Rücken und Brust, aber die Seiten blieben offen und breiteten sich über einen Fuß weit aus, was ihn übermenschlich breit erscheinen ließ. Es hatte Ähnlichkeit mit den Schulterteilen einer schweren Rüstung, nur dass es aus Stoff bestand.

»Moment mal«, sagte er. »Das ist doch wohl kein Streich, den ihr jemandem spielt, nur weil er neu ist, oder?«

»Ein Streich, Höchsterlauchter?«, fragte Nata.

»Ihr könnt doch nicht ernsthaft …« Mat verstummte, als jemand an seiner Tür vorbeiging. Der Mann trug ein Gewand, das seinem sehr ähnelte, wenn es auch nicht so verziert und die Schultern nicht ganz so breit waren. Es war keine Rüstung der Kaiserfamilie, aber die zeremonielle Kleidung eines Angehörigen des Blutes. Dennoch war sie beinahe genauso verschwenderisch.

Der Mann blieb stehen und verbeugte sich vor Mat, dann ging er weiter.

»Verdammt«, sagte Mat.

Nata klatschte in die Hände, und die Diener behängten Mat mit Edelsteinen. Sie nahmen hauptsächlich Rubine, was ihm Unbehagen bereitete. Das konnte doch nur ein Zufall sein, oder? Er wusste nicht, was er davon halten sollte, diese vielen Edelsteine zu tragen. Vielleicht konnte er sie ja verkaufen. Aber wenn er sie als Spieleinsatz auf den Tisch legte, gehörte ihm am Ende noch ganz Ebou Dar …

Die Stadt gehört Tuon doch schon, wurde ihm plötzlich klar. Und ich habe sie geheiratet. Langsam wurde ihm bewusst, dass er reich war. Richtig reich.

Er saß da und ließ sich die Fingernägel lackieren, während er darüber nachdachte, was das alles zu bedeuten hatte. Gut, er brauchte sich schon seit einiger Zeit keine Sorgen mehr über Geld zu machen, konnte er doch stets beim Spiel neues gewinnen. Aber das hier war anders. Wenn er bereits alles hatte, warum dann noch darum spielen? Das klang nicht nach viel Spaß. Niemand sollte einem so viel ungefragt geben. Stattdessen sollte man eine Möglichkeit finden, es aus eigener Kraft zu erringen, durch Geistesgegenwart, Glück oder Geschick.

»Soll man mich doch verbrennen«, murmelte er und senkte die Arme, als man mit dem Lackieren fertig war. »Ich bin ein verdammter Adliger.« Er seufzte, riss einer überraschten Dienerin, die gerade mit seiner alten Kleidung vorbeiging, den Hut aus der Hand und setzte ihn auf.

»Höchsterlauchter«, sagte Nata. »Bitte vergebt meine offenen Worte, aber es ist meine Pflicht, Euch zu beraten. Dieser Hut sieht bei dieser Uniform ganz besonders … unpassend aus.«

»Wen kümmert’s«, erwiderte Mat und marschierte aus dem Raum. Fast musste er sich seitlich aus der Tür schieben! »Wenn ich schon albern aussehe, dann kann ich das auch mit Stil machen. Jemand soll mir zeigen, wo sich unsere verfluchten Generäle treffen. Ich muss wissen, wie viele Soldaten wir haben.«

20

Nach Thakan’dar

Später am Tag ihrer Begegnung mit Rand hielt Egwene Voras Sa’angreal vor den Körper und webte Feuer. Fäden strebten vor ihr in der Luft zusammen und bildeten winzige glühende Ströme, die sich zu einem komplizierten Gewebe verknüpften. Beinahe vermochte sie die von ihm ausgehende Hitze zu spüren, die ihre Haut wie nach einem schlimmen Sonnenbrand hätte aussehen lassen.

Sie vollendete das Gewebe, und ein Feuerball von der Größe eines Felsbrockens flog brausend durch die Luft. Wie ein Meteor stürzte er auf einen Hügel in der Ferne. Die Explosion schleuderte mit Bogen bewaffnete Trollocs auseinander und zerfetzte ihre Kadaver.

Romanda öffnete neben ihr ein Wegetor. Sie gehörte zu den Gelben, die darauf bestanden hatten, auf dem Schlachtfeld zu bleiben, um Notfälle direkt versorgen zu können. Romanda und ihre kleine Mannschaft hatten schon viele Leben gerettet.

Heute würde es jedoch keine Gelegenheit zum Heilen geben. Wie Bryne schon angedeutet hatte, hatten sich die Trollocs in die Hügel zurückgezogen. Nach anderthalb Tagen der Ruhe hatten sich die meisten Aes Sedai erholt. Sie verfügten noch nicht wieder über ihre vollen Kräfte – nach einer Woche des ununterbrochenen Kampfes war das nicht möglich –, aber es reichte.

Gawyn sprang mit gezogener Klinge durch das Wegetor, sobald es sich geöffnet hatte. Egwene folgte ihm zusammen mit Romanda, Lelaine, Leane, Silviana, Raemassa und einer Handvoll Behüter und Soldaten. Sie traten auf den Hügel, den Egwene soeben vom Feind gesäubert hatte. Die geschwärzte und vernarbte Erde unter ihren Füßen fühlte sich noch immer warm an; in der Luft hing der Gestank von verbranntem Fleisch.

Dieser Hügel erhob sich genau in der Mitte des Trolloc-Heeres. Überall um sie herum brachte sich Schattengezücht eilig in Sicherheit. Romanda hielt das Tor geöffnet, und Silviana webte Luft, um eine Windkuppel zum Schutz gegen Pfeile zu erschaffen. Der Rest von ihnen schickte Gewebe in die Tiefe.

Die Tiermenschen reagierten langsam – sie hatten hier auf diesen Hügeln gewartet, um in die Täler hinunterzuströmen, sobald Egwenes Armee eingetroffen war. Normalerweise wäre das eine Katastrophe geworden. Die Trollocs konnten Egwenes Truppen von oben mit allen möglichen Geschossen eindecken, und die Kavallerie hätte versuchen müssen, die Hügel zu stürmen. Die Hügelkämme hätten den Trollocs und ihren Blassen eine bessere Perspektive verschafft, um die Schwachstellen von Egwenes Streitkräften zu erkennen und dementsprechend zuzuschlagen.

Aber sie und ihre Befehlshaber dachten gar nicht daran, dem Feind diesen Vorteil zu überlassen. Die Bestien stoben auseinander, als die Schlacht in ihre Mitte getragen wurde und die Aes Sedai die Hügel eroberten. Einige Tiermenschen versuchten, nach oben zu stürmen und sie sich zurückzuholen, aber die meisten rannten um ihr Leben. Nun kam Egwenes schwere Kavallerie und donnerte durch die Täler. Was einst für den Feind eine sehr effektive Position gewesen war, wurde nun zu seinem Schlachtfeld; da die Aes Sedai die Bogenschützen ausgeschaltet hatten, konnte die schwere Kavallerie beinahe ungehindert töten.

Das öffnete den Fußsoldaten den Weg, die in Formationen heranmarschierten, um die Tiermenschen zurückzudrängen. Sie wollten sie an die Hänge drängen, damit die Aes Sedai sie gruppenweise vernichten konnten. Leider hatten sich die Trollocs mittlerweile daran gewöhnt, der Einen Macht gegenüberzustehen. Entweder das, oder die Myrddraal waren besser darin geworden, sie anzutreiben.

Schon bald stürmten mehrere koordinierte Gruppen der Kreaturen die Hügelkuppen, während andere den Infanterieangriffen Widerstand leisteten. Bryne hat recht, dachte Egwene und zerfetzte ein Kontingent Trollocs, das sie fast erreicht hatte. Die Blassen sind wieder mit den Trollocs verknüpft. In der letzten Zeit hatte das Schattengezücht diese Taktik nur selten angewandt, da der Tod der Blassen auch sämtliche mit ihnen verknüpften Kreaturen umbrachte. Aber vermutlich war das die einzige Weise, auf die sie die Tiermenschen dazu bringen konnten, nach oben in den sicheren Tod zu steigen.