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Bao hielt noch immer ihr Kinn. »Du bist ein schönes Ding«, sagte er. »Leider ist Schönheit bedeutungslos. Aes Sedai, du wirst für mich eine Botschaft an Lews Therin überbringen. An den, der sich selbst der Wiedergeborene Drache nennt. Sag ihm, dass ich gekommen bin, um ihn zu töten, und indem ich das tue, fordere ich diese Welt. Ich werde nehmen, was mir hätte gehören sollen. Sag ihm das. Sag ihm, dass du mich gesehen hast, und beschreibe mich ihm. Er wird mich kennen.

So wie ihn die Menschen hier mit ihren Prophezeiungen erwartet haben, so wie sie ihn mit Ruhm überschüttet haben, haben die Menschen meines Landes mich erwartet. Ich habe ihre Prophezeiungen erfüllt. Er ist falsch, und ich bin echt. Sag ihm, dass ich endlich meine Genugtuung bekomme. Er hat zu mir zu kommen, damit wir uns gegenübertreten können. Tut er es nicht, werde ich töten und zerstören. Ich nehme sein Volk gefangen. Ich versklave seine Kinder. Ich nehme mir seine Frauen. Ich werde alles, was er je geliebt hat, brechen, vernichten oder dominieren, eines nach dem anderen. Es gibt nur eine Möglichkeit, wie er das vermeiden kann, er muss kommen und sich mir stellen.

Sag ihm das, kleine Aes Sedai. Sag ihm, dass ihn ein alter Freund erwartet. Ich bin Bao, der Wyld. ›Der allein dem Land gehört.‹ Der Drachentöter. Einst kannte er mich unter einem Namen, den ich verachtete, dem Namen Barid Bel.«

Barid Bel, dachte Egwene, und Erinnerungen an ihren Unterricht in der Weißen Burg stiegen in ihr auf. Barid Bel Medar … Demandred.

Der Sturm im Wolfstraum veränderte sich ständig. Perrin verbrachte Stunden damit, durch die Grenzlande zu streifen. Er besuchte Wolfsrudel, während er durch trockene Flussbette und über zerstörte Hügel rannte.

Gaul hatte schnell gelernt. Natürlich würde er keinen Moment lang gegen den Schlächter bestehen können, aber zumindest hatte er gelernt, wie er verhindern musste, dass sich seine Kleidung ständig veränderte – obwohl sich noch immer sein Schleier vors Gesicht schob, wenn ihn etwas überraschte.

Zusammen eilten sie durch Kandor und zeichneten Schemen in die Luft, als sie sich von einem Hügel zum nächsten bewegten. Manchmal war der Sturm sehr stark, manchmal auch schwach. Im Augenblick war Kandor auf eine schon unheimliche Weise still. Das grasige Hochland war mit allen möglichen Trümmern übersät. Zelte, Dachziegel, das Segel eines großen Schiffes, sogar der Amboss einer Schmiede, der mit der Spitze in einem schlammigen Hang steckte.

Der gefährlich mächtige Sturm konnte überall im Wolfstraum aufsteigen und Städte oder Wälder auseinanderpflügen. Perrin hatte tairenische Hüte oben in Shienar gefunden.

Perrin kam oben auf einem Hügel zum Stehen, und Gaul raste an seine Seite. Wie lange suchten sie jetzt schon nach dem Schlächter? Einerseits schienen es nur wenige Stunden gewesen zu sein. Andererseits … welche Distanzen hatten sie zurückgelegt? Bis jetzt hatten sie sich dreimal bei ihren Vorräten bedient. Bedeutete das, dass ein Tag vergangen war?

»Gaul«, sagte Perrin. »Wie lange machen wir das jetzt schon?«

»Das vermag ich nicht zu sagen, Perrin Aybara«, erwiderte der Aiel. Er überprüfte den Sonnenstand, obwohl sie gar nicht zu sehen war. »Eine Weile. Müssen wir aufhören und schlafen?«

Das war eine gute Frage. Plötzlich knurrte Perrin der Magen, und er bereitete ihnen eine Mahlzeit aus Trockenfleisch und einer Kante Brot zu. Würde herbeigedachtes Brot sie im Wolfstraum ernähren oder würde es einfach verschwinden, nachdem sie es verspeist hatten?

Das Letztere. Das Essen verschwand, noch während Perrin kaute. Sie würden auf ihre Vorräte zurückgreifen müssen, vielleicht sogar Nachschub holen, wenn Rands Asha’man einmal täglich das Tor öffnete. Nun versetzte er sich zurück zu ihren Bündeln und kramte etwas Trockenfleisch hervor, bevor er sich wieder im Norden zu Gaul gesellte.

Als sie sich auf den Hügel setzten, um in Ruhe zu essen, richteten sich seine Gedanken wieder einmal auf den Traumnagel. Er trug ihn bei sich, versetzt in seinen Schlummerzustand, so wie Lanfear es ihm beigebracht hatte. Jetzt erschuf das Ding keine Kuppel, aber er konnte sie jederzeit machen, wenn er wollte.

Lanfear hatte ihm den Nagel so gut wie ohne Gegenleistung überlassen. Was hatte das zu bedeuten? Warum verspottete sie ihn?

Er biss ein Stück Fleisch ab. War Faile in Sicherheit? Falls der Schatten entdeckte, was sie da machte … Er wünschte sich, er hätte wenigstens nach ihr sehen können.

Er nahm einen großen Schluck aus seinem Wasserschlauch, dann suchte er mit seinen Gedanken nach den Wölfen. Hier oben in den Grenzlanden gab es Hunderte von ihnen. Vielleicht sogar Tausende. Er grüßte die in der Nähe und übermittelte ihnen seinen Geruch vermengt mit seinem Bild. Die Dutzenden Antworten kamen nicht in Form von Worten, aber er verstand sie trotzdem.

Junger Bulle! Das kam von einem Wolf namens Weißauge. Die Letzte Jagd ist da. Führst du uns?

In letzter Zeit fragten das viele, und Perrin kam einfach nicht darauf, was er davon halten sollte. Warum braucht ihr mich, um euch anzuführen?

Dein Ruf ist erforderlich, sagte Weißauge. Dein Heulen.

Ich verstehe nicht, was du damit meinst, erwiderte Perrin. Könnt ihr nicht allein jagen?

Nicht dieses Wild, Junger Bulle.

Perrin schüttelte den Kopf. Diese Antwort hatte er schon von anderen erhalten. Weißauge. Hast du den Schlächter gesehen? Den Wolfsmörder? Hat er euch hier nachgestellt?

Perrin sandte diese Worte in alle Richtungen aus, und einige der anderen Wölfe antworteten. Sie wussten über den Schlächter Bescheid. Sein Bild und sein Geruch waren unter vielen Wölfen weitergereicht worden, genau wie Perrins. In der letzten Zeit hatte ihn niemand gesehen, aber bei den Wölfen war Zeit eine seltsame Sache; Perrin konnte sich nicht sicher sein, von welchem Zeitraum sie sprachen.

Er nahm noch einen Bissen von dem Trockenfleisch und ertappte sich dabei, wie er leise knurrte. Sofort hörte er damit auf. Er hatte seinen Frieden mit dem Wolf in seinem Inneren geschlossen, aber das bedeutete nicht, dass er ihn Dreck ins Haus tragen lassen würde.

Junger Bulle, übermittelte eine andere Wölfin. Drehwurm, eine alte Rudelführerin. Mondjägerin wandelt wieder im Traum. Sie sucht dich.

Danke, erwiderte er. Das weiß ich. Ich werde ihr aus dem Weg gehen.

Dem Mond aus dem Weg gehen? Das ist schwierig, Junger Bulle. Schwierig.

Das hatte sie richtig erkannt.

Eben sah ich Herzsucherin, übermittelte Schritt, ein Jungtier mit schwarzem Pelz. Sie trägt einen neuen Geruch, aber sie ist es.

Andere Wölfe stimmten ihm zu. Herzsucherin befand sich im Wolfstraum. Ein paar hatten sie im Osten gesehen, aber andere behaupteten, sie im Süden gesehen zu haben.

Aber was war mit dem Schlächter? Was tat der Mann, wenn er keine Wölfe jagte? Perrin erwischte sich wieder bei einem Knurren.

Herzsucherin. Das musste eine der Verlorenen sein, obwohl ihm die von den Wölfen übermittelten Bilder nichts sagten. Sie war uralt, aber das waren die Erinnerungen der Wölfe auch. Jedoch waren die Dinge, an die sie sich erinnerten, oft nur Fragmente dessen, was ihre Vorfahren einst gesehen hatten.

»Neuigkeiten?«, fragte Gaul.

»Eine andere der Verlorenen ist hier.« Perrin grunzte. »Macht irgendetwas im Osten.«

»Hat das was mit uns zu tun?«

»Die Verlorenen haben immer mit uns zu tun«, sagte Perrin und stand auf. Er beugte sich vor, berührte Gaul an der Schulter und versetzte sie in die Richtung, die Schritt angezeigt hatte. Es war nicht die genaue Stelle, aber sobald Perrin eingetroffen war, fand er einige Wölfe, die Herzsucherin am Vortag auf ihrem Weg in die Grenzlande gesehen hatten. Sie begrüßten Perrin eifrig und fragten ihn, ob er sie anführen würde.