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Wenn er sie zu seiner Gefangenen machte. Schaffte er das? Perrin holte Luft, dann versetzte er sich hinter sie und stellte sich vor, wie sich Schlingpflanzen um ihren Körper wanden, um sie festzuhalten. Die Frau brüllte ihm Flüche entgegen und zerschnitt die Fesseln mit unsichtbaren Klingen. Sie griff nach ihm, und er versetzte sich zur Seite.

Seine Füße landeten in etwas Reif, der ihm zuvor nicht aufgefallen war, und sie fuhr sofort herum und schleuderte wieder Baalsfeuer. Schlau, dachte Perrin und schaffte es nur mühsam, das Licht zur Seite zu lenken. Es traf den Hügel hinter ihm, bohrte ein Loch hinein und trat auf der anderen Seite wieder hinaus.

Geifernd hielt Herzsucherin das Gewebe fest; ihr schreckliches Gesicht war völlig verzerrt. Das Gewebe beschrieb eine Kurve und kam wieder auf Perrin zu, und er biss die Zähne zusammen und hielt es in Schach. Sie war stark. Sie drückte mit aller Kraft, aber schließlich ließ sie es keuchend los. »Wie … wie ist es möglich … wie kannst du …«

Perrin füllte ihren Mund mit Spaltwurzel. Das war sehr schwierig, etwas direkt an jemandem zu verändern war immer schwierig. Aber es war wesentlich einfacher als der Versuch, sie in ein Tier oder Ähnliches zu verwandeln. Panisch hob sie eine Hand an den Mund. Sie fing an zu spucken und zu husten, dann öffnete sie verzweifelt ein Wegetor hinter sich.

Perrin knurrte, stellte sich Seile vor, die sich um sie schlangen, aber sie zerstörte sie mit einem Gewebe Feuer – sie musste die Spaltwurzel losgeworden sein. Sie warf sich durch das Wegetor, und er versetzte sich direkt davor, um hindurchzuspringen. Und erstarrte, als er sah, wie sie mitten in einer gewaltigen Horde Trollocs und Blassen in der Nacht auftauchte. Viele starrten begierig auf das Wegetor.

Perrin trat zurück, während Herzsucherin eine Hand an den Mund hob und mit entsetztem Gesichtsausdruck noch mehr Spaltwurzel ausspuckte. Das Wegetor schloss sich.

»Ihr hättet sie töten sollen«, sagte Lanfear.

Perrin drehte sich um und fand die Frau in der Nähe mit gefalteten Armen stehen. Ihr silbergraues Haar war dunkelbraun geworden. Tatsächlich hatte sich auch ihr Gesicht verändert und ähnelte jetzt mehr dem Aussehen wie vor zwei Jahren, als er ihr zum ersten Mal begegnet war.

Perrin enthielt sich jeden Kommentars und steckte seinen Hammer weg.

»Das ist eine Schwäche, Perrin«, sagte Lanfear. »Bei Lews Therin fand ich das bis zu einem gewissen Grad ja ganz anziehend, aber das täuscht nicht darüber hinweg, dass es trotzdem eine Schwäche ist. Ihr müsst das überwinden.«

»Das werde ich«, fauchte er. »Was tat sie dort oben bei diesen Lichtpunkten?«

»In Träume eindringen. Sie war im Fleisch hier. Das verschafft einem gewisse Vorteile, vor allem, wenn man mit Träumen spielt. Diese Schlampe. Sie glaubt diesen Ort zu kennen, dabei hat er immer schon mir gehört. Ihr hättet sie wirklich töten sollen.«

»Das war Graendal, richtig?«, fragte Perrin. »Oder war es Moghedien?«

»Graendal. Obwohl wir sie nicht mehr so nennen dürfen. Sie ist in Hessalam umbenannt worden.«

»Hessalam«, wiederholte Perrin und probierte das Wort aus. »Das sagt mir nichts.«

»Es bedeutet ›keine Vergebung‹.«

»Und wie lautet Euer neuer Name, der, mit dem wir Euch jetzt ansprechen sollen?«

Das ließ sie tatsächlich erröten. »Egal«, sagte sie. »Ihr seid in Tel’aran’rhiod sehr geschickt. Viel besser, als es Lews Therin je war. Ich habe immer geglaubt, ich würde an seiner Seite herrschen, dass nur ein Mann meiner wert ist, der die Macht lenken kann. Aber die Macht, die Ihr hier zeigt … ich glaube, ich werde sie als Ersatz akzeptieren.«

Perrin grunzte. Gaul hatte die kleine Lichtung zwischen den Zelten mit erhobenem Speer und mit der Shoufa verhülltem Gesicht überquert. Perrin winkte ab. Mit Sicherheit war Lanfear nicht nur viel besser im Wolfstraum als der Aiel, sondern hatte bis jetzt auch noch nichts wirklich Bedrohliches getan.

»Falls Ihr mich beobachtet habt«, sagte er, »dann werdet Ihr wissen, dass ich verheiratet bin, und zwar recht glücklich.«

»Das habe ich gesehen.«

»Dann hört auf, mich wie ein Stück Fleisch zu betrachten, das man auf dem Markt zum Verkauf ausstellt«, knurrte er. »Was hat Graendal hier gemacht? Was will sie?«

»Ich bin mir nicht sicher«, erwiderte Lanfear unbeschwert. »Sie verfolgte immer drei oder vier Pläne zur gleichen Zeit. Unterschätzt sie nicht, Perrin. Sie ist hier nicht so geschickt wie andere, aber sie ist gefährlich. Im Gegensatz zu Moghedien ist sie eine Kämpferin. Die ergreift sofort vor dir die Flucht, wenn sie kann.«

»Ich behalte das im Gedächtnis«, sagte Perrin und ging zurück zu der Stelle, wo sie durch ihr Wegetor verschwunden war. Mit der Stiefelspitze drückte er an der Erde herum, wo das Tor den Boden aufgeschnitten hatte.

»Ihr wisst, dass Ihr das ebenfalls tun könntet«, sagte Lanfear.

Er fuhr zu ihr herum. »Was?«

»In die wache Welt treten und zurückkommen«, antwortete sie. »Ohne dabei die Hilfe von jemandem wie Lews Therin zu brauchen.«

Es gefiel Perrin nicht, wie sie höhnisch die Lippen verzog, wenn sie seinen Namen aussprach. Sie versuchte es zu überspielen, aber er roch den Hass an ihr, wenn sie ihn erwähnte.

»Ich kann nicht die Macht lenken. Vermutlich könnte ich mir vorstellen, sie lenken zu …«

»Das würde nicht funktionieren«, sagte sie. »Es gibt Grenzen in dem, was man hier erreichen kann, ganz egal, wie stark der Wille auch ist. Die Fähigkeit, die Macht lenken zu können, hat nichts mit dem Körper zu tun, sondern entstammt der Seele. Trotzdem gibt es für einen wie Euch Möglichkeiten, sich im Fleisch zwischen den Welten hin und her zu bewegen. Der, den Ihr den Schlächter nennt, tut das.«

»Er ist kein Wolfsbruder.«

»Nein. Aber er ist etwas Ähnliches. Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob jemals ein anderer seine Fähigkeiten hatte. Der Dunkle König hat etwas mit diesem Schlächter gemacht, als er seine Seele oder vielmehr seine Seelen einfing. Semirhage hätte uns vielleicht mehr darüber verraten können. Bedauerlicherweise ist sie tot.«

Sie roch nicht im Mindesten nach Bedauern. Sie schaute zum Himmel, war aber ganz ruhig und nicht besorgt.

»Ihr scheint nicht mehr so beunruhigt darüber zu sein, entdeckt zu werden, wie das früher der Fall war«, bemerkte Perrin.

»Mein früherer Herr ist … beschäftigt. Seinen Blick habe ich kaum gespürt, während ich Euch vergangene Woche beobachtete.«

»Woche?«, fragte Perrin entsetzt. »Aber …«

»Hier vergeht die Zeit auf sehr seltsame Weise«, sagte sie, »außerdem lösen sich die Ränder der Zeit selbst auf. Je näher Ihr dem Stollen seid, umso größer ist die Zeitverzerrung. Für jene, die sich Shayol Ghul in der wachen Welt nähern, wird das genauso schlimm sein. Für jeden ihrer Tage könnten für jene, die weit entfernt sind, drei oder vier vergehen.«

Eine Woche? Licht! Was hatte sich draußen bloß alles zugetragen? Wer lebte und wer war gestorben, während Perrin gejagt hatte? Er hätte auf dem Reisegelände darauf warten sollen, dass sich sein Tor öffnete. Aber nach der Dunkelheit in Graendals Wegetor zu urteilen, war es Nacht. Sein Fluchttor konnte noch Stunden entfernt sein.

»Ihr könntet ein Wegetor für mich erschaffen«, sagte er. »Einen Weg nach draußen und wieder hinein. Wollt Ihr das tun?«

Lanfear dachte darüber nach, spazierte an einem der flackernden Zelte entlang und strich mit den Fingern über die verschwindende Zeltplane. »Nein«, sagte sie schließlich.

»Aber …«

»Wenn wir zusammen sein wollen, müsst Ihr lernen, das allein zu schaffen.«

»Wir werden nicht zusammen sein«, erwiderte er tonlos.

»Diese Macht werdet Ihr selbst brauchen, und sie muss aus Euch kommen«, sagte sie und ignorierte seine Worte. »Solange Ihr in nur einer der Welten gefangen seid, seid Ihr schwach; mit eigener Kraft herkommen zu können, wann immer Ihr wollt, wird Euch große Macht verleihen.«