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Und ein hochgewachsener Mann, dessen Haar die Farbe glühender Scheite hatte. Er trug einen Mantel in Rot und Gold, aber darunter befand sich ein schlichtes Hemd aus den Zwei Flüssen. Was er geworden und was er gewesen war, war zu einer Einheit verschmolzen. Wie ein Shienarer trug er zwei Schwerter. Das eine erweckte den Anschein, als bestünde es aus Glas; das trug er auf den Rücken geschnallt. Das andere war das Schwert des Baummörders König Laman, und er trug es am Gürtel. Das trug er nur wegen ihr. Dummer Mann.

Aviendha hob die Hand in seine Richtung, und er erwiderte den Gruß. Das würde ihr einziger Abschied sein, falls er bei seiner Aufgabe scheiterte oder sie während der ihren starb. Nach einem letzten Blick wandte sie sich von ihm ab und ihrer Pflicht zu.

Zwei ihrer Aes Sedai hatten sich verknüpft und ein Wegetor erschaffen, damit die Behüter die Gefangenen in Sicherheit bringen konnten. Viele mussten angestoßen werden, damit sie sich überhaupt bewegten. Sie stolperten vorwärts, und ihre Augen waren beinahe so leblos wie die der Schattenschmiede.

»Überprüft auch die ganze Schmiede«, befahl Aviendha und gab ein paar Behütern ein Zeichen. Sie stürmten hinein, gefolgt von Aes Sedai. Gewebe der Einen Macht erschütterten das Gebäude, als sie noch mehr Schattenschmiede fanden, und die beiden Asha’man begaben sich ebenfalls eilig hinein.

Aviendha musterte das Tal. Die Schlacht war hässlicher geworden; in dem Felskorridor, der aus dem Tal führte, hatte sich Schattengezücht versammelt. Es hatte mehr Zeit gehabt, sich zu formieren. Hinter den Aiel führte Ituralde seine Streitkräfte heran und sicherte die Teile des Tales, die sie bereits erobert hatten.

Geduld, sagte sich Aviendha. Ihre Aufgabe bestand nicht darin, sich der vor ihnen liegenden Schlacht anzuschließen, sondern Rand den Rücken zu decken, während er in die Tiefe stieg und den Krater des Verderbens betrat.

Eine Sache bereitete ihr große Sorgen. Konnten die Verlorenen direkt in die Höhle Reisen? Rand schien sich deswegen keine Sorgen zu machen, aber er war auch durch das abgelenkt, was er zu tun hatte. Vielleicht sollte sie sich ihm anschließen und …

Stirnrunzelnd schaute sie auf. Was war das für ein Schatten?

Hoch oben am aufgewühlten Himmel schien die Sonne. Es gab Sturmwolken, einige davon tiefschwarz, andere ganz weiß. Aber es handelte sich nicht um eine Wolke, die sich plötzlich vor die Sonne geschoben hatte, sondern um etwas Festes und Schwarzes, das dort heranglitt.

Aviendha fröstelte und zitterte unwillkürlich, als das Licht verblasste. Dunkelheit brach über sie herein – echte Dunkelheit.

Überall auf dem Schlachtfeld sahen Soldaten voller Scheu und sogar Angst auf. Das Licht ging aus. Das Ende der Welt war da.

Plötzlich wurde am anderen Ende des weitläufigen Tales die Macht gelenkt. Aviendha schüttelte ihre Beklommenheit ab und fuhr herum. Der Boden in der Nähe war mit zerrissenen Kleidungsstücken, weggeworfenen Waffen und Leichen übersät. Der Kampf konzentrierte sich jetzt allein auf den Talausgang, weit von ihr entfernt; dort versuchten die Aiel, das Schattengezücht in den Pass zurückzudrängen.

Obwohl sie in der Finsternis nicht viel erkennen konnte, wusste Aviendha, dass die Soldaten in den Himmel starrten. Selbst die Trollocs erschienen überwältigt. Aber dann bewegte sich die alles umfassende Finsternis und gab zuerst den Sonnenrand und dann die Sonne selbst frei. Licht! Das Ende war doch noch nicht da.

Der Kampf am Taleingang ging weiter, aber er war offensichtlich schwierig. Die Trollocs durch einen so schmalen Weg zu treiben war ungefähr so, als wollte man ein Pferd in einen schmalen Felsspalt schieben. Schlichtweg unmöglich, es sei denn, man fing an zu schnitzen.

»Dort!«, sagte Aviendha und zeigte auf die Talseite hinter den Linien der Aiel. »Ich spüre das Machtlenken einer Frau.«

»Licht, sie ist mächtig«, hauchte Nesune.

»Einen Zirkel!«, brüllte Aviendha. »Sofort!«

Die anderen verknüpften sich und übergaben Aviendha die Kontrolle des Zirkels. Macht erfüllte sie, unvorstellbare Macht. Es war, als würde sie einen Atemzug nehmen, dabei aber immer mehr Luft in den Körper saugen, sich ausdehnen und vor Energie knistern. Sie war ein Gewittersturm, ein riesiges Meer aus der Einen Macht.

Sie stieß die Hände nach vorn und entließ ein nur zur Hälfte geformtes primitives Gewebe. Das war beinahe zu viel Macht für sie, um sie formen zu können. Luft und Feuer sprühte von ihren Händen, eine Säule so breit wie ein Mann mit ausgestreckten Armen. Das Feuer flammte dick und heiß, beinahe schon flüssig. Kein Baalsfeuer – dafür war sie zu schlau –, aber trotzdem gefährlich. Die Luftgewebe schlossen das Feuer als konzentrierte zerstörerische Masse ein.

Die Säule raste über das Schlachtfeld und zerschmolz den Felsboden und setzte Kadaver in Brand. Ein gewaltiges Nebelfeld löste sich zischend auf, und der Boden erbebte, als die Säule in die Seite der steilen Talwand krachte, auf der die feindliche Machtlenkerin – ihrer Stärke nach zu urteilen konnte es eigentlich nur eine der Verlorenen sein – die hinteren Reihen der Aiel angegriffen hatte.

Schweißüberströmt ließ Aviendha das Gewebe los. Auf dem zerklüfteten Felsen stieg eine schwelende schwarze Rauchsäule in die Höhe. Geschmolzener Stein rann den Hang hinunter. Aviendha wartete aufmerksam. Die Eine Macht in ihr begann sich auszudehnen, als wollte sie ihr entkommen. Geschah dies, weil ein Teil der von ihr benutzten Energie von Männern kam? Noch nie zuvor hatte die Eine Macht sie anscheinend vernichten wollen.

Sie bekam nur eine kurze Warnung: hektisches Machtlenken auf der anderen Talseite, gefolgt von einem gewaltigen Windstoß.

Aviendha schnitt den Wind mit einem unsichtbaren Gewebe von der Größe eines großen Baumes in der Mitte entzwei. Sie ließ einen weiteren Feuerstoß folgen, dieses Mal war er kontrollierter. Nein, sie wagte es nicht, Baalsfeuer einzusetzen. Rand hatte sie gewarnt. Das konnte die Bohrung ausdehnen und das Gefüge der Realität an einem Ort brechen, wo die Membrane bereits sehr dünn war.

Ihr Feind hatte nicht die gleichen Vorbehalte. Der nächste Angriff der Frau bestand aus einem glühend heißen Balken, der Aviendhas Kopf nur um Fingerbreite verfehlte, bevor er die Wand der Schmiede hinter ihr traf. Das Baalsfeuer schlitzte einen breiten Pfad in Felsen und Ziegel, dann brach das Gebäude mit lautem Donnern in sich zusammen.

Nicht schade drum, dachte Aviendha und warf sich zu Boden. »Verteilt euch!«, befahl sie den anderen. »Bietet kein gutes Ziel!« Sie lenkte die Macht und wühlte die Luft auf, um einen Sturm aus Staub und Trümmern vor ihnen aufzupeitschen. Dann benutzte sie ein Gewebe, um die Tatsache zu verschleiern, dass sie die Eine Macht hielt, und um sich vor ihrem Feind zu verbergen. Tief geduckt huschte sie hinter eine Deckung, eine Halde aus Schlacke und Eisenschrott, der auf die Weiterverarbeitung wartete.

Wieder schlug Baalsfeuer in den steinigen Boden, an der Stelle, wo sie eben noch gestanden hatte. Es durchbohrte den Stein so mühelos wie ein Speer eine Melone. Aviendhas Gefährten waren alle in Deckung gegangen, und sie fütterten sie weiterhin mit Kraft. So viel Macht. Das war eine Ablenkung.

Sie schätzte die Stellung des Angreifers ein. »Haltet euch bereit, mir zu folgen«, sagte sie zu den anderen, dann erschuf sie ein Wegetor zu der Stelle, wo das Gewebe begonnen hatte. »Kommt nach mir durch, aber geht sofort in Deckung!«

Mit raschelnden Röcken sprang sie durch die Öffnung und hielt die Eine Macht wie ein irgendwie eingesperrtes Gewitter. Sie landete auf einem Hang, der das Schlachtfeld überschaute. Tief unter ihr kämpften Töchter und Männer gegen Trollocs; es sah aus, als würden die Aiel eine riesige schwarze Flut eindämmen.

Aviendha nahm sich nicht mehr Zeit als für einen flüchtigen Blick. Mit einem urtümlichen Gewebe Erde stieß sie in den Boden, riss ein pferdegroßes Felsstück heraus und schleuderte es in die Luft. Der Strahl, der eine Sekunde später nach ihr stach, bohrte sich mitten in den Stein.