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Auf einen Hügel zeigend, trieb er Mandarb an. Mitglieder der Nachhut sahen ihn vorbeireiten und salutierten mit einer gehobenen Hand und einem »Dai Shan«. Ihre Rüstungen waren blutverschmiert. Während des ganzen Tages waren die Reserven nach vorn an die Front befohlen und dann wieder ausgetauscht worden.

Mandarb mühte sich den Hügel hoch. Lan tätschelte den Hengst, dann stieg er ab und ging neben ihm her. Oben blieb er stehen und betrachtete die Schlacht. In einem Meer aus Trollocs bildeten Heere der verschiedenen Grenzländer stachelige silberne und bunte Ausbuchtungen.

So viele. Die Schattenlords waren wieder auf ihrer großen Plattform unterwegs; Dutzende Tiermenschen zogen das Gefährt über das Feld. Sie brauchten einen Überblick, um zu sehen, wo sie angreifen mussten. Lan biss die Zähne zusammen, als er sah, wie Blitze in die Kandori einschlugen, Körper durch die Luft flogen und Lücken in ihre Linien rissen.

Lans Machtlenker schlugen zurück und schleuderten Blitze und Feuer auf die vorrückenden Kreaturen, damit sie nicht durch die Lücke in der Linie der Grenzländer strömten. Das würde aber nicht lange vorhalten. Ihm standen viel weniger Aes Sedai und Asha’man zur Verfügung als dem Schatten seine Lords.

»Beim Licht«, sagte Prinz Kaisel und zügelte neben ihm das Pferd. »Dai Shan, falls sie genügend Breschen in unsere Linien schlagen können …«

»Reserven kommen. Dort.« Andere zeigte in die Richtung. Er saß noch immer im Sattel, und Lan musste einen Schritt nach vorn machen, um zu sehen, was er meinte. Eine Gruppe shienarischer Reiter hielt auf die Linien zu, auf die die Blitze niederfuhren.

»Dort auch«, verkündete Kaisel und zeigte nach Osten. Eine Gruppe Arafeler hielt auf dieselbe Stelle zu. Die beiden Gruppen kamen einander in die Quere, als sie gleichzeitig versuchten, die Lücke zu stopfen.

Wieder regneten Blitze vom Himmel und trafen die Plattform der Schattenlords. Gut. Narishma und Merise hatten den Befehl gehabt, nach den feindlichen Machtlenkern Ausschau zu halten und sie falls möglich zu töten. Vielleicht würde das den Feind ja ablenken. Lan richtete seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes.

Warum hatte man zwei Gruppen Reservisten losgeschickt, um diese Lücke zu schließen? Beide Einheiten wären groß genug für die Aufgabe gewesen; bei so vielen Männern mussten sie sich gegenseitig im Weg stehen. Ein Fehler?

Er schwang sich in Mandarbs Sattel, obwohl er dem Pferd eine längere Ruhepause hatte gönnen wollen. Diesen Fehler würde er sich näher ansehen.

Im Wolfstraum blieben Perrin und Gaul unweit eines Felskamms stehen, der ein Tal überblickte, an dessen Ende ein Berg in den Himmel ragte. Über diesem Berg wirbelte ein schrecklicher Mahlstrom aus schwarzen Wolken, der die Gipfelspitze nicht ganz berührte.

Sturmwinde verheerten das Tal, und Perrin war gezwungen, eine Kuppel der Stille um sich und Gaul herum zu erschaffen, um fliegende Trümmer abzuwehren. Tief unter ihnen blitzten Fragmente einer gewaltigen Schlacht auf. Aus Rauchwolken und Staub formten sich für kurze Augenblicke Aiel, Trollocs und Männer in Rüstungen im Wolfstraum, nur um sich mitten im Hieb wieder aufzulösen. Tausende von ihnen.

Überall befanden sich auch Wölfe im Traum. Sie warteten auf … etwas. Etwas, das sich Perrin nicht erklären konnte. Sie hatten einen Namen für Rand. Schattentöter. Vielleicht waren sie gekommen, um Zeuge alles dessen zu werden, was er tun würde.

»Perrin?«, fragte Gaul.

»Er ist endlich hier«, sagte Perrin leise. »Er hat den Krater des Verderbens betreten.«

Irgendwann während dieses Kampfes würde Rand ihn brauchen. Unglücklicherweise konnte Perrin hier nicht einfach herumstehen und warten; er musste eine Aufgabe erledigen. Mithilfe der Wölfe hatten er und Gaul Graendal in der Nähe von Cairhien aufgespürt. Sie hatte mit einigen Leuten in deren Träumen gesprochen. Möglicherweise Schattenfreunde in den Heeren?

Davor hat sie sich Basheres Träume angesehen, dachte Perrin. Zumindest hat Lanfear das behauptet. Er vertraute ihr keinen Augenblick lang.

Auf jeden Fall hatte er Graendal früher am Tag gefunden und wollte gerade zuschlagen, als sie plötzlich verschwand. Er wusste, wie man jemanden im Wolfstraum verfolgen musste, wenn sie sich versetzten, und er war ihr hierher nach Thakan’dar gefolgt. Unvermittelt verschwand ihr Geruch in der Mitte des Tales unter ihnen. Sie war zurück in die reale Welt Gereist. Perrin war sich nicht sicher, wie viel Zeit im Wolfstraum verstrichen war; er und Gaul hatten noch immer etwas zu essen, aber es fühlte sich an, als wären sie schon seit Tagen hier. Lanfear hatte behauptet, dass sich die Zeit immer stärker verzerren würde, je näher Perrin Rand kam. Zumindest diese Behauptung konnte er womöglich überprüfen.

Er ist hier, Junger Bulle! Die Botschaft kam unvermittelt und drängend von einem Wolf namens Sonnenaufgang hier im Tal. Der Schlächter wandelt unter uns! Beeile dich!

Perrin knurrte, packte Gaul wortlos bei der Schulter und versetzte sie. Sie erschienen auf dem felsigen Pfad, der zu dem klaffenden Loch in der Felswand über ihnen führte. Der Weg zum Krater des Verderbens!

Vor ihnen lag ein Wolf mit einem Pfeil in der Seite und roch nach Tod. In der Nähe heulten andere. Ein schrecklicher Wind peitschte auf sie ein; Perrin senkte den Kopf und stürmte mit Gaul an der Seite in den Eingang. Drinnen, Junger Bulle, rief ein Wolf. Im Rachen der Dunkelheit.

Ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was er da eigentlich tat, rannte Perrin in einen langen, schmalen Korridor, aus dessen Boden und Decke spitze Felsnadeln stachen. Voraus pulsierte etwas Helles. Schützend hob Perrin eine Hand gegen das Licht und machte am anderen Ende des Raumes mühsam die Umrisse von Gestalten aus.

Zwei Männer, in einen verbissenen Kampf verstrickt.

Zwei Frauen, die wie erstarrt dort standen.

Und nur ein paar Schritte von ihm entfernt der Schlächter, der seinen Bogen spannte.

Perrin brüllte auf; mit dem Hammer in der Hand versetzte er sich zwischen den Schlächter und Rand. Den Bruchteil einer Sekunde nach dem Abschuss des Pfeils schlug er das Geschoss aus seiner Bahn. Der Schlächter riss die Augen auf und verschwand.

Perrin versetzte sich zu Gaul, nahm den Mann am Arm, versetzte sich dorthin zurück, wo der Schlächter gestanden hatte, und witterte den Geruch seines Standorts. »Sei auf der Hut«, mahnte er und versetzte sie beide hinter dem Mann her.

Sie erschienen inmitten einer Gruppe Männer. Es waren Aiel, aber statt der normalen Shoufa trugen sie seltsame rote Schleier.

Der Sprung hatte Perrin und Gaul nicht weit weg befördert; sie befanden sich in einer Art Dorf, das nahe genug lag, um in der Ferne den Gipfel des Shayol Ghul sehen zu können.

Die Rotschleier griffen sofort an. Es überraschte Perrin nicht besonders, Aiel auf der Seite des Schattens zu finden. Unter allen Völkern befanden sich Schattenfreunde. Aber warum identifizierten sie sich mit der Farbe ihrer Schleier?

Er schwang den Hammer im weiten Kreis und hielt eine Gruppe von ihnen auf Abstand, dann versetzte er sich hinter sie und zerschmetterte einem rücklings den Schädel. Gaul verwandelte sich in einen Schemen aus Speeren und brauner Kleidung, wich Rotschleiern aus, stach zu, verschwand. Erschien wieder und stach erneut zu. Ja, er hatte schnell gelernt, anscheinend sogar schneller als diese Rotschleier, denn sie konnten nicht mit ihm mithalten. Perrin zertrümmerte einem die Kniescheibe, dann hielt er nach dem Schlächter Ausschau.

Dort. Er stand auf einem kleinen Hügel in der Nähe und sah zu. Perrin warf Gaul einen Blick zu, der ihm zwischen zwei Sprüngen kurz zunickte. Es waren noch acht Rotschleier übrig, aber …