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»Ich weiß nicht, wie du da hineingeraten bist«, flüsterte Egwene Mat zu. »Ich will es auch gar nicht wissen. Nach dem Ende der Kämpfe tue ich, was in meiner Macht steht, um dich zu befreien.«

»Egwene, das ist nett von dir«, erwiderte Mat. »Aber ich schaffe das schon selbst.« Er eilte hinter Fortuona her.

Das sagte er immer. Sie würde eine Möglichkeit finden, ihm zu helfen. Sie schüttelte den Kopf und kehrte zu Gawyn zurück, der auf sie wartete. Leilwin hatte nicht mitkommen wollen, obwohl Egwene geglaubt hatte, sie würde gern ein paar ihrer Landsleute wiedersehen.

»Wir müssen sie auf Armlänge halten«, sagte Gawyn leise.

»Einverstanden.«

»Du willst immer noch an der Seite der Seanchaner kämpfen, trotz allem, was sie getan haben?«

»Solange sie die sharanischen Machtlenker beschäftigen, ja.« Egwene schaute zum Horizont – in Richtung Rand und dem mächtigen Kampf, in den er verwickelt sein musste. »Unsere Möglichkeiten sind begrenzt, und unsere Verbündeten werden immer weniger, Gawyn. Im Augenblick ist jeder ein Freund, der bereit ist, Trollocs töten. So ist das.«

Die andoranische Linie gab nach, und Trollocs brachen durch, grollende Bestien mit stinkendem Atem, der in der kühlen Luft zu Nebel erstarrte. Elaynes Hellebardenmänner stolperten übereinander, als sie zu entkommen versuchten. Die ersten Tiermenschen ignorierten sie heulend und sprangen über sie hinweg, um Platz für die nächsten zu machen, die wie dunkles Blut aus einer Fleischwunde durch die Lücke strömten.

Elayne versuchte den letzten Rest Kraft zu sammeln, den sie noch hatte. Sie hatte das Gefühl, als würde Saidar ihr jeden Augenblick entgleiten, aber mittlerweile würden die kämpfenden und sterbenden Männer auch nicht mehr Kraft als sie haben. Sie alle hatten fast den ganzen Tag lang gekämpft.

Irgendwie fand sie die Kraft zu weben und röstete die ersten paar Trollocs mit Feuerbällen, dämmte den Strom durch die Wunde in den menschlichen Linien. Weiße Schemen folgten, Pfeile von Birgittes Bogen. Blökend griffen sich Trollocs an den Hals, wo die Geschosse einschlugen.

Elayne teilte einen Schlag nach dem anderen vom Pferderücken aus, klammerte sich mit müden Händen am Sattel fest, während sie unentwegt blinzelte. Ihre Lider waren schwer wie Blei. Tote Tiermenschen stürzten, als bildeten sie Schorf auf einer Wunde, hinderten die anderen am Durchbruch. Reservetruppen stolperten herbei, nahmen das Gelände in Besitz und stießen die Angreifer zurück.

Elayne atmete aus und schwankte. Licht! Sie fühlte sich, als hätte man sie gezwungen, um Caemlyn herumzulaufen und dabei Bleigewichte hinter sich herzuziehen. Sie konnte kaum aufrecht sitzen, geschweige denn die Eine Macht halten. Ihre Sicht verschwamm, wurde noch dunkler. Ihre Ohren rauschten. Dann … Dunkelheit.

Zuerst kehrte das Hörvermögen zurück. Fernes Gebrüll, Klirren. In der Ferne ertönte ein Horn. Das Heulen des Schattengezüchts. Gelegentlicher Donner der Drachen. Sie feuern nicht mehr so oft, dachte sie. Aludra hatte ihr Feuer zu einem anderen Rhythmus verändert. Bashere würde einen Teil der Truppen zurückziehen und sie ausruhen lassen. Die Trollocs würden kommen, und die Drachen würden sie kurze Zeit bombardieren. Wenn die Kreaturen dann angekrochen kamen und die Drachen zu zerstören versuchten, würde die Kavallerie kommen und sie von den Flanken her zerschmettern.

Das tötete eine Menge Trollocs. Das war ihre Aufgabe … Trollocs töten …

Zu langsam, dachte sie. Zu langsam …

Elayne fand sich auf dem Boden liegend wieder, Birgittes besorgtes Gesicht über ihr.

»O Licht?«, murmelte Elayne. »Bin ich vom Sattel gefallen?«

»Wir haben dich rechtzeitig aufgefangen«, murmelte Birgitte. »Du bist in unseren Armen zusammengesackt. Komm schon, wir ziehen uns zurück.«

»Ich …«

Birgitte sah sie bloß mit hochgezogener Braue an, wartete auf den Streit.

Es fiel schwer, ihn mutwillig zu beginnen, wenn man nur wenige Schritte von der Frontlinie entfernt auf dem Boden lag. Saidar war ihr entglitten, und vermutlich hätte sie es nicht einmal mehr halten können, wenn ihr Leben davon abgehangen hätte. »Ja«, sagte sie. »Ich sollte … nach Bashere sehen.«

»Sehr klug«, erwiderte Birgitte und bedeutete den Gardistinnen, Elayne aufs Pferd zu helfen. Dann zögerte sie. »Das hast du gut gemacht, Elayne. Sie wissen, wie sehr du gekämpft hast. Es war gut, dass sie es gesehen haben.«

Sie eilten durch die hinteren Linien zurück. Die waren nicht sehr groß; die meisten Soldaten standen im Kampf. Sie mussten siegen, bevor das zweite Trolloc-Heer eintraf, und das bedeutete, dass sie dieser Streitmacht alles entgegenwerfen mussten, was sie hatten.

Trotzdem überraschten Elayne die erschöpften Reserven, die kleine Zahl, die erübrigt werden konnte, sich von der Front zurückzuziehen und auszuruhen. Wie lange ging das jetzt?

Die Wolken hatten den offenen Himmel bedeckt, der sie oft begleitete. Das schien ein schlimmes Zeichen zu sein. »Verflucht sollen diese Wolken sein«, murmelte sie. »Welche Tageszeit haben wir?«

»Vielleicht zwei Stunden bis Sonnenuntergang«, sagte Birgitte.

»Licht! Du hättest mich schon vor Stunden dazu bringen sollen, ins Lager zurückzukehren, Birgitte!«

Die Frau warf ihr einen bösen Blick zu, und Elayne erinnerte sich vage an Versuche, genau das zu tun. Nun, sinnlos, sich jetzt deswegen zu streiten. Elayne gewann etwas neue Kraft und zwang sich, kerzengerade im Sattel zu sitzen, als sie in das kleine Tal zwischen den Hügeln in der Nähe von Cairhien kamen, wo Bashere Befehle für die Schlacht gab.

Sie ritt direkt zum Kommandoposten, denn sie vertraute ihren Beinen nicht, sie zu tragen. Sie blieb im Sattel sitzen, als sie Bashere ansprach. »Funktioniert es?«

Er sah zu ihr hoch. »Ich nehme an, ich kann nicht länger auf Euch an der Front zählen?«

»Im Moment bin ich zu schwach zum Machtlenken. Es tut mir leid.«

»Ihr habt länger durchgehalten, als Ihr solltet.« Er notierte etwas auf seiner Karte. »Gut. Ich glaube fast, Ihr allein habt die östliche Flanke vor dem Zusammenbruch bewahrt. Ich muss mehr Unterstützung dorthin schicken.«

»Funktioniert es?«

»Seht selbst.« Bashere nickte in Richtung Hügel.

Elayne knirschte mit den Zähnen, trieb aber Mondschatten nach oben, wo sie einen Aussichtspunkt finden konnte. Sie hob ihr Fernrohr mit Fingern, die viel mehr zitterten, als ihr gefiel.

Der Gegner hatte ihre gekrümmte Verteidigungslinie getroffen. Dann war die Infanterie zurückgefallen, und die Krümmung hatte sich umgedreht und nach vorn gebogen, als die Ungeheuer vorwärtsdrängten. Das hatte dem Schattengezücht das Gefühl gegeben, einen Vorteil zu erringen, und darum hatte es die Wahrheit nicht erkannt.

Denn während der Feind nach vorn stieß, hatten sich die Infanterielinien um seine Seiten geschoben. Elayne hatte den wichtigsten Augenblick verpasst, als Bashere den Aiel den Angriffsbefehl gegeben hatte. Ihr schnelles Umgehungsmanöver, um die Trollocs von hinten zu treffen, hatte wie gehofft funktioniert.

Elaynes Streitkräfte hatten das Schattengezücht umzingelt. Ein gewaltiger Kreis aus sich wild wehrenden Kreaturen kämpfte gegen das Heer, das sie jetzt umgab und sie immer stärker zusammendrängte, um Manöver und Kampfvermögen des Feindes einzuschränken.

Es funktionierte. Licht, es funktionierte tatsächlich! Die Aiel schlugen auf die hinteren Flanken der Trollocs ein und metzelten sie nieder. Die Schlinge war zugezogen.

Wer von ihnen blies diese Hörner? Das waren doch Trolloc-Hörner.