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Elayne suchte das Schattengezücht ab, konnte die Hornbläser aber nicht ausmachen. In der Nähe der Aiel entdeckte sie ein paar tote Myrddraal. Einer von Aludras Drachen – auf seinem Karren befestigt und von zwei Pferden gezogen – war bei den Reitern der Bande. Sie hatten die Karren auf verschiedenen Hügeln aufgestellt, um nach unten in die Trollocs feuern zu können.

»Elayne …«, sagte Birgitte.

»Oh, tut mir leid«, erwiderte Elayne, senkte das Fernrohr und hielt es ihrer Behüterin hin. »Sieh es dir selbst an. Es läuft gut.«

»Elayne!«

Überrascht erkannte sie, wie besorgt die Behüterin war. Elayne fuhr herum und folgte dem Blick der Frau nach Süden jenseits der Stadtmauern. Der Hörnerschall … er hatte so leise geklungen. Ihr war gar nicht bewusst gewesen, dass er von hinten kam.

»O nein …« Elayne riss das Fernrohr hoch.

Wie schwarzer Unrat erschien das zweite Trolloc-Heer am Horizont.

»Hat Bashere nicht gesagt, dass sie vor Morgen nicht hier sein können?«, fragte Birgitte. »Frühestens?«

»Das spielt keine Rolle«, erwiderte Elayne. »Sie sind hier, warum auch immer. Wir müssen dafür sorgen, dass diese Drachen in die andere Richtung zeigen! Überbring Talmanes den Befehl, und finde Lord Tam al’Thor! Ich will die Männer von den Zwei Flüssen bewaffnet und bereit. Licht! Auch die Armbrustmänner. Wir müssen dieses zweite Heer auf jede nur erdenkliche Weise aufhalten.«

Bashere, dachte sie. Ich muss Bashere Bescheid geben.

Sie zog Mondschatten herum und bewegte sich so schnell, dass ihr schwindlig wurde. Sie versuchte die Quelle zu umarmen, aber die wollte nicht kommen. Sie war so müde, dass es ihr schwerfiel, die Zügel zu halten.

Irgendwie schaffte sie es den Hügel hinunter, ohne vom Pferd zu fallen. Birgitte war zurückgeblieben, um ihre Befehle weiterzuleiten. Gute Frau. Elayne ritt ins Lager und platzte in einen Streit hinein.

»… höre ich mir nicht an!«, brüllte Bashere. »Ich lasse mich nicht in meinem eigenen Lager beleidigen, Mann!«

Das Objekt seines Zorns war kein anderer als Tam al’Thor. Der ruhige Mann von den Zwei Flüssen erblickte Elayne und schien überrascht zu sein, sie hier zu sehen.

»Euer Majestät«, sagte er. »Man hat mir gesagt, Ihr wärt noch draußen auf dem Schlachtfeld.« Er sah Bashere an, der rot anlief.

»Ich wollte nicht, dass Ihr mit diesem Unsinn …«

»Genug!« Elayne lenkte Mondschatten zwischen die beiden. Warum stritt sich ausgerechnet Tam vor allen Leuten mit Bashere? »Bashere, das zweite Trolloc-Heer ist fast da.«

»Ja«, sagte Bashere und holte tief Luft. »Ich habe es eben erfahren. Licht, das ist eine Katastrophe, Elayne. Wir müssen uns durch Wegetore zurückziehen.«

»Unser Gewaltmarsch hat die Kusinen erschöpft«, erwiderte Elayne. »Die meisten können gerade noch genug Macht lenken, um eine Tasse Tee warm zu machen, aber kein Wegetor weben.« Licht, und ich könnte nicht einmal diesen Tee erhitzen. Sie zwang sich, ihre Stimme unter Kontrolle zu halten. »Das war Teil des Plans.«

»Ich … das stimmt«, sagte Bashere. Er betrachtete die Karte. »Lasst mich nachdenken. Die Stadt. Wir ziehen uns in die Stadt zurück.«

»Und dem Schattengezücht die Zeit geben, sich auszuruhen, um sich zu sammeln und uns anzugreifen? Vermutlich wollen sie uns doch gerade dazu zwingen.«

»Ich sehe keinen anderen Ausweg«, erwiderte der General. »Die Stadt ist unsere einzige Hoffnung.«

»Die Stadt?«, rief Talmanes aus, der keuchend herbeieilte. »Ihr könnt doch unmöglich davon sprechen, uns in die Stadt zurückzuziehen!«

»Warum nicht?«, wollte Elayne wissen.

»Euer Majestät, es ist unserer Infanterie gerade gelungen, ein Trolloc-Heer einzukesseln! Sie kämpfen mit Klauen und Zähnen! Wir haben keine Reserven mehr, und unsere Kavallerie ist erschöpft. Es wird uns niemals gelingen, uns ohne schwerste Verluste von diesem Kampf zu lösen. Und dann wären unsere Überlebenden in dieser Stadt zwischen zwei Heeren des Schattens gefangen.«

»Licht«, flüsterte Elayne. »Als hätten sie das geplant.«

»Ich glaube, das haben sie«, sagte Tam leise.

»Nicht das schon wieder«, brüllte Bashere. Er schien nicht er selbst zu sein, auch wenn ihr klar war, dass Saldaeaner sehr temperamentvoll sein konnten. Bashere erschien beinahe wie ein anderer Mensch. Seine Frau trat mit verschränkten Armen an seine Seite, und sie sahen beide Tam finster an.

»Sprecht, Tam«, sagte Elayne.

»Ich …«, fing Bashere an, aber Elayne hob die Hand.

»Er wusste es, Euer Majestät«, sagte Tam leise. »Nur so ergibt das einen Sinn. Er hat die Aiel gar nicht als Kundschafter losgeschickt.«

»Was?«, sagte Elayne. »Aber natürlich hat er das. Ich habe doch die Berichte der Kundschafter gelesen.«

»Diese Berichte sind gefälscht oder zumindest unvollständig«, sagte Tam. »Ich sprach mit Bael. Er sagte, dass in den letzten paar Tagen unseres Marsches keine seiner Aiel als Kundschafter ausgeschickt wurden. Er glaubte, meine Männer hätten das erledigt, aber das haben sie nicht. Ich sprach mit Arganda, der glaubte, die Weißmäntel hätten das übernommen, aber Galad behauptete, die Bande hätte es getan.«

»Wir waren das nicht«, sagte Talmanes stirnrunzelnd. »Keiner meiner Männer wurde als Kundschafter losgeschickt.«

Alle Augen wandten sich Bashere zu.

»Wer«, sagte Elayne, »hat unsere Nachhut im Auge behalten, Bashere?«

»Ich …« Er schaute auf, und sein Zorn flammte wieder auf. »Ich habe die Berichte irgendwo. Ich habe sie Euch gezeigt, und Ihr habt sie abgesegnet!«

»Es ist alles zu perfekt«, sagte Elayne. Ein plötzliches Frösteln überfiel sie, direkt zwischen den Schulterblättern. Es breitete sich durch ihren ganzen Körper aus, ein eiskalter Wind, der durch ihre Adern fuhr. Man hatte sie auf bewundernswerte Weise in die Falle gelockt. Die Machtlenker waren erschöpft worden, die Soldaten waren in Nahkämpfe verstrickt, ein zweites Heer traf einen Tag früher ein, als die gefälschten Berichte vorausgesagt hatten …

Davram Bashere war ein Schattenfreund.

»Bashere ist von seinen Pflichten entbunden«, befahl sie.

»Aber …«, stammelte er. Seine Frau legte ihm die Hand auf den Arm und sah Elayne mit Feuer im Blick an. Bashere richtete den Finger auf Tam. »Ich habe die Männer von den Zwei Flüssen geschickt! Tam al’Thor muss der Schuldige sein! Er will Euch verwirren, Euer Majestät!«

»Talmanes«, sagte Elayne. Ihr war kalt bis auf die Knochen. »Fünf Rotwaffen sollen Lord Bashere und seine Frau unter Arrest stellen.«

Bashere stieß eine Reihe von Flüchen aus. Es überraschte Elayne, wie ruhig sie war. Ihre Gefühle waren abgetötet. Sie sah zu, wie man ihn wegzerrte.

Für so etwas hatten sie keine Zeit. »Versammelt die Kommandanten«, sagte sie zu den anderen. »Galad, Arganda … gebt dem Trolloc-Heer im Norden der Stadt den Rest! Sagt es den Männern. Wir müssen alles, was uns zur Verfügung steht, in diese Schlacht werfen! Wenn wir diese Trollocs nicht innerhalb der nächsten Stunde vernichten können, sterben wir hier!

Talmanes, diese Drachen können jetzt nicht mehr viel gegen die Tiermenschen ausrichten, wo sie eingekesselt sind – Ihr riskiert, unsere Leute zu treffen. Aludra soll alle Drachen auf den höchsten Hügel schaffen, um den neuen Feind zu bombardieren, der aus dem Süden anrückt. Sagt den Ogiern, sie sollen einen Kordon um den Hügel mit den Drachen bilden; wir dürfen nicht zulassen, dass man sie zerstört. Tam, bringt Eure Bogenschützen auf die anderen Hügel. Und die Legion des Drachen soll sich als Frontlinie aufstellen, die Armbrustmänner vorn, die schwere Kavallerie dahinter. Wenn es das Licht will, wird uns das genug Zeit erkaufen, um die eingekesselten Trollocs zu erledigen.«

Es würde knapp werden. Licht! Wenn dieses zweite Heer ihre Männer einkreiste …

Elayne holte tief Luft, dann öffnete sie sich Saidar. Die Eine Macht flutete in sie hinein, obwohl sie bloß ein Rinnsal halten konnte. Sie konnte so tun, als wäre sie nicht erschöpft, aber ihr Körper kannte die Wahrheit.