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Einen Augenblick lang stand Min reglos da. »Ich hasse dich, verfluchter Mat Cauthon.«

»Das ist die richtige Einstellung«, erwiderte er und hob eine Hand, um Tuon zu grüßen. »Und jetzt wollen wir mal sehen, was sie mir abschneidet, weil ich ihre hübschen Klamotten weggeworfen habe.« Das war wirklich bedauerlich. Das waren nette Stickereien auf dem Gewand gewesen. Ein Mann brauchte ein paar Stickereien, wenn er vernünftig aussehen wollte. Aber diesen Stoffhaufen würde er garantiert nicht in der Schlacht tragen. Da hätte er sich auch Pips auf den Rücken laden und versuchen können, so zu kämpfen – selbst dann wären seine Chancen besser gewesen.

Die anderen vollzogen ihre üblichen Ehrbekundungen, als Tuon kam, obwohl sie doch nur wenige Minuten lang weg gewesen war. Mat nickte ihr zu. Sie musterte ihn in aller Ruhe von oben bis unten. Was hatten die bloß alle gegen ein ordentliches Hemd und einen hübschen Mantel? Immerhin hatte er nicht den abgenutzten genommen, den er bei seinem Besuch bei Elayne getragen hatte. Den hatte er verbrannt.

»O Allergrößte«, sagte Courtani. Sie gehörte dem Hohen Blut an und konnte Tuon darum direkt ansprechen. »Möget Ihr ewig atmen. Der Rabenprinz hat sich entschlossen, das Schlachtfeld selbst zu besuchen, da er zu dem Schluss gekommen ist, dass es unseren Boten und Generälen an den nötigen Fertigkeiten mangelt.«

Mat schob die Daumen hinter den Gürtel und betrachtete Tuon, als der Pferdeknecht endlich mit Pips kam. Das wurde auch Zeit. Hatte der Junge unterwegs Mittagspause gemacht, sich vielleicht noch ein paar Gauklervorstellungen angesehen?

»Nun, worauf warten wir dann?«, fragte Tuon. »Wenn der Prinz der Raben das Schlachtfeld sehen möchte, sollte man annehmen, dass sich die treuen Diener des Kaiserreichs in ihrer Hast, ihn dorthin zu tragen, überschlagen würden.«

Courtani sah aus, als hätte man sie geohrfeigt. Mat grinste Tuon an, und sie bedachte ihn mit einem Lächeln. Beim Licht, wie ihm dieses Lächeln gefiel.

»Und, kommt Ihr mit?«, fragte er Tuon.

»Natürlich. Gibt es Eurer Meinung nach einen Grund, warum ich das nicht tun sollte?«

»Nicht einen«, erwiderte Mat und stöhnte innerlich. »Nicht einen verdammten Grund.«

29

Der Verlust eines Hügels

Konzentriert euch auf die Blassen!«, rief Egwene und schickte den Trollocs, die den Hügel erklommen, einen Luftstoß entgegen. Das Schattengezücht hatte eine gewaltige Bresche in die Reihen der Pikenmänner geschlagen, die den Hügel verteidigten, und strömte nun hindurch. Mittlerweile daran gewöhnt, Machtlenker anzugreifen, hatten die Kreaturen ihre Scheu davor verloren. Das gab Egwene einen guten Blick auf die Faust und den Myrddraal, der sich genau in der Mitte verbarg. Er trug einen braunen Mantel über der üblichen Kleidung und hielt einen Trolloc-Haken.

Kein Wunder, dass ich ihn lange nicht entdeckt habe, dachte Egwene und vernichtete das Geschöpf mit einem Gewebe Feuer. Der Halbmensch zuckte kreischend in den Flammen, das augenlose Gesicht dem Himmel zugewandt. Die Faust Trollocs stürzte ebenfalls.

Zufrieden lächelte Egwene, aber ihre Befriedigung war nicht von langer Dauer. Ihren Bogenschützen gingen die Pfeile aus, die Pikenreihen waren mitgenommen, und einige Aes Sedai waren offensichtlich erschöpft. Eine neue Welle Trollocs ersetzte jene, die sie eben vernichtet hatte. Überstehen wir noch so einen Tag?, fragte sie sich unwillkürlich.

Unvermittelt brach ein Banner Lanzenreiter aus der linken Flanke von Brynes Heer, das am Fluss kämpfte. Sie führten die Flamme von Tar Valon – das musste die Einheit schwere Kavallerie sein, auf die Bryne so stolz war. Er hatte sie unter dem Kommando von Hauptmann Joni Shagrin aus erfahrenen Veteranen sämtlicher Kavallerieeinheiten anderer Länder und den Soldaten der Burgwache, die sich dieser Elitestreitmacht anschließen wollten, zusammengestellt.

Die Lanzenreiter umgingen die Sharaner in vollem Galopp und hielten auf Egwenes Hügel zu, direkt auf die Rückseite der Trollocs, die ihre Position angriffen. Gleich dahinter folgte eine zweite Kavallerieeinheit im Staub der ersten; sie führte das dunkelgrüne Banner von Illian. Anscheinend schickte der General den Aes Sedai endlich Hilfe.

Aber … Moment mal. Egwene runzelte die Stirn. Von ihrer Position aus konnte sie deutlich erkennen, dass die ganze linke Flanke des Hauptheeres jetzt völlig ungeschützt war. Was tut er da? Eine Falle für die Sharaner?

Falls eine Falle geplant gewesen war, schlug sie nicht zu. Stattdessen stürmte eine sharanische Kavallerieeinheit in Brynes entblößte linke Flanke und fing an, den Soldaten, die diese Position am Fluss verteidigten, schwere Verluste zuzufügen. Und dann entdeckte Egwene auf dem Feld unter ihr eine andere Truppenbewegung, die sie wirklich entsetzte – von der rechten Flanke des Feindes hatte sich eine noch größere Kavallerieeinheit gelöst und hielt auf die Lanzenreiter zu, die ihr zu Hilfe kamen.

»Gawyn, sagt diesen Lanzenreitern Bescheid – es ist eine Falle!«

Aber es war zu spät. Nach wenigen Augenblicken machte sich die sharanische Kavallerie daran, die Reiter der Weißen Burg rücklings abzuschlachten. Gleichzeitig hatten sich die hinteren Reihen der Trollocs gedreht, um sich dem Kavallerieangriff zu stellen. Egwene konnte genau sehen, dass diese Tiermenschen alle lange Stangenwaffen trugen, die Leiber von Mensch und Pferd durchbohrten. Die vorderen Reihen der Lanzenreiter gingen in einem blutigen Haufen zu Boden, und die Trollocs strömten über die Toten, um die dahinter befindlichen Kavalleristen von ihren Reittieren zu zerren und niederzumachen.

Egwene brüllte, zog so viel von der Einen Macht in sich, wie sie konnte, und versuchte, diese Trolloc-Streitmacht zu vernichten – und die anderen Frauen schlossen sich ihr an. Es war ein Massaker auf beiden Seiten. Es gab einfach zu viele Trollocs, und die Lanzenreiter waren ungeschützt. In wenigen Minuten war es vorbei. Nur ein paar Kavalleristen hatten überlebt, und Egwene sah, wie sie, so schnell sie konnten, in Richtung Fluss ritten.

Das hatte sie erschüttert. Manchmal schienen sich die Heere mit der behäbigen Geschwindigkeit von Schiffen in einem Dock zu bewegen – und dann brach alles los, und ganze Banner wurden vernichtet.

Sie nahm den Blick von den Leichen am Boden. Die Positionen der Aes Sedai auf dem Hügel waren bloßgestellt und nicht länger zu halten. Als die Trollocs ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Streitmacht richteten, gab Egwene den Befehl, Wegetore zu weben. Sie ließ die Pikenmänner sich nach oben durch die Tore zurückziehen, während die Bogenschützen den Beschuss auf die Kreaturen fortsetzten. Dann ließen sie und die letzten Aes Sedai lange genug Zerstörung auf die Ungeheuer herabregnen, damit die Bogenschützen die Tore erreichten.

Bevor sie durch das letzte Tor auf ihrem Hügel verschwand, warf sie noch einen Blick auf das Schlachtfeld. Was war hier gerade passiert? Sie schüttelte den Kopf, als Gawyn treu wie immer an ihre Seite trat. In diesem Kampf hatte er keine Gelegenheit gehabt, das Schwert zu ziehen. Genauso wenig wie Leilwin; die beiden schienen einen kleinen törichten Wettstreit laufen zu haben, wer an Egwenes Seite der bessere Leibwächter war. Sie fand das ärgerlich, aber es war besser als Gawyns mürrisches Bedauern bei den vorherigen Kämpfen.

Aber er sah blass aus. Als würde er krank. Hatte er genug Schlaf mitbekommen?

»Begleitet mich ins Lager zu General Bryne«, sagte Egwene. »Ich will wissen, warum das passieren konnte. Und dann gehe ich zu unseren Truppen, die die Furt verteidigen, und räche unsere Leute, die dort ihr Leben verloren haben.«

Beide bedachten sie mit einem Stirnrunzeln.

»Egwene …«, sagte Gawyn.