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Mat befahl einer Kavallerieeinheit, am Ufer entlang über die linke Flanke der Schlacht zu reiten und dann einen Bogen um die sharanische Kavallerie zu machen. Die Infanterie der Weißen Burg im linken Zentrum konnte nun, da sie nicht länger von den sharanischen Lanzen niedergehalten wurde, ihre Piken und Hellebarden wieder einsetzen, und mit den zusätzlichen Bemühungen des Zweiten und Dritten Banners der Seanchaner formierte sich die Verteidigung an der Furt langsam wieder. Es war eine schmutzige, rutschige Arbeit, als der nur mehrere Hundert Schritte vom Fluss entfernte Boden zertrampelt wurde und sich in Schlamm verwandelte. Aber die Streitkräfte des Lichts verteidigten ihre Stellung.

Mat wurde mitten ins Getümmel gerissen, und sein Ashandarei kam nicht zur Ruhe. Aber er fand schnell heraus, dass seine Waffe nicht sehr nützlich war; nur wenige Hiebe fanden verletzliches Fleisch, größtenteils glitt die Klinge von den gegnerischen Rüstungen ab, und er musste sich wiederholt im Sattel verrenken und ducken, um nicht von einer sharanischen Klinge getroffen zu werden.

Langsam bahnte er sich einen Weg durch den Kampf und hatte fast die hinteren Linien der sharanischen Kavallerie erreicht, als ihm bewusst wurde, dass drei seiner Gefährten nicht länger auf ihren Pferden saßen. Seltsam, vor einer Minute waren sie noch da gewesen. Zwei andere erstarrten und blickten sich hektisch um, dann standen sie plötzlich in Flammen, schrien gequält auf und warfen sich zu Boden, bevor sie erschlafften. Mat schaute gerade noch rechtzeitig nach rechts, um mitzubekommen, wie eine seanchanische Fahne von einer unsichtbaren Kraft hundert Fuß zurückgeschleudert wurde.

Als er wieder nach vorn blickte, sah er sich dem Blick einer wunderschönen Frau ausgesetzt. Sie trug ein seltsames schwarzes Seidengewand, das weit von ihrem Körper abstand und mit weißen Schleifen verziert war. Wie Tuon war sie eine dunkelhäutige Schönheit, aber ihre hohen Wangenknochen und der breite sinnliche Mund, der zu schmollen schien, hatten nichts Zierliches. Da verzogen sich die Lippen zu einem Lächeln, einem Lächeln, das nichts Gutes für ihn verhieß.

Als sie ihn anstarrte, wurde sein Medaillon eiskalt. Mat atmete auf.

Bis jetzt schien er Glück gehabt zu haben, aber er wollte es nicht zu sehr strapazieren, genauso wenig wie man sein bestes Rennpferd zu sehr antrieb. In den kommenden Tagen würde er noch eine ordentliche Menge Glück brauchen.

Er sprang vom Pferd und ging auf die Frau zu, die keuchend und mit weit aufgerissenen Augen versuchte, ein anderes Gewebe zu weben. Mat drehte den Ashandarei und ließ ihn nach vorn sausen, schlug ihr die Beine unter dem Körper weg. Dann brachte er den Schaft herum und versetzte ihr noch im Sturz einen Hieb auf den Hinterkopf.

Die Frau landete mit dem Gesicht im Schlamm. Mat hatte keine Zeit, sie dort herauszuziehen, denn plötzlich standen ihm Dutzende Sharaner gegenüber. Zehn seiner Soldaten schwärmten hinter ihm aus, und er griff an. Diese Sharaner hatten lediglich Schwerter. Mat wehrte sie mit wirbelnder Klinge und Schaft ab; er und die Seanchaner kämpften wild.

Waffen wirbelten schemenhaft umher, der Ashandarei ließ Lehmklumpen aufspritzen. Zwei von Mats Männern schnappten sich die am Boden liegende Frau, bevor sie im Schlamm erstickte.

Mat drängte vorwärts.

Männer brüllten, riefen nach Verstärkung.

Schritte führten vorsichtig, aber unweigerlich nach vorn.

Der Boden färbte sich rot.

Sharanische Soldaten ersetzten die Gefallenen, und die Leichen wurden tiefer in den Schlamm getrampelt. Soldaten waren oft grimmige Burschen, aber jeder dieser Sharaner schien darauf versessen zu sein, Mat zu töten – bis keine von ihnen mehr kamen. Mat schaute sich um; an seiner Seite standen nur noch vier Seanchaner.

Trotz des chaotischen Kampfes hatte Mat den Eindruck, jetzt klarer als zuvor zu sehen. Und die Kampfpause gab ihm Gelegenheit, wieder wie ein Befehlshaber zu handeln.

»Fesselt der Frau die Hände auf den Rücken«, sagte er keuchend zu seinen Männern, »und bindet ihr ein Tuch vor die Augen, damit sie nicht sehen kann.« Er wischte sich den Schweiß von der Stirn – Licht, das reichte für einen zweiten Fluss. »Wir werden uns mit unserer Gefangenen einen Weg zurück zur Furt erzwingen. Ich werde sehen, ob ich noch ein paar verdammte Damane finden kann, die man in diesen Kampf wirft. Die Sharaner haben einen Fehler gemacht, nur eine ihrer Machtlenkerinnen allein auf dem Schlachtfeld zu lassen. Aber wir sollten hier verschwinden, bevor noch mehr von ihnen auftauchen.«

Mat schüttelte die Hand; er hatte einen seiner Nägel angeschlagen und den schönen Lack zerkratzt. Er wandte sich einem seanchanischen Offizier zu, der die ganze Zeit an seiner Seite gekämpft hatte. Der Mann sah ihn ehrfürchtig an, als würde er den verdammten Wiedergeborenen Drachen persönlich anstarren. Mat schaute zu Boden, denn ihm gefiel der Ausdruck des Mannes gar nicht, aber vermutlich war der auch nicht schlimmer als der Anblick des blutgetränkten Schlamms voller sharanischer Leichen. Wie viele hatte er davon getötet?

»Hoheit …«, sagte der Offizier. »Großer Lord, kein Mann im Dienst des Kaiserreichs würde es jemals wagen, der Kaiserin, möge sie ewig leben, nicht den gebührenden Respekt zu erweisen. Aber sollte sich ein Mann über ihre Entscheidung seine Gedanken gemacht haben, dann würde er das nicht länger tun. Prinz der Raben!« Er hob das Schwert zum Salut, was die Männer hinter ihm in Jubel ausbrechen ließ.

»Besorgt euch ein paar verdammte Stangenwaffen«, sagte Mat grob. »In dieser Schlacht sind Schwerter für Fußsoldaten so gut wie nutzlos.« Er biss ein Stück des störenden Fingernagels ab und spuckte es aus. »Das habt ihr Burschen gut gemacht. Hat jemand mein Pferd gesehen?«

Pips stand in der Nähe, also nahm er seine Zügel und ging zurück zur Furt. Er schaffte es sogar, sich von den meisten Scharmützeln fernzuhalten. Jedenfalls größtenteils. Dieser seanchanische Hauptmann erinnerte ihn etwas zu sehr an Talmanes, und es folgten ihm bereits genug Leute. Ich frage mich, ob er wohl gern würfelt, dachte er bei sich und trat ins Wasser. Seine Stiefel waren gut, aber irgendwann wurden alle Stiefel undicht, und seine Füße in den Socken wurden nass, als er mit Pips die Furt durchquerte. Am Ufer weit zu seiner Rechten gab es irgendeinen Aufruhr, anscheinend stand dort eine Gruppe Aes Sedai und lenkte die Macht in Richtung Schlachtfeld. Aber er hatte nicht die geringste Absicht, seine Nase in ihre Angelegenheiten zu stecken. Ihn beschäftigten weiterreichende Dinge.

Voraus erblickte er einen Mann in voluminösen Hosen und einem bekannt aussehenden Mantel, der neben einem Baum stand. Er ritt zu ihm und tauschte mit ihm nach einer kurzen Unterhaltung die Sachen. Es fühlte sich gut an, wieder den Mantel aus den Zwei Flüssen zu tragen, und er schwang sich mit noch immer tropfenden Stiefeln in den Sattel und ritt wieder zu der Stelle, an der er Tuon zurückgelassen hatte. Seine Männer hatten die sharanische Machtlenkerin gebracht – wie befohlen hatten sie sie geknebelt und ihr die Augen verbunden. Beim Licht, was sollte er mit ihr machen? Vermutlich würde sie als Damane enden.