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Er schüttelte den Kopf. Das war er immer wieder durchgegangen, ohne zu einem Schluss zu kommen. Seufzend suchte er nach den Wölfen. Eine Spur von Herzsucherin?, fragte er hoffnungsvoll.

Die Wölfe reagierten mit Belustigung. Er hatte sie das schon zu oft gefragt.

Habt ihr denn Lager der Zweibeiner gesehen?

Das erbrachte eine vage Antwort. Wölfe schenkten den Menschen nur Aufmerksamkeit, um ihnen aus dem Weg zu gehen; im Wolfstraum spielte das im Grunde keine große Rolle. Aber wo viele Menschen zusammenkamen, gerieten Albträume manchmal außer Kontrolle, also hatten die Wölfe gelernt, auch hier auf Abstand zu bleiben.

Gern hätte er gewusst, wie die anderen Schlachten verliefen. Was war mit Elaynes Heer und seinen Männern, mit Lord und Lady Bashere? Perrin führte Gaul fort; sie liefen mit weit ausholenden Schritten, statt sofort zu einer Stelle zu springen. Perrin wollte nachdenken.

Je länger er mit seinem Körper im Wolfstraum verweilte, umso stärker wurde das Gefühl, eigentlich wissen zu müssen, wie man sich zurückversetzte. Sein Körper schien zu begreifen, dass dieser Ort für ihn unnatürlich war. Er hatte hier nicht geschlafen, obwohl sie doch … wie lange waren sie jetzt hier? Er vermochte es nicht zu sagen. Ihre Rationen hatten sie so gut wie aufgebraucht, dabei sagte ihm sein Gefühl, dass er und Gaul erst ein paar Stunden hier waren. Dieses Gefühl wurde zum Teil auch von den häufigen Stippvisiten in der Bohrung verursacht, wo er den Traumnagel überprüfte, aber die Zeit zu vergessen fiel hier überhaupt sehr leicht.

Und da war eine quälende Müdigkeit in seinem Inneren, die stärker wurde. Er wusste nicht, ob er hier überhaupt schlafen konnte. Sein Körper verlangte nach Ruhe, hatte aber vergessen, wie er sie finden sollte. Es erinnerte ihn ein wenig an die Art und Weise, wie Moiraine bei ihrer Flucht aus den Zwei Flüssen vor so langer Zeit ihre Müdigkeit vertrieben hatte. Das war jetzt zwei Jahre her.

Zwei sehr lange Jahre.

Als Nächstes untersuchten sie Lans Lager. Es war noch substanzloser als Egwenes; den Wolfstraum hier zur Überwachung zu benutzen war sinnlos. Lan bewegte sich mit viel Kavallerie und zog sich schnell zurück. Er und seine Männer blieben nicht lange genug an einem Ort, um sich von flüchtigen Hinweisen abgesehen im Traum widerzuspiegeln.

Von Graendal gab es keine Spur. »Aan’allein zieht sich ebenfalls zurück«, vermutete Gaul und musterte den felsigen Boden, den sie für Lans Lager hielten. Hier gab es keine Zelte, nur gelegentliche flüchtige Abbilder von Schlafstätten an einem Pfahl, an dem die Reiter ihre Pferde festmachten.

Der Aiel-Mann schaute auf und musterte die Landschaft im Westen. »Wenn sie sich von hier aus weiter zurückziehen, werden sie irgendwann wieder am Feld von Merrilor eintreffen. Vielleicht ist das das Ziel.«

»Vielleicht«, sagte Perrin. »Ich will Elaynes Frontabschnitt besuchen und …«

Junger Bulle, rief ihm ein Wolf zu. Ihm kam die »Stimme« irgendwie bekannt vor. Sie ist hier.

Hier?, fragte Perrin. Herzsucherin?

Komm.

Perrin nahm Gaul am Arm und versetzte sie weit nach Norden. Graendal hielt sich am Shayol Ghul auf? Versuchte sie dort einzubrechen und Rand zu töten?

Sie trafen auf einem Felskamm oberhalb des Tales ein. Er und Gaul warfen sich sofort auf den Bauch, spähten über den Rand und musterten das Tal. Neben Perrin erschien ein alter grauer Wolf. Er kannte diesen Wolf, da war er sich sicher – der Geruch war vertraut, aber er konnte ihm keinen Namen zuordnen, und der Wolf gab ihm auch keinen.

»Wo?«, flüsterte Perrin. »Ist sie in der Höhle?«

Nein, dachte der graue Wolf. Dort.

Der Wolf übermittelte ein Bild von Zelten, die sich direkt unterhalb des Höhleneingangs im Tal drängten. Seit Perrin sie das erste Mal hierher verfolgt hatte, war sie nicht mehr in diesem Tal gesehen worden.

Ituraldes Truppen hatten sich hier lange genug verschanzt, dass ihre Zelte im Wolfstraum immer mehr Substanz gewannen. Perrin versetzte sich vorsichtig nach unten. Gaul und der Wolf gesellten sich zu ihm, als er nach vorn schlich und sich auf das von dem Wolf übermittelte Bild als Führung verließ.

Dort, sagte der Wolf und deutete mit dem Kopf auf ein großes Zelt in der Mitte. Perrin hatte Graendal bereits zuvor in diesem Zelt gesehen, dem Zelt von Rodel Ituralde.

Perrin erstarrte, als der Zelteingang zur Seite geschoben wurde. Graendal trat heraus. Sie sah aus wie zuvor, ihr Gesicht ein verwitterter Felsen.

Perrin erschuf eine schmale bemalte Wand, um sich zu verbergen, aber die Mühe hätte er sich sparen können. Graendal öffnete sofort ein Wegetor und trat in die wache Welt. Dort war es Nacht, obwohl Zeit in dieser Nähe zur Bohrung auf eine so seltsame Weise verging, dass es für den Rest der Welt möglicherweise keine große Bedeutung hatte.

Auf der anderen Seite des Tores konnte Perrin dasselbe Zelt ausmachen. Zwei Domani-Wächter standen davor. Graendal winkte mit der Hand, und beide nahmen Haltung an und salutierten ihr.

Das Wegetor fing an sich zu schließen, als Graendal ins Zelt schlüpfte. Perrin zögerte, dann versetzte er sich, um direkt vor dem Tor zu stehen. Ihm blieb ein Augenblick für eine Entscheidung. Sollte er ihr folgen?

Nein. Er musste den Schlächter im Auge behalten. Aber in dieser Nähe zum Tor fühlte er etwas … eine Wahrnehmung. Durch dieses Wegetor zu gehen würde wie …

Es würde wie aufwachen sein.

Das Tor schloss sich. Perrin verspürte einen Stich des Bedauerns, aber er wusste, dass es richtig gewesen war, im Wolfstraum zu bleiben. Hier war Rand so gut wie schutzlos vor dem Schlächter. Er würde Perrins Hilfe brauchen.

»Wir müssen eine Warnung schicken«, sagte Perrin.

Ich schätze, ich könnte diese Botschaft für dich überbringen, Junger Bulle, dachte der namenlose Wolf.

Perrin erstarrte, dann fuhr er herum und zeigte auf das Tier. »Elyas!«

Ich bin hier Langzahn, Junger Bulle. Elyas gab Belustigung von sich.

»Du hast doch gesagt, du kämst nicht her.«

Ich sagte, ich meide diesen Ort. Er ist seltsam und gefährlich. Ich habe schon genügend Aufregung und Gefahren in meinem Leben in der anderen Welt. Der Wolf setzte sich auf die Hinterbeine. Aber jemand musste nach dir sehen, dummer Welpe.

Perrin lächelte. Elyas’ Gedanken waren eine seltsame Mischung aus Wolf und Mensch. Er übermittelte sie auch sehr wolfsähnlich, aber er betrachtete sich selbst als zu menschlich.

»Wie geht der Kampf voran?«, fragte Perrin begierig. Gaul nahm in der Nähe seinen Posten ein für den Fall, dass Graendal oder der Schlächter erschienen. Das vor ihnen aufragende Zelt lag genau wie der Talboden ausnahmsweise still da. Der Sturm hatte sich abgeschwächt, der Staub auf dem sandigen Boden wogte leicht. Wie Wasser.

Ich weiß nichts über die anderen Schlachtfelder, sagte Elyas, und wir Wölfe halten uns weit von den Zweibeinern entfernt. Wir kämpfen hier und da am Rand der Schlacht. Hauptsächlich haben wir die Verzerrten und Niegeborenen von der anderen Seite der Schlucht angegriffen, wo es außer diesen seltsamen Aiel keine Zweibeiner gibt.

Es ist ein erschöpfender Kampf. Schattentöter muss sich beeilen. Wir halten seit fünf Tagen stand, schaffen es aber nicht mehr lange.

Fünf Tage hier im Norden. In der restlichen Welt war viel mehr Zeit vergangen, seit Rand den Berg betreten hatte, um dem Dunklen König gegenüberzutreten. Rand selbst war so nahe an der Bohrung, dass für ihn vermutlich bloß Stunden – oder gar nur Minuten – vergangen waren. Wenn sich Perrin der Stelle näherte, an der er kämpfte, konnte er fühlen, wie die Zeit dort anders floss.