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»Ituralde«, sagte Perrin und kratzte sich am Bart. »Er ist einer der Großen Häuptlinge.«

Ja. Elyas roch belustigt. Manche nennen ihn »Kleiner Wolf«.

»Bashere ist bei Elaynes Heer«, sagte Perrin. »Und Gareth Bryne ist bei Egwene. Agelmar ist bei den Grenzländern und Lan.«

Davon weiß ich nichts.

»So ist es. Vier Fronten. Vier Große Hauptmänner. Das macht sie also.«

»Graendal?«, fragte Gaul.

»Ja«, antwortete Perrin. Sein Zorn wuchs. »Sie stellt etwas mit ihnen an, verändert ihre Gedanken, vergiftet sie. Ich habe gehört, wie sie sagte … ja. Das ist es, ich bin mir sicher. Statt mit ihren eigenen Heeren gegen unsere Truppen zu kämpfen, will sie die Großen Hauptmänner stürzen. Elyas, weißt du, wie man den Wolfstraum im Fleisch betritt und wieder verlässt?«

Selbst wenn ich es wüsste – was nicht der Fall ist –, würde ich es dir nicht beibringen, sagte Elyas mit einem Knurren. Hat dir niemand gesagt, dass du da etwas schrecklich Gefährliches machst?

»Zu viele«, sagte Perrin. »Licht! Wir müssen Bashere warnen. Ich muss …«

»Perrin Aybara«, sagte Gaul und zeigte mit dem Finger. »Er ist hier!«

Perrin fuhr herum und sah einen dunkelblauen Schemen auf den Eingang zum Krater des Verderbens zurasen. Wölfe wimmerten und starben. Andere heulten und fingen mit der Jagd an. Dieses Mal wich der Schlächter nicht zurück.

Der Weg des Raubtiers. Zwei oder drei schnelle Vorstöße, um die Schwächen festzustellen, dann der Angriff.

»Wach auf!«, rief Perrin Elyas zu und lief den Hang hinauf. »Warne Elayne, Egwene, jeden, den du erreichen kannst! Und wenn du das nicht schaffst, halte Ituralde irgendwie auf. Die Großen Hauptmänner sind beeinflusst worden. Eine der Verlorenen kontrolliert ihren Verstand, und man kann ihrer Taktik nicht vertrauen!«

Ich erledige das, Junger Bulle, sagte Elyas und löste sich auf.

»Gaul, geh zu Rand!«, brüllte Perrin. »Bewache den Weg zu ihm! Lass keinen dieser Rotschleier vorbei!«

Perrin befahl den Hammer in seine Hände, wartete die Erwiderung nicht ab und versetzte sich, um den Schlächter zu stellen.

Rand kämpfte mit Moridin; vor der Dunkelheit, die die Essenz des Dunklen Königs darstellte, traf Klinge auf Klinge. Die kalte Weite war zugleich leer und irgendwie unendlich.

Rand hielt so viel von der Einen Macht, dass er fast barst. Für den kommenden Kampf würde er diese Kraft brauchen. Im Augenblick widerstand er Moridin. Er benutzte Callandor wie eine richtige Waffe, parierte Moridins Angriffe damit, als wäre es ein Schwert aus Licht.

Bei jedem Schritt tropfte Blut auf den Boden. Nynaeve und Moiraine klammerten sich an Stalagmiten, als würde sie etwas hart bedrängen, ein Wind, den er nicht spüren konnte. Nynaeve schloss die Augen. Moiraine starrte geradeaus, als wäre sie entschlossen, um keinen Preis wegzusehen.

Rand wehrte Moridins nächsten Angriff ab, die Klingen schlugen Funken. Im Zeitalter der Legenden war er stets der bessere Schwertkämpfer der beiden gewesen.

Er hatte seine Hand verloren, aber dank Tam war dies nun nebensächlich. Und er war verletzt. Dieser Ort … dieser Ort veränderte die Dinge. Am Boden liegende Steine schienen sich von selbst zu bewegen, und er stolperte oft. Die Luft wurde abwechselnd muffig und trocken und dann wieder feucht und modrig. Zeit umspülte sie wie ein Fluss. Rand hatte das Gefühl, sie sehen zu können. Hier nahm jeder Hieb nur Augenblicke in Anspruch, aber draußen vergingen Stunden.

Er traf Moridin am Arm, das Blut seines Gegners spritzte gegen die Wand.

»Mein Blut und deines«, sagte Rand. »Ich muss dir für die Wunde in meiner Seite danken, Elan. Damals hast du dich für den Dunklen König gehalten, nicht wahr? Hat er dich dafür bestraft?«

»Ja«, knurrte Moridin. »Er hat mich ins Leben zurückgebracht.« Er setzte zu einem beidhändig geführten Hieb an. Rand trat zurück und fing den Schlag mit Callandor ab, aber er schätzte das Gefälle des Bodens falsch ein. Entweder das, oder das Gefälle veränderte sich unter ihm. Er stolperte, der Hieb zwang ihn auf ein Knie herunter.

Klinge traf auf Klinge. Rands Bein rutschte zurück und kam mit der Finsternis in Kontakt, die wie eine Tintenpfütze hinter ihm wartete.

Alles wurde schwarz.

Das ferne Ogierlied tröstete Elayne, als sie auf dem Hügel nördlich von Cairhien auf ihrem Sattel zusammensackte.

Die Frauen, die sie umgaben, waren in keiner besseren Verfassung. Elayne hatte sämtliche Kusinen um sich geschart, die Saidar halten konnten – ganz egal, wie schwach oder erschöpft sie waren –, und sie sich zu zwei Zirkeln verknüpfen lassen. In ihrem eigenen Zirkel hatte sie zwölf Frauen, aber ihre gemeinsame Kraft in der Macht war kaum mehr als die einer einzigen Aes Sedai.

Elayne hatte aufgehört, die Macht zu lenken, um den Kusinen eine Pause zu verschaffen. Die meisten von ihnen sackten auf ihren Sätteln in sich zusammen oder setzten sich einfach auf den Boden. Vor ihnen erstreckte sich eine lückenhafte Schlachtenlinie. Verzweifelt kämpften Männer vor den cairhienischen Hügeln und versuchten einem Meer aus Trollocs standzuhalten.

Ihr Sieg über das Nordheer des Schattengezüchts war nicht von langer Dauer gewesen, denn jetzt waren sie weit auseinandergezogen, erschöpft und ernsthaft in Gefahr, vom Südheer eingekreist zu werden.

»Wir hätten es beinahe geschafft«, sagte Arganda neben ihr und schüttelte den Kopf. »Wir hätten es beinahe geschafft.«

Er trug eine Feder an seinem Helm. Sie hatte Gallenne gehört. Elayne war nicht dabei gewesen, als der Befehlshaber aus Mayene gefallen war.

Das war der bittere Teil. Sie waren so nahe dran gewesen. Trotz Basheres Verrat, trotz der unerwarteten Ankunft des Südheers, hätten sie es beinahe geschafft. Hätte sie nur etwas mehr Zeit gehabt, ihre Männer in Stellung zu bringen, hätten sie mehr als nur eine Atempause gehabt zwischen dem Sieg über das Nordheer und dann der Kehrtwende, um sich dem Südheer entgegenzustellen …

Aber das war nicht der Fall gewesen. In der Nähe kämpften die stolzen Ogier, um die Drachen zu beschützen, aber sie wurden allmählich überrannt. Die alten Geschöpfe brachen wie gefällte Bäume zusammen, umgestürzt von den Trollocs. Eines ihrer Lieder nach dem anderen verstummte.

Arganda hielt eine blutige Hand gegen die Seite gedrückt; er konnte kaum sprechen. Ihr fehlte die Kraft, ihn zu Heilen. »Eure Behüterin ist auf dem Schlachtfeld tödlich, Euer Majestät. Ihre Pfeile fliegen wie das Licht selbst. Ich könnte schwören …« Arganda schüttelte den Kopf. Vielleicht würde er nie wieder ein Schwert halten können, selbst wenn er Geheilt wurde.

Man hätte ihn mit den anderen Verwundeten wegbringen sollen, an … irgendeinen anderen Ort. Aber den gab es nicht; die Machtlenkerinnen waren zu erschöpft, um Wegetore zu weben.

Ihr Heer brach auseinander. Die Aiel kämpften in kleinen Gruppen, die Weißmäntel waren so gut wie eingekesselt, die Wolfsgarde war in keinem besseren Zustand. Die schwere Kavallerie der Legion des Drachen ritt noch, aber Basheres Verrat hatte sie schwer erschüttert.

Gelegentlich feuerte ein Drache. Aludra hatte sie nach oben auf den höchsten Hügel gerollt, aber sie hatten keine Munition mehr, und den Machtlenkerinnen fehlte die Kraft für Wegetore nach Baerlon, um neue Dracheneier zu beschaffen. Aludra hatte Teile von Rüstungen abgefeuert, bis ihr das Pulver ausging. Jetzt reichte es nur noch für gelegentliche Schüsse.

Bald würden die Trollocs ihre Linien endgültig durchbrechen und ihr Heer wie hungrige Löwen verschlingen. Elayne sah von ihrem Hügel aus zu, von zehn ihrer Gardistinnen beschützt. Der Rest hatte sich in den Kampf gestürzt. Östlich von ihrer Position brachen Trollocs durch die Reihen der Aiel, direkt neben dem Hügel der Drachenmänner. Die Bestien stürmten den Hügel hinauf, töteten die wenigen Ogier-Verteidiger und brüllten ihren Sieg hinaus, während die Drachenmänner Säbel zogen und sich grimmig zur Verteidigung wappneten.