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Elayne war noch nicht bereit, die Drachen aufzugeben. Sie sammelte Kraft aus dem Zirkel; die Frauen stöhnten. Es kam kaum mehr ein Tröpfeln der Macht zusammen, viel weniger als gehofft, und sie lenkte Feuer auf die vordersten Trollocs.

Elaynes Angriff schoss auf das Schattengezücht zu. Sie hatte das Gefühl, einen Sturm aufhalten zu wollen, indem sie gegen den Wind spuckte. Der einsame Feuerball traf.

Aber dann explodierte die Erde, zerfetzte die ganze Hügelseite und schleuderte Dutzende Trollocs in die Luft.

Elayne zuckte zusammen, was Mondschatten unter ihr scheuen ließ. Arganda fluchte.

Jemand ritt auf einem großen Rappen an ihre Seite, als wäre er aus dem Rauch gekommen. Der Mann war von mittlerer Größe und hatte dunkle Locken, die ihm bis zu den Schultern reichten. Logain sah dünner aus, als sie in Erinnerung hatte, seine Wangen waren eingefallen, aber sein Gesicht war noch immer hübsch.

»Logain?«, sagte sie sprachlos.

Der Asha’man gestikulierte scharf. Überall auf dem Schlachtfeld ertönten Explosionen. Elayne wandte den Kopf und sah auf der Hügelkuppe über einhundert Männer in schwarzen Mänteln aus einem großen Wegetor marschieren.

»Zieht diese Ogier zurück«, befahl Logain. Seine Stimme klang rau. Seine Augen erschienen dunkler als früher. »Wir werden diese Position halten.«

Elayne blinzelte, dann nickte sie Arganda zu, damit er den Befehl weitergab. Logain sollte mir keine Befehle geben, dachte sie flüchtig. Für den Augenblick ließ sie es geschehen.

Logain wendete sein Pferd und ritt zur Seite des Hügels, schaute hinab auf ihr Heer. Elayne folgte ihm. Sie fühlte sich wie benommen. Trollocs fielen, als Asha’man seltsame Angriffe webten, Wegetore, die irgendwie mit dem Boden verbunden zu sein schienen. Sie glitten vorwärts und töteten Schattengezücht.

Logain grunzte. »Ihr seid in einem schlechten Zustand.«

Sie schüttelte die Lähmung ab. Die Asha’man waren da. »Hat Rand euch geschickt?«

»Wir haben uns selbst geschickt«, antwortete Logain. »Den Notizen in Taims Arbeitszimmer zufolge hat der Schatten diese Falle schon seit langer Zeit geplant. Ich konnte sie erst kürzlich entschlüsseln.« Er sah sie an. »Wir sind zuerst zu euch gekommen. Die Schwarze Burg steht an der Seite des Löwen von Andor.«

»Wir müssen meine Leute dort herausschaffen«, sagte Elayne und zwang ihren Verstand, die Wolke aus Erschöpfung, die ihn einhüllte, zu durchdringen. Ihr Heer brauchte eine Königin. »Muttermilch in einer Tasse! Das kostet uns viel.« Bei einem Rückzug würde sie vermutlich ihr halbes Heer verlieren. Besser die Hälfte als sie alle. »Ich fange damit an, meine Männer in Reihen formiert zurückzuholen. Könnt Ihr genügend Wegetore machen, um uns in Sicherheit zu bringen?«

»Das wäre durchaus möglich«, erwiderte Logain geistesabwesend und blickte den Hügel hinunter. Seine reglose Miene hätte jeden Behüter beeindruckt. »Aber das wird ein Gemetzel. Da ist kein Platz für einen ordentlichen Rückzug, und Eure Linien werden immer schwächer, während sich die Männer zurückziehen. Die letzten Reihen werden überwältigt und vernichtet werden.«

»Ich wüsste nicht, dass wir eine andere Wahl hätten«, fauchte Elayne erschöpft. Licht! Da war Hilfe gekommen, und sie fauchte sie an. Hör auf damit. Sie sammelte sich und setzte sich aufrechter. »Ich wollte sagen, dass Eure Ankunft, sosehr wir sie auch zu schätzen wissen, eine so weit fortgeschrittene Schlacht nicht mehr wenden kann. Einhundert Asha’man können nicht hunderttausend Trollocs allein aufhalten. Könnten wir unsere Schlachtlinien besser aufstellen, meinen Männern wenigstens eine kurze Pause verschaffen … aber nein. Das ist unmöglich. Wir müssen uns zurückziehen – es sei denn, Ihr könntet ein Wunder vollbringen, Lord Logain.«

Er lächelte, vielleicht weil sie ihn als Lord bezeichnet hatte. »Androl!«, bellte er.

Ein Asha’man mittleren Alters eilte herbei, eine pummelige Aes Sedai schloss sich ihm an. Pevara?, dachte Elayne, war aber zu erschöpft, um einen Sinn darin zu erkennen. Eine Rote?

»Mein Lord?«, fragte der Mann. Androl.

»Ich muss dieses Trolloc-Heer lange genug aufhalten, damit sich das Heer neu formieren kann, Androl«, sagte Logain. »Wie viel wird uns ein Wunder kosten?«

»Nun, mein Lord«, erwiderte Androl und rieb sich das Kinn. »Das kommt darauf an. Wie viele von diesen Frauen, die dort hinten sitzen, können die Macht lenken?«

Es war wie eine Tat aus den Legenden.

Elayne hatte von den großen Werken gehört, die ein umfangreicher Zirkel aus Männern und Frauen vollbringen konnte. Jede Frau in der Weißen Burg bekam im Unterricht die Heldentaten der Vergangenheit vermittelt, Geschichten aus anderen, besseren Tagen. Tage, in denen die eine Hälfte der Einen Macht nichts gewesen war, vor dem man sich fürchten musste, als die beiden Hälften eines Ganzen zusammengearbeitet hatten, um unglaubliche Wunder zu vollbringen.

Sie war sich nicht sicher, ob die Tage der Legenden wirklich zurückgekehrt waren. Die Aes Sedai dieser Zeiten waren mit Sicherheit nicht so besorgt gewesen, so verzweifelt. Aber was jetzt vor ihren Augen geschah, flößte Elayne Ehrfurcht ein.

Sie schloss sich dem Zirkel an, der aus insgesamt vierzehn Frauen und zwölf Männern bestand. Sie hatte kaum noch Kraft hinzuzufügen, aber ihr Tröpfeln trug zu dem immer größer werdenden Machtstrom bei. Viel wichtiger aber war, dass ein Zirkel mindestens eine Frau mehr als Männer haben musste – und jetzt, da sie sich ihm angeschlossen hatte, konnte Logain als Letzter dazustoßen und dem Strom seine beträchtliche Kraft hinzufügen.

Die Leitung ihres Zirkels hatte Androl, eine seltsame Wahl. Nach der Verknüpfung konnte sie seine bescheidene Kraft fühlen. Er war außerordentlich schwach, schwächer als viele Frauen, die man in der Burg abgewiesen hatte, denen man wegen mangelndem Talent die Stola verweigert hatte.

Elayne und die anderen waren auf die andere Seite des Schlachtfelds umgezogen. Der Rest der Asha’man hielt die angreifende Trolloc-Horde zurück, während Androl seine Vorbereitungen traf. Was auch immer er vorhatte, es würde schnell geschehen müssen. Elayne wollte noch immer nicht richtig glauben, dass sie überhaupt etwas ausrichten konnten. Selbst mit so viel Macht, selbst mit dreizehn Männern und vierzehn Frauen, die zusammenarbeiteten.

»Licht«, flüsterte Androl, der zwischen ihrem Pferd und Logains stand. »Fühlt sich das so an, wenn man einer von euch ist? Wie könnt ihr nur so viel von der Einen Macht bewältigen? Wie verhindert ihr, dass sie euch lebendig verschlingt, euch verbrennt?«

Pevara legte ihm in einer unmissverständlich zärtlichen Geste die Hand auf die Schulter. In ihrer Erschöpfung konnte Elayne kaum zwei Gedanken festhalten, trotzdem war sie in diesem Moment richtig schockiert. Niemals hätte sie von einer Roten Zuneigung für einen Mann erwartet, der die Macht lenken konnte.

»Holt die Soldaten zurück«, sagte Androl leise.

Besorgt gab Elayne den Befehl. Der Mann neben ihr hatte noch nie zuvor solche Macht gehalten. So etwas konnte einem zu Kopfe steigen; sie hatte es erlebt. Gebe das Licht, dass er wusste, was er da tat.

Die Soldaten und andere eilten zurück und passierten Elaynes Gruppe. Mehrere erschöpfte Ogier nickten ihr im Vorbeigehen zu, sie ließen die Schultern hängen, und ihre Arme waren mit Schnitten übersät. Die Trollocs strömten herbei, aber die Asha’man, die nicht dem Zirkel angehörten, störten ihren Angriff mit Geweben der Einen Macht.

Es reichte nicht. Obwohl die Asha’man gut kämpften, waren da so viele Trollocs. Diese Flut konnten die Asha’man nicht aufhalten. Was glaubte Logain da bloß ausrichten zu können?