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»Aber geben wir ihnen nicht genau das, was sie wollen? Die Gelegenheit, uns auf einen Schlag zu vernichten?«, fragte Elayne.

»Ja«, erwiderte Mat leise, während die Aes Sedai Karten durch das Tor schickten. Sie wiesen Markierungen auf, die anscheinend in General Brynes Handschrift erfolgt waren. »Wir müssen ein verlockendes Ziel sein. Wir müssen sie anlocken und uns ihnen stellen – und sie entweder besiegen oder von ihnen vernichtet werden.«

Ein langer Kampf diente nur dem Schatten. Sobald genug Trollocs die südlichen Länder erreichten, würde man sie nicht länger aufhalten können. Mat musste schnell siegen oder verlieren.

In der Tat ein letzter Wurf.

Mat zeigte auf einen Ort auf den Karten, einen Ort, den Bryne mit vielen Anmerkungen versehen hatte. Es gab eine gute Wasserversorgung, Hügel und Flüsse trafen auf angenehme Weise aufeinander. »Dieser Ort. Merrilor? Ihr habt ihn als Nachschublager benutzt?«

Saerin kicherte leise. »Also gehen wir dorthin zurück, wo alles anfing, richtig?«

»Es gibt ein paar kleine Befestigungen«, sagte Elayne. »Auf der einen Seite errichteten die Männer eine Palisade, und wir könnten sie ausbauen.«

»Genau das brauchen wir«, sagte Mat und stellte sich dort eine Schlacht vor.

Merrilor würde sie zwischen die beiden großen Trolloc-Heere platzieren, die beide ankommen und versuchen würden, die Menschen zwischen ihnen zu zermalmen. Das würde verlockend sein. Aber das Terrain würde sich wunderbar dazu eignen, damit er …

Ja. Es würde genau wie die Schlacht an der Landenge von Priya sein. Wenn er Bogenschützen an diesen Hängen aufstellte – nein, Drachen – und den Aes Sedai ein paar Tage Ruhe verschaffte … Die Landenge von Priya. Er hatte darauf gezählt, einen großen Fluss zur Verfügung zu haben, um das Heer von Hamarean am Eingang der Landenge in die Falle zu locken. Aber dann war ihm der verfluchte Fluss versiegt; die Hamareaner hatten ihn auf der anderen Seite der Landenge aufgestaut. Sie waren einfach durch das Flussbett gegangen und so davongekommen. Das ist eine Lektion, die ich nicht vergessen werde.

»Das wird gehen«, sagte er und legte die Hand auf die Karte. »Elayne?«

»Tun wir es«, sagte Elayne. »Ich hoffe, du weißt, was du machst, Mat.«

Und sie hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als die Würfel anfingen, in seinem Kopf zu poltern.

Galad schloss Troms Augen. Über eine Stunde hatte er das Schlachtfeld nördlich von Cairhien nach ihm abgesucht. Trom war verblutet, nur ein paar Flecken seines Umhangs waren noch weiß. Galad riss den Offiziersknoten von seiner Schulter, der erstaunlicherweise sauber war, und stand auf.

Er war erschöpft bis auf die Knochen. Er ging zurück über das Schlachtfeld, vorbei an aufgeschichteten Toten. Die Krähen und Raben waren gekommen; sie schienen sich wie eine Decke über die Landschaft hinter ihm gelegt zu haben. Eine wogende, bebende Finsternis, die den Boden wie Schimmel bedeckte. Aus der Ferne hatte es den Anschein, als hätte man den Untergrund verbrannt, so viele Aasfresser gab es.

Gelegentlich kam Galad an anderen Männern wie ihm vorbei, die zwischen den Leichen nach Freunden suchten. Es gab überraschend wenig Plünderer – auf die musste man immer auf einem Schlachtfeld aufpassen. Elayne hatte ein paar erwischt, die sich aus der Stadt schleichen wollten. Sie hatte gedroht, sie aufzuhängen.

Sie ist härter geworden, dachte Galad und ging mit schweren, erschöpften Schritten weiter in Richtung Lager. Seine Stiefel fühlten sich wie Blei an seinen Füßen an. Das ist gut. Als Kind hatte sie oft mit dem Herzen entschieden. Jetzt war sie die Königin, und sie handelte dementsprechend. Wenn er doch nur ihren moralischen Kompass in die richtige Richtung hätte lenken können. Sie war kein schlechter Mensch, aber Galad wünschte sich, dass sie und die anderen Monarchen alles so klar erkennen würden wie er.

Langsam begann er sich damit abzufinden, dass sie es nicht taten. Allmählich akzeptierte er, dass das durchaus in Ordnung war, solange sie ihr Bestes gaben. Was auch immer in seinem Inneren steckte, das ihm erlaubte, das Wahrhaftige zu erkennen, war offensichtlich ein Geschenk des Lichts, und andere zu verachten, weil sie nicht damit geboren worden waren, war einfach falsch. So wie es falsch sein würde, einen Mann zu verachten, weil er nur mit einer Hand geboren worden und darum ein schlechter Schwertkämpfer war.

An den seltenen Stellen, an denen es weder Leichen noch Blut gab, saßen viele der Überlebenden. Diese Männer sahen nicht wie die Sieger einer Schlacht aus, auch wenn die Ankunft der Asha’man diesen Tag gerettet hatte. Das Manöver mit der Lava hatte Elaynes Heer die Atempause verschafft, die es gebraucht hatte, um sich neu zu formieren und anzugreifen.

Dieser Kampf war schnell, aber brutal gewesen. Trollocs ergaben sich nicht, und man durfte nicht zulassen, dass sie die Flucht ergriffen. Also hatten Galad und die anderen gekämpft, geblutet und waren lange über den Augenblick hinaus gestorben, an dem es offensichtlich geworden war, dass sie siegreich sein würden.

Die Trollocs waren nun tot. Die übrig gebliebenen Männer saßen da und starrten auf das Leichentuch, als würde sie die Vorstellung betäuben, unter den Tausenden von Toten nach den paar Lebenden suchen zu müssen.

Die untergehende Sonne und die alles erstickenden Wolken färbten das Licht rot und tauchten Gesichter in einen blutigen Dunst.

Irgendwann erreichte Galad den langen Hügel, der die beiden Schlachtfelder voneinander trennte. Langsam stieg er ihn empor und verdrängte Gedanken, wie gut sich doch ein Bett anfühlen würde. Oder eine Pritsche. Oder ein flacher Fels an einem weit entfernten Ort, wo er seinen Umhang ausrollen konnte.

Die frische Luft oben auf dem Hügel traf ihn wie ein Schlag. Er hatte Blut und Tod nun so lange gerochen, dass die saubere Luft jetzt irgendwie falsch erschien. Kopfschüttelnd ging er an erschöpften Grenzländern vorbei, die aus Wegetoren stolperten. Die Asha’man waren losgezogen, um die Trollocs im Norden in Schach zu halten, damit Lord Mandragorans Heere entkommen konnten.

Soweit er gehört hatte, waren die Heere der Grenzländer auf einen Bruchteil ihres ursprünglichen Umfangs geschrumpft. Lord Mandragoran und seine Männer hatten den Verrat eines der Großen Hauptmänner am schlimmsten zu spüren bekommen, und das machte Galad ganz krank, denn diese Schlacht war weder für ihn noch sonst jemanden in Elaynes Gefolge leicht gewesen. Sie war sogar schrecklich gewesen – aber so schlimm alles auch gewesen war, für die Grenzländer war der Kampf noch schlimmer verlaufen.

Galad behielt mühsam seinen Mageninhalt bei sich, als ihn der Blick vom Hügel erst richtig sehen ließ, wie viele Aasfresser zum Mahl gekommen waren. Die Helfer des Dunklen Königs fielen, und die Helfer des Dunklen Königs stopften sich voll.

Schließlich fand er Elayne. Die leidenschaftlichen Worte, die sie gerade an Tam al’Thor und Arganda richtete, überraschten ihn.

»Mat hat recht«, sagte sie. »Das Feld von Merrilor ist ein gutes Schlachtfeld. Licht! Ich wünschte, wir könnten den Leuten mehr Zeit verschaffen, um sich auszuruhen. Uns bleiben nur ein paar Tage, bestenfalls eine Woche, bevor die Trollocs hinter uns Merrilor erreichen.« Sie schüttelte den Kopf. »Wir hätten ahnen müssen, dass diese Sharaner kommen. Wenn das Kartenspiel aussieht, als wäre es gegen den Dunklen König gemischt, dann wirft er einfach ein paar neue Karten ins Spiel.«

Galads Stolz erforderte, dass er dort stehen blieb, während er zuhörte, wie Elayne mit den anderen Kommandanten sprach. Aber dieses eine Mal verlor sein Stolz, und er ließ sich auf einen Hocker sacken und beugte sich nach vorn.

»Galad«, sagte Elayne, »du solltest wirklich einem Asha’man erlauben, deine Müdigkeit zu beseitigen. Dein Beharren, sie wie Aussätzige zu behandeln, ist lächerlich.«