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Das Meer brodelte aufgewühlt. Perrin drehte sich um. Irgendwie hatte er seinen Hammer festgehalten, und er hob ihn, um sich dem Schlächter zu stellen.

Das Wasser kam nicht zur Ruhe, aber niemand erhob sich aus den Wellen. Plötzlich zerbarst der Hügel hinter ihm in zwei Hälften. Etwas Schweres wie ein Schlag traf ihn an der Schulter. Er stürzte auf die Knie und verrenkte den Kopf. Nun sah er, dass der Hügel in zwei Teile zerbrochen war und der Schlächter auf der anderen Seite stand, wo er gerade den nächsten Pfeil in seinen Bogen einspannte.

Verzweifelt versetzte sich Perrin, und erst jetzt flammte der Schmerz zuerst in seiner Seite und dann im ganzen Körper auf.

»Ich sage ja nur, dass die Schlachten stattfinden«, sagte Mandevwin, »und wir nicht dabei sind.«

»Irgendwo wird immer eine Schlacht geschlagen«, erwiderte Vanin und lehnte sich gegen die Mauer eines Lagerhauses in Tar Valon. Faile hörte den Männern mit halbem Ohr zu. »Wir haben unseren Teil geschlagen. Und ich sage bloß, dass ich froh bin, diese besondere Schlacht meiden zu können.«

»Menschen sterben«, sagte Mandevwin missbilligend. »Das ist nicht irgendeine Schlacht, Vanin. Hier handelt es sich um Tarmon Gai’don!«

»Was bedeutet, dass uns keiner bezahlt«, meinte Vanin.

»Dafür zahlen … in der Letzten Schlacht zu kämpfen …«, stotterte Mandevwin. »Du Schuft! Diese Schlacht steht für das Leben selbst!«

Faile lächelte, während sie die Kontobücher überflog. Die beiden Rotwaffen standen an der Tür herum, während Diener mit der Flamme von Tar Valon auf den Gewändern Failes Karawane beluden. Hinter ihnen erhob sich die Weiße Burg über die Stadt.

Zuerst war ihr das ständige Gezanke auf die Nerven gegangen, aber die Art und Weise, mit der Vanin den anderen Mann ständig auf den Arm nahm, erinnerte sie an Gilber, einen der Quartiermeister ihres Vaters in Saldaea.

»Also ehrlich, Mandevwin«, fuhr Vanin fort, »Ihr hört Euch wirklich nicht wie ein Söldner an! Wenn das Lord Mat hören könnte.«

»Lord Mat wird kämpfen.«

»Wenn er es muss. Wir müssen es nicht. Seht mal, diese Vorräte sind wichtig, nicht wahr? Und jemand muss sie bewachen, oder etwa nicht? Und hier sind wir.«

»Ich sehe bloß nicht ein, warum gerade wir dafür zuständig sein sollen. Ich sollte Talmanes helfen, die Bande anzuführen, und Euer Haufen, ihr solltet Lord Mat vor …«

Faile vermochte das Ende dieses Satzes förmlich zu hören, denn das dachten sie alle. Ihr solltet Lord Mat vor diesen Seanchanern beschützen.

Die Soldaten hatten Mats Verschwinden genauso akzeptiert wie sein Wiederauftauchen bei den Seanchanern. Anscheinend erwartete man ein solches Benehmen von »Lord« Matrim Cauthon. Faile verfügte über eine Abteilung aus fünfzig der besten Männer der Bande, einschließlich Hauptmann Mandevwin, Leutnant Sandip und mehrerer Rotwaffen, die Talmanes in höchsten Tönen gelobt hatte. Keiner von ihnen wusste, dass sie eigentlich das Horn von Valere bewachten.

Wäre es ihr möglich gewesen, hätte sie zehnmal so viele Männer mitgebracht. Aber schon fünfzig waren verdächtig genug. Diese Männer waren die besten der Bande, einige waren sogar von Kommandopositionen abgezogen worden. Sie würden reichen müssen.

Wir gehen nicht weit, dachte Faile und widmete sich der nächsten Seite im Buch. Sie musste den Anschein erwecken, als würde sie sich für den Nachschub interessieren. Warum sorge ich mich so?

Sie musste das Horn bloß zum Feld von Merrilor bringen, jetzt, da Cauthon endlich aufgetaucht war. Sie hatte bereits drei Karawanen mit denselben Wächtern von anderen Orten geführt, also würde ihre derzeitige Aufgabe keinerlei Verdacht erregen.

Die Bande hatte sie nach reiflicher Überlegung ausgesucht. In den Augen der meisten Leute waren das bloß Söldner, also die unwichtigsten – und am wenigsten vertrauenswürdigsten – Truppen der Armee. Aber trotz all ihrer Bedenken wegen Mat – sie kannte ihn nicht besonders gut, aber ihr reichte schon, wie Perrin von ihm sprach – hielten ihm seine Männer die Treue. Männer, die ihren Weg zu Cauthon fanden, ähnelten ihm. Sie versuchten sich vor ihren Pflichten zu drücken und zogen Trank und Spiele jeder nützlichen Tätigkeit vor, aber in der Klemme würde jeder von ihnen wie zehn Mann kämpfen.

In Merrilor würde Cauthon gute Gründe haben, Mandevwin und seine Männer zu inspizieren. Dabei konnte Faile ihm das Horn übergeben. Natürlich hatte sie auch ein paar Mitglieder der Cha Faile als Leibwächter dabei. Sie brauchte ein paar Leute, von denen sie wusste, dass sie vertrauenswürdig waren.

In der Nähe kam Laras, die stämmige Herrin der Küchen der Weißen Burg, aus dem Lagerhaus und drohte ein paar Mägden mit dem Finger. Sie begab sich auf direktem Weg zu Faile, im Gefolge einen hinkenden schlaksigen Jüngling, der eine mitgenommene kleine Truhe trug.

»Etwas für Euch, meine Lady.« Laras zeigte auf den Behälter. »Die Amyrlin selbst hat das Eurem Transport nachträglich zugeteilt. Es hat etwas mit einem ihrer Bekannten zu tun, aus der alten Heimat?«

»Das ist Matrim Cauthons Tabak«, sagte Faile mit einer Grimasse. »Als er entdeckte, dass die Amyrlin noch einen Vorrat von Blättern von den Zwei Flüssen hat, beharrte er darauf, sie zu kaufen.«

»Tabak, zu diesem Zeitpunkt.« Laras schüttelte den Kopf und wischte sich die Finger an der Schürze ab. »Ich erinnere mich an diesen Jungen. In meiner Zeit habe ich ein paar junge Burschen wie ihn gekannt, die sich wie Streuner auf der Suche nach ein paar Happen in der Küche herumtrieben. Jemand sollte für ihn eine nützliche Beschäftigung finden.«

»Wir arbeiten dran«, erwiderte Faile, während Laras’ Diener die Truhe auf Failes Wagen lud. Unwillkürlich zuckte sie zusammen, als er sie krachend fallen ließ und sich dann die Hände abstaubte.

Laras nickte, dann marschierte sie zurück in ihr Lager. Faile legte die Finger auf die Truhe. Philosophen behaupteten, das Muster hätte nicht den geringsten Sinn für Humor. Das Muster und das Rad waren einfach nur; sie ergriffen keine Partei, und sie hatten auch kein Mitgefühl. Aber Faile konnte den Gedanken nicht verdrängen, dass der Schöpfer sie irgendwo angrinste. Sie hatte ihr Zuhause mit einem Kopf voller hochfliegender Träume verlassen, ein Kind, das sich auf der großartigen Suche nach dem Horn glaubte.

Das Leben hatte ihr diese Träume unsanft ausgetrieben, und sie hatte sich aus eigener Kraft wieder auf die Beine stellen müssen. Sie war erwachsen geworden und hatte angefangen, auf das zu achten, was wirklich wichtig war. Und jetzt … jetzt hatte ihr das Muster mit beinahe schon verächtlicher Gleichgültigkeit das Horn von Valere in den Schoß geworfen.

Sie nahm die Hand zurück und weigerte sich bewusst, die Truhe zu öffnen. Sie hatte den Schlüssel, den man ihr bereits übergeben hatte, und sie würde überprüfen, ob sich das Horn auch tatsächlich in dieser Truhe befand. Aber nicht jetzt. Nicht, bevor sie allein und überzeugt war, dass sie sich in Sicherheit befand.

Sie stieg auf den Wagen und stellte die Füße auf die Truhe.

»Es gefällt mir noch immer nicht«, sagte Mandevwin neben dem Lagerhaus.

»Euch gefällt doch nie etwas«, erwiderte Vanin. »Seht doch ein, unsere Arbeit ist wichtig. Soldaten müssen essen.«

»Ich schätze, das ist wohl richtig«, sagte Mandevwin.

»Das ist es!«, stimmte eine neue Stimme ein. Harnan, eine weitere Rotwaffe, gesellte sich zu ihnen. Faile entging nicht, dass keiner der drei Männer Anstalten machte, den Dienern beim Beladen der Karawane zu helfen. »Essen ist etwas Wunderbares«, sagte Harnan. »Und wenn es einen Experten für dieses Thema gibt, dann seid Ihr das, Vanin.«